Quasimodo verbindet Versailles und Kopenhagen – ein internationales Forschungsprojekt

Was hat Quasimodo, der buckelige Glöckner von Notre-Dame, mit einem internationalen Forschungsprojekt zu tun? Erst einmal ist Quasimodo der Grund dafür, dass ich die außergewöhnliche Möglichkeit hatte in zwei – nein, sogar drei – unterschiedlichen Forschungseinrichtungen internationale Forschungserfahrung zu sammeln. Er gab mir die Gelegenheit in einem Projekt zwei Themen zu behandeln, die auf den ersten Blick rein gar nichts miteinander zu tun haben. Quasimodo brachte mich in Kontakt mit Studierenden und Forschern aus aller Welt, ermöglichte mir an Konferenzen teilzunehmen und mich erfolgreich auf ein Stipendium zu bewerben.

Während meiner Bachelor-Arbeit machte mich Roda Niebergall, unsere Koordinatorin für Internationalisierung, die mich von der International Münster Summer School kannte, auf ein ERASMUS-Projekt aufmerksam. Schnell entschied ich mich, mich zu bewerben. Wenige Tage nach meiner Bewerbung bekam ich eine Einladung zu einem Skype-Gespräch. Zuerst mit dem Projektleiter in Versailles, dann mit dem Projektleiter in Dänemark. Nun stand endlich fest, dass ich jeweils 3 Monate in Versailles und Kopenhagen, an dem Projekt teilnehme. Bereits über 6 Monate vor Projektstart war die Vorfreude groß. Die Organisation begann. Als es um die Finanzierung ging, ermöglichte Quasimodo mir, mich auf das Jeff-Schell-Stipendium der Bayer Foundation zu bewerben. Mit der unglaublichen Unterstützung von Roda Niebergall, der Projektleiter, Grégory und Sebastian, und Prof. Michael Hippler, schaffte ich erfolgreich den Bewerbungsprozess zu durchlaufen. Bereits die Bewerbung an sich war sehr lehrreich. Ich lernte mein Projekt präzise zu beschreiben, einen anschaulichen Vortrag vorzubereiten und diesen vor einer Jury überzeugend vorzutragen. Der ganze Prozess war mit viel Anstrengung verbunden, die sich definitiv ausgezahlt hat. Nicht nur die Lebensunterhaltskosten waren durch das Stipendium gedeckt, die Projektleiter bekamen auch die Projektkosten erstattet. Dieses zusätzliche Projektgeld gab mir Freiheit in der Gestaltung meines Projekts.

Nur unweit von Quasimodos Wirkstätte, Notre-Dame in Paris, fing ich Anfang dieses Jahres mein Forschungspraktikum in Versailles an. Hier lernte ich Quasimodo das erste Mal „persönlich“ kennen, denn Quasimodo heißt die Pflanzenmutante mit der ich mich für den nächsten sechs Monate beschäftigte. Sie wurde nach Quasimodo benannt, da sie kleinwüchsig ist und durch abstehende Zellen entlang des Keimstängels sehr gebeutelt aussieht. Dieser Phänotyp ist auf einen Defekt in der Synthese eines Zellwandpolymers zurückzuführen. Meine Aufgabe war es nach chemischen Verbindungen zu suchen, die aus dem krüppeligem quasimodo- Phänotypen einen für Esmeralda interessant Mann machten. Witziger weise sind genetische Suppressoren von quasimodo nach Esmeralda, dem Zigeunermädchen, in welches Quasimodo sich verliebte, benannt worden. Zusätzlich zu dem Screen bekam ich durch weitere Experimente schnell Einblicke in die Zellwandbiologie. Das Jeff-Schell fellowship ermöglichte mir für eines dieser Experimente, 3 Tage nach Amiens zu fahren. Dort führte ich in der Gruppe eines Kollaborateurs eine quantitative PCR durch, mit einem speziellen Primer-Set, dass nur dort vorhanden ist. Außerdem konnte ich an Vorträgen von international renommierten Forschern teilnehmen. Während der Zeit begann ich unter Anleitung Grégorys eine fingerprinting Methode für das betreffende Zellwandpolymer zu entwickeln. Momentan wird diese Methode weiterentwickelt, damit sie für die Charakterisierung von weiteren Mutanten verwendet werden kann.

In Versailles wohnte ich auf dem Gelände des Instituts in einem Haus mit Studierenden, Doktorranden und Post-Docs aus den verschiedensten Ländern zusammen. Dazu zählten eine Doktorandin aus dem Iran, Post-Docs aus Indien und Vietnam und Studenten aus Frankreich sowie Tunesien. In der Gemeinschaftsküche trafen wir oft aufeinander. Es war ein sehr schönes Erlebnis

mit Menschen aus den unterschiedlichsten Regionen der Welt zusammen zu leben. So erfuhr ich mehr über ihre Kulturen und bekam auch einige Kostproben ihrer kulinarischen Köstlichkeiten. Insbesondere mit den Studenten saß ich des Öfteren abends mehrere Stunden beisammen. Wie spielten ein tunesisches Kartenspiel, Chkobba, schauten Filme oder unterhielten uns. Ein Wochenende fuhren wir zusammen in die Normandie zum Mont Saint Michel und dem Badeort Etretat. Beides sind Orte von atemberaubender Schönheit. Überzeugt euch selber! Einen Vorgeschmack bekommt ihr von den Bildern.

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Kloster Mont Saint Michel: Zur Flut ist der Klosterberg ringsrum von Wasser umgeben
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Badeort Etretat: Wohl der Badeort der Franzosen, die am Wochenende aus Paris in die Normandie fahren.

Unter der Woche, an jedem Dienstag während der Mittagspause, spielte ich mit einige Leuten aus dem Institut Fußball in der Sporthalle eines Schwesterinstituts, welches 30 Minuten entfernt gelegen war. Ein Post-doc und seine Freunde nahmen mich im Auto mit. Von dem anderen Institut
stießen weitere Studierende und Forscher hinzu. Auf der Rückfahrt des ersten Treffens, brach das Auspuffrohr des Wagens durch. Wir sind dann mit dem Zug zurückgefahren, was nur über eine Stunde länger dauerte.

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Schloss Versailles: Erbaut von König Ludwig XIV. um den Pariser Stadtleben zu entfliehen, wo er als Kind schlechte Erfahrungen gemacht hatte.

Das Institut mit meiner Unterkunft war direkt in dem Park von dem Schloss Versailles gelegen. Dies bedeutete aber nicht, dass das Institut der direkte Nachbar des Schlosses war. Viel mehr war noch der gesamte Schlosspark zu durchqueren. Dies dauert zu Fuß etwa 30 Minuten. Für abendliche Joggingausflüge war der Park perfekt geeignet. Entlang des künstlich angelegten Kanals konnte man vor der Kulisse des beleuchteten Schlosses wunderbar laufen und den prächtigen Anblick genießen. Die Nähe zu dem Schloss habe ich natürlich genutzt, um mir den Schlossgarten und das Schloss selber mehrmals anzugucken. Glücklicherweise war das Schlossmuseum für Europäer unter 26 Jahren kostenlos zugänglich. Genauso in Paris, das in nur 30 Minuten mit dem Zug zu erreichen war. Da waren Besuche im Louvre, Notre-Dame und Arc de Triomphe vorprogrammiert. Den Glockenturm von NotreDame, in dem Quasimodo arbeitete, erklomm ich für einen schönen Ausblick über Paris. Quasimodo selber wurde auf den Treppen vor Notre Dame als vierjähriges Kind zurückgelassen und benannt nach dem Feiertag Quasimodogeniti (1. Sonntag nach Ostern) an dem er gefunden wurde.

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Eiffelturm: Der Blick vom Trocadero über Paris und auf den Eiffelturm.

Insbesondere der Weg vom Louvre durch den prachtvollen Tuileries-Garten über den Place de la Concorde, auf der Champs-Élysée entlang des Grand und Petit Palais hinauf zum Arc de Triomphe war beeindruckend. In dem Tuileries-Garten tummeln sich die Pariser am Wochenende. Sie sitzen um die großen Brunnen, lesen Zeitung oder betreiben die unterschiedlichsten Sportarten. Natürlich war der Besuch des Eiffelturms und der Sacré-Coeur auch ein Muss. Trotz einiger Wochenenden sind immer noch einige Dinge offen geblieben die ich mir gerne in Paris angucken möchte.

Die quasimodo-Mutante ist klein und gebeutelt, wie der Glöckner Notre-Dame, durch die Stöung der Biosynthese eines Zellwandpolymers. Dieser Geno- und Phänotyp hat noch viel mehr drauf als nur für pflanzliche Zellwandforschung verwendet zu werden. Er ist ein ideales Modell um Transkriptionsregulation, genauer das Phänomen von transkriptionellen Interferenzen (TI) in Pflanzen, zu studieren. Wie ist das möglich? Die quasimodo-Mutante wurde durch T-DNA Mutagenese erzeugt. Dabei inseriert die T-DNA an zufälligen Stellen in das pflanzliche Genom. Dies führt zu knock-out Mutanten. Häufig befinden sich die T-DNA Insertionen jedoch auch upstream des Gens. Sie erzeugen dennoch einen knock-out Phänotypen. Einerseits kann durch die upstream Insertionen der Promotor zerstört sein, andererseits ist es möglich, dass die starke Transkription des Resistenzgens nicht terminiert wird und weiter über den downstream gelegenen Promotor verläuft. Dies wird als TI bezeichnet. In Hefen ist dies ein beschriebener Mechanismus für die Regulation von umweltempfindlichen Genen und stellt die Wichtigkeit von nicht-kodierender Transkription dar. Die T-DNA Insertion in der quasimodo-Mutante dient als synthetisches Modell für den in Hefe beschriebenen TI-Mechanismus, welcher in Pflanzen nicht beschrieben ist und für den es keine natürlichen Beispiele gibt. Somit können die in dem chemisch genetischen Screen identifizierten Suppressoren sowohl in dem quasimodo-Gen spezifischen Weg fungieren als auch mit dem TI-Mechanismus interferieren. An letzterem ist mein Betreuer, Sebastian, in Kopenhagen interessiert, der sich mit nicht-kodierender Transkription in Hefen und Pflanzen beschäftigt.

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TI Modell für quasimodo Mutante: Upstream startende Transkription von dem Resistenzgen der T-DNA Insertion interferiert mit der downstream gelegenen Transkriptionsinitiation des qua1-Gens.

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Nach 3 Monaten in Versailles und einem einwöchigen Besuch in der Heimat, kam ich in Kopenhagen an. Zur Willkommens-Feier sind wir zu einer Hip-Hop Party in einen Vorort von Kopenhagen gefahren. Sebastian trug ein T-Shirt bedruckt mit einem Poster, um Master Studierende anzuwerben. An dem Abend hat das nicht so gut funktioniert – vielleicht war es das falsche Klientel. Eine Woche später war das T-Shirt erfolgreicher als wir auf der Spring Party der Universität waren. Die Atmosphäre in der Gruppe ist toll. Die gegenseitige Unterstützung ist groß. Wir haben viel Spaß gemeinsam im Labor und in der Freizeit. Mit Tom, einem Master-Studenten aus den Niederlanden, habe ich eine Fußball Truppe gefunden, die jeden Sonntag spielt. Leider habe ich mich beim ersten Mal verletzt und falle seitdem aus. Dorine, eine Doktorandin, die nur unweit meiner Heimstadt lange Zeit gewohnt hat – wie klein die Welt doch ist, ich hatte nicht erwartet jemanden in Kopenhagen zu treffen der Speckhorn kennt – organisierte ich die marquardtschen Laboratolympics. Um die Gruppe von Sebastian auch in den sozialen Medien zu vertreten, erstellte ich eine Twitter-Account. Momentan steht bei uns der Spaß bei den Tweets im Vordergrund jedoch werden auch freie Positionen im Labor beworben, die sich so sehr schnell über unsere Follower verbreiten lassen. Außerdem bekommt man so auch viele Paper zu Augen, die von den Leuten, denen wir folgen, getweetet werden.

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Uni Spring Party: Sebastian und Xueyuan machen Werbung für ein Master-Projekt. Natürlich fand sich das Foto auch auf twitter wieder.

Arbeiten in Kopenhagen bedeutet aber nicht eine twitter-Account zu starten oder Freizeitaktivitäten zu organisieren. Vielmehr ging es darum das Projekt fortzusetzen. Zuerst stand die Reproduktion der Ergebnisse aus Versailles an. Dies gestaltete sich wesentlich schwieriger als gedacht. Da sich der Prozess hinzog, bestellte ich mit Ryan, einem Post-Doc, weitere Chemikalien, von denen wir eine unterdrückende Eigenschaft erwarteten. Von Mathias, der in den letzten Monaten seiner Master-Arbeit steckt, übernahm ich kleinere Projekte. Zum Ende hin begannen die Experimente zu funktionieren und ich fokussierte mich wieder auf meinen Part mit den Chemikalien. Neben der Laborarbeit besuchte ich zwei Konferenzen. Eine handelte von CRIPSR/Cas9, die andere von Prozessen, die DNAReplikation oder –Transkription beeinträchtigen. Letztere wurde von Sebastian organisiert, weshalb ein Forscher aus Texas zu Besuch kam. Wir bekamen die Möglichkeit mit ihm über unsere Projekte zu diskutieren. Es war beeindruckend, wie schnell er unsere Aufgaben nachvollzog und uns entsprechende Tipps und Anregungen gab. Auf der Konferenz selber gab es im Anschluss an die Vorträge Diskussionsrunden in Kleingruppen. Innerhalb von 10 Minuten hatten wir die Möglichkeit an einem Whiteboard unsere Projekte den anderen Teilnehmern der Konferenz vorzustellen. Es ist mal etwas anderes ohne vorbereitet PowerPoint Folien das eigene Projekt bekannten Forschern vorstellen zu dürfen.

Ähnlich zu Versailles wohnte ich in einem Studentenwohnheim. Diesmal hatte ich jedoch meine eigene Küche. So war der Kontakt zu den anderen Studenten eher eingeschränkt und die ersten Wochen eher einsam. Der Besuch von Freunden oder Ausflüge nach Aarhus, in den Harz oder nach Paris zu einem Treffen mit Grégory und nach Berlin zum Dialogue Day der Bayer Foundation brachten Abwechslung. Seit kurzem bin ich nun nicht mehr alleine in meiner Wohnung. Anscheinend handelt es sich um ein Doppelzimmer. Nach der Arbeit im Labor wartete letzte Woche mein neuer Mitbewohner Sergi auf mich in der Wohnung. Die Sache war, dass ich nicht wusste, dass ich einen Mitbewohner bekommen würde. Dementsprechend war die Überraschung groß als ich ins Zimmer kam. Sergi ist Spanier. Er studiert Biochemie und ist für 3 Monate für ein Praktikum hier. Die ersten Abende haben wir damit verbracht Spiele zu spielen und uns zu unterhalten. Das hat einiges an Leben in meine Bude gebracht. Noch mehr Leben in die Bude kam, als wir für ein Wochenende einen weiteren Mitbewohner bekommen haben. Jonathon kommt aus Australien. Er war über 27 Stunden unterwegs. Durch die Verspätung seines Fliegers konnte er seine Schlüssel nicht abholen.
Seine Mitbewohnerin wusste, wie ich bei Sergi, nichts von seiner Ankunft und hatte noch Besuch bei sich. So kam er bei uns für zwei Nächte unter. Es ist schon witzig wie so einiges zusammen, wie eine zuvor einsame Wohnung Leben eingehaucht bekommt – in diesem Fall passt wohl besser „gepustet“ – und welche Freude wir Jonathon machen konnten durch unsere Gastfreundlichkeit.

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Nyhavn: Das wohl bekannteste Postkarten Motiv aus Kopenhagen. Von hier aus starten die Boote für Hafentouren und der Kaffee ist besonders teuer (5 Euro).

Kopenhagen ist eine wunderschöne Stadt mit unglaublich vielen interessanten Ecken. Auf die interessanten Ecken bin ich gestoßen, weil ich mich einfach treiben ließ. An einigen Stellen findet man Gärten von „Rebellen“. Diese wurden eigenwillig zwischen Wohnhäusern angelegt. Ein Höhepunkt dieser „rebellischen“ Versammlungsorte ist Christiania, die Freistadt in Kopenhagen, die geduldet wird. Christiania ist ein spannender Ort. In großen Teilen wird die Natur nicht zurückgedrängt, weswegen viele Häuser zu gewuchert sind: Sträucher wachsen auf Dächern, die Blumen wachsen wild und an einigen Stellen sieht es aus wie eine Verflechtung von Wald und Stadt. Zusammen mit dem Graffiti und einigen eingeworfenen Fensterscheiben, erscheint der Ort verträumt. Fotos dort zu machen wird nicht gerne gesehen, da Marijuana auf offener Straße verkauft wird. Geraucht wird es überall, es gibt wenige Stellen wo ich nicht den Joint-Geruch roch. Christiania ist der hippste Teil Kopenhagen, aber es gibt jede Menge dieser Stellen über die Stadt verteilt. Unweit von Christiana befindet sich der Street Food Market im Hafen. Hier wurden Container und Campingwagen zu Essensständen umfunktioniert. Neben den hippen und alternativen Stellen Kopenhagen gibt es viele kulturelle Sehenswürdigkeiten, wie die Schlösser Christiansborg, Rosenborg und Amalienborg mit der Frederikskirke.

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Rosenborg Slot: Der ehemalige Sitz des Königs. Direkt daneben der königliche Garten (Kongens Havn).

Ein Besuch im botanischen Garten ist ein Muss! Das Tropenhaus ist beeindruckend. In dem runden Haus kann man in fünf Metern Höhe eine Runde um die Palmen drehen und deren Schönheit von oben betrachten. Es gibt weitläufige Wiesen um die Teiche, welche genutzt werden können, um die Sonne und das gute Wetter zu genießen. Ähnlich verhielt es sich im Kongens Havn, wo sich die Kopenhagener zum Picknicken treffen. Allgemein, wird jede Grünfläche zum Picknicken genutzt. Häufig sind dort für jedermann Grills verfügbar. Ein weiterer
Freizeitort in Kopenhagen ist der Tivoli. Einerseits ein Garten voll mit kulturellen Angeboten zu denen Theater- und Musikshows gehören, andrerseits ein Freizeitpark mit einigen Fahrgeschäften. Abends wird der Tivoli von Tausenden von Lichtern und Lichterketten beleuchtet. Eine sehr schöne Kulisse.

Rückblickend waren die 6 Monate eine außergewöhnliche Erfahrung, über die ich mehr als glücklich bin. Ich habe wunderbare Menschen kennengelernt, Kontakte knüpfen können, meine Englischkenntnisse verbessert und Unmengen an wissenschaftlicher Erfahrung gesammelt. Insbesondere hat mir gefallen, dass mir größten Teils freie Hand gelassen wurde, die Experimente zu planen und durchzuführen. Vor allem möchte ich den Leuten danken, die mich von Beginn an unterstützt haben: Roda Niebergall, Prof. Michael Hippler, Grégory Mouille und Sebastian Marquardt.

Beste Grüße aus Kopenhagen,

Henning

 

 

Masterarbeit im Ausland: Amsterdam

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Hallo, die ein oder anderen kennen mich vielleicht schon vom Brasilien-Blog. Ich bin Steffi und dieses Semester werde ich meine Masterarbeit in den Niederlanden absolvieren, genauer gesagt in Amsterdam. Falls auch ihr an einer Masterarbeit im Ausland Interesse habt, dann hoffe ich, dass ich euch hiermit etwas Starthilfe geben kann.

Für mich war Amsterdam schon lange eine Option – vor 2 Jahren hatte ich nach meinem Bachelor schon einmal ein Praktikum hier im Netherlands Cancer Institut gemacht und das hat mich anscheinend davon überzeugt, zurückkommen zu müssen. Somit begann ich mich damals von Brasilien aus zu bewerben. Das war so circa 7,8 Monate im Voraus. So viel Vorlauf ist allerdings nicht immer nötig, gerade wenn man seine Masterarbeit im universitären Bereich schreiben will, da oftmals die Projekte so früh noch nicht feststehen. Wer aber, so wie ich, in die Industrie möchte, sollte mindestens ein halbes Jahr im Voraus aus dem Knick kommen.

Nächste Hürde: Bewerbung und Vorstellungsgespräch. Wer ins Ausland will, kann sich meist natürlich nicht persönlich vorstellen. Daran sollte es aber nicht scheitern. Wichtig ist eine überzeugende Bewerbung. Geht auch nicht immer unbedingt vom deutschen Standard aus sondern recherchiert lieber mal ein bisschen rum, was so die landesüblichen CV-Formate sind. In Holland ist es beispielsweise eher unüblich seiner Bewerbung ein Foto beizufügen. Ich wurde damals zuerst gefragt, ob ich zu einem Vorstellungsgespräch denn persönlich vorbeikommen könnte. Da ich aber zu der Zeit in Brasilien war, war Skypen eine gute Alternative. Da in internationalen Teams meist Englisch die Amtssprache darstellt und die Holländer das sowieso gut können, war mein Gespräch auf Englisch.

Sobald feststeht, dass ihr eine Zusage habt, geht es darum, das Ganze zu finanzieren. In den meisten Fällen sind die Deadlines für Bewerbungen um ein DAAD-Stipendium dann schon vorbei oder die Programme passen alle nicht so ganz, aber es gibt noch einige andere Wege. Ich habe mich beispielsweise um ein Erasmus+-Stipendium beworben, welches euch bis zu 5 Monate finanziell unter die Arme greifen kann. Ansonsten geht auch Promos oder im Falle einer Masterarbeit im Ausland auch das normale BAföG (mir wurde gesagt, dass Auslands-BAföG da anscheinend nicht geht). Es lohnt sich in jedem Fall, da nochmal ein wenig Recherche zu betreiben.

Was ihr auch nicht vergessen solltet, ist der Antrag auf externe Masterarbeit. Dieser sollte, bevor ihr anfangt, im Prüfungsamt liegen (das Antragsformular findet ihr auf der Homepage des Prüfungsamtes). Das genaue Thema der Masterarbeit braucht ihr hierfür noch nicht. Aber die beiden Gutachter müssen den Antrag unterschreiben, sprich ein Gutachter von der WWU und ein externer. Euer externer Gutachter sollte mindestens einen PhD-Titel haben. Meist will das Prüfungsamt auch einen CV und eine Publikationsliste des externen Betreuers. Falls euer externer Gutachter nun doch nicht ganz den Voraussetzungen entspricht, dann sollte das Ganze hieran auch nicht mehr scheitern. In dem Falle sucht ihr euch einfach einen zweiten Gutachter der WWU.

Wenn ihr das alles rum habt, könnt ihr euch zurücklehnen und euch einfach auf euren Auslandsaufenthalt freuen.

Ach ja, und plant genug Zeit für die Wohnungssuche ein, da sich das Ganze gerade in den schönsten Städten als sehr schwierig und teuer herausstellen kann.

Schöne Grüße aus Amsterdam,

Steffi

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Die Koautorin vom UNIBRAL Blog Stefanie Busold – über ihren Studienaufenthalt in São Paulo

Auf dem Blog „UNIBRAL“ erzählen Steffi und Lisanne, zwei Biotechnologie Studentinnen aus Münster, was sie im Rahmen des Austauschprogrammes mit der Universidade de São Paulo in Brasilien erleben.

Stefanie Busold

Mein halbjähriger Studienaufenthalt in Brasilien begann am 25.August 2016 und stellt eine Reihe positiver Erfahrungen für mich dar. Ich wollte meinen Auslandsaufenthalt in Brasilien dazu nutzen, internationale Erfahrungen zu sammeln, ein mir bisher unbekanntes Land kennenzulernen und an medizinisch relevanten Problematiken zu arbeiten. All dies konnte ich während meines halbjährigen UNIBRAL-Aufenthaltes in São Paulo erreichen.

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Ich arbeitete in der Arbeitsgruppe von Prof. Gerhard Wunderlich im Instituto de Ciências Biomédicas (ICB) der Universidade de São Paulo mit dem Erreger der Malaria tropica: Plasmodium falciparum. Die Arbeit mit humanen Parasiten stellte für mich ein neues Arbeitsfeld dar. Mein Thema während der Zeit am ICB war die Untersuchung von Oberflächenproteinen des Malaria-Erregers, genauer gesagt beschäftigte ich mich mit Faktoren, die vermutlich die Expression der Proteinfamilie „Plasmodium falciparum erythrocyte membrane protein 1“ (PfEMP1) beeinflussen. Proteine dieser Familie werden nach der Infektion eines Erythrozyten mit P. falciparum an die Oberfläche der Erythrozyten transportiert. PfEMP1 werden von der Genfamilie der var-genes codiert, deren Expression periodisch durch antigenische Variation wechselt. Dies kann zu chronischen Krankheitsverläufen führen. Die Kontrolle der PfEMP1 Expression und deren switching ist weitgehend unaufgeklärt und mein Projekt sollte untersuchen, ob die plasmodiale DNA- Methylierung dabei eine Rolle spielt. Ich wandte molekular- und zellbiologische als auch biochemische Methoden an, sodass meine Hauptaufgabenfelder Klonierungen, Zellkultur und Expressionsanalyse darstellten. Mir gefiel dieses Thema sehr gut, da es für mich eine sehr nahe medizinische Relevanz aufwies, welche speziell im Bereich der medizinischen Forschung durch komplexe Effektkaskaden leicht abhanden kommen kann.

Doch auch außerhalb der Universität gab es viel zu erkunden, schließlich lebte ich in der größten Stadt der Südhalbkugel. So verbrachten wir einige Wochenenden damit, die Stadt kennenzulernen, was sich als großes Projekt herausstellte. Auch die Regionen rund um São Paulo galt es zu entdecken. Ein Highlight des Aufenthalts stellte auf jeden Fall die Exkursion in den Bundesstaat Acre dar. Diese 20161207_150523Region nahe der peruanischen Grenze stellt eine Hotspot-Region für Malaria-Infektionen dar. Wir konnten während unserer Exkursion eine komplett andere Seite Brasiliens kennenlernen, so ging es für uns aus der Großstadt direkt in den Dschungel, was eine eindrucksreiche Erfahrung war.

Was mir besonders gefiel, war, dass es mehrere UNIBRAL-Teilnehmer gab. So konnte man gemeinsame Aktivitäten unternehmen und sich gemeinsam über die ein oder anderen Eigenarten des Alltags in einem fernen Land aufregen oder amüsieren.

Ich bin überzeugt davon, dass mein halbjähriger Aufenthalt an der USP eine sehr wertvolle Zeit darstellt. Neben der Arbeit im Labor konnte ich ein neues internationales Forschungsteam kennenlernen und Basis-Portugiesisch-Kenntnisse erwerben. Durch den Aufenthalt in Brasilien reiste ich erstmalig nach Südamerika und konnte Land, Mentalität und Leute kennenlernen, was für mich persönlich eine wertvolle Erfahrung darstellt. Alles in Allem konnte ich auf privater als auch fachlicher Ebene von diesem Auslandsaufenthalt profitieren und ich denke, dass dieser Studienaufenthalt sich sehr positiv auf meine zukünftige Karriere auswirken wird.

 

Ein Aufschieber zieht in die Welt.

Ein Auslandssemester will rechtzeitig geplant sein, darum kümmere ich mich dann mal irgendwann

Martin

Nachdem ich schon im Bachelor kein Auslandssemester gemacht habe, weil ich die Planung zu lange heraus gezögert habe, dachte ich mir, dass es zumindest im Master an der Zeit dafür sei. Am Anfang des Masters wiederholte sich das ganze Spiel dann aber doch so ähnlich, als mir dieses Mal vier Tage vor Ende der offiziellen Bewerbungsfrist klar wurde, dass ich mich vielleicht einmal informieren sollte, wo es denn überhaupt hingehen könnte. Da aber gleichzeitig die Wahlen für die kommenden Module anstanden, wurde das Abwägen der verschiedenen Möglichkeiten vorerst vertagt, und das ein wenig zu lange…

Obwohl ich eigentlich dachte, dass damit das Thema Auslandssemester vom Tisch wäre, gefiel mir die Idee ganz gut, als ein Kommilitone am Anfang des Jahres vorgeschlagen hat, ich könne nach Posen in die Kristallographie gehen. Nach wiederholtem Nachfragen des besagten Kommilitonen, und einem ziemlich entscheidenden Ted Talk von Tim Urban zum Thema Prokrastination, habe ich mich Anfang Mai dann endlich aufraffen können dem Prof. in Polen eine Mail zu schreiben. Nach einer Woche hatte ich dann schon eine vorläufige Zusage. Es war also Zeit sich einen Mentor zum Absegnen des Moduls zu suchen. Ein solcher war mit Prof. Moerschbacher dann auch schnell gefunden. Und am 31.05 stand dann auch der Zeitraum für meinen Auslandsaufenthalt:

01.08-31.10 – nur noch 2 Monate zum Planen!

Diese Zeit habe ich genutzt um die nötigen Formulare zusammen zu bekommen. Nachdem diese geprüft waren hatte ich meine endgültige Zusage dann auch Mitte Juli bereits. Danach hätte ich theoretisch direkt mit den organisatorischen Dingen beginnen sollen, die man vielleicht erst nach einer definitiven Zusage abklärt… In einen Urlaub zu fahren, der erst vier Tage vor meiner Fahrt nach Polen endet, war rückblickend sicherlich nicht die beste Entscheidung. So bin ich aber zumindest gut erholt in ein paar ziemlich stressige Tage gestartet. Neben Zwischenmietersuche (wer will schon ein Zimmer in den Semesterferien haben) und der Suche nach einer Bleibe in Posen, habe ich es sogar noch geschafft, am Tag meiner Abreise das Formular zur Anrechnung des Moduls abzugeben. Fristen für Förderung wie Promos oder Erasmus hatte ich allerdings – wie sollte es auch anders sein – schon verpasst.

Während jede(r) Andere hier den Schwerpunkt auf die Zeit im Ausland gelegt hat, glaube ich, dass ich mich in dem Bereich eher kurz halten werde. In der Kristallographie in Posen war es wirklich interessant und ich habe echt viel gelernt. Die Stadt und die Leute waren mir natürlich auch mehr als sympathisch, und mein nächster Besuch dort ist auch schon in Planung. Außerdem tat es mir sicherlich mal gut Münster für eine Weile zu verlassen, anstatt meine ganze Studienkarriere nur hier zu verbringen. Den Stress war es definitiv wert, und hätte ich gewusst, dass es so einfach wird, hätte ich bestimmt nicht so lange damit gezögert.

Wichtig ist es mir eher zu zeigen, dass man sich von den empfohlenen Planungszeiträumen nicht abschrecken lassen sollte. Einen Auslandsaufenthalt kann man auch in weniger als drei Monaten auf die Beine stellen, auch wenn dabei natürlich das Risiko besteht, dass man ein wenig in Zeitdruck gerät, oder man ein paar Abstriche machen muss (z.B. bei der Förderung). Außerdem sollte man nicht glauben, dass man sich nur auf das Uni-organisierte Angebot beschränken muss. Gibt es ein Land oder eine Stadt in die ihr gerne wollt? Oder ein Themengebiet an dem ihr gerne mal arbeiten würdet? Auf den Internetseiten von Instituten findet ihr meistens die Mail-Adresse von einem Professor oder einer Professorin mit dem/der ihr euch in Verbindung setzen könnt. Der Rest passiert dann quasi von allein! Auch wenn ihr jetzt noch nichts davon wisst, könntet ihr demnächst schon eine entscheidende Mail verfassen und in drei Monaten das Abenteuer Ausland erleben. Viel Spaß dabei!

P.S. Falls ihr noch zögert, solltet ihr euch den besagten, entscheidenden Ted-Talk anschauen!

Unvergessliche Erfahrungen im Land von Caos, Cachaça e Citometria

Lisanne hat über das DAAD-geförderte Programm UNIBRAL an unserer Partneruniversität der Universidade de Sao Paulo in Brasilien studiert. Hier könnt ihr lesen, was sie in dieser Zeit erlebt hat.

Lisanne

Wissenschaftlich:

Ich habe mein Auslandssemester im Labor von Professorin Silvia Boscardín absolviert. Ihr Labor beschäftigt sich unter anderem damit, Impfungen gegen Malaria und die Viren Zika und Dengue zu entwickeln. Dazu verwenden sie Antikörper, die spezifisch an bestimmte dendritische Ziellinien binden. An die konstante Region ihrer schweren Kette, wird ein von Parasiten abgeleitetes Epitop fusioniert, sodass ein chimärer Antikörper entsteht. Damit werden im weiteren Verlauf Mäuse immunisiert. Die Idee hinter diesem Ansatz ist, dass das Antigen (Epitop) in räumliche Nähe zu den Antigenpräsentierenden Zellen (hier dendritische Zellen) gebracht wird und somit die humorale und zelluläre Immunantwort effektiver induziert werden kann. Da ich möglichst viele Methoden erlernen wollte, bekam ich neben meinem eigenen Proje

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Mein Labor hat mir sogar eine kleine Geburtstagsparty geschmissen

kt, die Chance den Doktoranden und Studenten über die Schulter zu schauen und ihnen zu helfen. So bekam ich einen Einblick in alle Versuche, die derzeit bearbeitet wurden. Neben heterologer Proteinexpression und -Aufreinigung, erlernte ich das Arbeiten mit Zellkulturen und Mausmodellen, sowie immunologische Essays (ELISA, ELISpot, ICS, CFSE). Außerdem, konnte ich erste Erfahrungen mit der Analyse von Immunantworten mit Hilfe der Durchflusszytometrie erlangen. Außerdem war der Ausflug in das Amazonas Gebiet Acre eine einmalige Erfahrung, die mir in Deutschland so niemals geboten werden könnte. Die Betreuung war ebenfalls hervorragend, auch wenn die Kommunikation manchmal etwas beschwerlich war. Die Professorin und der Koordinator vor Ort waren stets persönlich zu erreichen und nahmen sich immer Zeit für meine Fragen.

Privat:

Im Privaten fand ich viele neue Freunde und lernte mir unbekannte Kulturen kennen. Da ich zuvor ein halbes Jahr in Spanien gelebt habe, konnte ich dank meiner Spanischkenntnisse, bedeutend besser mit Peruanern und Kolumbianern in Kontakt kommen, als mit den Brasilianern. Dies bringt mich zu meiner einzigen „schlechten“ Erfahrung, nämlich der Sprachbarriere.

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Kolumbianische Arepa

Ich empfehle also jedem vor seinem Auslandsaufenthalt mindestens einen A1 Kurs der Landessprache zu belegen. Dies erleichtert den Alltag ungemein und bringt mehr Möglichkeiten seinen Auslandsaufenthalt zu genießen (wissenschaftlich, wie privat). Trotz alledem gelang es mir meine Grundkenntnisse im Portugiesischen zu festigen. Ich kann jetzt sogar fließend einen Caipirinha bestellen J. Auch die südamerikanische Küche kam nicht zu kurz. Dank zahlreichen internationalen Kochabenden wurden kolumbianische Arepas und Empanadas, sowie die Kalorienbombe „Salchipapa“ (frittierte Würstchen, Fleisch, Pommes und ein Spiegelei unter einer Haube von Mayo und Ketchup) aus dem schönen Peru kredenzt. Außerdem kann ich sagen, dass nahezu alle Vorurteile, die mir von Freunden und Eltern (und natürlich auch von mir) mit auf den Weg gegeben wurden, nicht bestätigt wurden. Natürlich ist São Paulo eine unübersichtliche Großstadt mit gefährlichen Stadtteilen, aber selbst ich als Blondine konnte hier sehr gut leben.

Reisen:

An den Wochenenden ging es dann häufig auf Tages- oder Wochenendtrips an die nahegelegenen Strände und auf die kleinen Inseln vor der Küste – auch Rio de Janeiro,

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Blick auf das Meer von São Paulo – Stadt soweit das Auge reicht

Curitiba und Florianópolis wurde ein Besuch abgestattet. Dort konnte man Land und Leute noch einmal besser kennen lernen und interessante Unterschiede feststellen. Die Paulistaner (Einwohner von São Paulo) und die Cairiocas (Einwohner von Rio) beispielsweise sprechen so unterschiedliche Dialekte, dass ich in Rio zunächst dreimal nachfragen musste um sie zu verstehen. Es ist ungefähr vergleichbar mit Bayrisch und Sächsisch – keine Chance also. Das ganze Land ist total bunt und verrückt. Es gibt keinen Stereotypen, oder einen typischen Brasilianer. Das ist etwas was ich sehr an Brasilien mag. Doch auch São Paulo hat einiges zu bieten. Dies wird beim Blick vom ersten Wolkenkratzer der Stadt, dem Martinelli-Building, annähernd sichtbar.

Fazit:

Das UNIBRAL Programm ist ein sehr gut organisiertes Austauschprojekt mit einer der renommiertesten Universitäten Südamerikas. Es bietet verschiedenste Möglichkeiten im Bereich der Biomedizin an sehr interessanten und top aktuellen Themen, wie Zika, Malaria und Dengue zu forschen und wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Das Leben in dieser 20 Millionen Stadt ist ebenfalls eine einzigartige Chance, um internationale Freunde zu finden, andere Kulturen kennen zu lernen und das eigene Land auch ein bisschen schätzen zu lernen.

In diesem Sinne, geht es für mich jetzt zurück nach Deutschland (zugegeben nach einer drei monatigen Reise durch den Rest von Südamerika – meine Reiselust war wohl doch noch nicht ganz gestillt)

 

Até mais,

Lisanne

 

„Ich werde Brasilien auf jeden Fall wieder besuchen.“ Kim berichtet über ihre Zeit an der Universidade de São Paulo

Kim

Kurz nachdem ich mein Masterstudium in Münster begonnen hatte, fand ich heraus, dass die WWU eine Kooperation mit der Universidade de São Paulo in Brasilien hat. Da ich vorher noch kein Auslandssemester absolviert hatte und auch noch nie in Südamerika gewesen war, bewarb ich mich sofort für das sogenannte Unibral-Programm. Nach einiger Zeit bekam ich die Zusage. Ich begann sofort, die benötigten Unterlagen zu beantragen, sodass ich so schnell wie möglich starten konnte. Durch die Vorfreude auf São Paulo, eine neue Kultur und neue Menschen sowie die Möglichkeit, Malaria zu erforschen, ging alles sehr einfach.

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Im Mai und trotz all der Wahrungen „wie gefährlich São Paulo“ sein soll ging es dann los. Innerhalb der 5 Monate habe ich Brasilien zum Glück nicht als gefährliches Land kennen gelernt, dennoch kann man natürlich Pech haben. Prof. Carsten Wrenger, der Koordinator des Programms, holte mich vom Flughafen ab und ich bekam direkt viele hilfreiche Tipps und einiges zu São Paulo erzählt. Von einem Kulturschock konnte man nicht sprechen, da ich mir vorher nicht viele Gedanken gemacht hatte und einfach gespannt auf die Großstadt war. Leider konnte ich São Paulo auf dem Hinflug nicht von oben sehen, da ich sehr früh morgens landete. Dennoch merkte ich, dass es eine riesen Stadt ist, da wir bis zum Universitätsgelände unglaublich lange brauchten. Carsten und Gerd, ebenfalls ein deutscher Professor an der Universität in São Paulo, waren sehr hilfsbereit. Dies war beispielsweise wichtig für Arztbesuche, die man ohne Portugiesisch Kenntnisse nicht alleine durchführen konnte.

Auch in meinem neuen „zu Hause“ mit 30 Zimmern und einer Küche (aber jedes Zimmer hatte ein eigenes Bad), fühlte ich mich direkt wohl und lernte viele nette Menschen aus Peru, Kolumbien und Brasilien kennen. Sie haben mir geholfen, mich im Supermarkt zurechtzufinden und haben mir einiges von São Paulo gezeigt. Dies funktionierte anfangs nur, da einige von ihnen Englisch sprechen konnten. Duolingo und meine geringen Spanisch Kenntnisse halfen mir jedoch sehr, um Portugiesisch zu lernen.

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An der Universität bekam ich die Möglichkeit, mir ein Thema/Labor auszusuchen in/an dem ich die nächsten 5 Monate arbeiten durfte. Alle Themen waren sehr spannend. Letztendlich entschied ich mich aber für die Forschung an oxidativem Stress bei Malaria. Dadurch bekam ich Einblicke in die Malaria-Kulturhaltung und hatte die Möglichkeit, mir viele neue Methoden anzueignen wie vor allem die Arbeit mit dem Mikroskop. Insgesamt konnte ich vieles lernen, was für die Masterarbeit sicherlich hilfreich sein wird. Ganz wichtig war für mich das selbstständige Arbeiten und Erarbeiten.

Am Wochenende hatte ich dann Zeit, São Paulo kennen zu lernen und mich vor Ort zurecht zu finden. Brasilianer sind unglaublich offen und helfen so gut es geht, auch wenn man nicht besonders gut Portugiesisch spricht. Ich brauchte 3 Monate bis ich endlich ein wenig verstehen konnte. São Paulo ist durch die zahlreichen Hochhäuser zwar nicht besonders schön, aber wer gerne feiern geht, findet überall Livemusik mit typisch brasilianischen Songs. Ich lernte sogar ein paar Tanzschritte, da die Männer in Brasilien im Gegensatz zu den deutschen Männern meistens sehr gerne tanzen. Außerdem organisieren Brasilianer bei fast allen Anlässen Festivals, sodass es am Wochenende nie langweilig wird. Bei schönem Wetter kann man außerdem im Ibirapuera Park relaxen oder Fahrrad fahren, Graffitis in der Beco do Batman anschauen oder einfach nur die Paulista entlanglaufen und vielen verschiedenen Musikern zu hören. Natürlich sind meistens weite Strecken zurück zu legen, um die Orte zu erreichen. Das Bus und Bahnsystem ist aber sehr gut ausgebaut, auch wenn man manchmal länger als eine Stunde unterwegs ist.

An manchen Wochenenden ergab sich die Möglichkeit, Orte in der Nähe von São Paulo zu besuchen wie z.B. Paranapiacaba, Santos und Guaruja, die nur ca. 1,5 Stunden entfernt liegen. Hat man das ganze Wochenende Zeit, kann man auch Rio de Janeiro, Ubatuba, Maresias oder Ilhabela besuchen, wobei man dafür schon bis zu ca. 6 Stunden Bus fahren muss.

Ich empfehle jedem, einige Zeit im Ausland zu studieren. Man lernt neben einer neuen Kultur und einer oder mehreren neuen Sprachen unglaublich viele interessante Manschen kennen. Durch die Arbeit in anderen Laboren und mit neuen interessanten Themen wie Parasitologie gewinnt man zahlreiche neue Einblick und sammelt Erfahrungen für das weitere Leben. Ich werde Brasilien auf jeden Fall wieder besuchen.

Malariaforschung in Brasilien – über das UNIBRAL-Programm

Leonie Hilger

Vor der Abreise

Als ich zum ersten Mal von der einzigarten Möglichkeit gehört habe, innerhalb des Masterstudiums im Fachbereich Biologie der WWU Münster in Brasilien studieren zu können, hatte ich zunächst noch viele Fragen und Sorgen. Brasilien bietet durch sein Klima und seine Größe natürlich ganz andere biologische Besonderheiten in Flora und Fauna als Mitteleuropa und somit auch viele Möglichkeiten meine Fachkenntnisse in Labor und Feld zu erweitern. Außerdem hat mich die Herausforderung eine neue Sprache und Kultur kennenzulernen gereizt.
Aber ebenso präsent wie die Begeisterung für das Projekt waren Fragen wie: Passen der Aufenthalt und die Kurse dort in mein Studium? Wie wird die Kommunikation mit meinen Kollegen ohne Portugiesischkenntnisse funktionieren? Und werde ich mich in einer so großen Stadt wie São Paulo zurechtfinden?
Bei all diesen Fragen konnten mir die UNIBRAL-Projektkoordinatorin Prof. Eva Liebau, die Internationalisierungsbeauftragte des Fachbereichs Dr. Roda Niebergall und auch die beiden deutsch-brasilianischen Professoren Carsten Wrenger und Gerd Wunderlich vor Ort helfen. Ebenso haben Gespräche mit ehemaligen Stipendiaten mich auf den Aufenthalt vorbereitet und meine Entscheidung gefestigt.
Nachdem der Entschluss gefasst war, die Reise zu wagen, wartete allerdings noch eine Reihe bürokratischer Aufgaben auf mich. Es gilt eine Auslandskrankenversicherung abzuschließen, gegebenenfalls einen Reisepass zu beantragen, Impfungen zu erhalten und den Flug zu buchen. Um ein Projekt und eine Unterkunft für mich zu finden, mussten auch Prof. Carsten Wrenger und Prof. Gerd Wunderlich frühzeitig wissen, wann ich anreise. Vor allem aber bedurfte die Beantragung des Visums einiges an Zeit und Behördengängen.
Nachdem auch diese Hürde genommen war, bin ich am 27. Oktober 2015 nach Brasilien geflogen.

Die ersten Tage in Brasilien
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Auf dem Weg von der Wohnung zum Supermarkt kommt man an dieser Gasse mit Graffitis vorbei. Diese Form der Straßenkunst ist typisch für São Paulo.

Obwohl ich nachts angekommen bin, hat Gerd mich abgeholt und mir auf dem Weg zu meinem Appartement direkt etwas von São Paulo gezeigt und erzählt. Bei solchen Dingen wie zum Flughafen oder zum Arzt fahren, sind beide Professoren sehr hilfsbereit. Das Appartement lag nicht weit entfernt vom ICB (Instituto de Ciências Biomédicas) und in der Nähe gibt es einen Supermarkt und ein paar Restaurants und Bars.
Am nächsten Morgen hat mich Gerd auch ins Labor begleitet und mir das Forschungsgebiet seiner Arbeitsgruppe vorgestellt. Und dann ging es auch schon direkt los mit kleineren Aufgaben in grundlegenden Methoden der Molekularbiologie. Vor allem anfangs musste ich viel lesen und erfragen, thematisch wie auch methodisch. Gerd selbst war mein Betreuer, aber auch alle anderen im Labor halfen gerne, was den Einstieg sehr erleichtert hat. Vor allem die Deutschen, die dort ihre Doktorarbeit schreiben, haben mir nicht nur im Labor, sondern auch bei alltäglichen Dingen wie einkaufen und Bus fahren mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Die Bushaltestellen werden im Bus nicht angezeigt und nur wenige Brasilianer sprechen englisch, weswegen schon die Busfahrt in die Innenstadt anfangs Schwierigkeiten bereiten kann. Es empfiehlt sich definitiv, sich vor der Anreise Grundkenntnisse in Portugiesisch anzueignen, um sich im Alltag zurechtzufinden. Ich habe nur zwei Monate vor der Anreise einen Onlinekurs begonnen und lerne hier mit einer Brasilianerin, die ihr Deutsch aufbessern möchte, zu sprechen. Ein Kurs, um die Grammatik und ein gewisses Maß an Vokabular zu lernen, wäre jedoch von Vorteil. Im Labor herrscht aber eine bunte Mischung aus Sprachen, da dort neben den Brasilianern auch viele andere Südamerikaner und Deutsche arbeiten. Die meisten sprechen Englisch und sonst kann man sich auch irgendwie verständigen.

Die Arbeit im Labor

Bei Gerd habe ich bereits in den ersten Wochen viele lang etablierte Verfahren erlernt. Er hat dabei Wert daraufgelegt, dass ich nicht gedankenlos pipettiere, sondern bei jedem Schritt weiß, was bei dieser Reaktion passiert und worauf zu achten ist.
Dies ist besonders wichtig, wenn man mit Zellkulturen des Malariaerregers Plasmodium falciparum arbeitet. Nicht nur der Schutz des Arbeitsmaterials, sondern auch der eigene Schutz spielen eine wichtige Rolle.

Meine Arbeiten fanden alle im größeren Kontext der Cytoadhäsion von P. falciparum innerhalb der Blutgefäße statt. Der Parasit befällt Erythrozyten und exponiert Proteine an der Oberfläche seiner Wirtszelle. Diese Proteine können die befallene rote Blutzelle an der Innenseite der Blutgefäße binden. So verhindern sie eine Erkennung der infizierten Zelle in der Milz, dessen Funktion es ist, abnormale Erythrozyten auszusortieren.
Bei den Zellkulturen von P. falciparum handelt es sich um infizierte Erythrozyten, die mit Nährmedium in Flaschen kultiviert werden. Die Parasiten können beispielsweise so modifiziert werden, dass sie ein bestimmtes Oberflächenprotein produzieren oder durch den Versuch, sie auf Endothelzellkulturen binden zu lassen, auf bestimmte Oberflächenproteine getestet werden.

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Bei der Arbeit mit Zellkulturen des Malariaerregers Plasmodium falciparum.

Neben dem Forschungsmodul, das aus der täglichen Laborarbeit besteht, habe ich an dem Kurs „Molecular Biology of Plasmodium falciparum – A Practical Course“ teilgenommen, der einem Fortgeschrittenenmodul entspricht. Dort konnte ich meine praktischen Fähigkeiten ausbauen und besonders durch Erklärungen der Methoden auch in der Theorie ergänzen. Der Kurs ist jedoch vom Niveau her vergleichbar mit Vertiefungsmodulen.

Exkursion in den Dschungel

Zusätzlich zur Laborarbeit bei Gerd habe ich ein Modul in der Arbeitsgruppe von Marcelo Ferreira absolviert. Dabei handelte es sich um eine Exkursion nach Acre, einem brasilianischen Staat im Südwesten des Amazonasbeckens. Dort haben wir den Umgang mit Blutproben von mit Tropenkrankheiten infizierten Personen bzw. Menschen, die in einem endemischen Gebiet leben (also dort, wo die Krankheiten auftreten), kennengelernt. Wir sind nach mehrtägiger Anreise (erst Flugzeug, dann Boot) auf dem Rio Azul zu kleinen Kommunen an sehr abgelegenen Orten gefahren. Dort haben wir in Hängematten in Holzhütten geschlafen und mit den Einheimischen das von ihnen zubereitete Essen gegessen. Neben den fachlichen neuen Erkenntnissen haben wir so auch beeindruckende Impressionen des Lebens im Dschungel erfahren dürfen.

Die erste Gemeinde, in der wir waren, hatte vor kurzem tatsächlich noch zwei Mitglieder an die Chagas-Krankheit verloren. Diese Krankheit ist zwar nur noch wenig verbreitet, stellt jedoch immer noch eine Gefahr dar. Das Ziel der Exkursionen von Marcelo ist also nicht nur die Endemiologie (Verbreitung) der Krankheit zu erfassen, sondern auch den Menschen vor Ort zu erklären, wie sie sich schützen können. Die Chagas-Krankheit wird durch bestimmte Raubwanzen (‚kissing bugs‘) übertragen, die den Erreger Trypanosoma spec. bei ihrem Blutmahl durch ihren Kot auf die Haut des Wirts übertragen. Außerdem ist es möglich, dass man die Raubwanzen samt Trypanosoma zu sich nimmt, wenn man Früchte wie zum Beispiel Açaí verzehrt. Wir haben den Menschen vor Ort Exemplare der Wanzen gezeigt und ihnen die davon ausgehenden Gefahren erläutert.

Neben der wissenschaftlichen Arbeit haben die beiden Tropenmediziner der Exkursion den Kommunenbewohnern auch bei akuten Beschwerden helfen können. Die dort oft unzureichende medizinische Versorgung zeigte sich beispielsweise in Anämien bei Kleinkindern oder kleinen Wunden, die zu chronischen Problemen geführt hatten.

Die Erfahrungen, die wir auf dieser Exkursion sammeln durften, haben unser Gesamtbild von der Erforschung tropischer Krankheiten und Parasiten vervollständigt, uns aber auch persönlich bereichert.

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Besuch bei einer einheimischen Familie, um sie für die Studie zu testen und zu befragen. Mit dem roten Gerät messe ich den Hämoglobinwert, um eine Anämie bei der getesteten Person ausschließen zu können.
Leben in São Paulo

São Paulo ist eine riesige und spannende Stadt. Chaotisch und laut, aber ebenso bunt wie die Graffitis dort, ist auch die Bevölkerung. Es leben Menschen aus den verschiedensten Ländern miteinander und bilden eine faszinierende neue Kultur. Wie bereits erwähnt ist es ratsam, portugiesisch zu lernen, um von Einheimischen etwas über die brasilianische Kultur zu erfahren. Die Reaktion auf Ausländer, die kein Portugiesisch sprechen, kann von Angst davor, englisch sprechen zu müssen, bis offener Hilfsbereitschaft und Kommunikation mit Händen und Füßen variieren. Neben den einheimischen Brasilianern sind aber auch viele spanisch sprechende Südamerikaner und erstaunlicherweise Japaner anzutreffen. Besonders spannend ist es diese Vielfalt beim Essen zu erfahren. Die kolumbianische Küche hat mir am besten gefallen, aber auch Sushi habe ich dort lieben gelernt.

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: Oben links: Blick vom Eingang der Pinacoteca (Kunstsammlung) auf die Straße, Oben rechts: Bemalter und begrünter Mast im Szeneviertel Vila Madalena, Unten: Beco do Batman; Gasse, in der die Graffitikünstler São Paulos ihre Meisterwerke ausstellen.

Wahrscheinlich fragt ihr euch auch, wie sicher es dort auf den Straßen ist. Also ich habe zum Glück nicht die Erfahrung machen müssen, dass Brasilien das gefährlichste Land Südamerikas ist. Natürlich hört man von Freunden und Bekannten auch schon mal Horrorgeschichten darüber, wie sie ausgeraubt wurden oder die Polizei teilweise vorgeht. Um das zu vermeiden bin ich abends nur an der Hauptstraße alleine entlanggegangen, ansonsten war ich immer mit Freunden unterwegs und/oder habe ein Taxi genommen (was zum Glück recht billig ist). Außerdem sollte man nicht unnötig viele Wertsachen mitnehmen. In einem Reiseführer habe ich gelesen, dass man am besten immer etwas Bargeld dabeihat, das man im Notfall abgeben kann, aber das kam bei mir zum Glück nie zum Einsatz. Das einzige Mal, bei dem mir etwas gestohlen wurde, war, als ich Teile meiner Sachen auf dem Dachboden meines Wohnhauses gelagert habe.

Reisen

Nachdem ich mein Projekt in Gerds Labor abgeschlossen hatte, bin ich noch 7 Wochen durch Brasilien gereist. Da dies offiziell natürlich nicht vom DAAD gefördert wird, sollte man schon etwas Geld beiseitegelegt haben, wenn man in so kurzer Zeit viel vom Land sehen möchte. Da Brasilien so groß ist, musste ich oft fliegen, um von einem zum andern Ort zu gelangen.

Besonders gefallen haben mir auf der Reise Praia de Pipa, die Chapada Diamantina und Salvador. Salvador hat mir so gut gefallen, weil die Altstadt aus der Kolonialzeit und die vorwiegend afrobrasilianische Bevölkerung der Stadt einen besonderen Charme verleihen. Sie gilt zwar als eine „einzige große Favela“, wenn man jedoch die richtigen Ecken gezeigt bekommt, kann man dort gut und billig essen und kostenfreie Olodum-Shows auf den Straßen der Altstadt genießen. Olodum ist eine bestimmte Art auf künstlerische und tänzerische Weise zu trommeln, welche in besonderen Schulen dafür gelehrt wird und schon Michael Jackson begeisterte (https://www.youtube.com/watch?v=QNJL6nfu__Q).

Von Salvador aus gelangt man mittels Nachtbusfahrt nach Vale do Capão in der Chapada Diamantina. Salvador genauso wie die Chapada Diamantina liegen in dem Bundesstaat Bahia. Wie der Name des Bundesstaats schon verrät, war dort einst eine große Bucht. Dies spiegelt sich in der einzigartigen Vegetation und vor allem den vor Jahrtausenden vom Wasser geschliffenen Gesteinen wider. Der Name der Chapada (=(Hoch-)Ebene) zeugt außerdem von der Entdeckung großer Edelsteinvorkommen. Diamanten habe ich zwar nicht gefunden, aber den ein oder anderen Bergkristall. Die Trekkingtour, die ich gemacht habe, basierte auf einem 400 Jahre altem Weg der Diamantsucher. Ob diese Geschichte nur ein Märchen unseres Guides war oder nicht, der Weg war abenteuerlich und die Tour nicht im Entferntesten so touristisch, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Wir waren insgesamt drei Tage unterwegs aber schon innerhalb von zwei Stunden, die wir gewandert sind, konnte die Landschaft wechseln von karger Hochebene zu grünen Tälern und die Route von abenteuerlich steinigen Aufstiegen bis hin zu entspanntem Schwimmen an Wasserfällen.

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Abbildungen eines Bruchteils der diversen Landschaft in der Chapada Diamantina (Bahia).

Zum Schluss meiner Reise habe ich noch etwas in dem Strandort Pipa in der Nähe von Natal ausgespannt. Dort gibt es verschiedene Strände, an denen man schwimmen, surfen oder, wenn man Glück hat, Delfine antreffen kann. Der Ort ist zwar schon etwas touristisch, aber viel schöner als die meisten brasilianischen Kleinstädte. Es ist schwer zu beschreiben, wie die üblichen Städte in Brasilien aussehen. Meist sind sie von der Architektur herkarg und simpel, oft liegt Müll in Vorgärten und die Namen der Bars sind auf gesponserten Schildern von brasilianischen Biermarken zu lesen. In Pipa jedoch gibt es viele individuell aussehende Lokale, die bereits von außen mehr Ambiente ausstrahlen. Ein solches Flair ist auch in Arraial d’Ajuda (nahe Porto Seguro) vorzufinden, welches sogar bereits dreimal in Folge den Preis für die charmanteste Straße Brasiliens erhalten hat.

Ärztliche Versorgung

Da das bei mir leider unvermeidbar war, vielleicht auch noch ein paar Tipps zum Thema Arztbesuche. Ich hatte häufig Blasenentzündungen oder ausgeartete Erkältungen, weil man oft verschwitzt in klimatisierten Räumen sitzt. Wenn ihr zu solchen Erkrankungen neigt, packt euch immer ein Tuch oder ähnliches ein.

Falls ein Arztbesuch dann doch unvermeidlich ist und ihr noch gar kein Portugiesisch sprecht, nehmt euch einen portugiesisch sprechenden Professor oder Freund mit. Wenn das beispielsweise auf Reisen auch nicht geht, hat es bei mir immer ausgereicht, die wichtigsten Wörter zur Beschreibung des Problems nachzuschlagen.

Je nachdem in welchem Bundesstaat ihr seid, braucht ihr für manche Medikamente ein bestimmtes Rezept. Also falls ihr es in dem einen Staat gerade nicht mehr schafft das Medikament zu besorgen, achtet darauf, dass ihr es an eurem nächsten Ziel mit dem erhaltenen Rezept bekommt! Meine Versicherung wollte außerdem alle Verschreibungen auf Deutsch haben, was natürlich selten funktioniert. Oft bekommt man sie aber wenigstens auf Englisch.

Fazit

In den 8 Monaten, die ich in Brasilien verbracht habe, habe ich nicht nur mehr Portugiesisch gelernt als ich erwartet hätte, sondern auch eine gewisse Selbstständigkeit bei der Arbeit im Labor erlangt. Dies war für mich eins der wichtigsten Ziele, mit denen ich in dieses Abenteuer gestartet bin.
Neben der beruflichen Entwicklung kann ich aber auch eine persönliche sehen, die durch den Umgang mit Menschen verschiedener Kulturen und die Erlebnisse auf meiner Reise durch Brasilien vorangetrieben wurde.

Weihnachten im brasilianischen Dschungel

Für all diejenigen (Bio-)Studierenden, denen das europäische Ausland für ein Auslandssemester (oder zwei) zu nah an der Heimat oder zu  wenig exotisch ist, bietet der Fachbereich Biologie eine perfekte Alternative: Gefördert vom Deutschen Akademischen Austauschdienst, bietet das Programm UNIBRAL Biologiestudierenden finanzielle Unterstützung für einen Auslandsaufenthalt in Brasilien. Der brasilianische Partner ist das Institute of Biomedical Sciences der Universidade de São Paulo. Aktuell studieren und leben vier WWU-Studenten in der größten Stadt Brasiliens. Drei von ihnen, Marius Zimmermann, Carlo Fischer und Thomas Müntefering, haben ihre Eindrücke vom Studium, der Kultur und des Lebens in Brasilien aufgeschrieben.

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Weihnachten mal ganz anders: Die münsterschen Studenten Marius, Carlo, Björn und Thomas im brasilianischen Dschungel

Thomas Müntefering

Riesig! Das war mein erster Eindruck beim Landeanflug auf die 20-Millionen-Metropole São Paulo. Was hatte mich und drei weitere Masterstudierende vom Fachbereich Biologie zur größten Universität Lateinamerikas, der Universidade de São Paulo, getrieben? Ein Mix aus Neugier und Lust auf eine exotische Auslandserfahrung im beruflichen wie im privaten Sinn. Dass uns der deutschsprachige Professor, der uns betreut, persönlich vom Flughafen abholte, spiegelt die enge Beziehung zwischen Studierenden und Professoren wider. Gerade bei Hindernissen wie der Sprache oder bei den komplizierten Visums-Angelegenheiten in São Paulo standen uns die am Programm beteiligten Professoren stets persönlich zur Seite. Das Studium ist für uns ähnlich modular in Englisch aufgebaut wie an der WWU. Zusammen mit meinem Betreuer erforsche ich mittels Nanopartikeln hauptsächlich Impfstrategien gegen Malaria und Krebs. Neben dem Studium finden wir auch Zeit zum Reisen. So verbrachten wir Weihnachten am Strand in Ubatuba. Weihnachten nicht zu Hause bei meiner Familie zu sein, war für mich durch meinen Nebenjob als Krankenpflger neben dem Studium nichts Neues. Jedoch fehlte bei eiskaltem Bier und 35 Grad Celsius unter Palmen einiges, um in Weihnachtsstimmung zu kommen. Aber das Beisammensein mit Freunden und Familie, Geschenken, Glühwein bei kalten Temperaturen kann ich ja vielleicht Anfang März nach meiner Rückkehr nach Deutschland nachholen.

 

Carlo Fischer

Auch wenn man nicht von Kulturschock sprechen kann, so unterscheidet sich das alltägliche Leben in São Paulo sehr von dem in Münster. Während in Münster alles gut per Fahrrad zu erreichen ist, sieht das in São Paulo anders aus. Insbesondere außerhalb des Campus sind die Distanzen enorm, und das öffentliche Verkehrsnetz ist chaotisch. Wir vier hatten das Glück, São Paulo im Sommer kennenzulernen. Für Tripps ans Meer war das klasse. Mein persönliches Highlight war unser gemeinsamer Surfurlaub in Ubatuba. Maximaltemperaturen von über 30 Grad Celsius sind normal, aber nicht immer angenehm. Etwas nervig waren die Stromausfälle bei starkem Regen, denn Sommerzeit heißt hier auch Regenzeit. Berühmt sind brasilianische Churrascos (Grillfeste) die mehrere Stunden dauern. Dort lernt man viele Leute kennen und erlebt, warum die Brasilianer als offen und gesellig gelten. Nebenbei gibt es ausgezeichnetes Fleisch vom Grill. Auch in der
Uni wurden wir warmherzig aufgenommen. Ein besonderes Erlebnis war für mich die Teilnahme an einer Feldstudie. Bei der Studie werden Siedler in entlegenen Gebieten im Staat Amazonas besucht und Blutproben genommen. Ziel ist es, Malaria-Fälle zu kartieren. Das war wirklich ein einmaliges Erlebnis. Wir wurden sehr freundlich und ohne Skepsis empfangen. Auch ich als Deutscher, der kaum ein Wort Portugiesisch sprach.

Marius Zimmermann

Waren wir bei der Einreise am Flughafen noch erstaunt, dass niemand Englisch versteht, folgte die noch größere Überraschung bei der Registrierung für das Visum. Die zuständige Bundespolizei hat zwar eigens eine Abteilung für Visumsanträge von Ausländern, Angestellte mit entsprechenden Englischkenntnissensucht man hier jedoch vergebens. Man sollte also jemanden dabei haben, der Portugiesisch spricht. Das ist auch im restlichen Leben hilfreich, da man als Deutscher in Brasilien relativ schnell auffällt und deshalb das Interesse der Straßenverkäufer weckt. Über diese unliebsamen Kleinigkeiten lässt sich gut hinwegblicken, sobald man etwas tiefer in die brasilianische Kultur eintaucht und ein Gefühl für die Lebenseinstellung bekommt. Eines der grundlegenden Elemente brasilianischer Kultur ist die Musik. Fast in jeder Bar gibt es Live-Musik und Menschen allen Alters bevölkern die ,Tanzfläche. Die ausgelassene Stimmung ist ansteckend und überträgt sich auch auf andere Lebensbereiche. Die meisten Brasilianer sind durchgehend freundlich, hilfsbereit und gut gelaunt, sodass trotz sprachlicher Barrieren ein freundliches Zusammensein kein Problem ist. Es ist eine tolle Erfahrung, und es macht mir großen Spaß, in
einer solchen Kultur zu leben.
brasilianische Weihnachten
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