Während des Bachelors nach Israel – Meine Zeit in Tel Aviv

Katrin hat im 5. Semester des BSc Biowissenschaften statt einen Vertiefungsmodul, ein Betriebspraktikum im Ausland absolviert. Hier berichtet sie mehr über diese spannende Zeit in Israel.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Bewerbungsschritte

Nachdem ich von der Möglichkeit eines Auslands-Moduls gehört habe, stand für mich schnell fest, dass ich diese Erfahrung gerne machen würde. Um einen Überblick zu bekommen, habe ich mich mit Frau Niebergall ausgetauscht, die mir die PDF-Datei mit allen Kooperationspartnern der Professoren des Fachbereichs gezeigt hat. Hierüber habe ich die Kooperation zwischen Prof. Paul Tudzynski und Prof. Amir Sharon in Tel Aviv gefunden. Nach Rücksprache mit Prof. Tudzynski habe ich mich per E-Mail mit einem Motivationsschreiben und einem tabellarischen Lebenslauf in Israel beworben. Die weitere Kommunikation war sehr unkompliziert.

 

Tel Aviv University

LaborDie Universität in Tel Aviv ist eine Campus-Uni und liegt etwas außerhalb von Tel Aviv. Mit mehr als 30.000 Studenten ist sie die größte Universität Israels. Der Fachbereich Faculty of Life Science beinhaltet über 90 Arbeitsgruppen und Labore und circa 3.000 Studenten. Die Arbeitsgruppen und Institute sind meist international aufgestellt, die Mehrheit der wissenschaftlichen Mitarbeiter sind aber Israelis. Die Arbeitsgruppe von Professor Amir Sharon gehört zum Institut für Molekularbiologie & Ökologie der Pflanzen. Forschungsschwerpunkt ist die Pilz-Pflanzen-Interaktion von Pflanzenschädlingen wie Botrytris cinerea (Grauschimmelfäule). Mein Projekt beinhaltete Forschung über den Zusammenhang von Autophagie und Apoptose bei diesem Pilz. Innerhalb des Projektes habe ich außerdem grundlegende molekular- und mikrobiologische Methoden kennen gelernt. Eine Immatrikulation an der Universität in Tel Aviv war nicht notwendig, da ich weiterhin in Münster eingeschrieben war.

 

Einreiseformalitäten

Solange man nur drei Monate in Israel bleibt, muss vorher kein Visum beantragt werden. Bei der Einreise wird deutschen Staatsbürgern in der Regel ein dreimonatiges Touristenvisum ausgestellt. Da ich dreieinhalb Monate dort war, habe ich circa vier Monate vor Abreise ein Studentenvisum bei der israelischen Botschaft in Berlin beantragt. Neben den Kosten für die benötigten Unterlagen, wie ggf. Reisepass, Passfotos, etc., muss man für ein Studentenvisum 42 Euro plus Porto einplanen.

 

Unterkunft und Lebenshaltungskosten

Ein günstiges Zimmer in Tel Aviv zu finden stellte eine enorme Herausforderung dar. Nachdem ich mich aufgrund der übertriebenen Preise der Studentenwohnheime gegen diese entschieden hatte, habe ich mich mittels Suchmaschinen weiter umgeschaut. Schließlich habe ich über AirBnB ein paar Zimmerangebote gefunden, die schöner und günstiger als die Wohnheimzimmer waren. Pro Monat habe ich trotzdem immer noch 630 Euro Inklusivmiete gezahlt. Mein Eindruck der generellen universitären Unterstützung ist, dass man als ausländischer Student im Vergleich zu israelischer Studenten deutlich mehr, zum Teil sogar das Doppelte, zahlt.

Die Lebenshaltungskosten sind in Israel bzw. besonders in Tel Aviv ebenfalls höher als in Deutschland. Obst und Gemüse der Saison ist meist relativ günstig, Milchprodukte, Fleisch, Brot etc. hingegen kosten deutlich mehr. Da es das Prinzip der Mensa dort leider nicht gibt, muss man auf dem Campus für ein Mittagessen bei einem der vielen kleinen Cafeterien zwischen 7 und 10 Euro kalkulieren.

 

Sprache

Für mein Forschungspraktikum haben meine guten Englischkenntnisse vollkommen ausgereicht. Dadurch, dass die Arbeitsgruppen in der Regel international besetzt sind, wird vorwiegend Englisch gesprochen. Fachliteratur ist sowieso auf Englisch geschrieben. Für einen längeren Aufenthalt würde ich einen der vielen Sprachkurse (Ulpan genannt) empfehlen.

 

Gesundheit

Eine Auslandskrankenversicherung ist nicht nur für das Visum Pflicht, sondern auch sinnvoll. Meiner Recherche nach tun sich die verschiedenen Pakete nicht viel. Worauf man achten kann, ist, dass man eine günstige Kombination mit Auslands-Haftpflicht-Versicherung findet, falls die deutsche Haftpflicht-Versicherung das nicht schon beinhaltet. Besondere Impfungen sind nicht nötig, eine Rücksprache mit dem Hausarzt schadet aber sicher nicht.

 

Verkehr

Öffentliche Verkehrsmittel sind in Israel während der Woche (Samstagabend nach Sonnenuntergang bis Freitagnachmittag) sehr gut ausgebaut, wenngleich der Begriff Fahrplan dort eher unbekannt ist. Größtenteils reist man mit dem Bus, an der Küste gibt es außerdem eine gute Nord-Süd-Zugstrecke. Auch Überlandbusse fahren alle paar Minuten in alle kleineren und größeren Städte. Öffentliche Verkehrsmittel sind meist sehr günstig. Zusätzlich lohnt es sich auf jeden Fall, eine „Rav Kav“ ausstellen zu lassen. Das ist eine personalisierte, elektronische Fahrkarte, bei der es Rabat auf den auf die Karte gebuchten Geldbetrag gibt. Anders sieht es am Wochenende, dem Shabbat, aus: Die allermeisten öffentlichen Verkehrsmittel fahren von Freitagnachmittag bis Samstagabend gar nicht, darunter alle israelischen Busse und Züge. Stattdessen gibt es Sammeltaxis, Sheruts genannt, die auf bestimmten Strecken, sowohl in den Städten als auch über Land fahren. Sie sind etwas teurer als normale Busse.

 

Fazit

Aus meiner Zeit in Israel und Palästina bleibt mir besonders in Erinnerung, wie hilfsbereit und freundlich die meisten Menschen dort sind. Egal wo man ist, was man sucht oder welches Problem man hat, es finden sich eigentlich immer Menschen, die einem bereitwillig weiterhelfen. Wenn man am Englisch als Ausländer erkannt wird, folgt in der Regel auch ein Gespräch über Deutschland, fast jeder kennt zumindest Köln und mindestens eine Person, oft sogar eigene Familienangehörige, die in Deutschland leben. Die meisten Leute packen häufig auch noch ein paar Brocken Deutsch aus und sind wirklich interessiert, was man denn so in Israel treibt und ob man das dieses und jenes schon gesehen hätte. Meist folgen dann auch noch ein paar sehr hilfreiche Reisetipps. Reisen in Israel hat so wirklich Spaß gemacht!Wüste Negev

Wie jedem wohl bekannt ist, ist Israel ein konfliktgeladenes Land. Das macht es aber natürlich auch umso spannender, politische Themen mit Einheimischen zu besprechen und sich einen eigenen Eindruck zu verschaffen. Je länger ich in Israel und Palästina unterwegs war, umso stärker habe ich den Eindruck bekommen, dass eine „neutrale Betrachtung“ der politischen Situation gar nicht möglich ist. Ich hatte das Glück, dass ich beide Perspektiven auf den israelisch-palästinensischen Konflikt direkt aus ersten Hand kennen lernen konnte, da zeitgleich mit mir eine ehemalige Mitbewohnerin aus Münster in Bethlehem und Jerusalem gearbeitet und gelebt hat. So habe ich eine Palästinenserin aus einem der Flüchtlingscamps in Bethlehem kennen gelernt und durch Besuche dort einen Eindruck in ihren Alltag bekommen.Mauer Bethlehem 2

Außerdem ist Israel ein wunderschönes Land mit atemberaubender Natur. Von mediterranen Wäldern und Bergen im Norden über das Mittelmeer, den See Genezareth, das Tote Meer und das Rote Meer bis hin zur Wüste in der gesamten südlichen Hälfte findet man für eigentlich jeden Geschmack etwas. Mir hat es besonders die Steinwüste Negev angetan, die durch Wind und Wasser bizarre und wunderschöne Formen angenommen hat. Aber auch die vielen wirklich alten Ruinen und historisch und religiös wichtigen Orte sind beeindruckend und eine Reise absolut wert. Mit Besuch aus Deutschland habe ich mich zwei Mal auf die Reise von Norden nach Süden gemacht. Dadurch, dass Israel wirklich klein ist (circa so groß wie Hessen), kann man problemlos herumreisen, auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln.Küste Haifa, Akko, RoshHaNiqra

Die Laborarbeit hat mir wirklich Spaß gemacht. Mir wurde sehr schnell und viel alleine zugetraut und das Arbeitsklima ist herzlich und entspannt. Es war immer mindestens eine Person da, die mir helfen konnte, wenn ich nicht weiterwusste oder irgendetwas gesucht habe. Ich habe bisher nicht viele Vergleichsmöglichkeiten, aber mein Eindruck ist, dass das Labor gut ausgestattet ist. Ich kann absolut empfehlen, ein Praktikum in dieser Arbeitsgruppe zu machen. Neben all den persönlichen Erfahrungen, die ich in Israel gesammelt habe und an denen ich gewachsen bin, habe ich auch fachlich viel gelernt. Das wird mir besonders jetzt in der Bachelorarbeits-Vorbereitung besonders bewusst. Selbstständig zu Planen und zu Arbeiten sind Dinge, die sehr wichtig sind und die ich allem voran in meinem Auslandspraktikum gelernt habe.Klagemauer, Felsendom in Jerusalem

 

Bilder und Geschichten aus Indien – mein Auslandssemester

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Daniel Dornbusch

DSCN55612014 bin ich mit vier weiteren deutschen Studierenden nach Indien gereist, um das erste meiner Vertiefungsmodule im Bachelor an der University of Hyderabad (UoH) statt an der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) zu absolvieren. Dort arbeiteten wir alle für ca. drei Monate im Labor der School of Life Sciences und reisten anschließend für fast zwei Monate durch Indien und Nepal. Ich bin sehr froh über die Kooperation zwischen der WWU und der UoH, da ich ohne diese nie daran gedacht hätte, nach Indien zu gehen, mit ihr es um einiges einfacher war, den Aufenthalt im Vorfeld zu planen und man sicher sein kann, dass es vor Ort Menschen gibt, an die man sich wenden kann und die einem bei allem Möglichen helfen können. Somit wurde der Aufenthalt zu einer wunderbaren Zeit, die mich nachhaltig geprägt hat.

Der Campus

Zunächst will ich euch den Campus vorstellen. Dieser ist nach Angaben der Universität von Hyderabad der größte Asiens, aber das behaupten mehrere Unis von sich. So oder so bleibt festzuhalten, er ist sehr groß, sehr grün und sehr, sehr schön!

Wir haben während unseres Praktikums am Lifescience Center gearbeitet. Ein modernes Gebäude mit Laboren, die für indische Verhältnisse sehr gut ausgestattet sind. Trotzdem gibt es ein paar Unterschiede zu deutschen Laboren. So werden dort stets Flipflops getragen. Außerdem dauert es länger, um an Chemikalien und Geräte zu kommen. Dafür legen die Wissenschaftler aber einen erstaunlichen Erfindungsreichtum an den Tag, um dieses Defizit auszugleichen.

Ich habe im Labor von Professor Bramanandam Manavathi gearbeitet und untersucht, ob bestimmte Mutationen am Pre-B-cell leukemia homeobox interacting protein 1 bei der Tumorentwicklung von Brustkrebs eine Rolle spielen.

Studentisches Engagement

Was mir in der Zeit auf dem Campus auffiel, ist, dass die meisten Studierenden politisch interessiert oder engagiert sind. So wurde vor den Campuswahlen viel diskutiert und für mich war es spannend, mit unterschiedlichen Leuten mit verschiedenen Meinungen zu reden. Das Spektrum reicht von linksliberalen Kommunisten bis hin zu rechtskonservativen Hindus. Dieses Interesse für den zukünftigen Weg Indiens ist auch an den zahlreichen Graffitis auf dem Campus abzulesen.

Eine wichtige Figur für einige meiner indischen Freunde ist B. R. Ambedkar, der sich gegen die Diskriminierung der Dalits (den Unberührbaren) und für Frauenrechte eingesetzt hat. Einige meinten sogar, er ist eine Art Karl Marx Indiens, mit dem Unterschied, dass Marx innerhalb eines Klassensystems und Ambedkar innerhalb eines Kastensystems argumentierte. Insbesondere von Freunde, die aus der Kaste der Dalits stammen und für die Diskriminierung immer noch real ist, wird Ambedkar zum Teil wie ein Gott verehrt.

Das Engagement der Studierenden zeigte sich auch durch eine Studenteninitiative, die kleine ansprechende Mülleimer auf dem Campus aufhing, um auf das Müllproblem aufmerksam zu machen und den Campus ein wenig zu verschönern.

Dennoch muss man sagen, dass Welten zwischen Deutschland und Indien liegen, was die Entsorgung von Müll angeht. Recycling ist ein Fremdwort und meistens wird der Müll irgendwo auf dem Campus verbrannt.

Das Leben vor Ort

Auf dem Campus befinden sich auch die Studierendenunterkünfte. Wir hatten damals die Möglichkeit, zu entscheiden, ob wir in das International Hostel oder in eins der „normalen“ Hostels ziehen wollen. Ich habe mich für das „normale“ Hostel entschieden, da ich erleben wollte, wie es ist, als „normaler“ Student dort zu leben und trotz anfänglichem Kulturschocks kann ich es nur jedem empfehlen! Die Zimmer erinnern zwar ein wenig an Gefängniszellen mit vergitterten Fenstern und massiven Türen, die mit einem Riegel und einem Vorhängeschloss von außen verschlossen werden können. Zudem gibt es keine europäischen Toiletten, auf die man sich setzten kann, und aus dem Duschkopf kommt nur kaltes Wasser. Es hat ein wenig gebraucht, um sich darauf einzulassen, aber nach einer Eingewöhnungsphase habe ich mich dort wirklich wohlgefühlt und dieses Zimmer wurde zu einem Zuhause.

Die indische Küche

Nun kommen wir zu meinem Lieblingsthema, dem indischen Essen. Ich liebe es und vermissen es – wie fast alle, die dort studiert und mit denen ich gesprochen habe. Ich muss aber zugeben, dass ich es scharf mag. Aber, ob ihr wollt oder nicht, wenn ihr in Indien leben wollt, werdet ihr scharfes Essen ebenfalls lieben lernen (müssen).

Ein paar meiner indischen Freunde konnten es sich nicht nehmen lassen, mir die Küche, in der für unser Hostel gekocht wurde, zu zeigen. Auch wenn es die ernsten Gesichter auf den Bildern nicht unbedingt vermuten lassen, haben sich die Leute, die dort gekocht haben, sehr gefreut, dass ich vorbeigekommen bin und bestanden darauf, sich alle von mir fotografieren zu lassen.

Feste und Feiertage

In Indien gibt es viele hinduistische Feste und Feiertage. Eins davon ist Diwali, das Lichtfest. Bei diesem Fest ist es typisch, dass Öllampen in Reihen an Fenster oder Eingänge gestellt werden und, dass Feuerwerkskörpern gezündet werden. Zu diesem Fest gehört natürlich auch gutes Essen und ebenso sollte man ein paar Süßigkeiten als Gastgeschenk mitbringt, wenn man zum Diwali eingeladen wird. Zu den Feuerwerkskörpern muss ich aber sagen, dass die mir zu krass waren. Ohrenbetäubend laut und zum Teil mit einer Druckwelle, die einem Angst machen konnte. Dazu kommt noch, dass die Zündschnüre um einiges kürzer sind, als wir es aus Deutschland gewohnt sind. Dennoch ist es im Großen und Ganzen ein wunderschönes Festival, welches sich über fünf Tage erstreckt.

Der indischer Blick auf Deutschland

Ich habe versucht, euch einen Einblick zu geben, wie ich Indien erlebt habe.
Bleibt noch die Frage, wie wird Deutschland in Indien gesehen. In der Zeit auf dem Campus gab es eine kleine Veranstaltung, auf der verschiedene Länder vorgestellt wurden. Darunter auch Deutschland. Leider haben wir keine besseren Bilder von den Plakaten gemacht, aber diese möchte ich euch trotzdem nicht vorenthalten.

Wie auf den Plakaten zu sehen ist, ist Deutschland natürlich für Brot, Bier und Fußball bekannt. Wenn ich mit den Leuten gesprochen habe, kamen jedoch meist zuerst diese drei Stereotype: Hitler, Autobahn und Oktoberfest. Wenn ich indische Studierende aus den Naturwissenschaften auf Deutschland angesprochen habe, kam häufig ihre Bewunderung für den Forschungsstandort Deutschland zutage. Insbesondere die Max-Planck-Institute, sowie die Fraunhofer-Institute genießt großen Respekt unter den Studierenden dort.

Die Reise durch Indien

Nach dem dreimonatigen Praktikum haben wir die Zeit bis Weihnachten genutzt, um für zwei Monate durch Indien und Nepal zu reisen. Aber über diese Reise will ich gar nicht so viel berichten, denn jeder Versuch, diese in diesem Artikel zu beschreiben, würde ihr in keinem Fall gerecht werden. Also nur so viel: Es war eine wunderschöne und intensive Erfahrung!

20141202_080616

„Ich werde Brasilien auf jeden Fall wieder besuchen.“ Kim berichtet über ihre Zeit an der Universidade de São Paulo

Kim

Kurz nachdem ich mein Masterstudium in Münster begonnen hatte, fand ich heraus, dass die WWU eine Kooperation mit der Universidade de São Paulo in Brasilien hat. Da ich vorher noch kein Auslandssemester absolviert hatte und auch noch nie in Südamerika gewesen war, bewarb ich mich sofort für das sogenannte Unibral-Programm. Nach einiger Zeit bekam ich die Zusage. Ich begann sofort, die benötigten Unterlagen zu beantragen, sodass ich so schnell wie möglich starten konnte. Durch die Vorfreude auf São Paulo, eine neue Kultur und neue Menschen sowie die Möglichkeit, Malaria zu erforschen, ging alles sehr einfach.

20160916_232051

Im Mai und trotz all der Wahrungen „wie gefährlich São Paulo“ sein soll ging es dann los. Innerhalb der 5 Monate habe ich Brasilien zum Glück nicht als gefährliches Land kennen gelernt, dennoch kann man natürlich Pech haben. Prof. Carsten Wrenger, der Koordinator des Programms, holte mich vom Flughafen ab und ich bekam direkt viele hilfreiche Tipps und einiges zu São Paulo erzählt. Von einem Kulturschock konnte man nicht sprechen, da ich mir vorher nicht viele Gedanken gemacht hatte und einfach gespannt auf die Großstadt war. Leider konnte ich São Paulo auf dem Hinflug nicht von oben sehen, da ich sehr früh morgens landete. Dennoch merkte ich, dass es eine riesen Stadt ist, da wir bis zum Universitätsgelände unglaublich lange brauchten. Carsten und Gerd, ebenfalls ein deutscher Professor an der Universität in São Paulo, waren sehr hilfsbereit. Dies war beispielsweise wichtig für Arztbesuche, die man ohne Portugiesisch Kenntnisse nicht alleine durchführen konnte.

Auch in meinem neuen „zu Hause“ mit 30 Zimmern und einer Küche (aber jedes Zimmer hatte ein eigenes Bad), fühlte ich mich direkt wohl und lernte viele nette Menschen aus Peru, Kolumbien und Brasilien kennen. Sie haben mir geholfen, mich im Supermarkt zurechtzufinden und haben mir einiges von São Paulo gezeigt. Dies funktionierte anfangs nur, da einige von ihnen Englisch sprechen konnten. Duolingo und meine geringen Spanisch Kenntnisse halfen mir jedoch sehr, um Portugiesisch zu lernen.

20160918_161703

An der Universität bekam ich die Möglichkeit, mir ein Thema/Labor auszusuchen in/an dem ich die nächsten 5 Monate arbeiten durfte. Alle Themen waren sehr spannend. Letztendlich entschied ich mich aber für die Forschung an oxidativem Stress bei Malaria. Dadurch bekam ich Einblicke in die Malaria-Kulturhaltung und hatte die Möglichkeit, mir viele neue Methoden anzueignen wie vor allem die Arbeit mit dem Mikroskop. Insgesamt konnte ich vieles lernen, was für die Masterarbeit sicherlich hilfreich sein wird. Ganz wichtig war für mich das selbstständige Arbeiten und Erarbeiten.

Am Wochenende hatte ich dann Zeit, São Paulo kennen zu lernen und mich vor Ort zurecht zu finden. Brasilianer sind unglaublich offen und helfen so gut es geht, auch wenn man nicht besonders gut Portugiesisch spricht. Ich brauchte 3 Monate bis ich endlich ein wenig verstehen konnte. São Paulo ist durch die zahlreichen Hochhäuser zwar nicht besonders schön, aber wer gerne feiern geht, findet überall Livemusik mit typisch brasilianischen Songs. Ich lernte sogar ein paar Tanzschritte, da die Männer in Brasilien im Gegensatz zu den deutschen Männern meistens sehr gerne tanzen. Außerdem organisieren Brasilianer bei fast allen Anlässen Festivals, sodass es am Wochenende nie langweilig wird. Bei schönem Wetter kann man außerdem im Ibirapuera Park relaxen oder Fahrrad fahren, Graffitis in der Beco do Batman anschauen oder einfach nur die Paulista entlanglaufen und vielen verschiedenen Musikern zu hören. Natürlich sind meistens weite Strecken zurück zu legen, um die Orte zu erreichen. Das Bus und Bahnsystem ist aber sehr gut ausgebaut, auch wenn man manchmal länger als eine Stunde unterwegs ist.

An manchen Wochenenden ergab sich die Möglichkeit, Orte in der Nähe von São Paulo zu besuchen wie z.B. Paranapiacaba, Santos und Guaruja, die nur ca. 1,5 Stunden entfernt liegen. Hat man das ganze Wochenende Zeit, kann man auch Rio de Janeiro, Ubatuba, Maresias oder Ilhabela besuchen, wobei man dafür schon bis zu ca. 6 Stunden Bus fahren muss.

Ich empfehle jedem, einige Zeit im Ausland zu studieren. Man lernt neben einer neuen Kultur und einer oder mehreren neuen Sprachen unglaublich viele interessante Manschen kennen. Durch die Arbeit in anderen Laboren und mit neuen interessanten Themen wie Parasitologie gewinnt man zahlreiche neue Einblick und sammelt Erfahrungen für das weitere Leben. Ich werde Brasilien auf jeden Fall wieder besuchen.

Malariaforschung in Brasilien – über das UNIBRAL-Programm

Leonie Hilger

Vor der Abreise

Als ich zum ersten Mal von der einzigarten Möglichkeit gehört habe, innerhalb des Masterstudiums im Fachbereich Biologie der WWU Münster in Brasilien studieren zu können, hatte ich zunächst noch viele Fragen und Sorgen. Brasilien bietet durch sein Klima und seine Größe natürlich ganz andere biologische Besonderheiten in Flora und Fauna als Mitteleuropa und somit auch viele Möglichkeiten meine Fachkenntnisse in Labor und Feld zu erweitern. Außerdem hat mich die Herausforderung eine neue Sprache und Kultur kennenzulernen gereizt.
Aber ebenso präsent wie die Begeisterung für das Projekt waren Fragen wie: Passen der Aufenthalt und die Kurse dort in mein Studium? Wie wird die Kommunikation mit meinen Kollegen ohne Portugiesischkenntnisse funktionieren? Und werde ich mich in einer so großen Stadt wie São Paulo zurechtfinden?
Bei all diesen Fragen konnten mir die UNIBRAL-Projektkoordinatorin Prof. Eva Liebau, die Internationalisierungsbeauftragte des Fachbereichs Dr. Roda Niebergall und auch die beiden deutsch-brasilianischen Professoren Carsten Wrenger und Gerd Wunderlich vor Ort helfen. Ebenso haben Gespräche mit ehemaligen Stipendiaten mich auf den Aufenthalt vorbereitet und meine Entscheidung gefestigt.
Nachdem der Entschluss gefasst war, die Reise zu wagen, wartete allerdings noch eine Reihe bürokratischer Aufgaben auf mich. Es gilt eine Auslandskrankenversicherung abzuschließen, gegebenenfalls einen Reisepass zu beantragen, Impfungen zu erhalten und den Flug zu buchen. Um ein Projekt und eine Unterkunft für mich zu finden, mussten auch Prof. Carsten Wrenger und Prof. Gerd Wunderlich frühzeitig wissen, wann ich anreise. Vor allem aber bedurfte die Beantragung des Visums einiges an Zeit und Behördengängen.
Nachdem auch diese Hürde genommen war, bin ich am 27. Oktober 2015 nach Brasilien geflogen.

Die ersten Tage in Brasilien
img_0312
Auf dem Weg von der Wohnung zum Supermarkt kommt man an dieser Gasse mit Graffitis vorbei. Diese Form der Straßenkunst ist typisch für São Paulo.

Obwohl ich nachts angekommen bin, hat Gerd mich abgeholt und mir auf dem Weg zu meinem Appartement direkt etwas von São Paulo gezeigt und erzählt. Bei solchen Dingen wie zum Flughafen oder zum Arzt fahren, sind beide Professoren sehr hilfsbereit. Das Appartement lag nicht weit entfernt vom ICB (Instituto de Ciências Biomédicas) und in der Nähe gibt es einen Supermarkt und ein paar Restaurants und Bars.
Am nächsten Morgen hat mich Gerd auch ins Labor begleitet und mir das Forschungsgebiet seiner Arbeitsgruppe vorgestellt. Und dann ging es auch schon direkt los mit kleineren Aufgaben in grundlegenden Methoden der Molekularbiologie. Vor allem anfangs musste ich viel lesen und erfragen, thematisch wie auch methodisch. Gerd selbst war mein Betreuer, aber auch alle anderen im Labor halfen gerne, was den Einstieg sehr erleichtert hat. Vor allem die Deutschen, die dort ihre Doktorarbeit schreiben, haben mir nicht nur im Labor, sondern auch bei alltäglichen Dingen wie einkaufen und Bus fahren mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Die Bushaltestellen werden im Bus nicht angezeigt und nur wenige Brasilianer sprechen englisch, weswegen schon die Busfahrt in die Innenstadt anfangs Schwierigkeiten bereiten kann. Es empfiehlt sich definitiv, sich vor der Anreise Grundkenntnisse in Portugiesisch anzueignen, um sich im Alltag zurechtzufinden. Ich habe nur zwei Monate vor der Anreise einen Onlinekurs begonnen und lerne hier mit einer Brasilianerin, die ihr Deutsch aufbessern möchte, zu sprechen. Ein Kurs, um die Grammatik und ein gewisses Maß an Vokabular zu lernen, wäre jedoch von Vorteil. Im Labor herrscht aber eine bunte Mischung aus Sprachen, da dort neben den Brasilianern auch viele andere Südamerikaner und Deutsche arbeiten. Die meisten sprechen Englisch und sonst kann man sich auch irgendwie verständigen.

Die Arbeit im Labor

Bei Gerd habe ich bereits in den ersten Wochen viele lang etablierte Verfahren erlernt. Er hat dabei Wert daraufgelegt, dass ich nicht gedankenlos pipettiere, sondern bei jedem Schritt weiß, was bei dieser Reaktion passiert und worauf zu achten ist.
Dies ist besonders wichtig, wenn man mit Zellkulturen des Malariaerregers Plasmodium falciparum arbeitet. Nicht nur der Schutz des Arbeitsmaterials, sondern auch der eigene Schutz spielen eine wichtige Rolle.

Meine Arbeiten fanden alle im größeren Kontext der Cytoadhäsion von P. falciparum innerhalb der Blutgefäße statt. Der Parasit befällt Erythrozyten und exponiert Proteine an der Oberfläche seiner Wirtszelle. Diese Proteine können die befallene rote Blutzelle an der Innenseite der Blutgefäße binden. So verhindern sie eine Erkennung der infizierten Zelle in der Milz, dessen Funktion es ist, abnormale Erythrozyten auszusortieren.
Bei den Zellkulturen von P. falciparum handelt es sich um infizierte Erythrozyten, die mit Nährmedium in Flaschen kultiviert werden. Die Parasiten können beispielsweise so modifiziert werden, dass sie ein bestimmtes Oberflächenprotein produzieren oder durch den Versuch, sie auf Endothelzellkulturen binden zu lassen, auf bestimmte Oberflächenproteine getestet werden.

p1030398eeee
Bei der Arbeit mit Zellkulturen des Malariaerregers Plasmodium falciparum.

Neben dem Forschungsmodul, das aus der täglichen Laborarbeit besteht, habe ich an dem Kurs „Molecular Biology of Plasmodium falciparum – A Practical Course“ teilgenommen, der einem Fortgeschrittenenmodul entspricht. Dort konnte ich meine praktischen Fähigkeiten ausbauen und besonders durch Erklärungen der Methoden auch in der Theorie ergänzen. Der Kurs ist jedoch vom Niveau her vergleichbar mit Vertiefungsmodulen.

Exkursion in den Dschungel

Zusätzlich zur Laborarbeit bei Gerd habe ich ein Modul in der Arbeitsgruppe von Marcelo Ferreira absolviert. Dabei handelte es sich um eine Exkursion nach Acre, einem brasilianischen Staat im Südwesten des Amazonasbeckens. Dort haben wir den Umgang mit Blutproben von mit Tropenkrankheiten infizierten Personen bzw. Menschen, die in einem endemischen Gebiet leben (also dort, wo die Krankheiten auftreten), kennengelernt. Wir sind nach mehrtägiger Anreise (erst Flugzeug, dann Boot) auf dem Rio Azul zu kleinen Kommunen an sehr abgelegenen Orten gefahren. Dort haben wir in Hängematten in Holzhütten geschlafen und mit den Einheimischen das von ihnen zubereitete Essen gegessen. Neben den fachlichen neuen Erkenntnissen haben wir so auch beeindruckende Impressionen des Lebens im Dschungel erfahren dürfen.

Die erste Gemeinde, in der wir waren, hatte vor kurzem tatsächlich noch zwei Mitglieder an die Chagas-Krankheit verloren. Diese Krankheit ist zwar nur noch wenig verbreitet, stellt jedoch immer noch eine Gefahr dar. Das Ziel der Exkursionen von Marcelo ist also nicht nur die Endemiologie (Verbreitung) der Krankheit zu erfassen, sondern auch den Menschen vor Ort zu erklären, wie sie sich schützen können. Die Chagas-Krankheit wird durch bestimmte Raubwanzen (‚kissing bugs‘) übertragen, die den Erreger Trypanosoma spec. bei ihrem Blutmahl durch ihren Kot auf die Haut des Wirts übertragen. Außerdem ist es möglich, dass man die Raubwanzen samt Trypanosoma zu sich nimmt, wenn man Früchte wie zum Beispiel Açaí verzehrt. Wir haben den Menschen vor Ort Exemplare der Wanzen gezeigt und ihnen die davon ausgehenden Gefahren erläutert.

Neben der wissenschaftlichen Arbeit haben die beiden Tropenmediziner der Exkursion den Kommunenbewohnern auch bei akuten Beschwerden helfen können. Die dort oft unzureichende medizinische Versorgung zeigte sich beispielsweise in Anämien bei Kleinkindern oder kleinen Wunden, die zu chronischen Problemen geführt hatten.

Die Erfahrungen, die wir auf dieser Exkursion sammeln durften, haben unser Gesamtbild von der Erforschung tropischer Krankheiten und Parasiten vervollständigt, uns aber auch persönlich bereichert.

dscn7293
Besuch bei einer einheimischen Familie, um sie für die Studie zu testen und zu befragen. Mit dem roten Gerät messe ich den Hämoglobinwert, um eine Anämie bei der getesteten Person ausschließen zu können.
Leben in São Paulo

São Paulo ist eine riesige und spannende Stadt. Chaotisch und laut, aber ebenso bunt wie die Graffitis dort, ist auch die Bevölkerung. Es leben Menschen aus den verschiedensten Ländern miteinander und bilden eine faszinierende neue Kultur. Wie bereits erwähnt ist es ratsam, portugiesisch zu lernen, um von Einheimischen etwas über die brasilianische Kultur zu erfahren. Die Reaktion auf Ausländer, die kein Portugiesisch sprechen, kann von Angst davor, englisch sprechen zu müssen, bis offener Hilfsbereitschaft und Kommunikation mit Händen und Füßen variieren. Neben den einheimischen Brasilianern sind aber auch viele spanisch sprechende Südamerikaner und erstaunlicherweise Japaner anzutreffen. Besonders spannend ist es diese Vielfalt beim Essen zu erfahren. Die kolumbianische Küche hat mir am besten gefallen, aber auch Sushi habe ich dort lieben gelernt.

blog-bunte-stadt
: Oben links: Blick vom Eingang der Pinacoteca (Kunstsammlung) auf die Straße, Oben rechts: Bemalter und begrünter Mast im Szeneviertel Vila Madalena, Unten: Beco do Batman; Gasse, in der die Graffitikünstler São Paulos ihre Meisterwerke ausstellen.

Wahrscheinlich fragt ihr euch auch, wie sicher es dort auf den Straßen ist. Also ich habe zum Glück nicht die Erfahrung machen müssen, dass Brasilien das gefährlichste Land Südamerikas ist. Natürlich hört man von Freunden und Bekannten auch schon mal Horrorgeschichten darüber, wie sie ausgeraubt wurden oder die Polizei teilweise vorgeht. Um das zu vermeiden bin ich abends nur an der Hauptstraße alleine entlanggegangen, ansonsten war ich immer mit Freunden unterwegs und/oder habe ein Taxi genommen (was zum Glück recht billig ist). Außerdem sollte man nicht unnötig viele Wertsachen mitnehmen. In einem Reiseführer habe ich gelesen, dass man am besten immer etwas Bargeld dabeihat, das man im Notfall abgeben kann, aber das kam bei mir zum Glück nie zum Einsatz. Das einzige Mal, bei dem mir etwas gestohlen wurde, war, als ich Teile meiner Sachen auf dem Dachboden meines Wohnhauses gelagert habe.

Reisen

Nachdem ich mein Projekt in Gerds Labor abgeschlossen hatte, bin ich noch 7 Wochen durch Brasilien gereist. Da dies offiziell natürlich nicht vom DAAD gefördert wird, sollte man schon etwas Geld beiseitegelegt haben, wenn man in so kurzer Zeit viel vom Land sehen möchte. Da Brasilien so groß ist, musste ich oft fliegen, um von einem zum andern Ort zu gelangen.

Besonders gefallen haben mir auf der Reise Praia de Pipa, die Chapada Diamantina und Salvador. Salvador hat mir so gut gefallen, weil die Altstadt aus der Kolonialzeit und die vorwiegend afrobrasilianische Bevölkerung der Stadt einen besonderen Charme verleihen. Sie gilt zwar als eine „einzige große Favela“, wenn man jedoch die richtigen Ecken gezeigt bekommt, kann man dort gut und billig essen und kostenfreie Olodum-Shows auf den Straßen der Altstadt genießen. Olodum ist eine bestimmte Art auf künstlerische und tänzerische Weise zu trommeln, welche in besonderen Schulen dafür gelehrt wird und schon Michael Jackson begeisterte (https://www.youtube.com/watch?v=QNJL6nfu__Q).

Von Salvador aus gelangt man mittels Nachtbusfahrt nach Vale do Capão in der Chapada Diamantina. Salvador genauso wie die Chapada Diamantina liegen in dem Bundesstaat Bahia. Wie der Name des Bundesstaats schon verrät, war dort einst eine große Bucht. Dies spiegelt sich in der einzigartigen Vegetation und vor allem den vor Jahrtausenden vom Wasser geschliffenen Gesteinen wider. Der Name der Chapada (=(Hoch-)Ebene) zeugt außerdem von der Entdeckung großer Edelsteinvorkommen. Diamanten habe ich zwar nicht gefunden, aber den ein oder anderen Bergkristall. Die Trekkingtour, die ich gemacht habe, basierte auf einem 400 Jahre altem Weg der Diamantsucher. Ob diese Geschichte nur ein Märchen unseres Guides war oder nicht, der Weg war abenteuerlich und die Tour nicht im Entferntesten so touristisch, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Wir waren insgesamt drei Tage unterwegs aber schon innerhalb von zwei Stunden, die wir gewandert sind, konnte die Landschaft wechseln von karger Hochebene zu grünen Tälern und die Route von abenteuerlich steinigen Aufstiegen bis hin zu entspanntem Schwimmen an Wasserfällen.

blog-chapada-diamantina
Abbildungen eines Bruchteils der diversen Landschaft in der Chapada Diamantina (Bahia).

Zum Schluss meiner Reise habe ich noch etwas in dem Strandort Pipa in der Nähe von Natal ausgespannt. Dort gibt es verschiedene Strände, an denen man schwimmen, surfen oder, wenn man Glück hat, Delfine antreffen kann. Der Ort ist zwar schon etwas touristisch, aber viel schöner als die meisten brasilianischen Kleinstädte. Es ist schwer zu beschreiben, wie die üblichen Städte in Brasilien aussehen. Meist sind sie von der Architektur herkarg und simpel, oft liegt Müll in Vorgärten und die Namen der Bars sind auf gesponserten Schildern von brasilianischen Biermarken zu lesen. In Pipa jedoch gibt es viele individuell aussehende Lokale, die bereits von außen mehr Ambiente ausstrahlen. Ein solches Flair ist auch in Arraial d’Ajuda (nahe Porto Seguro) vorzufinden, welches sogar bereits dreimal in Folge den Preis für die charmanteste Straße Brasiliens erhalten hat.

Ärztliche Versorgung

Da das bei mir leider unvermeidbar war, vielleicht auch noch ein paar Tipps zum Thema Arztbesuche. Ich hatte häufig Blasenentzündungen oder ausgeartete Erkältungen, weil man oft verschwitzt in klimatisierten Räumen sitzt. Wenn ihr zu solchen Erkrankungen neigt, packt euch immer ein Tuch oder ähnliches ein.

Falls ein Arztbesuch dann doch unvermeidlich ist und ihr noch gar kein Portugiesisch sprecht, nehmt euch einen portugiesisch sprechenden Professor oder Freund mit. Wenn das beispielsweise auf Reisen auch nicht geht, hat es bei mir immer ausgereicht, die wichtigsten Wörter zur Beschreibung des Problems nachzuschlagen.

Je nachdem in welchem Bundesstaat ihr seid, braucht ihr für manche Medikamente ein bestimmtes Rezept. Also falls ihr es in dem einen Staat gerade nicht mehr schafft das Medikament zu besorgen, achtet darauf, dass ihr es an eurem nächsten Ziel mit dem erhaltenen Rezept bekommt! Meine Versicherung wollte außerdem alle Verschreibungen auf Deutsch haben, was natürlich selten funktioniert. Oft bekommt man sie aber wenigstens auf Englisch.

Fazit

In den 8 Monaten, die ich in Brasilien verbracht habe, habe ich nicht nur mehr Portugiesisch gelernt als ich erwartet hätte, sondern auch eine gewisse Selbstständigkeit bei der Arbeit im Labor erlangt. Dies war für mich eins der wichtigsten Ziele, mit denen ich in dieses Abenteuer gestartet bin.
Neben der beruflichen Entwicklung kann ich aber auch eine persönliche sehen, die durch den Umgang mit Menschen verschiedener Kulturen und die Erlebnisse auf meiner Reise durch Brasilien vorangetrieben wurde.