Quasimodo verbindet Versailles und Kopenhagen – ein internationales Forschungsprojekt

Was hat Quasimodo, der buckelige Glöckner von Notre-Dame, mit einem internationalen Forschungsprojekt zu tun? Erst einmal ist Quasimodo der Grund dafür, dass ich die außergewöhnliche Möglichkeit hatte in zwei – nein, sogar drei – unterschiedlichen Forschungseinrichtungen internationale Forschungserfahrung zu sammeln. Er gab mir die Gelegenheit in einem Projekt zwei Themen zu behandeln, die auf den ersten Blick rein gar nichts miteinander zu tun haben. Quasimodo brachte mich in Kontakt mit Studierenden und Forschern aus aller Welt, ermöglichte mir an Konferenzen teilzunehmen und mich erfolgreich auf ein Stipendium zu bewerben.

Während meiner Bachelor-Arbeit machte mich Roda Niebergall, unsere Koordinatorin für Internationalisierung, die mich von der International Münster Summer School kannte, auf ein ERASMUS-Projekt aufmerksam. Schnell entschied ich mich, mich zu bewerben. Wenige Tage nach meiner Bewerbung bekam ich eine Einladung zu einem Skype-Gespräch. Zuerst mit dem Projektleiter in Versailles, dann mit dem Projektleiter in Dänemark. Nun stand endlich fest, dass ich jeweils 3 Monate in Versailles und Kopenhagen, an dem Projekt teilnehme. Bereits über 6 Monate vor Projektstart war die Vorfreude groß. Die Organisation begann. Als es um die Finanzierung ging, ermöglichte Quasimodo mir, mich auf das Jeff-Schell-Stipendium der Bayer Foundation zu bewerben. Mit der unglaublichen Unterstützung von Roda Niebergall, der Projektleiter, Grégory und Sebastian, und Prof. Michael Hippler, schaffte ich erfolgreich den Bewerbungsprozess zu durchlaufen. Bereits die Bewerbung an sich war sehr lehrreich. Ich lernte mein Projekt präzise zu beschreiben, einen anschaulichen Vortrag vorzubereiten und diesen vor einer Jury überzeugend vorzutragen. Der ganze Prozess war mit viel Anstrengung verbunden, die sich definitiv ausgezahlt hat. Nicht nur die Lebensunterhaltskosten waren durch das Stipendium gedeckt, die Projektleiter bekamen auch die Projektkosten erstattet. Dieses zusätzliche Projektgeld gab mir Freiheit in der Gestaltung meines Projekts.

Nur unweit von Quasimodos Wirkstätte, Notre-Dame in Paris, fing ich Anfang dieses Jahres mein Forschungspraktikum in Versailles an. Hier lernte ich Quasimodo das erste Mal „persönlich“ kennen, denn Quasimodo heißt die Pflanzenmutante mit der ich mich für den nächsten sechs Monate beschäftigte. Sie wurde nach Quasimodo benannt, da sie kleinwüchsig ist und durch abstehende Zellen entlang des Keimstängels sehr gebeutelt aussieht. Dieser Phänotyp ist auf einen Defekt in der Synthese eines Zellwandpolymers zurückzuführen. Meine Aufgabe war es nach chemischen Verbindungen zu suchen, die aus dem krüppeligem quasimodo- Phänotypen einen für Esmeralda interessant Mann machten. Witziger weise sind genetische Suppressoren von quasimodo nach Esmeralda, dem Zigeunermädchen, in welches Quasimodo sich verliebte, benannt worden. Zusätzlich zu dem Screen bekam ich durch weitere Experimente schnell Einblicke in die Zellwandbiologie. Das Jeff-Schell fellowship ermöglichte mir für eines dieser Experimente, 3 Tage nach Amiens zu fahren. Dort führte ich in der Gruppe eines Kollaborateurs eine quantitative PCR durch, mit einem speziellen Primer-Set, dass nur dort vorhanden ist. Außerdem konnte ich an Vorträgen von international renommierten Forschern teilnehmen. Während der Zeit begann ich unter Anleitung Grégorys eine fingerprinting Methode für das betreffende Zellwandpolymer zu entwickeln. Momentan wird diese Methode weiterentwickelt, damit sie für die Charakterisierung von weiteren Mutanten verwendet werden kann.

In Versailles wohnte ich auf dem Gelände des Instituts in einem Haus mit Studierenden, Doktorranden und Post-Docs aus den verschiedensten Ländern zusammen. Dazu zählten eine Doktorandin aus dem Iran, Post-Docs aus Indien und Vietnam und Studenten aus Frankreich sowie Tunesien. In der Gemeinschaftsküche trafen wir oft aufeinander. Es war ein sehr schönes Erlebnis

mit Menschen aus den unterschiedlichsten Regionen der Welt zusammen zu leben. So erfuhr ich mehr über ihre Kulturen und bekam auch einige Kostproben ihrer kulinarischen Köstlichkeiten. Insbesondere mit den Studenten saß ich des Öfteren abends mehrere Stunden beisammen. Wie spielten ein tunesisches Kartenspiel, Chkobba, schauten Filme oder unterhielten uns. Ein Wochenende fuhren wir zusammen in die Normandie zum Mont Saint Michel und dem Badeort Etretat. Beides sind Orte von atemberaubender Schönheit. Überzeugt euch selber! Einen Vorgeschmack bekommt ihr von den Bildern.

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Kloster Mont Saint Michel: Zur Flut ist der Klosterberg ringsrum von Wasser umgeben
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Badeort Etretat: Wohl der Badeort der Franzosen, die am Wochenende aus Paris in die Normandie fahren.

Unter der Woche, an jedem Dienstag während der Mittagspause, spielte ich mit einige Leuten aus dem Institut Fußball in der Sporthalle eines Schwesterinstituts, welches 30 Minuten entfernt gelegen war. Ein Post-doc und seine Freunde nahmen mich im Auto mit. Von dem anderen Institut
stießen weitere Studierende und Forscher hinzu. Auf der Rückfahrt des ersten Treffens, brach das Auspuffrohr des Wagens durch. Wir sind dann mit dem Zug zurückgefahren, was nur über eine Stunde länger dauerte.

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Schloss Versailles: Erbaut von König Ludwig XIV. um den Pariser Stadtleben zu entfliehen, wo er als Kind schlechte Erfahrungen gemacht hatte.

Das Institut mit meiner Unterkunft war direkt in dem Park von dem Schloss Versailles gelegen. Dies bedeutete aber nicht, dass das Institut der direkte Nachbar des Schlosses war. Viel mehr war noch der gesamte Schlosspark zu durchqueren. Dies dauert zu Fuß etwa 30 Minuten. Für abendliche Joggingausflüge war der Park perfekt geeignet. Entlang des künstlich angelegten Kanals konnte man vor der Kulisse des beleuchteten Schlosses wunderbar laufen und den prächtigen Anblick genießen. Die Nähe zu dem Schloss habe ich natürlich genutzt, um mir den Schlossgarten und das Schloss selber mehrmals anzugucken. Glücklicherweise war das Schlossmuseum für Europäer unter 26 Jahren kostenlos zugänglich. Genauso in Paris, das in nur 30 Minuten mit dem Zug zu erreichen war. Da waren Besuche im Louvre, Notre-Dame und Arc de Triomphe vorprogrammiert. Den Glockenturm von NotreDame, in dem Quasimodo arbeitete, erklomm ich für einen schönen Ausblick über Paris. Quasimodo selber wurde auf den Treppen vor Notre Dame als vierjähriges Kind zurückgelassen und benannt nach dem Feiertag Quasimodogeniti (1. Sonntag nach Ostern) an dem er gefunden wurde.

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Eiffelturm: Der Blick vom Trocadero über Paris und auf den Eiffelturm.

Insbesondere der Weg vom Louvre durch den prachtvollen Tuileries-Garten über den Place de la Concorde, auf der Champs-Élysée entlang des Grand und Petit Palais hinauf zum Arc de Triomphe war beeindruckend. In dem Tuileries-Garten tummeln sich die Pariser am Wochenende. Sie sitzen um die großen Brunnen, lesen Zeitung oder betreiben die unterschiedlichsten Sportarten. Natürlich war der Besuch des Eiffelturms und der Sacré-Coeur auch ein Muss. Trotz einiger Wochenenden sind immer noch einige Dinge offen geblieben die ich mir gerne in Paris angucken möchte.

Die quasimodo-Mutante ist klein und gebeutelt, wie der Glöckner Notre-Dame, durch die Stöung der Biosynthese eines Zellwandpolymers. Dieser Geno- und Phänotyp hat noch viel mehr drauf als nur für pflanzliche Zellwandforschung verwendet zu werden. Er ist ein ideales Modell um Transkriptionsregulation, genauer das Phänomen von transkriptionellen Interferenzen (TI) in Pflanzen, zu studieren. Wie ist das möglich? Die quasimodo-Mutante wurde durch T-DNA Mutagenese erzeugt. Dabei inseriert die T-DNA an zufälligen Stellen in das pflanzliche Genom. Dies führt zu knock-out Mutanten. Häufig befinden sich die T-DNA Insertionen jedoch auch upstream des Gens. Sie erzeugen dennoch einen knock-out Phänotypen. Einerseits kann durch die upstream Insertionen der Promotor zerstört sein, andererseits ist es möglich, dass die starke Transkription des Resistenzgens nicht terminiert wird und weiter über den downstream gelegenen Promotor verläuft. Dies wird als TI bezeichnet. In Hefen ist dies ein beschriebener Mechanismus für die Regulation von umweltempfindlichen Genen und stellt die Wichtigkeit von nicht-kodierender Transkription dar. Die T-DNA Insertion in der quasimodo-Mutante dient als synthetisches Modell für den in Hefe beschriebenen TI-Mechanismus, welcher in Pflanzen nicht beschrieben ist und für den es keine natürlichen Beispiele gibt. Somit können die in dem chemisch genetischen Screen identifizierten Suppressoren sowohl in dem quasimodo-Gen spezifischen Weg fungieren als auch mit dem TI-Mechanismus interferieren. An letzterem ist mein Betreuer, Sebastian, in Kopenhagen interessiert, der sich mit nicht-kodierender Transkription in Hefen und Pflanzen beschäftigt.

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TI Modell für quasimodo Mutante: Upstream startende Transkription von dem Resistenzgen der T-DNA Insertion interferiert mit der downstream gelegenen Transkriptionsinitiation des qua1-Gens.

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Nach 3 Monaten in Versailles und einem einwöchigen Besuch in der Heimat, kam ich in Kopenhagen an. Zur Willkommens-Feier sind wir zu einer Hip-Hop Party in einen Vorort von Kopenhagen gefahren. Sebastian trug ein T-Shirt bedruckt mit einem Poster, um Master Studierende anzuwerben. An dem Abend hat das nicht so gut funktioniert – vielleicht war es das falsche Klientel. Eine Woche später war das T-Shirt erfolgreicher als wir auf der Spring Party der Universität waren. Die Atmosphäre in der Gruppe ist toll. Die gegenseitige Unterstützung ist groß. Wir haben viel Spaß gemeinsam im Labor und in der Freizeit. Mit Tom, einem Master-Studenten aus den Niederlanden, habe ich eine Fußball Truppe gefunden, die jeden Sonntag spielt. Leider habe ich mich beim ersten Mal verletzt und falle seitdem aus. Dorine, eine Doktorandin, die nur unweit meiner Heimstadt lange Zeit gewohnt hat – wie klein die Welt doch ist, ich hatte nicht erwartet jemanden in Kopenhagen zu treffen der Speckhorn kennt – organisierte ich die marquardtschen Laboratolympics. Um die Gruppe von Sebastian auch in den sozialen Medien zu vertreten, erstellte ich eine Twitter-Account. Momentan steht bei uns der Spaß bei den Tweets im Vordergrund jedoch werden auch freie Positionen im Labor beworben, die sich so sehr schnell über unsere Follower verbreiten lassen. Außerdem bekommt man so auch viele Paper zu Augen, die von den Leuten, denen wir folgen, getweetet werden.

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Uni Spring Party: Sebastian und Xueyuan machen Werbung für ein Master-Projekt. Natürlich fand sich das Foto auch auf twitter wieder.

Arbeiten in Kopenhagen bedeutet aber nicht eine twitter-Account zu starten oder Freizeitaktivitäten zu organisieren. Vielmehr ging es darum das Projekt fortzusetzen. Zuerst stand die Reproduktion der Ergebnisse aus Versailles an. Dies gestaltete sich wesentlich schwieriger als gedacht. Da sich der Prozess hinzog, bestellte ich mit Ryan, einem Post-Doc, weitere Chemikalien, von denen wir eine unterdrückende Eigenschaft erwarteten. Von Mathias, der in den letzten Monaten seiner Master-Arbeit steckt, übernahm ich kleinere Projekte. Zum Ende hin begannen die Experimente zu funktionieren und ich fokussierte mich wieder auf meinen Part mit den Chemikalien. Neben der Laborarbeit besuchte ich zwei Konferenzen. Eine handelte von CRIPSR/Cas9, die andere von Prozessen, die DNAReplikation oder –Transkription beeinträchtigen. Letztere wurde von Sebastian organisiert, weshalb ein Forscher aus Texas zu Besuch kam. Wir bekamen die Möglichkeit mit ihm über unsere Projekte zu diskutieren. Es war beeindruckend, wie schnell er unsere Aufgaben nachvollzog und uns entsprechende Tipps und Anregungen gab. Auf der Konferenz selber gab es im Anschluss an die Vorträge Diskussionsrunden in Kleingruppen. Innerhalb von 10 Minuten hatten wir die Möglichkeit an einem Whiteboard unsere Projekte den anderen Teilnehmern der Konferenz vorzustellen. Es ist mal etwas anderes ohne vorbereitet PowerPoint Folien das eigene Projekt bekannten Forschern vorstellen zu dürfen.

Ähnlich zu Versailles wohnte ich in einem Studentenwohnheim. Diesmal hatte ich jedoch meine eigene Küche. So war der Kontakt zu den anderen Studenten eher eingeschränkt und die ersten Wochen eher einsam. Der Besuch von Freunden oder Ausflüge nach Aarhus, in den Harz oder nach Paris zu einem Treffen mit Grégory und nach Berlin zum Dialogue Day der Bayer Foundation brachten Abwechslung. Seit kurzem bin ich nun nicht mehr alleine in meiner Wohnung. Anscheinend handelt es sich um ein Doppelzimmer. Nach der Arbeit im Labor wartete letzte Woche mein neuer Mitbewohner Sergi auf mich in der Wohnung. Die Sache war, dass ich nicht wusste, dass ich einen Mitbewohner bekommen würde. Dementsprechend war die Überraschung groß als ich ins Zimmer kam. Sergi ist Spanier. Er studiert Biochemie und ist für 3 Monate für ein Praktikum hier. Die ersten Abende haben wir damit verbracht Spiele zu spielen und uns zu unterhalten. Das hat einiges an Leben in meine Bude gebracht. Noch mehr Leben in die Bude kam, als wir für ein Wochenende einen weiteren Mitbewohner bekommen haben. Jonathon kommt aus Australien. Er war über 27 Stunden unterwegs. Durch die Verspätung seines Fliegers konnte er seine Schlüssel nicht abholen.
Seine Mitbewohnerin wusste, wie ich bei Sergi, nichts von seiner Ankunft und hatte noch Besuch bei sich. So kam er bei uns für zwei Nächte unter. Es ist schon witzig wie so einiges zusammen, wie eine zuvor einsame Wohnung Leben eingehaucht bekommt – in diesem Fall passt wohl besser „gepustet“ – und welche Freude wir Jonathon machen konnten durch unsere Gastfreundlichkeit.

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Nyhavn: Das wohl bekannteste Postkarten Motiv aus Kopenhagen. Von hier aus starten die Boote für Hafentouren und der Kaffee ist besonders teuer (5 Euro).

Kopenhagen ist eine wunderschöne Stadt mit unglaublich vielen interessanten Ecken. Auf die interessanten Ecken bin ich gestoßen, weil ich mich einfach treiben ließ. An einigen Stellen findet man Gärten von „Rebellen“. Diese wurden eigenwillig zwischen Wohnhäusern angelegt. Ein Höhepunkt dieser „rebellischen“ Versammlungsorte ist Christiania, die Freistadt in Kopenhagen, die geduldet wird. Christiania ist ein spannender Ort. In großen Teilen wird die Natur nicht zurückgedrängt, weswegen viele Häuser zu gewuchert sind: Sträucher wachsen auf Dächern, die Blumen wachsen wild und an einigen Stellen sieht es aus wie eine Verflechtung von Wald und Stadt. Zusammen mit dem Graffiti und einigen eingeworfenen Fensterscheiben, erscheint der Ort verträumt. Fotos dort zu machen wird nicht gerne gesehen, da Marijuana auf offener Straße verkauft wird. Geraucht wird es überall, es gibt wenige Stellen wo ich nicht den Joint-Geruch roch. Christiania ist der hippste Teil Kopenhagen, aber es gibt jede Menge dieser Stellen über die Stadt verteilt. Unweit von Christiana befindet sich der Street Food Market im Hafen. Hier wurden Container und Campingwagen zu Essensständen umfunktioniert. Neben den hippen und alternativen Stellen Kopenhagen gibt es viele kulturelle Sehenswürdigkeiten, wie die Schlösser Christiansborg, Rosenborg und Amalienborg mit der Frederikskirke.

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Rosenborg Slot: Der ehemalige Sitz des Königs. Direkt daneben der königliche Garten (Kongens Havn).

Ein Besuch im botanischen Garten ist ein Muss! Das Tropenhaus ist beeindruckend. In dem runden Haus kann man in fünf Metern Höhe eine Runde um die Palmen drehen und deren Schönheit von oben betrachten. Es gibt weitläufige Wiesen um die Teiche, welche genutzt werden können, um die Sonne und das gute Wetter zu genießen. Ähnlich verhielt es sich im Kongens Havn, wo sich die Kopenhagener zum Picknicken treffen. Allgemein, wird jede Grünfläche zum Picknicken genutzt. Häufig sind dort für jedermann Grills verfügbar. Ein weiterer
Freizeitort in Kopenhagen ist der Tivoli. Einerseits ein Garten voll mit kulturellen Angeboten zu denen Theater- und Musikshows gehören, andrerseits ein Freizeitpark mit einigen Fahrgeschäften. Abends wird der Tivoli von Tausenden von Lichtern und Lichterketten beleuchtet. Eine sehr schöne Kulisse.

Rückblickend waren die 6 Monate eine außergewöhnliche Erfahrung, über die ich mehr als glücklich bin. Ich habe wunderbare Menschen kennengelernt, Kontakte knüpfen können, meine Englischkenntnisse verbessert und Unmengen an wissenschaftlicher Erfahrung gesammelt. Insbesondere hat mir gefallen, dass mir größten Teils freie Hand gelassen wurde, die Experimente zu planen und durchzuführen. Vor allem möchte ich den Leuten danken, die mich von Beginn an unterstützt haben: Roda Niebergall, Prof. Michael Hippler, Grégory Mouille und Sebastian Marquardt.

Beste Grüße aus Kopenhagen,

Henning

 

 

Erasmussemester an der Aarhus University in Dänemark

Anne

Vorwort

Ich habe mich für ein Auslandssemester entschieden, weil ich generell gerne Neues kennenlerne und ein Erasmussemester da perfekt reinpasst. Neue Kultur. Neue Menschen. Neue Umgebung. Mehr eigene Verantwortung. Weg von allen Sicherheiten, die man Zuhause genießt. Das alles finde ich sehr spannend. Natürlich habe ich mich noch wegen viel mehr Faktoren für ein Auslandssemester entschieden. Ich finde einfach ein Erasmussemester kann einen persönlich nur weiterbringen und deswegen auch nur gut werden.

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Vorbereitung

Ich habe ein Jahr bevor ich nach Dänemark gefahren bin einen VHS Kurs in Dänisch belegt. Das kostet leider und für mich hat es sich nicht unbedingt gelohnt, aber ich bin auch eine inkonsequente Sprachenlernerin. Generell kann ich es nur empfehlen, weil es dich sozial sehr viel weiterbringen kann, wenn du auch mit den dänischen Studenten viel in Kontakt treten möchtest.

Wenn es sich dann doch nicht einrichten lässt, braucht man natürlich auch nicht verzweifeln, weil in Dänemark gefühlt einfach jeder Englisch sprechen kann. Auf einem Basketballplatz habe ich mal Körbe mit einem 12 jährigen Dänen geworfen und selbst der konnte gutes Englisch. Es war fast verrückt. Man konnte sich für alles online anmelden. Auch der Kurskatalog war online zu finden, ich hatte aber trotzdem einfach nochmal die dann neue Erasmuskoordinatorin Dr. Roda Niebergall gefragt. Wenn ihr Fragen habt, die Ihr selbst nicht lösen könnt, solltet ihr auch immer sofort Kontakt zu euren Erasmuskoordinatoren aufnehmen. Das ist besser, als selbst zu verzweifeln. Das Online-Anmelden lief aber wirklich super easy und die Kursauswahl war auch sehr groß. Ich konnte sogar Kurse außerhalb von Biologie in der Physik belegen und auch Masterkurse. Einfach weil ich da mal reinschnuppern wollte. Wichtig! Ich musste für die Bewerbung einen C-Test in Englisch ablegen! Den kann man an der Uni Münster für ca. 20 € absolvieren. Alle anderen Möglichkeiten wie TOEFL sind unverschämt teuer (in Deutschland 240 US-Dollar) und in diesem Fall nicht besser als der C-Test beim Sprachenzentrum. Für den C-Test in Münster muss man sich vorher anmelden. Deswegen da auch bitte unbedingt genügend Zeit einplanen und am besten nachfragen, wann die nächsten Termine zur Verfügung stehen. Die Unterkunftssuche ist auch ein wichtiges Thema! Dazu mehr im nächsten Abschnitt. Weitere wichtige Punkte, die man auch noch bedenken sollte, die ich jetzt aber nicht nochmal in einzelnen detailliert durchgehe, sind: Kreditkarte, Versicherung und Sport.

 

Unterkunft

Man kann sich über die Online-Anmeldung für eine Unterkunft bewerben. Da ich jedoch gehört hatte, dass man teilweise auch sehr spät erst einen Platz bekommen kann (z.B. erst einen Monat nachdem das Semester schon begonnen hat), wollte ich mich nicht darauf verlassen. Ich meldete mich für einen zu verschmerzenden Betrag bei der Seite Boligportal.dk an. Dort gab es relativ viele Angebote und es lief nach einem ähnlichen Prinzip wie bei WG-gesucht. Ich habe darüber eine wunderschöne kleine Wohnung in der Nähe vom Hafen und in der Nähe der Uni gefunden. Meine Vermieterin war selbst mit dem Erasmusprogramm in Frankreich und deswegen hatte alles perfekt gepasst. Kann sein, dass das ein Glücksfall war. Ich kann es trotzdem nur empfehlen, da zumindest ich jede erdenkliche Möglichkeit ausschöpfen wollte, um eine gute Unterkunft zu finden. Facebook ist dabei natürlich auch eine gute Adresse. Dort gibt es viele Gruppen, in denen Wohnungen angeboten werden. Worüber man sich unbedingt im Klaren sein muss, sind die hohen Mietkosten. Mit Glück kann man über das Studentenwerk wohl auch Zimmer für 300 oder 400 € finden. Das ist aber meiner Meinung nach eher unrealistisch und man muss sich eher mit Preisen um die 500 – 600 € monatlich anfreunden.

Studieren in Aarhus

Das Studium hängt sehr von den gewählten Kursen ab. Also würde ich besonders viel Wert drauflegen, dass auch meine Interessen gut getroffen werden. Ansonsten war das Studium anspruchsvoller als erwartet. Also larifari, wie vielleicht das Klischee von einem Auslandssemester ist, wird es nicht. Was auch gut ist, weil dieses Programm dich auch für den zukünftigen Arbeitsmarkt interessanter und kompetenter machen soll. Bei meinen Kursen wurde der Fokus sehr auf Paper gelegt. Was ich noch nicht gewohnt war, aber grade während der Bachelorarbeit und später während des Masters sehr von Vorteil ist. Ich war sehr zufrieden mit meinen Kursen, auch wenn sie vielleicht einen Ticken zu anspruchsvoll waren und deswegen meine Noten nicht ganz wie gewünscht ausfielen. Aber damit muss man halt leben. Dänisch Kurse wurden auch vom Sprachenzentrum der Uni angeboten. Was auch ganz cool war, ich aber wegen ein paar IT-Problemen nicht wirklich bewerten kann. Auf jeden Fall hat man sich Mühe gegeben, für die „Internationals“ ein schönes Umfeld zu schaffen. Es gab zum Beispiel im Keller die Möglichkeit, mit anderen Spiele zu spielen, sich in Sitzsäcken auszuruhen, an PCs seine Aufgaben zu absolvieren und sich im Sprachcafé mit den Angestellten in Dänisch zu versuchen. Das war dann meistens auch eine entspannte Möglichkeit, die Sprache zu lernen, weil man sich wie mit Freunden über Gott und die Welt unterhalten konnte, aber die auch noch super auf deine Sprachdefizite Rücksicht genommen haben.

Leben in Aarhus

AIMG-20170423-WA0016arhus hat unfassbar viel zu bieten. Die Stadt lebt genau wie Münster auch von ihren Fahrradfahrern und wird nicht ohne Grund the city of smile genannt. Sie hat eine wunderschöne Altstadt mit einem kleinen Fluss/Kanal, der danach in die Ostsee mündet. Am Hafen kann man sich nie satt sehen. Nur bei Nacht ist es da noch schöner. Wobei die Nacht in Aarhus auch noch einiges mehr ermöglicht. Prinzipielles Muss sind die Friday Bars beim Campus. Da findest du nicht nur unverschämt günstige Biere und Cocktails, sondern auch die lustigsten, aufgeschlossensten und vielfältigsten Menschen. Für diese Stimmung würde ich immer wieder gern einfach so nach Aarhus fahren. Was auch richtig cool ist: dort gibt es einfach für jeden Geschmack etwas. Ob gemütlich rumchilln, Spiele spielen und wenn gewünscht auch tanzen in der Chemie Friday Bar, gnadenloses Abfeiern in der Mediziner Friday Bar oder auch ein Mix aus beidem und zusätzlich noch das Baumstammspiel (bei dem man Nägel mit einem Hammer in einen Baumstamm hämmert) in der Bio Friday Bar, es war für jeden etwas dabei!

Es gibt natürlich auch einige Einführungsveranstaltungen für die Internationals, aber leider auch nur für die Internationals. Wenn man Dänen kennenlernen möchte, muss man sich halt etwas einfallen lassen, wie zum Beispiel bei den Friday Bars mitzumachen.

Ich hatte mich schon ein paar Monate bevor ich nach Aarhus gefahren bin bei einem Basketballverein angemeldet, weil mir das persönlich wichtig war. Darüber hatte ich auch eine gute Möglichkeit, viele verschiedene Menschen kennenzulernen. Ansonsten gibt es meines Wissens dort zusätzlich ein gutes Hochschulsportangebot. Ich kann mich noch erinnern, dass man auch Windsurfen oder Angeln konnte. Ich wurde auch mal krank, aber da man am Anfang des Semesters vor Ort alles Restliche wegen der Versicherung klären konnte und auch einen Arzt zugewiesen bekommen hat, war das alles komplett unproblematisch. Und wenn sonst mal Probleme auf mich zugekommen sind, gab es für alles immer einen Ausweg, auch wenn manches erst unmachbar aussah. Bei so einem Auslandssemester lernt man halt, dass man alles irgendwie hinbekommen kann.

IMG-20170423-WA0024Außeruniversitär gibt es in der Stadt auch unendlich viele schöne Sachen zu entdecken. Die Bibliothek am Hafen zum Beispiel ist ohne Witz nicht nur zum Lernen gut, sondern auch um sich einfach so ein bisschen zu entspannen. Es ist wunderschön dort und wenn ich jetzt nur daran denke, würde ich schon gern wieder hingehen, weil die Atmosphäre so beruhigend ist. AROS ist auch ein wichtiges Ausflugsziel. Ich hatte einen Freund, der eine Jahreskarte hatte und der konnte mich einfach umsonst mit reinnehmen. Ansonsten ist es leider etwas teuer. Aber trotzdem ist es das wert. Es war für mich das erste Museum, das mich wirklich mal zum Nachdenken angeregt und beeindruckt hat. Der Deer Park ist auch eine wirklich schöne Sache. Mit ein paar Möhren in der Hand laufen dir die Rehe praktisch hinterher und du kannst sie auch streicheln oder einfach nur so durch den riesigen Park spazieren. Eine meiner Lieblingsbars in der Stadt ist das Shen Mao. Gegen 20 DK bekommt man eine Tischtenniskelle mit der man Tischtennis spielen konnte. Das hatte ich noch nie vorher erlebt und war unfassbar lustig. Verhältnismäßig günstige Biere und Cocktails gab es auch. Und wenn man nicht mehr spielen wollte, konnte man im Tausch für die Kelle ein Bier bekommen. Perfekter Abend! Musik war immer mal anders. Vorwiegend hatte es aber eher einen Underground Techno/RnB Touch. Ist natürlich Geschmackssache aber für mich hätte es kaum besser sein können. Shots gab’s übrigens in Reagenzgläsern. Da lacht doch das Biologenherz.

Zusammenfassung

Es gab bei meinem Auslandssemester Höhen und Tiefen. Aber da man aus schlechten Erfahrungen viel lernt und sie nach kurzer Zeit wieder vergisst, war alles super und ich kann es jedem nur wärmstens empfehlen. Habt viel Spaß und macht was ihr wollt! Die Welt liegt euch zu Füßen.

Bilder und Geschichten aus Indien – mein Auslandssemester

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Daniel Dornbusch

DSCN55612014 bin ich mit vier weiteren deutschen Studierenden nach Indien gereist, um das erste meiner Vertiefungsmodule im Bachelor an der University of Hyderabad (UoH) statt an der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) zu absolvieren. Dort arbeiteten wir alle für ca. drei Monate im Labor der School of Life Sciences und reisten anschließend für fast zwei Monate durch Indien und Nepal. Ich bin sehr froh über die Kooperation zwischen der WWU und der UoH, da ich ohne diese nie daran gedacht hätte, nach Indien zu gehen, mit ihr es um einiges einfacher war, den Aufenthalt im Vorfeld zu planen und man sicher sein kann, dass es vor Ort Menschen gibt, an die man sich wenden kann und die einem bei allem Möglichen helfen können. Somit wurde der Aufenthalt zu einer wunderbaren Zeit, die mich nachhaltig geprägt hat.

Der Campus

Zunächst will ich euch den Campus vorstellen. Dieser ist nach Angaben der Universität von Hyderabad der größte Asiens, aber das behaupten mehrere Unis von sich. So oder so bleibt festzuhalten, er ist sehr groß, sehr grün und sehr, sehr schön!

Wir haben während unseres Praktikums am Lifescience Center gearbeitet. Ein modernes Gebäude mit Laboren, die für indische Verhältnisse sehr gut ausgestattet sind. Trotzdem gibt es ein paar Unterschiede zu deutschen Laboren. So werden dort stets Flipflops getragen. Außerdem dauert es länger, um an Chemikalien und Geräte zu kommen. Dafür legen die Wissenschaftler aber einen erstaunlichen Erfindungsreichtum an den Tag, um dieses Defizit auszugleichen.

Ich habe im Labor von Professor Bramanandam Manavathi gearbeitet und untersucht, ob bestimmte Mutationen am Pre-B-cell leukemia homeobox interacting protein 1 bei der Tumorentwicklung von Brustkrebs eine Rolle spielen.

Studentisches Engagement

Was mir in der Zeit auf dem Campus auffiel, ist, dass die meisten Studierenden politisch interessiert oder engagiert sind. So wurde vor den Campuswahlen viel diskutiert und für mich war es spannend, mit unterschiedlichen Leuten mit verschiedenen Meinungen zu reden. Das Spektrum reicht von linksliberalen Kommunisten bis hin zu rechtskonservativen Hindus. Dieses Interesse für den zukünftigen Weg Indiens ist auch an den zahlreichen Graffitis auf dem Campus abzulesen.

Eine wichtige Figur für einige meiner indischen Freunde ist B. R. Ambedkar, der sich gegen die Diskriminierung der Dalits (den Unberührbaren) und für Frauenrechte eingesetzt hat. Einige meinten sogar, er ist eine Art Karl Marx Indiens, mit dem Unterschied, dass Marx innerhalb eines Klassensystems und Ambedkar innerhalb eines Kastensystems argumentierte. Insbesondere von Freunde, die aus der Kaste der Dalits stammen und für die Diskriminierung immer noch real ist, wird Ambedkar zum Teil wie ein Gott verehrt.

Das Engagement der Studierenden zeigte sich auch durch eine Studenteninitiative, die kleine ansprechende Mülleimer auf dem Campus aufhing, um auf das Müllproblem aufmerksam zu machen und den Campus ein wenig zu verschönern.

Dennoch muss man sagen, dass Welten zwischen Deutschland und Indien liegen, was die Entsorgung von Müll angeht. Recycling ist ein Fremdwort und meistens wird der Müll irgendwo auf dem Campus verbrannt.

Das Leben vor Ort

Auf dem Campus befinden sich auch die Studierendenunterkünfte. Wir hatten damals die Möglichkeit, zu entscheiden, ob wir in das International Hostel oder in eins der „normalen“ Hostels ziehen wollen. Ich habe mich für das „normale“ Hostel entschieden, da ich erleben wollte, wie es ist, als „normaler“ Student dort zu leben und trotz anfänglichem Kulturschocks kann ich es nur jedem empfehlen! Die Zimmer erinnern zwar ein wenig an Gefängniszellen mit vergitterten Fenstern und massiven Türen, die mit einem Riegel und einem Vorhängeschloss von außen verschlossen werden können. Zudem gibt es keine europäischen Toiletten, auf die man sich setzten kann, und aus dem Duschkopf kommt nur kaltes Wasser. Es hat ein wenig gebraucht, um sich darauf einzulassen, aber nach einer Eingewöhnungsphase habe ich mich dort wirklich wohlgefühlt und dieses Zimmer wurde zu einem Zuhause.

Die indische Küche

Nun kommen wir zu meinem Lieblingsthema, dem indischen Essen. Ich liebe es und vermissen es – wie fast alle, die dort studiert und mit denen ich gesprochen habe. Ich muss aber zugeben, dass ich es scharf mag. Aber, ob ihr wollt oder nicht, wenn ihr in Indien leben wollt, werdet ihr scharfes Essen ebenfalls lieben lernen (müssen).

Ein paar meiner indischen Freunde konnten es sich nicht nehmen lassen, mir die Küche, in der für unser Hostel gekocht wurde, zu zeigen. Auch wenn es die ernsten Gesichter auf den Bildern nicht unbedingt vermuten lassen, haben sich die Leute, die dort gekocht haben, sehr gefreut, dass ich vorbeigekommen bin und bestanden darauf, sich alle von mir fotografieren zu lassen.

Feste und Feiertage

In Indien gibt es viele hinduistische Feste und Feiertage. Eins davon ist Diwali, das Lichtfest. Bei diesem Fest ist es typisch, dass Öllampen in Reihen an Fenster oder Eingänge gestellt werden und, dass Feuerwerkskörpern gezündet werden. Zu diesem Fest gehört natürlich auch gutes Essen und ebenso sollte man ein paar Süßigkeiten als Gastgeschenk mitbringt, wenn man zum Diwali eingeladen wird. Zu den Feuerwerkskörpern muss ich aber sagen, dass die mir zu krass waren. Ohrenbetäubend laut und zum Teil mit einer Druckwelle, die einem Angst machen konnte. Dazu kommt noch, dass die Zündschnüre um einiges kürzer sind, als wir es aus Deutschland gewohnt sind. Dennoch ist es im Großen und Ganzen ein wunderschönes Festival, welches sich über fünf Tage erstreckt.

Der indischer Blick auf Deutschland

Ich habe versucht, euch einen Einblick zu geben, wie ich Indien erlebt habe.
Bleibt noch die Frage, wie wird Deutschland in Indien gesehen. In der Zeit auf dem Campus gab es eine kleine Veranstaltung, auf der verschiedene Länder vorgestellt wurden. Darunter auch Deutschland. Leider haben wir keine besseren Bilder von den Plakaten gemacht, aber diese möchte ich euch trotzdem nicht vorenthalten.

Wie auf den Plakaten zu sehen ist, ist Deutschland natürlich für Brot, Bier und Fußball bekannt. Wenn ich mit den Leuten gesprochen habe, kamen jedoch meist zuerst diese drei Stereotype: Hitler, Autobahn und Oktoberfest. Wenn ich indische Studierende aus den Naturwissenschaften auf Deutschland angesprochen habe, kam häufig ihre Bewunderung für den Forschungsstandort Deutschland zutage. Insbesondere die Max-Planck-Institute, sowie die Fraunhofer-Institute genießt großen Respekt unter den Studierenden dort.

Die Reise durch Indien

Nach dem dreimonatigen Praktikum haben wir die Zeit bis Weihnachten genutzt, um für zwei Monate durch Indien und Nepal zu reisen. Aber über diese Reise will ich gar nicht so viel berichten, denn jeder Versuch, diese in diesem Artikel zu beschreiben, würde ihr in keinem Fall gerecht werden. Also nur so viel: Es war eine wunderschöne und intensive Erfahrung!

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Mein Auslandssemester an der University of Gothenburg

Vorab

Schon einige Zeit vor dem Wintersemester 2016/2017, also meinem dritten Studienjahr, habe ich mich für einen Auslandsaufenthalt während meines Studiums interessiert und mich rechtzeitig im Internet und durch Präsentationen informiert. Mir war es besonders wichtig, ein Semester in einem Land zu verbringen, in dem man gut mit Englisch zurechtkommt, und meine persönlichen Interessensgebiete abzudecken. Nachdem ich die zahlreichen Möglichkeiten des Erasmus-Austausches durchgegangen bin, habe ich mich glücklicherweise für die Universität in Göteborg entschieden. Im Folgenden möchte ich euch etwas über die Universität, das Studentenleben vor Ort und die Stadt mit ihrer Umgebung näher bringen.

Die Universität

Die University of Gothenburg ist eine der größten Universitäten des Landes und wie alle Bildungseinrichtungen Skandinaviens auf einem modernen Stand was die Ausstattung betrifft. Es gibt zahlreiche Kurse an verschiedenen naturwissenschaftlichen Instituten, die ihr belegen könnt und die auf Englisch gehalten werden. Das Semester ist in zwei Hälften geteilt, in denen ihr jeweils einen Kurs vollzeitig belegt. Generell ist die Anzahl an Wochenstunden und Vorlesungen deutlich geringer als in Deutschland, was nicht heißt, dass weniger Arbeit anfällt. Vielmehr wird von einem erwartet, dass man die vielen „freien“ Stunden selbstständig oder in eigens organisierten Lerngruppen verbringt, um den Stoff der Vorlesungen zu vertiefen. Nutzt die Chance und sucht nach Kursen, die euch interessieren; auch wenn es sich um Masterkurse handelt und ihr euch noch im Bachelorstudium befindet. Auch bei meinem ersten Kurs handelte es sich um einen Masterkurs. Im Nachhinein war es eine der besten Entscheidungen während meines Auslandssemesters, mich für diesen Kurs zu bewerben.

Das Verhältnis zu den Dozenten ist viel angenehmer als in Deutschland, da es eines auf Augenhöhe ist und man auch direkt per du mit allen Dozenten ist, unabhängig davon, ob es sich um einen Doktoranden oder einen Professor Doktor Doktor handelt. Nachdem meine erste E-Mail (Dear Mr. Professor Doctor…) mit „Hey Jan, … Have a nice weekend!
Cheers Adrian“ beantwortet wurde, ist mir das lockere Verhältnis auch bewusst geworden. Dadurch, dass Studenten und Dozenten auf einer Höhe stehen, fällt die Kommunikation in den generell schon kleineren Kursen deutlich leichter. Außerdem macht es einfach viel mehr Spaß, sich intensiv mit einem Thema zu befassen, und auch Fragen werden während der Vorlesung ausführlich in der Gruppe gemeinsam diskutiert. Insgesamt herrschte ein starkes Gruppengefühl in den Kursen, bei dem sowohl Studenten, als auch Dozenten gemeinsam an einem Ziel arbeiteten, wodurch das Lernen deutlich angenehmer fiel und auch effektiver war, als in Deutschland.

Wohnen in Göteborg

Wie in jeder großen europäischen Stadt herrscht auch in Göteborg ein Wohnungsmangel. Daher ist es sehr wichtig, sich über das Wohnungsprogramm der Uni auf verschiedene Wohnheime zu bewerben, da in jedem Wohnheim Plätze für Erasmus-Studenten reserviert sind. Ich habe im Olofshöjd (Olofs) gewohnt, welches mit insgesamt 1.410 Wohnungen das größte Wohnheim in der Stadt ist. Während meiner Zeit dort habe ich fast alle anderen Wohnheime kennengelernt und kann euch das Olofs als Wahl Nummer-Eins nur empfehlen. Nicht nur der günstige Preis (380 € – günstig für Schweden) für ein eigenes Zimmer inklusive eigenem Badezimmer spricht für das Olofs, sondern auch die super Lage. Innerhalb von 10 Minuten seid ihr mit der Tram in der Innenstadt und habt keine Probleme, auch nachts noch nach Hause zu kommen. Das Teilen der Küche mit drei weiteren Erasmus-Studenten stellte für mich persönlich kein Problem dar, da man sich immer zurückziehen konnte, wenn man gerade seine Ruhe haben wollte. Allerdings muss man auch sagen, dass vor Allem die Küche in vielen Fällen alt und leider auch dreckig von vielen Vormietern hinterlassen wurde. Nimmt man sich aber einen Tag zum Aufräumen und Putzen Zeit, lässt es für ein halbes Jahr vollkommen in Ordnung dort leben. Der größte Pluspunkt des Olofs ist das vielseitige Angebot auf dem Gelänge. Neben kostenloser Sauna, die man mieten kann, gibt es auch ein Fitnessstudio für ca. 30 € pro halben Jahr (!), Grillplätze, ein Beach-Volleyball Feld, eine Sporthalle, ein eigenes Cafe, Tischtennisplatten usw. Auch die Tatsache, dass man quasi in einem eigenen „Erasmus-Block“ wohnt lässt besonders am Wochenende keine Langeweile aufkommen und ich habe mich nie alleine gefühlt. Die Zimmer sind allerdings etwas in die Jahre gekommen, aber für 1-2 Semester zum Wohnen völlig in Ordnung meiner Meinung nach.
Die anderen Wohnheime, in welchen ich öfters zu Besuch war (Kastanjebacken und Medicinaregatan-Container), haben ebenfalls einen positiven Eindruck hinterlassen. Gerade die Container haben eine super Lage, da man in
5 Minuten die naturwissenschaftliche Ecke der Universität erreicht. Auch das Leben in einem Container klingt erst einmal viel schlimmer, als es tatsächlich ist, da diese sehr gut eingerichtet sind (Ikea eben). Neben einem extra Schlafzimmer gibt es dort sogar eine eigene Küche. Ich habe von keinem gehört, dass er mit den Containern in Medicinaregatan unzufrieden gewesen ist. Das Kastanjebacken-Wohnheim ist ebenfalls sehr schön. Man wohnt zwar etwas weiter außerhalb (ca. 25 Minuten bis zur Innenstadt), hat dafür aber pro 11 Leute eine riesige und moderne Küche zur Verfügung. Für mich ist das Teilen des Zimmers mit einer anderen Person zwar nicht in Frage gekommen, aber vielen Leuten hat es gefallen, da sich so auch oft Freundschaften gebildet haben.

Zusammengefasst kann ich euch das Olofshöjd empfehlen, da das
Preis-/Leistungsverhältnis sehr gut ist. Aber auch die anderen Wohnheime machen einen guten Eindruck. Generell sollte man zufrieden sein, überhaupt einen Platz in einem der Wohnheime zu bekommen, da es zu Semesterbeginn noch einige Studenten gab, welche die ersten Wochen in einem Hostel verbringen mussten (wobei auch einige sich nicht über das Programm der Uni für Wohnungen beworben haben). Aber macht euch keine Sorgen: Die Verantwortlichen vor Ort geben alles, damit ihr eine Wohnung findet und die Zeit im Ausland genießen könnt.

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Zwischen Schäreninseln und Innenstadt liegen nur 30 Minuten Fahrzeit.

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Das Leben in Göteborg

… lässt sich wirklich genießen. Die Stadt ist sehr jung und modern und es gibt viele schöne Ecken zu erkunden. Nach einigen Wochenenden habt ihr auch ein paar Bars entdeckt, in denen Getränke, besonders die Alkoholischen, bezahlbar sind. Ausgehen in Schweden ist aufgrund der etwas höheren Lebenshaltungskosten teurer als in Deutschland – besonders das Feiern in Clubs ist erheblich teurer. Die Lebensmittelpreise bei Diskountern wie z.B. Lidl sind dagegen identisch zu denen in Deutschland. Der Großteil der Schweden ist äußerst freundlich und hilfsbereit und nahezu jeder – selbst die ältere Bevölkerung – spricht fließend Englisch. Die Möglichkeiten, in der Stadt etwas zu unternehmen sind, wie es für eine Großstadt mit über 570.000 Einwohnern zu erwarten ist, nahezu unendlich. Von einem Besuch im Stadion bei IFK Göteborg, einen Tag im Freizeitpark Liseberg (mitten im Zentrum mit wirklich guten Achterbahnen) bis hin zu einer Fika in Haga (vermutlich eure neue Lieblingsbeschäftigung) ist alles möglich in dieser Stadt. In 40 Minuten könnt ihr auch mit eurem Stadtticket bis zur Westküste gelangen und mit einer der zahlreiche Fähren (im Stadtticket enthalten) auf die vielen Schären-Inseln vor der Küste Göteborgs gelangen. Bei sonnigem Wetter ist es ein Muss, dass ihr euch während des „Insel-hoppings“ ein Bild von den vielen kleinen und schönen Inseln, welche teilweise von wenigen hundert Menschen bewohnt werden, macht. Aber es gibt noch zahlreiche andere Möglichkeiten, die ihr in Erfahrung bringen könnt.

Fazit

Alle Mitarbeiter der Universität, betrifft es Wohnungsvermittlung, Event-Organisation oder individuelle Anliegen, geben sich außerordentliche Mühe, damit ihr eine unvergessliche Zeit in Schweden habt. Gastfreundschaft wird in Göteborg sehr groß geschrieben! Meiner Meinung nach war das Auslandssemester in Göteborg daher eine der schönsten Zeiten für mich bisher. Aufgrund der persönlichen Weiterentwicklung durch das Auslandssemester generell und der schönen Erfahrung im Ausland zu studieren, kann ich euch nur empfehlen, ein Auslandssemester in euer Studium zu integrieren und die Chance zu nutzen. Auch die Universität in Göteborg und das Leben dort bleiben mir positiv in Erinnerung, sodass ich nicht nur ein Auslandssemester im Allgemeinen, sondern auch eines in Göteborg nur weiterempfehlen kann.

Mein Erasmus-Aufenthalt an der Umeå Universitet in Schweden

bild-1Mein Erasmus-Studium in Umeå, worum es im Folgenden geht, bereue ich auf keinem Fall. Ich rate jedem, der noch studiert, es mal gemacht zu haben, bevor ihr mit dem Studium fertig seid. Ihr werdet Erfahrungen sammeln, die ihr wahrscheinlich in keinem anderen Abschnitt eures Lebens bekommen werdet.

Studieren im internationalen Umfeld

Ich habe mein Erasmus-Semester in Umeå, ein Städtchen im nördlichen Teil Schwedens, gemacht. An der Universität werden viele verschiedene Kurse für Biologiestudierende auf Englisch angeboten, was für mich gut war, da ich kein Schwedisch konnte. Ich habe mir die Kurse „Pharmacology“ und „Tumour Biology“, beide  im Master of Science, ausgesucht. In dem Kurs „Tumour Biology“ waren alle bis auf 2 Studierende aus dem Ausland. Von daher wurde untereinander und natürlich während der Vorlesungen nur auf Englisch gesprochen. Ich fühlte mich gut integriert und die Dozenten und Laborassistenten, die alle sehr gut Englisch sprechen konnten, waren sehr zuvorkommend. Ich fand die Arbeit sehr angenehm und war zu keiner Zeit übermäßig gestresst. Leider kann ich den zweiten Kurs „Pharmacology“ nicht weiterempfehlen. Der Kurs ist bisher noch nicht komplett für internationale Studierende angepasst worden, sodass einige Materialen noch auf Schwedisch waren. Trotzdem konnte ich mit meinen Englischkenntnissen den Kurs mit einer sehr guten Note bestehen. Ich habe auch von anderen Studierenden gehört, dass dieser „Pharmacology“-Kurs nicht der Regel angehört und andere internationale Biologiestudierende die Kurse, die sie besucht haben, sehr gut fanden. Während des Studiums gibt es auch die Möglichkeit, Schwedischkurse zu belegen, was ich aus zeittechnischen Gründen nicht gemacht habe, aber sehr beliebt bei den internationalen Studierenden war.

bild-2Tipps zum Leben in Umeå

Wenn man ins Ausland gehen wird, dann ist eines der wichtigsten Sachen, worum man sich eigentlich frühzeitig kümmern soll, die Unterkunft. Nun, wenn man als internationaler Studierender an der Umeå University studiert, dann braucht man diese Sorge nicht zu haben, weil das International Office Zimmer in Studentenwohnheimen anbietet, welche man für 1 oder 2 Semester erhält. Die Miete beträgt umgerechnet zwischen 250 bis 400 Euro, was ich preislich für Schweden ganz gut finde.

Es stimmt, dass in Schweden einiges teurer ist als in Deutschland. So muss man, wenn man in Restaurants essen will mit mindestens 13 Euro pro Mahlzeit rechnen und auch die Kantinen in der Universität sind mit 6 bis 10 Euro pro vollwertige Mahlzeit nicht unbedingt für das Portemonnaie eines deutschen Studenten geeignet, wenn man täglich dort essen will. Daher sollte man damit rechnen, viel selbst zu kochen. Für schwedische Studierende ist es auch eher üblich, Essen von zu Hause mitzunehmen und es an den zahlreichen Mikrowellen aufzuwärmen. Man kann dann statt einem Abend in einem Restaurant einen Kochabend in den großen Küchen im Studentenwohnheim veranstalten, bei der internationale Studierende mit ihrer heimischen Küche wunderbare Gerichte zum kleinen Preis herbeizaubern können. Ich war von Ende August bis Mitte Januar in Umeå. Das heißt, ibild-3ch durfte Minusgrade von bis zu -15 °C (Ende Dezember/ Anfang Januar waren es mal -22 °C aber da war ich nicht da) und Sonnenstunden von 4 bis 5 Stunden miterleben. Das hört sich dramatischer an, als es ist. Da es in Umeå nicht so windig ist, fühlt es sich nicht so kalt an. Trotzdem sollte man genug warme Sachen einpacken. Für Leute, die empfindlicher gegen Kälte sind, rate ich, eine Skihose und dicke, wasserdichte Stiefeln zu kaufen, da ab November alles verschneit ist. Es werden vor Ort auch spezielle Schuhsohlen verkauft, wodurch ihr auf dem glatten Boden nicht ausrutscht (leider habe ich das zu spät erfahren, sodass ich schon so einige Stunts gemacht habe).

Freizeitaktivitäten mit Leuten aus aller Welt

bild-4Das Beste, was ich aus dem Erasmus-Programm mitgenommen habe, sind die Freunde aus aller Welt, die ich gemacht habe. Um diese kennenzulernen, hat die Universität verschiedene Anlässe organisiert. So gibt es zu Anfang für die internationalen Studierenden eine Orientierungswoche. In dieser wird direkt auf das „Buddy-Program“ hingewiesen. Das Programm, das es auch an der WWU gibt, wird von den heimischen Studierenden organisiert und es werden lustige Veranstaltungen für die internationalen Studierenden organisiert. In Umeå gab es zahlreiche solcher Veranstaltungen wie Brännboll-Wettkämpfe, ein Besuch zur Elch-Farm, Photo-Schnitzeljagd, wandern im benachbarten Wald, Curling, international kochen, draußen am See grillen oder einfach gemütlich ein Geburtstag von jemanden feiern. Wenn man dann die „richtigen“ Leute kennengelernt hat, kann man mit ihnen innerhalb von Umeå z.B. bei einer gemütlichen Fika quatschen (eine Art Kaffee-und-Kuchen-Pause), im Sportcenter bei einer Sportart Wettkämpfern, zusammen zu einer der zahlreichen Studentenpartys gehen oder gemeinsam am benachbarten See die Nordlichter anschauen und grillen. Außerhalb von Umeå kann man in der Natur wandern/campen, nach Kiruna, der nördlichsten Stadt Schwedens, fahren und im berühmten Eishotel übernachten.bild-5

 

Unvergessliche Erfahrungen im Land von Caos, Cachaça e Citometria

Lisanne hat über das DAAD-geförderte Programm UNIBRAL an unserer Partneruniversität der Universidade de Sao Paulo in Brasilien studiert. Hier könnt ihr lesen, was sie in dieser Zeit erlebt hat.

Lisanne

Wissenschaftlich:

Ich habe mein Auslandssemester im Labor von Professorin Silvia Boscardín absolviert. Ihr Labor beschäftigt sich unter anderem damit, Impfungen gegen Malaria und die Viren Zika und Dengue zu entwickeln. Dazu verwenden sie Antikörper, die spezifisch an bestimmte dendritische Ziellinien binden. An die konstante Region ihrer schweren Kette, wird ein von Parasiten abgeleitetes Epitop fusioniert, sodass ein chimärer Antikörper entsteht. Damit werden im weiteren Verlauf Mäuse immunisiert. Die Idee hinter diesem Ansatz ist, dass das Antigen (Epitop) in räumliche Nähe zu den Antigenpräsentierenden Zellen (hier dendritische Zellen) gebracht wird und somit die humorale und zelluläre Immunantwort effektiver induziert werden kann. Da ich möglichst viele Methoden erlernen wollte, bekam ich neben meinem eigenen Proje

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Mein Labor hat mir sogar eine kleine Geburtstagsparty geschmissen

kt, die Chance den Doktoranden und Studenten über die Schulter zu schauen und ihnen zu helfen. So bekam ich einen Einblick in alle Versuche, die derzeit bearbeitet wurden. Neben heterologer Proteinexpression und -Aufreinigung, erlernte ich das Arbeiten mit Zellkulturen und Mausmodellen, sowie immunologische Essays (ELISA, ELISpot, ICS, CFSE). Außerdem, konnte ich erste Erfahrungen mit der Analyse von Immunantworten mit Hilfe der Durchflusszytometrie erlangen. Außerdem war der Ausflug in das Amazonas Gebiet Acre eine einmalige Erfahrung, die mir in Deutschland so niemals geboten werden könnte. Die Betreuung war ebenfalls hervorragend, auch wenn die Kommunikation manchmal etwas beschwerlich war. Die Professorin und der Koordinator vor Ort waren stets persönlich zu erreichen und nahmen sich immer Zeit für meine Fragen.

Privat:

Im Privaten fand ich viele neue Freunde und lernte mir unbekannte Kulturen kennen. Da ich zuvor ein halbes Jahr in Spanien gelebt habe, konnte ich dank meiner Spanischkenntnisse, bedeutend besser mit Peruanern und Kolumbianern in Kontakt kommen, als mit den Brasilianern. Dies bringt mich zu meiner einzigen „schlechten“ Erfahrung, nämlich der Sprachbarriere.

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Kolumbianische Arepa

Ich empfehle also jedem vor seinem Auslandsaufenthalt mindestens einen A1 Kurs der Landessprache zu belegen. Dies erleichtert den Alltag ungemein und bringt mehr Möglichkeiten seinen Auslandsaufenthalt zu genießen (wissenschaftlich, wie privat). Trotz alledem gelang es mir meine Grundkenntnisse im Portugiesischen zu festigen. Ich kann jetzt sogar fließend einen Caipirinha bestellen J. Auch die südamerikanische Küche kam nicht zu kurz. Dank zahlreichen internationalen Kochabenden wurden kolumbianische Arepas und Empanadas, sowie die Kalorienbombe „Salchipapa“ (frittierte Würstchen, Fleisch, Pommes und ein Spiegelei unter einer Haube von Mayo und Ketchup) aus dem schönen Peru kredenzt. Außerdem kann ich sagen, dass nahezu alle Vorurteile, die mir von Freunden und Eltern (und natürlich auch von mir) mit auf den Weg gegeben wurden, nicht bestätigt wurden. Natürlich ist São Paulo eine unübersichtliche Großstadt mit gefährlichen Stadtteilen, aber selbst ich als Blondine konnte hier sehr gut leben.

Reisen:

An den Wochenenden ging es dann häufig auf Tages- oder Wochenendtrips an die nahegelegenen Strände und auf die kleinen Inseln vor der Küste – auch Rio de Janeiro,

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Blick auf das Meer von São Paulo – Stadt soweit das Auge reicht

Curitiba und Florianópolis wurde ein Besuch abgestattet. Dort konnte man Land und Leute noch einmal besser kennen lernen und interessante Unterschiede feststellen. Die Paulistaner (Einwohner von São Paulo) und die Cairiocas (Einwohner von Rio) beispielsweise sprechen so unterschiedliche Dialekte, dass ich in Rio zunächst dreimal nachfragen musste um sie zu verstehen. Es ist ungefähr vergleichbar mit Bayrisch und Sächsisch – keine Chance also. Das ganze Land ist total bunt und verrückt. Es gibt keinen Stereotypen, oder einen typischen Brasilianer. Das ist etwas was ich sehr an Brasilien mag. Doch auch São Paulo hat einiges zu bieten. Dies wird beim Blick vom ersten Wolkenkratzer der Stadt, dem Martinelli-Building, annähernd sichtbar.

Fazit:

Das UNIBRAL Programm ist ein sehr gut organisiertes Austauschprojekt mit einer der renommiertesten Universitäten Südamerikas. Es bietet verschiedenste Möglichkeiten im Bereich der Biomedizin an sehr interessanten und top aktuellen Themen, wie Zika, Malaria und Dengue zu forschen und wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Das Leben in dieser 20 Millionen Stadt ist ebenfalls eine einzigartige Chance, um internationale Freunde zu finden, andere Kulturen kennen zu lernen und das eigene Land auch ein bisschen schätzen zu lernen.

In diesem Sinne, geht es für mich jetzt zurück nach Deutschland (zugegeben nach einer drei monatigen Reise durch den Rest von Südamerika – meine Reiselust war wohl doch noch nicht ganz gestillt)

 

Até mais,

Lisanne

 

„Ich werde Brasilien auf jeden Fall wieder besuchen.“ Kim berichtet über ihre Zeit an der Universidade de São Paulo

Kim

Kurz nachdem ich mein Masterstudium in Münster begonnen hatte, fand ich heraus, dass die WWU eine Kooperation mit der Universidade de São Paulo in Brasilien hat. Da ich vorher noch kein Auslandssemester absolviert hatte und auch noch nie in Südamerika gewesen war, bewarb ich mich sofort für das sogenannte Unibral-Programm. Nach einiger Zeit bekam ich die Zusage. Ich begann sofort, die benötigten Unterlagen zu beantragen, sodass ich so schnell wie möglich starten konnte. Durch die Vorfreude auf São Paulo, eine neue Kultur und neue Menschen sowie die Möglichkeit, Malaria zu erforschen, ging alles sehr einfach.

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Im Mai und trotz all der Wahrungen „wie gefährlich São Paulo“ sein soll ging es dann los. Innerhalb der 5 Monate habe ich Brasilien zum Glück nicht als gefährliches Land kennen gelernt, dennoch kann man natürlich Pech haben. Prof. Carsten Wrenger, der Koordinator des Programms, holte mich vom Flughafen ab und ich bekam direkt viele hilfreiche Tipps und einiges zu São Paulo erzählt. Von einem Kulturschock konnte man nicht sprechen, da ich mir vorher nicht viele Gedanken gemacht hatte und einfach gespannt auf die Großstadt war. Leider konnte ich São Paulo auf dem Hinflug nicht von oben sehen, da ich sehr früh morgens landete. Dennoch merkte ich, dass es eine riesen Stadt ist, da wir bis zum Universitätsgelände unglaublich lange brauchten. Carsten und Gerd, ebenfalls ein deutscher Professor an der Universität in São Paulo, waren sehr hilfsbereit. Dies war beispielsweise wichtig für Arztbesuche, die man ohne Portugiesisch Kenntnisse nicht alleine durchführen konnte.

Auch in meinem neuen „zu Hause“ mit 30 Zimmern und einer Küche (aber jedes Zimmer hatte ein eigenes Bad), fühlte ich mich direkt wohl und lernte viele nette Menschen aus Peru, Kolumbien und Brasilien kennen. Sie haben mir geholfen, mich im Supermarkt zurechtzufinden und haben mir einiges von São Paulo gezeigt. Dies funktionierte anfangs nur, da einige von ihnen Englisch sprechen konnten. Duolingo und meine geringen Spanisch Kenntnisse halfen mir jedoch sehr, um Portugiesisch zu lernen.

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An der Universität bekam ich die Möglichkeit, mir ein Thema/Labor auszusuchen in/an dem ich die nächsten 5 Monate arbeiten durfte. Alle Themen waren sehr spannend. Letztendlich entschied ich mich aber für die Forschung an oxidativem Stress bei Malaria. Dadurch bekam ich Einblicke in die Malaria-Kulturhaltung und hatte die Möglichkeit, mir viele neue Methoden anzueignen wie vor allem die Arbeit mit dem Mikroskop. Insgesamt konnte ich vieles lernen, was für die Masterarbeit sicherlich hilfreich sein wird. Ganz wichtig war für mich das selbstständige Arbeiten und Erarbeiten.

Am Wochenende hatte ich dann Zeit, São Paulo kennen zu lernen und mich vor Ort zurecht zu finden. Brasilianer sind unglaublich offen und helfen so gut es geht, auch wenn man nicht besonders gut Portugiesisch spricht. Ich brauchte 3 Monate bis ich endlich ein wenig verstehen konnte. São Paulo ist durch die zahlreichen Hochhäuser zwar nicht besonders schön, aber wer gerne feiern geht, findet überall Livemusik mit typisch brasilianischen Songs. Ich lernte sogar ein paar Tanzschritte, da die Männer in Brasilien im Gegensatz zu den deutschen Männern meistens sehr gerne tanzen. Außerdem organisieren Brasilianer bei fast allen Anlässen Festivals, sodass es am Wochenende nie langweilig wird. Bei schönem Wetter kann man außerdem im Ibirapuera Park relaxen oder Fahrrad fahren, Graffitis in der Beco do Batman anschauen oder einfach nur die Paulista entlanglaufen und vielen verschiedenen Musikern zu hören. Natürlich sind meistens weite Strecken zurück zu legen, um die Orte zu erreichen. Das Bus und Bahnsystem ist aber sehr gut ausgebaut, auch wenn man manchmal länger als eine Stunde unterwegs ist.

An manchen Wochenenden ergab sich die Möglichkeit, Orte in der Nähe von São Paulo zu besuchen wie z.B. Paranapiacaba, Santos und Guaruja, die nur ca. 1,5 Stunden entfernt liegen. Hat man das ganze Wochenende Zeit, kann man auch Rio de Janeiro, Ubatuba, Maresias oder Ilhabela besuchen, wobei man dafür schon bis zu ca. 6 Stunden Bus fahren muss.

Ich empfehle jedem, einige Zeit im Ausland zu studieren. Man lernt neben einer neuen Kultur und einer oder mehreren neuen Sprachen unglaublich viele interessante Manschen kennen. Durch die Arbeit in anderen Laboren und mit neuen interessanten Themen wie Parasitologie gewinnt man zahlreiche neue Einblick und sammelt Erfahrungen für das weitere Leben. Ich werde Brasilien auf jeden Fall wieder besuchen.

Mit ERASMUS in Turku, Finnland

Theresa Klein-Raufhake

Finnland ist ein junges Land. Vielleicht gerade deshalb sind die Menschen hier urtümlicher, ruhiger, bedachter und leben näher an und mit der Natur. Die Luft ist klar, mehr Freiraum durch die geringe Bevölkerungsdichte, jeder Finne hat ein Summercottage mit Sauna, das Jedermanns Recht, Lagerfeuer, weiche Moospolster, Flechten, Seen und Beeren.

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Wandern in Lappland (September)

Es hat mir so gut in Turku gefallen, dass ich meinen Aufenthalt, der ursprünglich nur von August bis Dezember gegangen wäre, um 2 Monate verlängert habe. Ich habe mich in Land und Leute verliebt, gerne wäre ich sogar noch länger geblieben. Wenn man aber im 5. Semester geht, muss man spätestens zum Projektmodul Anfang März wieder zurück in Münster sein. Sicher ist: ich gehe zurück.

Summerschool

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Ausflug im Rahmen der Summerschool

Ich bin schon am 3. August nach Finnland geflogen, da ich mich für die Summerschool angemeldet hatte. Weil dort ein Finnisch-Kurs mitinbegriffen war, habe ich für August auch schon ERASMUS Gelder beziehen können. Außerdem gab es Kurse in Finnish Culture, Finnish Social Development und Finnish History. Werktags hat man von morgens bis mittags in einer kleinen Klasse mit internationalen Studenten aus aller Welt die verschiedenen Kurse (man kann auch nur selektiv Kurse anwählen) und nachmittags gab es von Mo-Sa ein organisiertes Freizeitprogramm (Kanu fahren, Wandern im Nationalpark, Trips ins Archipelago, International Dinner u.v.m.). Die Teilanhme an der Summerschool kann ich bedingungslos jedem empfehlen. Durch meinen Summerschool-Tutor lernte ich an meinem ersten Tag in Finnland schon alle Leute kennen, die mich durch die nächsten 7 Monate begleiteten und die dort zu meinen engsten Freunden wurden.

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Mit einem Lagerfeuer am See wird traditioneller Weise (Mid)Sommer gefeiert

Ganz ab von der Summerschool solltet ihr so oder so schon im August nach Finnland kommen: Die Tage sind ewig lang, die Sonne geht erst gegen 11 unter, Sommerurlaubstemperaturen (es war hier sogar wärmer als in Deutschland), das Meer vor der Nase, etliche Seen zum reinhüpfen und Hochsaison der Beeren.

 

 

Orientierungswoche

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Am Nordkapp, Norwegen

Das Semester In Turku beginnt im b September, die obligatorischen Orientierungstage sind aber schon in der letzten Augustwoche. Spätestens dann sollte man also anreisen. Es wird einem alles erklärt und man hat die Möglichkeit auf Partys, Veranstaltungen und Events die anderen Austauschstudenten kennenzulernen. Wer die O-Woche hier in Münster genossen hat, dem werden die Orientierungstage in Turku sicher gut gefallen.

 

Studium

Der Link führt zu einer Liste mit allen Kursen, die in Englisch angeboten werden. Die meisten davon sind MSc. Kurse, die kann man aber auch als BSc. Student belegen. Ich selber hatte ausschließlich Kurse des dort recht großen Fachbereichs Ökologie angewählt (Tropical Ecology, Geographical Plant Ecology, Population Estimation and Monitoring Methodology, Conservation Biology).

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In Närpes gibt es die höchste Dichte an Gewächshäusern Finnlands; von deren Licht sind die Nächte dort gemütlich orange eingefärbt.

Da Finnland neben Finnisch auch Schwedisch als 2. anerkannte Amtssprache hat, gibt es in Turku neben der finnischen University of Turku – Turun yliopisto auch die schwedische Åbo Akademi. Beide Unis teilen sich das gleiche Gelände und es ist Studenten erlaubt Kurse beider Unis zu belegen. Die Partnerschaft von Münster ist mit der finnischen Uni, primär ist man also erst einmal dort und um Kurse an der schwedischen Uni anzuwählen, muss man das mit dem International Office in Turku abklären. Ich selber hatte Kurse an beiden Unis. Da müsst ihr einfach mal schauen, was euch von deren Angebot so anspricht.

Die Universitätsdirektorin hat bei der Einführungsveranstaltung während der Orientierungswoche zu uns gesagt „We professors see you students as collegues, you are just a bit younger“. So sieht dann auch die Atmosphäre in den Kursen sehr viel familiärer, persönlicher und ungehemmter aus, als hier in Münster. Auch deshalb, weil die Kurse generell viel kleiner sind:  oft nur 15-20 Leute stark.  Man hat als Student sehr viel mehr Freiheiten, darf Kurse aus allen Fachbereichen anwählen und es gibt auch keinen strikt vorgegebenen Studiumsverlaufplan. Ich hatte nur in einem meiner Kurse eine Abschlussklausur, ansonsten musste ich Essays und Reporte schreiben, Präsentationen und sogar Vorlesungen geben, die dann bewertet wurden.

 Wohnen

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Fluss Aura fließt direkt am Student Village vorbei.

Ich habe im Student Village gewohnt. Dort hatte ich ein 17m2 Apartment mit eigenem kleinen Bad und einer Gemeinschaftsküche, die ich mir mit meinen 11 internationalen Flurnachbarn geteilt habe. Der Vorteil hier ist die Lage: das Student Village liegt direkt neben dem Universitätsgelände und man kann alles schnell fußläufig oder mit dem Rad erreichen. Mit dem Rad ist man in 10 Minuten in der Innenstadt und in 5 Minuten an der Uni.

Ein Zimmer bei Retrodorm ist ein bisschen günstiger, man hat aber keine eigene Dusche und es ist auch ein bisschen weiter weg.

Da es tendenziell mehr Studenten als freie Wohnungen gibt, sollte man sich sowohl bei TYS, als auch bei Retrodorm so schnell wie möglich um ein Zimmer bewerben. Am besten sobald die Anmeldung möglich ist.

Da mein Vertrag mit TYS im Dezember ausgelaufen ist, habe ich für Januar und Februar über die Facebookgruppe Zimmer zur Zwischenmiete finden können. Schaut mal rein, da sind wirklich die meisten Angebote zu finden.

Sprache

Trotzdem ich an 2 Finnisch-Kursen teilgenommen habe, bin ich nicht über die einfachen Basics hinausgekommen. Finnisch zu lernen ist eine Lebensaufgabe und das gelehrte Finnisch hat auch leider kaum etwas mit dem Gesprochenen zu tun. Hauptproblem war wohl auch, dass ich es im Privaten nicht angewandt habe. Obwohl viele meiner Freunde Finnen sind, gehören sie doch alle zu der schwedisch sprechenden Minderheit. Wenn ihr statt Finnisch-Frust ein sicheres Erfolgserlebnis haben wollt, lernt lieber Schwedisch. Das ist so nah am Deutschen, da haben wir es wirklich einfach. Mit gutem Willen und finnischen Freunden ist es aber durchaus möglich: meine amerikanische Freundin Alex wohnte in einer finnischen Familie und sprach nach 7 Monaten schon beeindruckend gut. Im Endeffekt müsst ihr aber weder Finnisch noch Schwedisch können, um in Turku zu überleben. Fast jeder spricht exzellentes Englisch.

 

Freizeit

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Zelten im September, Lappland

Wenn euch nach Natur und Wandern ist, ist Finnland genau das richtige Land. Etliche Nationalparks, Seen, das Meer, Lappland und obwohl das Land ja für seine Flachheit bekannt ist, gibt es gen Norden auch ein paar Berge zu erklimmen.

Wenn ihr darauf Lust habt, könnt ihr an organisierten Trips wie z.B. nach Stockholm, Oslo, Thallin, oder St. Petersburg teilnehmen. Da ist man in riesigen Trupps unterwegs, hat eine Menge Programm und bleibt unter Austauschstudenten, von denen die Mehrheit Deutsche sind. Das vom ESN organisierte Programm (neben Trips auch diverse Partys und andere Veranstaltungen) ist unter ERASMUS Studenten sehr beliebt, man lernt eine Menge Internationaler kennen, allerdings nicht die Finnen selbst.

Ich selber bin mit Freunden privat viel rumgedüst, mit dem Auto nach Lappland und hoch bis zum Nordkapp nach Norwegen und Couchsurfend durch Stockholm.

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Zelten im Dezember, Nationalpark im Osten Finnlands

Aber auch in Turku selbst kann man eine Menge machen. Gegen eine einmalige Hochschulsportgebühr von ca. 45€ darf man an allen angebotenen Kursen über das gesamte Semester hinweg teilnehmen, es gibt eine Kletterhalle direkt neben dem Unigelände und mehrere schöne zentrale Parks, in denen man auch Sport machen kann.

Wie Münster ist auch Turku eine richtige Studentenstadt. Im August und September fanden viele Open Air Veranstaltungen, Festivals und Konzerte statt und auch generell gibt es ein breites Kulturangebot. An Bars und Discotheken ist auch für jeden etwas dabei.

Und natürlich Sauna. Sogar das alte 60er Jahre Student Village Gebäude, in dem ich gewohnt habe, hat eine eigene unterm Dach. Bei mehr Saunen als Haushalten in Finnland kein Wunder. Geht man mit Finnen in die Sauna, kann das gut ein Prozedere von mehreren Stunden werden. Je nach Jahreszeit wird sich dann durch Schwimmen im Meer/ See, Schneeengel machen, oder „Avanto“ (Eisschwimmen) zwischen den Saunagängen abgekühlt.

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Abkürzung über einen eingefrorenen See

Fazit

Worauf wartet ihr?