SãmBio – Unsere Erfahrungen als erste Teilnehmer des Doppelabschlussprogramms

Brasilien

Wir – Nicolas, Stefan, Veselina, Lena und Wiebke – sind die ersten Teilnehmer des Doppelabschlussprogramms SãmBio zwischen der Universität Münster und einer der renommiertesten Universitäten in Südamerika, der Universidade de São Paulo (USP) und genauer ihrem Instituto de Ciências Biomédicas(ICB). Im Rahmen dieses DAAD geförderten Austausches verbringen wir 6 bis 10 Monate unserer Masterphase (MSc Biowissenschaften, MSc Biotechnologie oder MSc Biomedizin) in Brasilien.

Mit großer Vorfreude starteten wir unsere Vorbereitungen in Münster. Neben Impfungen, Visum und Wohnungssuche stand ein Sprachkurs auf dem Plan, der uns die Chance gab, uns noch in Münster gegenseitig kennen zu lernen. Bereits bei der Ankunft am Flughafen in São Paulo waren wir dankbar, dass uns etwas Portugiesisch beigebracht wurde, da Englisch in Brasilien selten gesprochen oder verstanden wird.

Im Vorfeld hatte sich jeder von uns über die verschiedenen Arbeitsgruppen an der USP bzw. dem ICB informiert und sich ein bis zwei Professor*innen ausgesucht, bei denen er oder sie arbeiten wollte. Zur Auswahl standen mehrere Institute (von Zellbiologie über Mikrobiologie bis Immunologie), allerdings hat es uns alle in die Parasitologie gezogen. Selbst hier war von Malaria und Chagas bis zum Mikrobiom von Zecken alles dabei. Die Forschung an tropischen Infektionskrankheiten ist in Brasilien ein allgegenwärtiges Thema und es bedarf die Entwicklung neuer Impfstoffe und Therapien. In diesem Zusammenhang war der Kurs in Acre eines der größten Highlights unseres Aufenthalts. Acre ist ein nordwestlicher Bundesstaat Brasiliens, der die höchsten Endemie-Raten für Malaria im Land aufweist. Gemeinsam mit brasilianischen Studierenden und Mitarbeiter*innen der Universidade Federal do Acre (UFAC) durften wir die endemischen Malariaarten mittels molekularbiologischer Methoden charakterisieren. Dies war eine besondere interkulturelle Erfahrung für uns, da wir in gemischten Teams mit den brasilianischen Studierenden im Labor arbeiteten und uns mit ihnen hauptsächlich auf Portugiesisch verständigten. Zusätzlich durften wir uns Vorträge von Professoren der Anatomie und Paläontologie über einheimische Tierarten und lokale Fossilien anhören. Auch den sozialen Aspekten der Infektionskrankheiten in diesem Teil des Landes haben wir während unseres Aufenthalts Zeit gewidmet. Bei dem Besuch einer Gesundheitsstation in der Kleinstadt Mâncio Lima erzählten uns die lokalen Gesundheitsmitarbeiter*innen ausführlich über die Ausmaße der Malariainfektionen im umliegenden Gebiet und die diagnostischen Tests, die sie bei Malariaverdacht durchführen. Zusammen mit ihnen besuchten wir zwei Familien von an Malaria erkrankten Kindern, um die korrekte Einnahme der Medikamente zu kontrollieren. Diese Erfahrung in Acre hat uns deutlich gemacht, wie wichtig und dringend die Forschung an neuen Therapieansätzen in diesem Gebiet ist.

Auch die Weltstadt São Paulo hat viel zu bieten. Selbst nach mehreren Monaten kann man hier neues entdecken – sowohl kulturell, kulinarisch, als auch im abwechslungsreichen Nachtleben. Die Herausforderungen des Lebens in dieser Metropole stellen einen interessanten Kontrast zu Münster dar, trotzdem haben wir uns ziemlich schnell und einfach an die neue Umgebung angepasst. Die Brasilianer*innen sind sehr offenherzig sowie freundlich und haben viel Spaß am Kontakt mit Ausländer*innen, die versuchen ihre Sprache zu lernen. Die Zeit in Brasilien hat uns in jeder Hinsicht persönlich und fachlich weitergebracht. Wir haben uns in neuen unbekannten Situationen zurechtgefunden, viele Freundschaften und Bekanntschaften gemacht, unser Netzwerk erweitert und eine bunte aufregende Kultur erlebt. Diese unvergessliche Erfahrung empfehlen wir jedem Studenten des Fachbereichs Biologie.