Quasimodo verbindet Versailles und Kopenhagen – ein internationales Forschungsprojekt

Was hat Quasimodo, der buckelige Glöckner von Notre-Dame, mit einem internationalen Forschungsprojekt zu tun? Erst einmal ist Quasimodo der Grund dafür, dass ich die außergewöhnliche Möglichkeit hatte in zwei – nein, sogar drei – unterschiedlichen Forschungseinrichtungen internationale Forschungserfahrung zu sammeln. Er gab mir die Gelegenheit in einem Projekt zwei Themen zu behandeln, die auf den ersten Blick rein gar nichts miteinander zu tun haben. Quasimodo brachte mich in Kontakt mit Studierenden und Forschern aus aller Welt, ermöglichte mir an Konferenzen teilzunehmen und mich erfolgreich auf ein Stipendium zu bewerben.

Während meiner Bachelor-Arbeit machte mich Roda Niebergall, unsere Koordinatorin für Internationalisierung, die mich von der International Münster Summer School kannte, auf ein ERASMUS-Projekt aufmerksam. Schnell entschied ich mich, mich zu bewerben. Wenige Tage nach meiner Bewerbung bekam ich eine Einladung zu einem Skype-Gespräch. Zuerst mit dem Projektleiter in Versailles, dann mit dem Projektleiter in Dänemark. Nun stand endlich fest, dass ich jeweils 3 Monate in Versailles und Kopenhagen, an dem Projekt teilnehme. Bereits über 6 Monate vor Projektstart war die Vorfreude groß. Die Organisation begann. Als es um die Finanzierung ging, ermöglichte Quasimodo mir, mich auf das Jeff-Schell-Stipendium der Bayer Foundation zu bewerben. Mit der unglaublichen Unterstützung von Roda Niebergall, der Projektleiter, Grégory und Sebastian, und Prof. Michael Hippler, schaffte ich erfolgreich den Bewerbungsprozess zu durchlaufen. Bereits die Bewerbung an sich war sehr lehrreich. Ich lernte mein Projekt präzise zu beschreiben, einen anschaulichen Vortrag vorzubereiten und diesen vor einer Jury überzeugend vorzutragen. Der ganze Prozess war mit viel Anstrengung verbunden, die sich definitiv ausgezahlt hat. Nicht nur die Lebensunterhaltskosten waren durch das Stipendium gedeckt, die Projektleiter bekamen auch die Projektkosten erstattet. Dieses zusätzliche Projektgeld gab mir Freiheit in der Gestaltung meines Projekts.

Nur unweit von Quasimodos Wirkstätte, Notre-Dame in Paris, fing ich Anfang dieses Jahres mein Forschungspraktikum in Versailles an. Hier lernte ich Quasimodo das erste Mal „persönlich“ kennen, denn Quasimodo heißt die Pflanzenmutante mit der ich mich für den nächsten sechs Monate beschäftigte. Sie wurde nach Quasimodo benannt, da sie kleinwüchsig ist und durch abstehende Zellen entlang des Keimstängels sehr gebeutelt aussieht. Dieser Phänotyp ist auf einen Defekt in der Synthese eines Zellwandpolymers zurückzuführen. Meine Aufgabe war es nach chemischen Verbindungen zu suchen, die aus dem krüppeligem quasimodo- Phänotypen einen für Esmeralda interessant Mann machten. Witziger weise sind genetische Suppressoren von quasimodo nach Esmeralda, dem Zigeunermädchen, in welches Quasimodo sich verliebte, benannt worden. Zusätzlich zu dem Screen bekam ich durch weitere Experimente schnell Einblicke in die Zellwandbiologie. Das Jeff-Schell fellowship ermöglichte mir für eines dieser Experimente, 3 Tage nach Amiens zu fahren. Dort führte ich in der Gruppe eines Kollaborateurs eine quantitative PCR durch, mit einem speziellen Primer-Set, dass nur dort vorhanden ist. Außerdem konnte ich an Vorträgen von international renommierten Forschern teilnehmen. Während der Zeit begann ich unter Anleitung Grégorys eine fingerprinting Methode für das betreffende Zellwandpolymer zu entwickeln. Momentan wird diese Methode weiterentwickelt, damit sie für die Charakterisierung von weiteren Mutanten verwendet werden kann.

In Versailles wohnte ich auf dem Gelände des Instituts in einem Haus mit Studierenden, Doktorranden und Post-Docs aus den verschiedensten Ländern zusammen. Dazu zählten eine Doktorandin aus dem Iran, Post-Docs aus Indien und Vietnam und Studenten aus Frankreich sowie Tunesien. In der Gemeinschaftsküche trafen wir oft aufeinander. Es war ein sehr schönes Erlebnis

mit Menschen aus den unterschiedlichsten Regionen der Welt zusammen zu leben. So erfuhr ich mehr über ihre Kulturen und bekam auch einige Kostproben ihrer kulinarischen Köstlichkeiten. Insbesondere mit den Studenten saß ich des Öfteren abends mehrere Stunden beisammen. Wie spielten ein tunesisches Kartenspiel, Chkobba, schauten Filme oder unterhielten uns. Ein Wochenende fuhren wir zusammen in die Normandie zum Mont Saint Michel und dem Badeort Etretat. Beides sind Orte von atemberaubender Schönheit. Überzeugt euch selber! Einen Vorgeschmack bekommt ihr von den Bildern.

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Kloster Mont Saint Michel: Zur Flut ist der Klosterberg ringsrum von Wasser umgeben
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Badeort Etretat: Wohl der Badeort der Franzosen, die am Wochenende aus Paris in die Normandie fahren.

Unter der Woche, an jedem Dienstag während der Mittagspause, spielte ich mit einige Leuten aus dem Institut Fußball in der Sporthalle eines Schwesterinstituts, welches 30 Minuten entfernt gelegen war. Ein Post-doc und seine Freunde nahmen mich im Auto mit. Von dem anderen Institut
stießen weitere Studierende und Forscher hinzu. Auf der Rückfahrt des ersten Treffens, brach das Auspuffrohr des Wagens durch. Wir sind dann mit dem Zug zurückgefahren, was nur über eine Stunde länger dauerte.

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Schloss Versailles: Erbaut von König Ludwig XIV. um den Pariser Stadtleben zu entfliehen, wo er als Kind schlechte Erfahrungen gemacht hatte.

Das Institut mit meiner Unterkunft war direkt in dem Park von dem Schloss Versailles gelegen. Dies bedeutete aber nicht, dass das Institut der direkte Nachbar des Schlosses war. Viel mehr war noch der gesamte Schlosspark zu durchqueren. Dies dauert zu Fuß etwa 30 Minuten. Für abendliche Joggingausflüge war der Park perfekt geeignet. Entlang des künstlich angelegten Kanals konnte man vor der Kulisse des beleuchteten Schlosses wunderbar laufen und den prächtigen Anblick genießen. Die Nähe zu dem Schloss habe ich natürlich genutzt, um mir den Schlossgarten und das Schloss selber mehrmals anzugucken. Glücklicherweise war das Schlossmuseum für Europäer unter 26 Jahren kostenlos zugänglich. Genauso in Paris, das in nur 30 Minuten mit dem Zug zu erreichen war. Da waren Besuche im Louvre, Notre-Dame und Arc de Triomphe vorprogrammiert. Den Glockenturm von NotreDame, in dem Quasimodo arbeitete, erklomm ich für einen schönen Ausblick über Paris. Quasimodo selber wurde auf den Treppen vor Notre Dame als vierjähriges Kind zurückgelassen und benannt nach dem Feiertag Quasimodogeniti (1. Sonntag nach Ostern) an dem er gefunden wurde.

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Eiffelturm: Der Blick vom Trocadero über Paris und auf den Eiffelturm.

Insbesondere der Weg vom Louvre durch den prachtvollen Tuileries-Garten über den Place de la Concorde, auf der Champs-Élysée entlang des Grand und Petit Palais hinauf zum Arc de Triomphe war beeindruckend. In dem Tuileries-Garten tummeln sich die Pariser am Wochenende. Sie sitzen um die großen Brunnen, lesen Zeitung oder betreiben die unterschiedlichsten Sportarten. Natürlich war der Besuch des Eiffelturms und der Sacré-Coeur auch ein Muss. Trotz einiger Wochenenden sind immer noch einige Dinge offen geblieben die ich mir gerne in Paris angucken möchte.

Die quasimodo-Mutante ist klein und gebeutelt, wie der Glöckner Notre-Dame, durch die Stöung der Biosynthese eines Zellwandpolymers. Dieser Geno- und Phänotyp hat noch viel mehr drauf als nur für pflanzliche Zellwandforschung verwendet zu werden. Er ist ein ideales Modell um Transkriptionsregulation, genauer das Phänomen von transkriptionellen Interferenzen (TI) in Pflanzen, zu studieren. Wie ist das möglich? Die quasimodo-Mutante wurde durch T-DNA Mutagenese erzeugt. Dabei inseriert die T-DNA an zufälligen Stellen in das pflanzliche Genom. Dies führt zu knock-out Mutanten. Häufig befinden sich die T-DNA Insertionen jedoch auch upstream des Gens. Sie erzeugen dennoch einen knock-out Phänotypen. Einerseits kann durch die upstream Insertionen der Promotor zerstört sein, andererseits ist es möglich, dass die starke Transkription des Resistenzgens nicht terminiert wird und weiter über den downstream gelegenen Promotor verläuft. Dies wird als TI bezeichnet. In Hefen ist dies ein beschriebener Mechanismus für die Regulation von umweltempfindlichen Genen und stellt die Wichtigkeit von nicht-kodierender Transkription dar. Die T-DNA Insertion in der quasimodo-Mutante dient als synthetisches Modell für den in Hefe beschriebenen TI-Mechanismus, welcher in Pflanzen nicht beschrieben ist und für den es keine natürlichen Beispiele gibt. Somit können die in dem chemisch genetischen Screen identifizierten Suppressoren sowohl in dem quasimodo-Gen spezifischen Weg fungieren als auch mit dem TI-Mechanismus interferieren. An letzterem ist mein Betreuer, Sebastian, in Kopenhagen interessiert, der sich mit nicht-kodierender Transkription in Hefen und Pflanzen beschäftigt.

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TI Modell für quasimodo Mutante: Upstream startende Transkription von dem Resistenzgen der T-DNA Insertion interferiert mit der downstream gelegenen Transkriptionsinitiation des qua1-Gens.

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Nach 3 Monaten in Versailles und einem einwöchigen Besuch in der Heimat, kam ich in Kopenhagen an. Zur Willkommens-Feier sind wir zu einer Hip-Hop Party in einen Vorort von Kopenhagen gefahren. Sebastian trug ein T-Shirt bedruckt mit einem Poster, um Master Studierende anzuwerben. An dem Abend hat das nicht so gut funktioniert – vielleicht war es das falsche Klientel. Eine Woche später war das T-Shirt erfolgreicher als wir auf der Spring Party der Universität waren. Die Atmosphäre in der Gruppe ist toll. Die gegenseitige Unterstützung ist groß. Wir haben viel Spaß gemeinsam im Labor und in der Freizeit. Mit Tom, einem Master-Studenten aus den Niederlanden, habe ich eine Fußball Truppe gefunden, die jeden Sonntag spielt. Leider habe ich mich beim ersten Mal verletzt und falle seitdem aus. Dorine, eine Doktorandin, die nur unweit meiner Heimstadt lange Zeit gewohnt hat – wie klein die Welt doch ist, ich hatte nicht erwartet jemanden in Kopenhagen zu treffen der Speckhorn kennt – organisierte ich die marquardtschen Laboratolympics. Um die Gruppe von Sebastian auch in den sozialen Medien zu vertreten, erstellte ich eine Twitter-Account. Momentan steht bei uns der Spaß bei den Tweets im Vordergrund jedoch werden auch freie Positionen im Labor beworben, die sich so sehr schnell über unsere Follower verbreiten lassen. Außerdem bekommt man so auch viele Paper zu Augen, die von den Leuten, denen wir folgen, getweetet werden.

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Uni Spring Party: Sebastian und Xueyuan machen Werbung für ein Master-Projekt. Natürlich fand sich das Foto auch auf twitter wieder.

Arbeiten in Kopenhagen bedeutet aber nicht eine twitter-Account zu starten oder Freizeitaktivitäten zu organisieren. Vielmehr ging es darum das Projekt fortzusetzen. Zuerst stand die Reproduktion der Ergebnisse aus Versailles an. Dies gestaltete sich wesentlich schwieriger als gedacht. Da sich der Prozess hinzog, bestellte ich mit Ryan, einem Post-Doc, weitere Chemikalien, von denen wir eine unterdrückende Eigenschaft erwarteten. Von Mathias, der in den letzten Monaten seiner Master-Arbeit steckt, übernahm ich kleinere Projekte. Zum Ende hin begannen die Experimente zu funktionieren und ich fokussierte mich wieder auf meinen Part mit den Chemikalien. Neben der Laborarbeit besuchte ich zwei Konferenzen. Eine handelte von CRIPSR/Cas9, die andere von Prozessen, die DNAReplikation oder –Transkription beeinträchtigen. Letztere wurde von Sebastian organisiert, weshalb ein Forscher aus Texas zu Besuch kam. Wir bekamen die Möglichkeit mit ihm über unsere Projekte zu diskutieren. Es war beeindruckend, wie schnell er unsere Aufgaben nachvollzog und uns entsprechende Tipps und Anregungen gab. Auf der Konferenz selber gab es im Anschluss an die Vorträge Diskussionsrunden in Kleingruppen. Innerhalb von 10 Minuten hatten wir die Möglichkeit an einem Whiteboard unsere Projekte den anderen Teilnehmern der Konferenz vorzustellen. Es ist mal etwas anderes ohne vorbereitet PowerPoint Folien das eigene Projekt bekannten Forschern vorstellen zu dürfen.

Ähnlich zu Versailles wohnte ich in einem Studentenwohnheim. Diesmal hatte ich jedoch meine eigene Küche. So war der Kontakt zu den anderen Studenten eher eingeschränkt und die ersten Wochen eher einsam. Der Besuch von Freunden oder Ausflüge nach Aarhus, in den Harz oder nach Paris zu einem Treffen mit Grégory und nach Berlin zum Dialogue Day der Bayer Foundation brachten Abwechslung. Seit kurzem bin ich nun nicht mehr alleine in meiner Wohnung. Anscheinend handelt es sich um ein Doppelzimmer. Nach der Arbeit im Labor wartete letzte Woche mein neuer Mitbewohner Sergi auf mich in der Wohnung. Die Sache war, dass ich nicht wusste, dass ich einen Mitbewohner bekommen würde. Dementsprechend war die Überraschung groß als ich ins Zimmer kam. Sergi ist Spanier. Er studiert Biochemie und ist für 3 Monate für ein Praktikum hier. Die ersten Abende haben wir damit verbracht Spiele zu spielen und uns zu unterhalten. Das hat einiges an Leben in meine Bude gebracht. Noch mehr Leben in die Bude kam, als wir für ein Wochenende einen weiteren Mitbewohner bekommen haben. Jonathon kommt aus Australien. Er war über 27 Stunden unterwegs. Durch die Verspätung seines Fliegers konnte er seine Schlüssel nicht abholen.
Seine Mitbewohnerin wusste, wie ich bei Sergi, nichts von seiner Ankunft und hatte noch Besuch bei sich. So kam er bei uns für zwei Nächte unter. Es ist schon witzig wie so einiges zusammen, wie eine zuvor einsame Wohnung Leben eingehaucht bekommt – in diesem Fall passt wohl besser „gepustet“ – und welche Freude wir Jonathon machen konnten durch unsere Gastfreundlichkeit.

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Nyhavn: Das wohl bekannteste Postkarten Motiv aus Kopenhagen. Von hier aus starten die Boote für Hafentouren und der Kaffee ist besonders teuer (5 Euro).

Kopenhagen ist eine wunderschöne Stadt mit unglaublich vielen interessanten Ecken. Auf die interessanten Ecken bin ich gestoßen, weil ich mich einfach treiben ließ. An einigen Stellen findet man Gärten von „Rebellen“. Diese wurden eigenwillig zwischen Wohnhäusern angelegt. Ein Höhepunkt dieser „rebellischen“ Versammlungsorte ist Christiania, die Freistadt in Kopenhagen, die geduldet wird. Christiania ist ein spannender Ort. In großen Teilen wird die Natur nicht zurückgedrängt, weswegen viele Häuser zu gewuchert sind: Sträucher wachsen auf Dächern, die Blumen wachsen wild und an einigen Stellen sieht es aus wie eine Verflechtung von Wald und Stadt. Zusammen mit dem Graffiti und einigen eingeworfenen Fensterscheiben, erscheint der Ort verträumt. Fotos dort zu machen wird nicht gerne gesehen, da Marijuana auf offener Straße verkauft wird. Geraucht wird es überall, es gibt wenige Stellen wo ich nicht den Joint-Geruch roch. Christiania ist der hippste Teil Kopenhagen, aber es gibt jede Menge dieser Stellen über die Stadt verteilt. Unweit von Christiana befindet sich der Street Food Market im Hafen. Hier wurden Container und Campingwagen zu Essensständen umfunktioniert. Neben den hippen und alternativen Stellen Kopenhagen gibt es viele kulturelle Sehenswürdigkeiten, wie die Schlösser Christiansborg, Rosenborg und Amalienborg mit der Frederikskirke.

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Rosenborg Slot: Der ehemalige Sitz des Königs. Direkt daneben der königliche Garten (Kongens Havn).

Ein Besuch im botanischen Garten ist ein Muss! Das Tropenhaus ist beeindruckend. In dem runden Haus kann man in fünf Metern Höhe eine Runde um die Palmen drehen und deren Schönheit von oben betrachten. Es gibt weitläufige Wiesen um die Teiche, welche genutzt werden können, um die Sonne und das gute Wetter zu genießen. Ähnlich verhielt es sich im Kongens Havn, wo sich die Kopenhagener zum Picknicken treffen. Allgemein, wird jede Grünfläche zum Picknicken genutzt. Häufig sind dort für jedermann Grills verfügbar. Ein weiterer
Freizeitort in Kopenhagen ist der Tivoli. Einerseits ein Garten voll mit kulturellen Angeboten zu denen Theater- und Musikshows gehören, andrerseits ein Freizeitpark mit einigen Fahrgeschäften. Abends wird der Tivoli von Tausenden von Lichtern und Lichterketten beleuchtet. Eine sehr schöne Kulisse.

Rückblickend waren die 6 Monate eine außergewöhnliche Erfahrung, über die ich mehr als glücklich bin. Ich habe wunderbare Menschen kennengelernt, Kontakte knüpfen können, meine Englischkenntnisse verbessert und Unmengen an wissenschaftlicher Erfahrung gesammelt. Insbesondere hat mir gefallen, dass mir größten Teils freie Hand gelassen wurde, die Experimente zu planen und durchzuführen. Vor allem möchte ich den Leuten danken, die mich von Beginn an unterstützt haben: Roda Niebergall, Prof. Michael Hippler, Grégory Mouille und Sebastian Marquardt.

Beste Grüße aus Kopenhagen,

Henning

 

 

Bilder und Geschichten aus Indien – mein Auslandssemester

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Daniel Dornbusch

DSCN55612014 bin ich mit vier weiteren deutschen Studierenden nach Indien gereist, um das erste meiner Vertiefungsmodule im Bachelor an der University of Hyderabad (UoH) statt an der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) zu absolvieren. Dort arbeiteten wir alle für ca. drei Monate im Labor der School of Life Sciences und reisten anschließend für fast zwei Monate durch Indien und Nepal. Ich bin sehr froh über die Kooperation zwischen der WWU und der UoH, da ich ohne diese nie daran gedacht hätte, nach Indien zu gehen, mit ihr es um einiges einfacher war, den Aufenthalt im Vorfeld zu planen und man sicher sein kann, dass es vor Ort Menschen gibt, an die man sich wenden kann und die einem bei allem Möglichen helfen können. Somit wurde der Aufenthalt zu einer wunderbaren Zeit, die mich nachhaltig geprägt hat.

Der Campus

Zunächst will ich euch den Campus vorstellen. Dieser ist nach Angaben der Universität von Hyderabad der größte Asiens, aber das behaupten mehrere Unis von sich. So oder so bleibt festzuhalten, er ist sehr groß, sehr grün und sehr, sehr schön!

Wir haben während unseres Praktikums am Lifescience Center gearbeitet. Ein modernes Gebäude mit Laboren, die für indische Verhältnisse sehr gut ausgestattet sind. Trotzdem gibt es ein paar Unterschiede zu deutschen Laboren. So werden dort stets Flipflops getragen. Außerdem dauert es länger, um an Chemikalien und Geräte zu kommen. Dafür legen die Wissenschaftler aber einen erstaunlichen Erfindungsreichtum an den Tag, um dieses Defizit auszugleichen.

Ich habe im Labor von Professor Bramanandam Manavathi gearbeitet und untersucht, ob bestimmte Mutationen am Pre-B-cell leukemia homeobox interacting protein 1 bei der Tumorentwicklung von Brustkrebs eine Rolle spielen.

Studentisches Engagement

Was mir in der Zeit auf dem Campus auffiel, ist, dass die meisten Studierenden politisch interessiert oder engagiert sind. So wurde vor den Campuswahlen viel diskutiert und für mich war es spannend, mit unterschiedlichen Leuten mit verschiedenen Meinungen zu reden. Das Spektrum reicht von linksliberalen Kommunisten bis hin zu rechtskonservativen Hindus. Dieses Interesse für den zukünftigen Weg Indiens ist auch an den zahlreichen Graffitis auf dem Campus abzulesen.

Eine wichtige Figur für einige meiner indischen Freunde ist B. R. Ambedkar, der sich gegen die Diskriminierung der Dalits (den Unberührbaren) und für Frauenrechte eingesetzt hat. Einige meinten sogar, er ist eine Art Karl Marx Indiens, mit dem Unterschied, dass Marx innerhalb eines Klassensystems und Ambedkar innerhalb eines Kastensystems argumentierte. Insbesondere von Freunde, die aus der Kaste der Dalits stammen und für die Diskriminierung immer noch real ist, wird Ambedkar zum Teil wie ein Gott verehrt.

Das Engagement der Studierenden zeigte sich auch durch eine Studenteninitiative, die kleine ansprechende Mülleimer auf dem Campus aufhing, um auf das Müllproblem aufmerksam zu machen und den Campus ein wenig zu verschönern.

Dennoch muss man sagen, dass Welten zwischen Deutschland und Indien liegen, was die Entsorgung von Müll angeht. Recycling ist ein Fremdwort und meistens wird der Müll irgendwo auf dem Campus verbrannt.

Das Leben vor Ort

Auf dem Campus befinden sich auch die Studierendenunterkünfte. Wir hatten damals die Möglichkeit, zu entscheiden, ob wir in das International Hostel oder in eins der „normalen“ Hostels ziehen wollen. Ich habe mich für das „normale“ Hostel entschieden, da ich erleben wollte, wie es ist, als „normaler“ Student dort zu leben und trotz anfänglichem Kulturschocks kann ich es nur jedem empfehlen! Die Zimmer erinnern zwar ein wenig an Gefängniszellen mit vergitterten Fenstern und massiven Türen, die mit einem Riegel und einem Vorhängeschloss von außen verschlossen werden können. Zudem gibt es keine europäischen Toiletten, auf die man sich setzten kann, und aus dem Duschkopf kommt nur kaltes Wasser. Es hat ein wenig gebraucht, um sich darauf einzulassen, aber nach einer Eingewöhnungsphase habe ich mich dort wirklich wohlgefühlt und dieses Zimmer wurde zu einem Zuhause.

Die indische Küche

Nun kommen wir zu meinem Lieblingsthema, dem indischen Essen. Ich liebe es und vermissen es – wie fast alle, die dort studiert und mit denen ich gesprochen habe. Ich muss aber zugeben, dass ich es scharf mag. Aber, ob ihr wollt oder nicht, wenn ihr in Indien leben wollt, werdet ihr scharfes Essen ebenfalls lieben lernen (müssen).

Ein paar meiner indischen Freunde konnten es sich nicht nehmen lassen, mir die Küche, in der für unser Hostel gekocht wurde, zu zeigen. Auch wenn es die ernsten Gesichter auf den Bildern nicht unbedingt vermuten lassen, haben sich die Leute, die dort gekocht haben, sehr gefreut, dass ich vorbeigekommen bin und bestanden darauf, sich alle von mir fotografieren zu lassen.

Feste und Feiertage

In Indien gibt es viele hinduistische Feste und Feiertage. Eins davon ist Diwali, das Lichtfest. Bei diesem Fest ist es typisch, dass Öllampen in Reihen an Fenster oder Eingänge gestellt werden und, dass Feuerwerkskörpern gezündet werden. Zu diesem Fest gehört natürlich auch gutes Essen und ebenso sollte man ein paar Süßigkeiten als Gastgeschenk mitbringt, wenn man zum Diwali eingeladen wird. Zu den Feuerwerkskörpern muss ich aber sagen, dass die mir zu krass waren. Ohrenbetäubend laut und zum Teil mit einer Druckwelle, die einem Angst machen konnte. Dazu kommt noch, dass die Zündschnüre um einiges kürzer sind, als wir es aus Deutschland gewohnt sind. Dennoch ist es im Großen und Ganzen ein wunderschönes Festival, welches sich über fünf Tage erstreckt.

Der indischer Blick auf Deutschland

Ich habe versucht, euch einen Einblick zu geben, wie ich Indien erlebt habe.
Bleibt noch die Frage, wie wird Deutschland in Indien gesehen. In der Zeit auf dem Campus gab es eine kleine Veranstaltung, auf der verschiedene Länder vorgestellt wurden. Darunter auch Deutschland. Leider haben wir keine besseren Bilder von den Plakaten gemacht, aber diese möchte ich euch trotzdem nicht vorenthalten.

Wie auf den Plakaten zu sehen ist, ist Deutschland natürlich für Brot, Bier und Fußball bekannt. Wenn ich mit den Leuten gesprochen habe, kamen jedoch meist zuerst diese drei Stereotype: Hitler, Autobahn und Oktoberfest. Wenn ich indische Studierende aus den Naturwissenschaften auf Deutschland angesprochen habe, kam häufig ihre Bewunderung für den Forschungsstandort Deutschland zutage. Insbesondere die Max-Planck-Institute, sowie die Fraunhofer-Institute genießt großen Respekt unter den Studierenden dort.

Die Reise durch Indien

Nach dem dreimonatigen Praktikum haben wir die Zeit bis Weihnachten genutzt, um für zwei Monate durch Indien und Nepal zu reisen. Aber über diese Reise will ich gar nicht so viel berichten, denn jeder Versuch, diese in diesem Artikel zu beschreiben, würde ihr in keinem Fall gerecht werden. Also nur so viel: Es war eine wunderschöne und intensive Erfahrung!

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Die Koautorin vom UNIBRAL Blog Stefanie Busold – über ihren Studienaufenthalt in São Paulo

Auf dem Blog „UNIBRAL“ erzählen Steffi und Lisanne, zwei Biotechnologie Studentinnen aus Münster, was sie im Rahmen des Austauschprogrammes mit der Universidade de São Paulo in Brasilien erleben.

Stefanie Busold

Mein halbjähriger Studienaufenthalt in Brasilien begann am 25.August 2016 und stellt eine Reihe positiver Erfahrungen für mich dar. Ich wollte meinen Auslandsaufenthalt in Brasilien dazu nutzen, internationale Erfahrungen zu sammeln, ein mir bisher unbekanntes Land kennenzulernen und an medizinisch relevanten Problematiken zu arbeiten. All dies konnte ich während meines halbjährigen UNIBRAL-Aufenthaltes in São Paulo erreichen.

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Ich arbeitete in der Arbeitsgruppe von Prof. Gerhard Wunderlich im Instituto de Ciências Biomédicas (ICB) der Universidade de São Paulo mit dem Erreger der Malaria tropica: Plasmodium falciparum. Die Arbeit mit humanen Parasiten stellte für mich ein neues Arbeitsfeld dar. Mein Thema während der Zeit am ICB war die Untersuchung von Oberflächenproteinen des Malaria-Erregers, genauer gesagt beschäftigte ich mich mit Faktoren, die vermutlich die Expression der Proteinfamilie „Plasmodium falciparum erythrocyte membrane protein 1“ (PfEMP1) beeinflussen. Proteine dieser Familie werden nach der Infektion eines Erythrozyten mit P. falciparum an die Oberfläche der Erythrozyten transportiert. PfEMP1 werden von der Genfamilie der var-genes codiert, deren Expression periodisch durch antigenische Variation wechselt. Dies kann zu chronischen Krankheitsverläufen führen. Die Kontrolle der PfEMP1 Expression und deren switching ist weitgehend unaufgeklärt und mein Projekt sollte untersuchen, ob die plasmodiale DNA- Methylierung dabei eine Rolle spielt. Ich wandte molekular- und zellbiologische als auch biochemische Methoden an, sodass meine Hauptaufgabenfelder Klonierungen, Zellkultur und Expressionsanalyse darstellten. Mir gefiel dieses Thema sehr gut, da es für mich eine sehr nahe medizinische Relevanz aufwies, welche speziell im Bereich der medizinischen Forschung durch komplexe Effektkaskaden leicht abhanden kommen kann.

Doch auch außerhalb der Universität gab es viel zu erkunden, schließlich lebte ich in der größten Stadt der Südhalbkugel. So verbrachten wir einige Wochenenden damit, die Stadt kennenzulernen, was sich als großes Projekt herausstellte. Auch die Regionen rund um São Paulo galt es zu entdecken. Ein Highlight des Aufenthalts stellte auf jeden Fall die Exkursion in den Bundesstaat Acre dar. Diese 20161207_150523Region nahe der peruanischen Grenze stellt eine Hotspot-Region für Malaria-Infektionen dar. Wir konnten während unserer Exkursion eine komplett andere Seite Brasiliens kennenlernen, so ging es für uns aus der Großstadt direkt in den Dschungel, was eine eindrucksreiche Erfahrung war.

Was mir besonders gefiel, war, dass es mehrere UNIBRAL-Teilnehmer gab. So konnte man gemeinsame Aktivitäten unternehmen und sich gemeinsam über die ein oder anderen Eigenarten des Alltags in einem fernen Land aufregen oder amüsieren.

Ich bin überzeugt davon, dass mein halbjähriger Aufenthalt an der USP eine sehr wertvolle Zeit darstellt. Neben der Arbeit im Labor konnte ich ein neues internationales Forschungsteam kennenlernen und Basis-Portugiesisch-Kenntnisse erwerben. Durch den Aufenthalt in Brasilien reiste ich erstmalig nach Südamerika und konnte Land, Mentalität und Leute kennenlernen, was für mich persönlich eine wertvolle Erfahrung darstellt. Alles in Allem konnte ich auf privater als auch fachlicher Ebene von diesem Auslandsaufenthalt profitieren und ich denke, dass dieser Studienaufenthalt sich sehr positiv auf meine zukünftige Karriere auswirken wird.