Bilder und Geschichten aus Indien – mein Auslandssemester

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Daniel Dornbusch

DSCN55612014 bin ich mit vier weiteren deutschen Studierenden nach Indien gereist, um das erste meiner Vertiefungsmodule im Bachelor an der University of Hyderabad (UoH) statt an der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) zu absolvieren. Dort arbeiteten wir alle für ca. drei Monate im Labor der School of Life Sciences und reisten anschließend für fast zwei Monate durch Indien und Nepal. Ich bin sehr froh über die Kooperation zwischen der WWU und der UoH, da ich ohne diese nie daran gedacht hätte, nach Indien zu gehen, mit ihr es um einiges einfacher war, den Aufenthalt im Vorfeld zu planen und man sicher sein kann, dass es vor Ort Menschen gibt, an die man sich wenden kann und die einem bei allem Möglichen helfen können. Somit wurde der Aufenthalt zu einer wunderbaren Zeit, die mich nachhaltig geprägt hat.

Der Campus

Zunächst will ich euch den Campus vorstellen. Dieser ist nach Angaben der Universität von Hyderabad der größte Asiens, aber das behaupten mehrere Unis von sich. So oder so bleibt festzuhalten, er ist sehr groß, sehr grün und sehr, sehr schön!

Wir haben während unseres Praktikums am Lifescience Center gearbeitet. Ein modernes Gebäude mit Laboren, die für indische Verhältnisse sehr gut ausgestattet sind. Trotzdem gibt es ein paar Unterschiede zu deutschen Laboren. So werden dort stets Flipflops getragen. Außerdem dauert es länger, um an Chemikalien und Geräte zu kommen. Dafür legen die Wissenschaftler aber einen erstaunlichen Erfindungsreichtum an den Tag, um dieses Defizit auszugleichen.

Ich habe im Labor von Professor Bramanandam Manavathi gearbeitet und untersucht, ob bestimmte Mutationen am Pre-B-cell leukemia homeobox interacting protein 1 bei der Tumorentwicklung von Brustkrebs eine Rolle spielen.

Studentisches Engagement

Was mir in der Zeit auf dem Campus auffiel, ist, dass die meisten Studierenden politisch interessiert oder engagiert sind. So wurde vor den Campuswahlen viel diskutiert und für mich war es spannend, mit unterschiedlichen Leuten mit verschiedenen Meinungen zu reden. Das Spektrum reicht von linksliberalen Kommunisten bis hin zu rechtskonservativen Hindus. Dieses Interesse für den zukünftigen Weg Indiens ist auch an den zahlreichen Graffitis auf dem Campus abzulesen.

Eine wichtige Figur für einige meiner indischen Freunde ist B. R. Ambedkar, der sich gegen die Diskriminierung der Dalits (den Unberührbaren) und für Frauenrechte eingesetzt hat. Einige meinten sogar, er ist eine Art Karl Marx Indiens, mit dem Unterschied, dass Marx innerhalb eines Klassensystems und Ambedkar innerhalb eines Kastensystems argumentierte. Insbesondere von Freunde, die aus der Kaste der Dalits stammen und für die Diskriminierung immer noch real ist, wird Ambedkar zum Teil wie ein Gott verehrt.

Das Engagement der Studierenden zeigte sich auch durch eine Studenteninitiative, die kleine ansprechende Mülleimer auf dem Campus aufhing, um auf das Müllproblem aufmerksam zu machen und den Campus ein wenig zu verschönern.

Dennoch muss man sagen, dass Welten zwischen Deutschland und Indien liegen, was die Entsorgung von Müll angeht. Recycling ist ein Fremdwort und meistens wird der Müll irgendwo auf dem Campus verbrannt.

Das Leben vor Ort

Auf dem Campus befinden sich auch die Studierendenunterkünfte. Wir hatten damals die Möglichkeit, zu entscheiden, ob wir in das International Hostel oder in eins der „normalen“ Hostels ziehen wollen. Ich habe mich für das „normale“ Hostel entschieden, da ich erleben wollte, wie es ist, als „normaler“ Student dort zu leben und trotz anfänglichem Kulturschocks kann ich es nur jedem empfehlen! Die Zimmer erinnern zwar ein wenig an Gefängniszellen mit vergitterten Fenstern und massiven Türen, die mit einem Riegel und einem Vorhängeschloss von außen verschlossen werden können. Zudem gibt es keine europäischen Toiletten, auf die man sich setzten kann, und aus dem Duschkopf kommt nur kaltes Wasser. Es hat ein wenig gebraucht, um sich darauf einzulassen, aber nach einer Eingewöhnungsphase habe ich mich dort wirklich wohlgefühlt und dieses Zimmer wurde zu einem Zuhause.

Die indische Küche

Nun kommen wir zu meinem Lieblingsthema, dem indischen Essen. Ich liebe es und vermissen es – wie fast alle, die dort studiert und mit denen ich gesprochen habe. Ich muss aber zugeben, dass ich es scharf mag. Aber, ob ihr wollt oder nicht, wenn ihr in Indien leben wollt, werdet ihr scharfes Essen ebenfalls lieben lernen (müssen).

Ein paar meiner indischen Freunde konnten es sich nicht nehmen lassen, mir die Küche, in der für unser Hostel gekocht wurde, zu zeigen. Auch wenn es die ernsten Gesichter auf den Bildern nicht unbedingt vermuten lassen, haben sich die Leute, die dort gekocht haben, sehr gefreut, dass ich vorbeigekommen bin und bestanden darauf, sich alle von mir fotografieren zu lassen.

Feste und Feiertage

In Indien gibt es viele hinduistische Feste und Feiertage. Eins davon ist Diwali, das Lichtfest. Bei diesem Fest ist es typisch, dass Öllampen in Reihen an Fenster oder Eingänge gestellt werden und, dass Feuerwerkskörpern gezündet werden. Zu diesem Fest gehört natürlich auch gutes Essen und ebenso sollte man ein paar Süßigkeiten als Gastgeschenk mitbringt, wenn man zum Diwali eingeladen wird. Zu den Feuerwerkskörpern muss ich aber sagen, dass die mir zu krass waren. Ohrenbetäubend laut und zum Teil mit einer Druckwelle, die einem Angst machen konnte. Dazu kommt noch, dass die Zündschnüre um einiges kürzer sind, als wir es aus Deutschland gewohnt sind. Dennoch ist es im Großen und Ganzen ein wunderschönes Festival, welches sich über fünf Tage erstreckt.

Der indischer Blick auf Deutschland

Ich habe versucht, euch einen Einblick zu geben, wie ich Indien erlebt habe.
Bleibt noch die Frage, wie wird Deutschland in Indien gesehen. In der Zeit auf dem Campus gab es eine kleine Veranstaltung, auf der verschiedene Länder vorgestellt wurden. Darunter auch Deutschland. Leider haben wir keine besseren Bilder von den Plakaten gemacht, aber diese möchte ich euch trotzdem nicht vorenthalten.

Wie auf den Plakaten zu sehen ist, ist Deutschland natürlich für Brot, Bier und Fußball bekannt. Wenn ich mit den Leuten gesprochen habe, kamen jedoch meist zuerst diese drei Stereotype: Hitler, Autobahn und Oktoberfest. Wenn ich indische Studierende aus den Naturwissenschaften auf Deutschland angesprochen habe, kam häufig ihre Bewunderung für den Forschungsstandort Deutschland zutage. Insbesondere die Max-Planck-Institute, sowie die Fraunhofer-Institute genießt großen Respekt unter den Studierenden dort.

Die Reise durch Indien

Nach dem dreimonatigen Praktikum haben wir die Zeit bis Weihnachten genutzt, um für zwei Monate durch Indien und Nepal zu reisen. Aber über diese Reise will ich gar nicht so viel berichten, denn jeder Versuch, diese in diesem Artikel zu beschreiben, würde ihr in keinem Fall gerecht werden. Also nur so viel: Es war eine wunderschöne und intensive Erfahrung!

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Mein Auslandssemester an der University of Gothenburg

Vorab

Schon einige Zeit vor dem Wintersemester 2016/2017, also meinem dritten Studienjahr, habe ich mich für einen Auslandsaufenthalt während meines Studiums interessiert und mich rechtzeitig im Internet und durch Präsentationen informiert. Mir war es besonders wichtig, ein Semester in einem Land zu verbringen, in dem man gut mit Englisch zurechtkommt, und meine persönlichen Interessensgebiete abzudecken. Nachdem ich die zahlreichen Möglichkeiten des Erasmus-Austausches durchgegangen bin, habe ich mich glücklicherweise für die Universität in Göteborg entschieden. Im Folgenden möchte ich euch etwas über die Universität, das Studentenleben vor Ort und die Stadt mit ihrer Umgebung näher bringen.

Die Universität

Die University of Gothenburg ist eine der größten Universitäten des Landes und wie alle Bildungseinrichtungen Skandinaviens auf einem modernen Stand was die Ausstattung betrifft. Es gibt zahlreiche Kurse an verschiedenen naturwissenschaftlichen Instituten, die ihr belegen könnt und die auf Englisch gehalten werden. Das Semester ist in zwei Hälften geteilt, in denen ihr jeweils einen Kurs vollzeitig belegt. Generell ist die Anzahl an Wochenstunden und Vorlesungen deutlich geringer als in Deutschland, was nicht heißt, dass weniger Arbeit anfällt. Vielmehr wird von einem erwartet, dass man die vielen „freien“ Stunden selbstständig oder in eigens organisierten Lerngruppen verbringt, um den Stoff der Vorlesungen zu vertiefen. Nutzt die Chance und sucht nach Kursen, die euch interessieren; auch wenn es sich um Masterkurse handelt und ihr euch noch im Bachelorstudium befindet. Auch bei meinem ersten Kurs handelte es sich um einen Masterkurs. Im Nachhinein war es eine der besten Entscheidungen während meines Auslandssemesters, mich für diesen Kurs zu bewerben.

Das Verhältnis zu den Dozenten ist viel angenehmer als in Deutschland, da es eines auf Augenhöhe ist und man auch direkt per du mit allen Dozenten ist, unabhängig davon, ob es sich um einen Doktoranden oder einen Professor Doktor Doktor handelt. Nachdem meine erste E-Mail (Dear Mr. Professor Doctor…) mit „Hey Jan, … Have a nice weekend!
Cheers Adrian“ beantwortet wurde, ist mir das lockere Verhältnis auch bewusst geworden. Dadurch, dass Studenten und Dozenten auf einer Höhe stehen, fällt die Kommunikation in den generell schon kleineren Kursen deutlich leichter. Außerdem macht es einfach viel mehr Spaß, sich intensiv mit einem Thema zu befassen, und auch Fragen werden während der Vorlesung ausführlich in der Gruppe gemeinsam diskutiert. Insgesamt herrschte ein starkes Gruppengefühl in den Kursen, bei dem sowohl Studenten, als auch Dozenten gemeinsam an einem Ziel arbeiteten, wodurch das Lernen deutlich angenehmer fiel und auch effektiver war, als in Deutschland.

Wohnen in Göteborg

Wie in jeder großen europäischen Stadt herrscht auch in Göteborg ein Wohnungsmangel. Daher ist es sehr wichtig, sich über das Wohnungsprogramm der Uni auf verschiedene Wohnheime zu bewerben, da in jedem Wohnheim Plätze für Erasmus-Studenten reserviert sind. Ich habe im Olofshöjd (Olofs) gewohnt, welches mit insgesamt 1.410 Wohnungen das größte Wohnheim in der Stadt ist. Während meiner Zeit dort habe ich fast alle anderen Wohnheime kennengelernt und kann euch das Olofs als Wahl Nummer-Eins nur empfehlen. Nicht nur der günstige Preis (380 € – günstig für Schweden) für ein eigenes Zimmer inklusive eigenem Badezimmer spricht für das Olofs, sondern auch die super Lage. Innerhalb von 10 Minuten seid ihr mit der Tram in der Innenstadt und habt keine Probleme, auch nachts noch nach Hause zu kommen. Das Teilen der Küche mit drei weiteren Erasmus-Studenten stellte für mich persönlich kein Problem dar, da man sich immer zurückziehen konnte, wenn man gerade seine Ruhe haben wollte. Allerdings muss man auch sagen, dass vor Allem die Küche in vielen Fällen alt und leider auch dreckig von vielen Vormietern hinterlassen wurde. Nimmt man sich aber einen Tag zum Aufräumen und Putzen Zeit, lässt es für ein halbes Jahr vollkommen in Ordnung dort leben. Der größte Pluspunkt des Olofs ist das vielseitige Angebot auf dem Gelänge. Neben kostenloser Sauna, die man mieten kann, gibt es auch ein Fitnessstudio für ca. 30 € pro halben Jahr (!), Grillplätze, ein Beach-Volleyball Feld, eine Sporthalle, ein eigenes Cafe, Tischtennisplatten usw. Auch die Tatsache, dass man quasi in einem eigenen „Erasmus-Block“ wohnt lässt besonders am Wochenende keine Langeweile aufkommen und ich habe mich nie alleine gefühlt. Die Zimmer sind allerdings etwas in die Jahre gekommen, aber für 1-2 Semester zum Wohnen völlig in Ordnung meiner Meinung nach.
Die anderen Wohnheime, in welchen ich öfters zu Besuch war (Kastanjebacken und Medicinaregatan-Container), haben ebenfalls einen positiven Eindruck hinterlassen. Gerade die Container haben eine super Lage, da man in
5 Minuten die naturwissenschaftliche Ecke der Universität erreicht. Auch das Leben in einem Container klingt erst einmal viel schlimmer, als es tatsächlich ist, da diese sehr gut eingerichtet sind (Ikea eben). Neben einem extra Schlafzimmer gibt es dort sogar eine eigene Küche. Ich habe von keinem gehört, dass er mit den Containern in Medicinaregatan unzufrieden gewesen ist. Das Kastanjebacken-Wohnheim ist ebenfalls sehr schön. Man wohnt zwar etwas weiter außerhalb (ca. 25 Minuten bis zur Innenstadt), hat dafür aber pro 11 Leute eine riesige und moderne Küche zur Verfügung. Für mich ist das Teilen des Zimmers mit einer anderen Person zwar nicht in Frage gekommen, aber vielen Leuten hat es gefallen, da sich so auch oft Freundschaften gebildet haben.

Zusammengefasst kann ich euch das Olofshöjd empfehlen, da das
Preis-/Leistungsverhältnis sehr gut ist. Aber auch die anderen Wohnheime machen einen guten Eindruck. Generell sollte man zufrieden sein, überhaupt einen Platz in einem der Wohnheime zu bekommen, da es zu Semesterbeginn noch einige Studenten gab, welche die ersten Wochen in einem Hostel verbringen mussten (wobei auch einige sich nicht über das Programm der Uni für Wohnungen beworben haben). Aber macht euch keine Sorgen: Die Verantwortlichen vor Ort geben alles, damit ihr eine Wohnung findet und die Zeit im Ausland genießen könnt.

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Zwischen Schäreninseln und Innenstadt liegen nur 30 Minuten Fahrzeit.

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Das Leben in Göteborg

… lässt sich wirklich genießen. Die Stadt ist sehr jung und modern und es gibt viele schöne Ecken zu erkunden. Nach einigen Wochenenden habt ihr auch ein paar Bars entdeckt, in denen Getränke, besonders die Alkoholischen, bezahlbar sind. Ausgehen in Schweden ist aufgrund der etwas höheren Lebenshaltungskosten teurer als in Deutschland – besonders das Feiern in Clubs ist erheblich teurer. Die Lebensmittelpreise bei Diskountern wie z.B. Lidl sind dagegen identisch zu denen in Deutschland. Der Großteil der Schweden ist äußerst freundlich und hilfsbereit und nahezu jeder – selbst die ältere Bevölkerung – spricht fließend Englisch. Die Möglichkeiten, in der Stadt etwas zu unternehmen sind, wie es für eine Großstadt mit über 570.000 Einwohnern zu erwarten ist, nahezu unendlich. Von einem Besuch im Stadion bei IFK Göteborg, einen Tag im Freizeitpark Liseberg (mitten im Zentrum mit wirklich guten Achterbahnen) bis hin zu einer Fika in Haga (vermutlich eure neue Lieblingsbeschäftigung) ist alles möglich in dieser Stadt. In 40 Minuten könnt ihr auch mit eurem Stadtticket bis zur Westküste gelangen und mit einer der zahlreiche Fähren (im Stadtticket enthalten) auf die vielen Schären-Inseln vor der Küste Göteborgs gelangen. Bei sonnigem Wetter ist es ein Muss, dass ihr euch während des „Insel-hoppings“ ein Bild von den vielen kleinen und schönen Inseln, welche teilweise von wenigen hundert Menschen bewohnt werden, macht. Aber es gibt noch zahlreiche andere Möglichkeiten, die ihr in Erfahrung bringen könnt.

Fazit

Alle Mitarbeiter der Universität, betrifft es Wohnungsvermittlung, Event-Organisation oder individuelle Anliegen, geben sich außerordentliche Mühe, damit ihr eine unvergessliche Zeit in Schweden habt. Gastfreundschaft wird in Göteborg sehr groß geschrieben! Meiner Meinung nach war das Auslandssemester in Göteborg daher eine der schönsten Zeiten für mich bisher. Aufgrund der persönlichen Weiterentwicklung durch das Auslandssemester generell und der schönen Erfahrung im Ausland zu studieren, kann ich euch nur empfehlen, ein Auslandssemester in euer Studium zu integrieren und die Chance zu nutzen. Auch die Universität in Göteborg und das Leben dort bleiben mir positiv in Erinnerung, sodass ich nicht nur ein Auslandssemester im Allgemeinen, sondern auch eines in Göteborg nur weiterempfehlen kann.

Mein Erasmus-Aufenthalt an der Umeå Universitet in Schweden

bild-1Mein Erasmus-Studium in Umeå, worum es im Folgenden geht, bereue ich auf keinem Fall. Ich rate jedem, der noch studiert, es mal gemacht zu haben, bevor ihr mit dem Studium fertig seid. Ihr werdet Erfahrungen sammeln, die ihr wahrscheinlich in keinem anderen Abschnitt eures Lebens bekommen werdet.

Studieren im internationalen Umfeld

Ich habe mein Erasmus-Semester in Umeå, ein Städtchen im nördlichen Teil Schwedens, gemacht. An der Universität werden viele verschiedene Kurse für Biologiestudierende auf Englisch angeboten, was für mich gut war, da ich kein Schwedisch konnte. Ich habe mir die Kurse „Pharmacology“ und „Tumour Biology“, beide  im Master of Science, ausgesucht. In dem Kurs „Tumour Biology“ waren alle bis auf 2 Studierende aus dem Ausland. Von daher wurde untereinander und natürlich während der Vorlesungen nur auf Englisch gesprochen. Ich fühlte mich gut integriert und die Dozenten und Laborassistenten, die alle sehr gut Englisch sprechen konnten, waren sehr zuvorkommend. Ich fand die Arbeit sehr angenehm und war zu keiner Zeit übermäßig gestresst. Leider kann ich den zweiten Kurs „Pharmacology“ nicht weiterempfehlen. Der Kurs ist bisher noch nicht komplett für internationale Studierende angepasst worden, sodass einige Materialen noch auf Schwedisch waren. Trotzdem konnte ich mit meinen Englischkenntnissen den Kurs mit einer sehr guten Note bestehen. Ich habe auch von anderen Studierenden gehört, dass dieser „Pharmacology“-Kurs nicht der Regel angehört und andere internationale Biologiestudierende die Kurse, die sie besucht haben, sehr gut fanden. Während des Studiums gibt es auch die Möglichkeit, Schwedischkurse zu belegen, was ich aus zeittechnischen Gründen nicht gemacht habe, aber sehr beliebt bei den internationalen Studierenden war.

bild-2Tipps zum Leben in Umeå

Wenn man ins Ausland gehen wird, dann ist eines der wichtigsten Sachen, worum man sich eigentlich frühzeitig kümmern soll, die Unterkunft. Nun, wenn man als internationaler Studierender an der Umeå University studiert, dann braucht man diese Sorge nicht zu haben, weil das International Office Zimmer in Studentenwohnheimen anbietet, welche man für 1 oder 2 Semester erhält. Die Miete beträgt umgerechnet zwischen 250 bis 400 Euro, was ich preislich für Schweden ganz gut finde.

Es stimmt, dass in Schweden einiges teurer ist als in Deutschland. So muss man, wenn man in Restaurants essen will mit mindestens 13 Euro pro Mahlzeit rechnen und auch die Kantinen in der Universität sind mit 6 bis 10 Euro pro vollwertige Mahlzeit nicht unbedingt für das Portemonnaie eines deutschen Studenten geeignet, wenn man täglich dort essen will. Daher sollte man damit rechnen, viel selbst zu kochen. Für schwedische Studierende ist es auch eher üblich, Essen von zu Hause mitzunehmen und es an den zahlreichen Mikrowellen aufzuwärmen. Man kann dann statt einem Abend in einem Restaurant einen Kochabend in den großen Küchen im Studentenwohnheim veranstalten, bei der internationale Studierende mit ihrer heimischen Küche wunderbare Gerichte zum kleinen Preis herbeizaubern können. Ich war von Ende August bis Mitte Januar in Umeå. Das heißt, ibild-3ch durfte Minusgrade von bis zu -15 °C (Ende Dezember/ Anfang Januar waren es mal -22 °C aber da war ich nicht da) und Sonnenstunden von 4 bis 5 Stunden miterleben. Das hört sich dramatischer an, als es ist. Da es in Umeå nicht so windig ist, fühlt es sich nicht so kalt an. Trotzdem sollte man genug warme Sachen einpacken. Für Leute, die empfindlicher gegen Kälte sind, rate ich, eine Skihose und dicke, wasserdichte Stiefeln zu kaufen, da ab November alles verschneit ist. Es werden vor Ort auch spezielle Schuhsohlen verkauft, wodurch ihr auf dem glatten Boden nicht ausrutscht (leider habe ich das zu spät erfahren, sodass ich schon so einige Stunts gemacht habe).

Freizeitaktivitäten mit Leuten aus aller Welt

bild-4Das Beste, was ich aus dem Erasmus-Programm mitgenommen habe, sind die Freunde aus aller Welt, die ich gemacht habe. Um diese kennenzulernen, hat die Universität verschiedene Anlässe organisiert. So gibt es zu Anfang für die internationalen Studierenden eine Orientierungswoche. In dieser wird direkt auf das „Buddy-Program“ hingewiesen. Das Programm, das es auch an der WWU gibt, wird von den heimischen Studierenden organisiert und es werden lustige Veranstaltungen für die internationalen Studierenden organisiert. In Umeå gab es zahlreiche solcher Veranstaltungen wie Brännboll-Wettkämpfe, ein Besuch zur Elch-Farm, Photo-Schnitzeljagd, wandern im benachbarten Wald, Curling, international kochen, draußen am See grillen oder einfach gemütlich ein Geburtstag von jemanden feiern. Wenn man dann die „richtigen“ Leute kennengelernt hat, kann man mit ihnen innerhalb von Umeå z.B. bei einer gemütlichen Fika quatschen (eine Art Kaffee-und-Kuchen-Pause), im Sportcenter bei einer Sportart Wettkämpfern, zusammen zu einer der zahlreichen Studentenpartys gehen oder gemeinsam am benachbarten See die Nordlichter anschauen und grillen. Außerhalb von Umeå kann man in der Natur wandern/campen, nach Kiruna, der nördlichsten Stadt Schwedens, fahren und im berühmten Eishotel übernachten.bild-5

 

Unvergessliche Erfahrungen im Land von Caos, Cachaça e Citometria

Lisanne hat über das DAAD-geförderte Programm UNIBRAL an unserer Partneruniversität der Universidade de Sao Paulo in Brasilien studiert. Hier könnt ihr lesen, was sie in dieser Zeit erlebt hat.

Lisanne

Wissenschaftlich:

Ich habe mein Auslandssemester im Labor von Professorin Silvia Boscardín absolviert. Ihr Labor beschäftigt sich unter anderem damit, Impfungen gegen Malaria und die Viren Zika und Dengue zu entwickeln. Dazu verwenden sie Antikörper, die spezifisch an bestimmte dendritische Ziellinien binden. An die konstante Region ihrer schweren Kette, wird ein von Parasiten abgeleitetes Epitop fusioniert, sodass ein chimärer Antikörper entsteht. Damit werden im weiteren Verlauf Mäuse immunisiert. Die Idee hinter diesem Ansatz ist, dass das Antigen (Epitop) in räumliche Nähe zu den Antigenpräsentierenden Zellen (hier dendritische Zellen) gebracht wird und somit die humorale und zelluläre Immunantwort effektiver induziert werden kann. Da ich möglichst viele Methoden erlernen wollte, bekam ich neben meinem eigenen Proje

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Mein Labor hat mir sogar eine kleine Geburtstagsparty geschmissen

kt, die Chance den Doktoranden und Studenten über die Schulter zu schauen und ihnen zu helfen. So bekam ich einen Einblick in alle Versuche, die derzeit bearbeitet wurden. Neben heterologer Proteinexpression und -Aufreinigung, erlernte ich das Arbeiten mit Zellkulturen und Mausmodellen, sowie immunologische Essays (ELISA, ELISpot, ICS, CFSE). Außerdem, konnte ich erste Erfahrungen mit der Analyse von Immunantworten mit Hilfe der Durchflusszytometrie erlangen. Außerdem war der Ausflug in das Amazonas Gebiet Acre eine einmalige Erfahrung, die mir in Deutschland so niemals geboten werden könnte. Die Betreuung war ebenfalls hervorragend, auch wenn die Kommunikation manchmal etwas beschwerlich war. Die Professorin und der Koordinator vor Ort waren stets persönlich zu erreichen und nahmen sich immer Zeit für meine Fragen.

Privat:

Im Privaten fand ich viele neue Freunde und lernte mir unbekannte Kulturen kennen. Da ich zuvor ein halbes Jahr in Spanien gelebt habe, konnte ich dank meiner Spanischkenntnisse, bedeutend besser mit Peruanern und Kolumbianern in Kontakt kommen, als mit den Brasilianern. Dies bringt mich zu meiner einzigen „schlechten“ Erfahrung, nämlich der Sprachbarriere.

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Kolumbianische Arepa

Ich empfehle also jedem vor seinem Auslandsaufenthalt mindestens einen A1 Kurs der Landessprache zu belegen. Dies erleichtert den Alltag ungemein und bringt mehr Möglichkeiten seinen Auslandsaufenthalt zu genießen (wissenschaftlich, wie privat). Trotz alledem gelang es mir meine Grundkenntnisse im Portugiesischen zu festigen. Ich kann jetzt sogar fließend einen Caipirinha bestellen J. Auch die südamerikanische Küche kam nicht zu kurz. Dank zahlreichen internationalen Kochabenden wurden kolumbianische Arepas und Empanadas, sowie die Kalorienbombe „Salchipapa“ (frittierte Würstchen, Fleisch, Pommes und ein Spiegelei unter einer Haube von Mayo und Ketchup) aus dem schönen Peru kredenzt. Außerdem kann ich sagen, dass nahezu alle Vorurteile, die mir von Freunden und Eltern (und natürlich auch von mir) mit auf den Weg gegeben wurden, nicht bestätigt wurden. Natürlich ist São Paulo eine unübersichtliche Großstadt mit gefährlichen Stadtteilen, aber selbst ich als Blondine konnte hier sehr gut leben.

Reisen:

An den Wochenenden ging es dann häufig auf Tages- oder Wochenendtrips an die nahegelegenen Strände und auf die kleinen Inseln vor der Küste – auch Rio de Janeiro,

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Blick auf das Meer von São Paulo – Stadt soweit das Auge reicht

Curitiba und Florianópolis wurde ein Besuch abgestattet. Dort konnte man Land und Leute noch einmal besser kennen lernen und interessante Unterschiede feststellen. Die Paulistaner (Einwohner von São Paulo) und die Cairiocas (Einwohner von Rio) beispielsweise sprechen so unterschiedliche Dialekte, dass ich in Rio zunächst dreimal nachfragen musste um sie zu verstehen. Es ist ungefähr vergleichbar mit Bayrisch und Sächsisch – keine Chance also. Das ganze Land ist total bunt und verrückt. Es gibt keinen Stereotypen, oder einen typischen Brasilianer. Das ist etwas was ich sehr an Brasilien mag. Doch auch São Paulo hat einiges zu bieten. Dies wird beim Blick vom ersten Wolkenkratzer der Stadt, dem Martinelli-Building, annähernd sichtbar.

Fazit:

Das UNIBRAL Programm ist ein sehr gut organisiertes Austauschprojekt mit einer der renommiertesten Universitäten Südamerikas. Es bietet verschiedenste Möglichkeiten im Bereich der Biomedizin an sehr interessanten und top aktuellen Themen, wie Zika, Malaria und Dengue zu forschen und wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Das Leben in dieser 20 Millionen Stadt ist ebenfalls eine einzigartige Chance, um internationale Freunde zu finden, andere Kulturen kennen zu lernen und das eigene Land auch ein bisschen schätzen zu lernen.

In diesem Sinne, geht es für mich jetzt zurück nach Deutschland (zugegeben nach einer drei monatigen Reise durch den Rest von Südamerika – meine Reiselust war wohl doch noch nicht ganz gestillt)

 

Até mais,

Lisanne

 

„Ich werde Brasilien auf jeden Fall wieder besuchen.“ Kim berichtet über ihre Zeit an der Universidade de São Paulo

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Kurz nachdem ich mein Masterstudium in Münster begonnen hatte, fand ich heraus, dass die WWU eine Kooperation mit der Universidade de São Paulo in Brasilien hat. Da ich vorher noch kein Auslandssemester absolviert hatte und auch noch nie in Südamerika gewesen war, bewarb ich mich sofort für das sogenannte Unibral-Programm. Nach einiger Zeit bekam ich die Zusage. Ich begann sofort, die benötigten Unterlagen zu beantragen, sodass ich so schnell wie möglich starten konnte. Durch die Vorfreude auf São Paulo, eine neue Kultur und neue Menschen sowie die Möglichkeit, Malaria zu erforschen, ging alles sehr einfach.

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Im Mai und trotz all der Wahrungen „wie gefährlich São Paulo“ sein soll ging es dann los. Innerhalb der 5 Monate habe ich Brasilien zum Glück nicht als gefährliches Land kennen gelernt, dennoch kann man natürlich Pech haben. Prof. Carsten Wrenger, der Koordinator des Programms, holte mich vom Flughafen ab und ich bekam direkt viele hilfreiche Tipps und einiges zu São Paulo erzählt. Von einem Kulturschock konnte man nicht sprechen, da ich mir vorher nicht viele Gedanken gemacht hatte und einfach gespannt auf die Großstadt war. Leider konnte ich São Paulo auf dem Hinflug nicht von oben sehen, da ich sehr früh morgens landete. Dennoch merkte ich, dass es eine riesen Stadt ist, da wir bis zum Universitätsgelände unglaublich lange brauchten. Carsten und Gerd, ebenfalls ein deutscher Professor an der Universität in São Paulo, waren sehr hilfsbereit. Dies war beispielsweise wichtig für Arztbesuche, die man ohne Portugiesisch Kenntnisse nicht alleine durchführen konnte.

Auch in meinem neuen „zu Hause“ mit 30 Zimmern und einer Küche (aber jedes Zimmer hatte ein eigenes Bad), fühlte ich mich direkt wohl und lernte viele nette Menschen aus Peru, Kolumbien und Brasilien kennen. Sie haben mir geholfen, mich im Supermarkt zurechtzufinden und haben mir einiges von São Paulo gezeigt. Dies funktionierte anfangs nur, da einige von ihnen Englisch sprechen konnten. Duolingo und meine geringen Spanisch Kenntnisse halfen mir jedoch sehr, um Portugiesisch zu lernen.

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An der Universität bekam ich die Möglichkeit, mir ein Thema/Labor auszusuchen in/an dem ich die nächsten 5 Monate arbeiten durfte. Alle Themen waren sehr spannend. Letztendlich entschied ich mich aber für die Forschung an oxidativem Stress bei Malaria. Dadurch bekam ich Einblicke in die Malaria-Kulturhaltung und hatte die Möglichkeit, mir viele neue Methoden anzueignen wie vor allem die Arbeit mit dem Mikroskop. Insgesamt konnte ich vieles lernen, was für die Masterarbeit sicherlich hilfreich sein wird. Ganz wichtig war für mich das selbstständige Arbeiten und Erarbeiten.

Am Wochenende hatte ich dann Zeit, São Paulo kennen zu lernen und mich vor Ort zurecht zu finden. Brasilianer sind unglaublich offen und helfen so gut es geht, auch wenn man nicht besonders gut Portugiesisch spricht. Ich brauchte 3 Monate bis ich endlich ein wenig verstehen konnte. São Paulo ist durch die zahlreichen Hochhäuser zwar nicht besonders schön, aber wer gerne feiern geht, findet überall Livemusik mit typisch brasilianischen Songs. Ich lernte sogar ein paar Tanzschritte, da die Männer in Brasilien im Gegensatz zu den deutschen Männern meistens sehr gerne tanzen. Außerdem organisieren Brasilianer bei fast allen Anlässen Festivals, sodass es am Wochenende nie langweilig wird. Bei schönem Wetter kann man außerdem im Ibirapuera Park relaxen oder Fahrrad fahren, Graffitis in der Beco do Batman anschauen oder einfach nur die Paulista entlanglaufen und vielen verschiedenen Musikern zu hören. Natürlich sind meistens weite Strecken zurück zu legen, um die Orte zu erreichen. Das Bus und Bahnsystem ist aber sehr gut ausgebaut, auch wenn man manchmal länger als eine Stunde unterwegs ist.

An manchen Wochenenden ergab sich die Möglichkeit, Orte in der Nähe von São Paulo zu besuchen wie z.B. Paranapiacaba, Santos und Guaruja, die nur ca. 1,5 Stunden entfernt liegen. Hat man das ganze Wochenende Zeit, kann man auch Rio de Janeiro, Ubatuba, Maresias oder Ilhabela besuchen, wobei man dafür schon bis zu ca. 6 Stunden Bus fahren muss.

Ich empfehle jedem, einige Zeit im Ausland zu studieren. Man lernt neben einer neuen Kultur und einer oder mehreren neuen Sprachen unglaublich viele interessante Manschen kennen. Durch die Arbeit in anderen Laboren und mit neuen interessanten Themen wie Parasitologie gewinnt man zahlreiche neue Einblick und sammelt Erfahrungen für das weitere Leben. Ich werde Brasilien auf jeden Fall wieder besuchen.

Malariaforschung in Brasilien – über das UNIBRAL-Programm

Leonie Hilger

Vor der Abreise

Als ich zum ersten Mal von der einzigarten Möglichkeit gehört habe, innerhalb des Masterstudiums im Fachbereich Biologie der WWU Münster in Brasilien studieren zu können, hatte ich zunächst noch viele Fragen und Sorgen. Brasilien bietet durch sein Klima und seine Größe natürlich ganz andere biologische Besonderheiten in Flora und Fauna als Mitteleuropa und somit auch viele Möglichkeiten meine Fachkenntnisse in Labor und Feld zu erweitern. Außerdem hat mich die Herausforderung eine neue Sprache und Kultur kennenzulernen gereizt.
Aber ebenso präsent wie die Begeisterung für das Projekt waren Fragen wie: Passen der Aufenthalt und die Kurse dort in mein Studium? Wie wird die Kommunikation mit meinen Kollegen ohne Portugiesischkenntnisse funktionieren? Und werde ich mich in einer so großen Stadt wie São Paulo zurechtfinden?
Bei all diesen Fragen konnten mir die UNIBRAL-Projektkoordinatorin Prof. Eva Liebau, die Internationalisierungsbeauftragte des Fachbereichs Dr. Roda Niebergall und auch die beiden deutsch-brasilianischen Professoren Carsten Wrenger und Gerd Wunderlich vor Ort helfen. Ebenso haben Gespräche mit ehemaligen Stipendiaten mich auf den Aufenthalt vorbereitet und meine Entscheidung gefestigt.
Nachdem der Entschluss gefasst war, die Reise zu wagen, wartete allerdings noch eine Reihe bürokratischer Aufgaben auf mich. Es gilt eine Auslandskrankenversicherung abzuschließen, gegebenenfalls einen Reisepass zu beantragen, Impfungen zu erhalten und den Flug zu buchen. Um ein Projekt und eine Unterkunft für mich zu finden, mussten auch Prof. Carsten Wrenger und Prof. Gerd Wunderlich frühzeitig wissen, wann ich anreise. Vor allem aber bedurfte die Beantragung des Visums einiges an Zeit und Behördengängen.
Nachdem auch diese Hürde genommen war, bin ich am 27. Oktober 2015 nach Brasilien geflogen.

Die ersten Tage in Brasilien
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Auf dem Weg von der Wohnung zum Supermarkt kommt man an dieser Gasse mit Graffitis vorbei. Diese Form der Straßenkunst ist typisch für São Paulo.

Obwohl ich nachts angekommen bin, hat Gerd mich abgeholt und mir auf dem Weg zu meinem Appartement direkt etwas von São Paulo gezeigt und erzählt. Bei solchen Dingen wie zum Flughafen oder zum Arzt fahren, sind beide Professoren sehr hilfsbereit. Das Appartement lag nicht weit entfernt vom ICB (Instituto de Ciências Biomédicas) und in der Nähe gibt es einen Supermarkt und ein paar Restaurants und Bars.
Am nächsten Morgen hat mich Gerd auch ins Labor begleitet und mir das Forschungsgebiet seiner Arbeitsgruppe vorgestellt. Und dann ging es auch schon direkt los mit kleineren Aufgaben in grundlegenden Methoden der Molekularbiologie. Vor allem anfangs musste ich viel lesen und erfragen, thematisch wie auch methodisch. Gerd selbst war mein Betreuer, aber auch alle anderen im Labor halfen gerne, was den Einstieg sehr erleichtert hat. Vor allem die Deutschen, die dort ihre Doktorarbeit schreiben, haben mir nicht nur im Labor, sondern auch bei alltäglichen Dingen wie einkaufen und Bus fahren mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Die Bushaltestellen werden im Bus nicht angezeigt und nur wenige Brasilianer sprechen englisch, weswegen schon die Busfahrt in die Innenstadt anfangs Schwierigkeiten bereiten kann. Es empfiehlt sich definitiv, sich vor der Anreise Grundkenntnisse in Portugiesisch anzueignen, um sich im Alltag zurechtzufinden. Ich habe nur zwei Monate vor der Anreise einen Onlinekurs begonnen und lerne hier mit einer Brasilianerin, die ihr Deutsch aufbessern möchte, zu sprechen. Ein Kurs, um die Grammatik und ein gewisses Maß an Vokabular zu lernen, wäre jedoch von Vorteil. Im Labor herrscht aber eine bunte Mischung aus Sprachen, da dort neben den Brasilianern auch viele andere Südamerikaner und Deutsche arbeiten. Die meisten sprechen Englisch und sonst kann man sich auch irgendwie verständigen.

Die Arbeit im Labor

Bei Gerd habe ich bereits in den ersten Wochen viele lang etablierte Verfahren erlernt. Er hat dabei Wert daraufgelegt, dass ich nicht gedankenlos pipettiere, sondern bei jedem Schritt weiß, was bei dieser Reaktion passiert und worauf zu achten ist.
Dies ist besonders wichtig, wenn man mit Zellkulturen des Malariaerregers Plasmodium falciparum arbeitet. Nicht nur der Schutz des Arbeitsmaterials, sondern auch der eigene Schutz spielen eine wichtige Rolle.

Meine Arbeiten fanden alle im größeren Kontext der Cytoadhäsion von P. falciparum innerhalb der Blutgefäße statt. Der Parasit befällt Erythrozyten und exponiert Proteine an der Oberfläche seiner Wirtszelle. Diese Proteine können die befallene rote Blutzelle an der Innenseite der Blutgefäße binden. So verhindern sie eine Erkennung der infizierten Zelle in der Milz, dessen Funktion es ist, abnormale Erythrozyten auszusortieren.
Bei den Zellkulturen von P. falciparum handelt es sich um infizierte Erythrozyten, die mit Nährmedium in Flaschen kultiviert werden. Die Parasiten können beispielsweise so modifiziert werden, dass sie ein bestimmtes Oberflächenprotein produzieren oder durch den Versuch, sie auf Endothelzellkulturen binden zu lassen, auf bestimmte Oberflächenproteine getestet werden.

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Bei der Arbeit mit Zellkulturen des Malariaerregers Plasmodium falciparum.

Neben dem Forschungsmodul, das aus der täglichen Laborarbeit besteht, habe ich an dem Kurs „Molecular Biology of Plasmodium falciparum – A Practical Course“ teilgenommen, der einem Fortgeschrittenenmodul entspricht. Dort konnte ich meine praktischen Fähigkeiten ausbauen und besonders durch Erklärungen der Methoden auch in der Theorie ergänzen. Der Kurs ist jedoch vom Niveau her vergleichbar mit Vertiefungsmodulen.

Exkursion in den Dschungel

Zusätzlich zur Laborarbeit bei Gerd habe ich ein Modul in der Arbeitsgruppe von Marcelo Ferreira absolviert. Dabei handelte es sich um eine Exkursion nach Acre, einem brasilianischen Staat im Südwesten des Amazonasbeckens. Dort haben wir den Umgang mit Blutproben von mit Tropenkrankheiten infizierten Personen bzw. Menschen, die in einem endemischen Gebiet leben (also dort, wo die Krankheiten auftreten), kennengelernt. Wir sind nach mehrtägiger Anreise (erst Flugzeug, dann Boot) auf dem Rio Azul zu kleinen Kommunen an sehr abgelegenen Orten gefahren. Dort haben wir in Hängematten in Holzhütten geschlafen und mit den Einheimischen das von ihnen zubereitete Essen gegessen. Neben den fachlichen neuen Erkenntnissen haben wir so auch beeindruckende Impressionen des Lebens im Dschungel erfahren dürfen.

Die erste Gemeinde, in der wir waren, hatte vor kurzem tatsächlich noch zwei Mitglieder an die Chagas-Krankheit verloren. Diese Krankheit ist zwar nur noch wenig verbreitet, stellt jedoch immer noch eine Gefahr dar. Das Ziel der Exkursionen von Marcelo ist also nicht nur die Endemiologie (Verbreitung) der Krankheit zu erfassen, sondern auch den Menschen vor Ort zu erklären, wie sie sich schützen können. Die Chagas-Krankheit wird durch bestimmte Raubwanzen (‚kissing bugs‘) übertragen, die den Erreger Trypanosoma spec. bei ihrem Blutmahl durch ihren Kot auf die Haut des Wirts übertragen. Außerdem ist es möglich, dass man die Raubwanzen samt Trypanosoma zu sich nimmt, wenn man Früchte wie zum Beispiel Açaí verzehrt. Wir haben den Menschen vor Ort Exemplare der Wanzen gezeigt und ihnen die davon ausgehenden Gefahren erläutert.

Neben der wissenschaftlichen Arbeit haben die beiden Tropenmediziner der Exkursion den Kommunenbewohnern auch bei akuten Beschwerden helfen können. Die dort oft unzureichende medizinische Versorgung zeigte sich beispielsweise in Anämien bei Kleinkindern oder kleinen Wunden, die zu chronischen Problemen geführt hatten.

Die Erfahrungen, die wir auf dieser Exkursion sammeln durften, haben unser Gesamtbild von der Erforschung tropischer Krankheiten und Parasiten vervollständigt, uns aber auch persönlich bereichert.

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Besuch bei einer einheimischen Familie, um sie für die Studie zu testen und zu befragen. Mit dem roten Gerät messe ich den Hämoglobinwert, um eine Anämie bei der getesteten Person ausschließen zu können.
Leben in São Paulo

São Paulo ist eine riesige und spannende Stadt. Chaotisch und laut, aber ebenso bunt wie die Graffitis dort, ist auch die Bevölkerung. Es leben Menschen aus den verschiedensten Ländern miteinander und bilden eine faszinierende neue Kultur. Wie bereits erwähnt ist es ratsam, portugiesisch zu lernen, um von Einheimischen etwas über die brasilianische Kultur zu erfahren. Die Reaktion auf Ausländer, die kein Portugiesisch sprechen, kann von Angst davor, englisch sprechen zu müssen, bis offener Hilfsbereitschaft und Kommunikation mit Händen und Füßen variieren. Neben den einheimischen Brasilianern sind aber auch viele spanisch sprechende Südamerikaner und erstaunlicherweise Japaner anzutreffen. Besonders spannend ist es diese Vielfalt beim Essen zu erfahren. Die kolumbianische Küche hat mir am besten gefallen, aber auch Sushi habe ich dort lieben gelernt.

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: Oben links: Blick vom Eingang der Pinacoteca (Kunstsammlung) auf die Straße, Oben rechts: Bemalter und begrünter Mast im Szeneviertel Vila Madalena, Unten: Beco do Batman; Gasse, in der die Graffitikünstler São Paulos ihre Meisterwerke ausstellen.

Wahrscheinlich fragt ihr euch auch, wie sicher es dort auf den Straßen ist. Also ich habe zum Glück nicht die Erfahrung machen müssen, dass Brasilien das gefährlichste Land Südamerikas ist. Natürlich hört man von Freunden und Bekannten auch schon mal Horrorgeschichten darüber, wie sie ausgeraubt wurden oder die Polizei teilweise vorgeht. Um das zu vermeiden bin ich abends nur an der Hauptstraße alleine entlanggegangen, ansonsten war ich immer mit Freunden unterwegs und/oder habe ein Taxi genommen (was zum Glück recht billig ist). Außerdem sollte man nicht unnötig viele Wertsachen mitnehmen. In einem Reiseführer habe ich gelesen, dass man am besten immer etwas Bargeld dabeihat, das man im Notfall abgeben kann, aber das kam bei mir zum Glück nie zum Einsatz. Das einzige Mal, bei dem mir etwas gestohlen wurde, war, als ich Teile meiner Sachen auf dem Dachboden meines Wohnhauses gelagert habe.

Reisen

Nachdem ich mein Projekt in Gerds Labor abgeschlossen hatte, bin ich noch 7 Wochen durch Brasilien gereist. Da dies offiziell natürlich nicht vom DAAD gefördert wird, sollte man schon etwas Geld beiseitegelegt haben, wenn man in so kurzer Zeit viel vom Land sehen möchte. Da Brasilien so groß ist, musste ich oft fliegen, um von einem zum andern Ort zu gelangen.

Besonders gefallen haben mir auf der Reise Praia de Pipa, die Chapada Diamantina und Salvador. Salvador hat mir so gut gefallen, weil die Altstadt aus der Kolonialzeit und die vorwiegend afrobrasilianische Bevölkerung der Stadt einen besonderen Charme verleihen. Sie gilt zwar als eine „einzige große Favela“, wenn man jedoch die richtigen Ecken gezeigt bekommt, kann man dort gut und billig essen und kostenfreie Olodum-Shows auf den Straßen der Altstadt genießen. Olodum ist eine bestimmte Art auf künstlerische und tänzerische Weise zu trommeln, welche in besonderen Schulen dafür gelehrt wird und schon Michael Jackson begeisterte (https://www.youtube.com/watch?v=QNJL6nfu__Q).

Von Salvador aus gelangt man mittels Nachtbusfahrt nach Vale do Capão in der Chapada Diamantina. Salvador genauso wie die Chapada Diamantina liegen in dem Bundesstaat Bahia. Wie der Name des Bundesstaats schon verrät, war dort einst eine große Bucht. Dies spiegelt sich in der einzigartigen Vegetation und vor allem den vor Jahrtausenden vom Wasser geschliffenen Gesteinen wider. Der Name der Chapada (=(Hoch-)Ebene) zeugt außerdem von der Entdeckung großer Edelsteinvorkommen. Diamanten habe ich zwar nicht gefunden, aber den ein oder anderen Bergkristall. Die Trekkingtour, die ich gemacht habe, basierte auf einem 400 Jahre altem Weg der Diamantsucher. Ob diese Geschichte nur ein Märchen unseres Guides war oder nicht, der Weg war abenteuerlich und die Tour nicht im Entferntesten so touristisch, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Wir waren insgesamt drei Tage unterwegs aber schon innerhalb von zwei Stunden, die wir gewandert sind, konnte die Landschaft wechseln von karger Hochebene zu grünen Tälern und die Route von abenteuerlich steinigen Aufstiegen bis hin zu entspanntem Schwimmen an Wasserfällen.

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Abbildungen eines Bruchteils der diversen Landschaft in der Chapada Diamantina (Bahia).

Zum Schluss meiner Reise habe ich noch etwas in dem Strandort Pipa in der Nähe von Natal ausgespannt. Dort gibt es verschiedene Strände, an denen man schwimmen, surfen oder, wenn man Glück hat, Delfine antreffen kann. Der Ort ist zwar schon etwas touristisch, aber viel schöner als die meisten brasilianischen Kleinstädte. Es ist schwer zu beschreiben, wie die üblichen Städte in Brasilien aussehen. Meist sind sie von der Architektur herkarg und simpel, oft liegt Müll in Vorgärten und die Namen der Bars sind auf gesponserten Schildern von brasilianischen Biermarken zu lesen. In Pipa jedoch gibt es viele individuell aussehende Lokale, die bereits von außen mehr Ambiente ausstrahlen. Ein solches Flair ist auch in Arraial d’Ajuda (nahe Porto Seguro) vorzufinden, welches sogar bereits dreimal in Folge den Preis für die charmanteste Straße Brasiliens erhalten hat.

Ärztliche Versorgung

Da das bei mir leider unvermeidbar war, vielleicht auch noch ein paar Tipps zum Thema Arztbesuche. Ich hatte häufig Blasenentzündungen oder ausgeartete Erkältungen, weil man oft verschwitzt in klimatisierten Räumen sitzt. Wenn ihr zu solchen Erkrankungen neigt, packt euch immer ein Tuch oder ähnliches ein.

Falls ein Arztbesuch dann doch unvermeidlich ist und ihr noch gar kein Portugiesisch sprecht, nehmt euch einen portugiesisch sprechenden Professor oder Freund mit. Wenn das beispielsweise auf Reisen auch nicht geht, hat es bei mir immer ausgereicht, die wichtigsten Wörter zur Beschreibung des Problems nachzuschlagen.

Je nachdem in welchem Bundesstaat ihr seid, braucht ihr für manche Medikamente ein bestimmtes Rezept. Also falls ihr es in dem einen Staat gerade nicht mehr schafft das Medikament zu besorgen, achtet darauf, dass ihr es an eurem nächsten Ziel mit dem erhaltenen Rezept bekommt! Meine Versicherung wollte außerdem alle Verschreibungen auf Deutsch haben, was natürlich selten funktioniert. Oft bekommt man sie aber wenigstens auf Englisch.

Fazit

In den 8 Monaten, die ich in Brasilien verbracht habe, habe ich nicht nur mehr Portugiesisch gelernt als ich erwartet hätte, sondern auch eine gewisse Selbstständigkeit bei der Arbeit im Labor erlangt. Dies war für mich eins der wichtigsten Ziele, mit denen ich in dieses Abenteuer gestartet bin.
Neben der beruflichen Entwicklung kann ich aber auch eine persönliche sehen, die durch den Umgang mit Menschen verschiedener Kulturen und die Erlebnisse auf meiner Reise durch Brasilien vorangetrieben wurde.