Ein Tag in Hyderabad

Jamie

Der Wecker klingelt. Es ist 5:30. Ich richte mich noch im Halbschlaf langsam im Bett auf und greife automatisch nach dem Odomos auf meinem Nachttisch. Wahrscheinlich stellt ihr euch jetzt zwei Fragen: Wieso um alles in der Welt so früh? Und was ist Odomos? Erstens will ich gleich zum Yoga, was jeden Morgen kostenlos von 6 bis 7 Uhr angeboten wird und zweitens ist man in Hyderabad dauerhaftes Ziel unzähliger Mücken. Odomos ist euer unsichtbares Schutzschild gegen diese nervigen Parasiten! Ich schwinge mich also aus dem Bett und ziehe mich schnell an, um dann runter zu gehen und mit Kristina zum Yoga zu fahren. Netterweise überlässt uns Ghani, meine Labor-Kollegin, meistens ihren Scooti (Roller), damit wir die Strecke nicht laufen müssen. Ansonsten joggen wir die 2,5 km aber auch. Um diese Uhrzeit schläft der Campus noch und man hat die Chance den Mittelpunkt einer riesigen indischen Stadt ganz ruhig und friedlich zu erleben. Beim Yoga wärmen wir uns auf, dehnen Körperstellen, die ich in meinem Leben nie wieder benutzen werden und grüßen die Sonne so lange, bis sie wirklich langsam durch die Fenster bricht. Surya Namaskar.

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Der Rückweg ist geprägt von Erwachen. Streifenhörnchen und Wildschweine kreuzen den Weg, nur die Büffel am Straßenrand sind noch zu faul ihre Köpfe zu heben. Mit ganz viel Glück hat man hier sogar die Chance den ein oder anderen Pfau zu sehen und auch Rehe tummeln sich auf dem Campus-Gelände.

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Zurück im Hostel dusche ich mich (kalt! Man gewöhnt sich daran 😉 und lege mich nochmal für eine Stunde schlafen. Um kurz vor 9 klingelt mein Wecker ein zweites Mal und erst jetzt beginnt mein richtiger Tag (übrigens werde ich wahrscheinlich nie wieder so diszipliniert sein wie in Indien, aber es war eine echt schöne Art in den Tag zu starten).
Erster Programmpunkt: Frühstück. Ganz ganz wichtig! Jeder Inder wird euch als aller erstes fragen, ob ihr schon gegessen habt und dann solltet ihr das besser mit „ja“ beantworten können, denn sonst erwartet euch ein schockierter Blick und ihr werdet etwas essen geschickt. Zum Frühstück gibt es für mich Egg Dosa, eine Art flacher Pfannkuchen aus Reis und Linsen, auf dem zusätzlich ein gut gewürztes Omelette liegt. Dazu zwei Chutneys, eins mit Kokos, das andere… absolut keine Ahnung. Ich will gar nicht so viel mehr zum Essen sagen, weil mir jetzt schon wieder das Wasser im Mund zusammenläuft und es sein könnte, dass ich in einem Anflug von Sehnsucht drei Seiten schreibe. Nur so viel: Bevor ich nach Indien ging, war ich das wohl größte Schärfe-Weichei in ganz Münster und die ersten Wochen waren die absolute Hölle für meine Zunge. Mein Essen war täglich versalzen, weil mir so die Tränen liefen. Ich übertreibe nur ein bisschen. Aber es kam der Tag, an dem ich mich verliebte. In Dosa, Paratha und Biryani (Was würde ich jetzt dafür geben!) Die indische Küche ist wirklich ein Erlebnis und solltet ihr anfangs noch skeptisch sein: Gebt ihr Zeit und sie wird auch euch überzeugen.

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Um ungefähr 10 Uhr bin ich dann im Labor und kann die Frage nach dem Frühstück natürlich mit einem Lächeln bejahen. Mit Annapoorni, meiner Betreuerin, arbeite ich an Brevundimonas diminuta, einem Bakterium, was in der Lage ist Organophosphate abzubauen und diese sogar zum Wachstum zu verwenden. Organophosphate wurden in früheren Zeiten weltweit als Pestizide verwendet. Leider wirken sie jedoch nicht nur toxisch gegen Insekten, sondern gegen jegliche Organismen mit Nervensystem. Daher wurden sie auch in den 70er Jahren größtenteils verboten (leider noch immer nicht überall). Ihre Rückstände können jedoch noch immer die lokale Fauna und auch Menschen schädigen, weshalb mein Labor sehr an der Degradierung dieser Gefahrenstoffe interessiert ist. Mit Hilfe von 2DElektrophorese und MALDI-ToF analysiere ich die beteiligten Proteine dieses Stoffwechselwegs. Mein Labor ist toll. Ganz unterschiedliche Charaktere, die aber jeder für sich total nett und warmherzig sind. Poorni und Ghani sind mir besonders ans Herz gewachsen. Auch Professor Dayananda, mein Labor-Leiter, ist ein wirklich guter Lehrer mit einer Menge Autorität aber auch Gutmütigkeit.

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Laborzeiten sind uns selbst überlassen, wobei ich selten vor 6 Uhr gehe. Dazu muss man sagen, dass ich die Pausenzeiten für Lunch und tea time meistens auch schon ziemlich ausgereizt habe. Ich will nicht wissen wie viele Liter Chai ich in meiner Zeit dort getrunken habe. Es waren einige. Über Chai könnte ich ebenfalls ewig schreiben, aber auch das erspare ich euch. Probiert es selbst 😉

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Den Abend verbringe ich draußen, so wie jeder andere auch. Hier sitzt man nicht in seinen Zimmern, hier ist man auf der Straße, diskutiert über die Uni, Politik oder (natürlich) Essen. Wir gehen zum Peacock Lake, einem von drei Seen auf dem Campus, und setzen uns entspannt ans Ufer. Auch wir reden über alles Mögliche. Die meisten Inder sind sehr interessiert an den Umständen in Deutschland und Europa und auch für mich hat sich da eine ganz neue, unbekannte Welt eröffnet. Indien mit seinen tausend Gesichtern fasziniert mich. Ein riesiges Land mit endlos vielen Sprachen, Religionen, Bräuchen und Geschichten. Ich weiß jetzt schon, dass ich nicht zum letzten Mal hier gewesen sein werde. Phir milenge.

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Ein Betriebspraktikum bei den „Big 5“ in Südafrika

Für die Vertiefungsmodule im 5. Semester wollte ich unbedingt die Chance nutzen, für einige Zeit ins Ausland zu gehen. Da ich Freunde und Familie in Südafrika habe, lag es nahe, mir dieses Land als Ziel zu setzen. Meine Recherche nach einer geeigneten Praktikumsstelle begann im Internet, wo ich nach Praktika im Bereich Tier-und Naturschutz, Ökologie und Tiermedizin suchte. Bereits nach einer Woche hatte ich etwas Passendes gefunden. Im Shamwari Game Reserve wurden mir alle drei und sogar noch mehrere interessante Arbeitsbereiche angeboten, in denen ich tätig werden könnte. Shamwari ist ein 25.000 Hektar großer Wildpark, der die sogenannten „Big 5“ beheimatet. Zu diesen gehören Büffel, Elefanten, Nashörner, Löwen und Leoparden.  Die Bewerbung auf die Praktikumsstelle fiel schlicht und einfach aus, da in diesem Arbeitsbereich alle helfenden Hände gebraucht werden. Doch bevor ich die Stelle annehmen konnte, musste ich mich zunächst um die Finanzierung kümmern. Da das Praktikum unbezahlt war, bin ich vorher viel arbeiten gegangen und konnte mir über diesen Weg den Betrag erarbeiten. Es hat sich alle Male gelohnt und die Vorfreude war riesig!

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Giraffe im Morgenlicht beim Monitoring um 500 Uhr morgens.

Da sich der Park um alles Organisatorische gekümmert hat, musste ich lediglich meinen Flug buchen. Die Betreuung war schon super, bevor ich überhaupt in Südafrika gelandet war. Endlich kam der Tag der Abreise und in Südafrika angekommen, haben meine Freunde vor Ort mich direkt vom Flughafen in den Park gefahren. Allein der Weg zu meiner Unterkunft war überwältigend! Viele Giraffen und Elefanten kreuzten unseren Weg. An der Unterkunft wurde ich freundlich von den Koordinatoren begrüßt, die mir schließlich ein Zimmer zuteilten und mir alles vorstellten. Danach wurde ich mit den anderen internationalen Praktikanten bekannt gemacht. Wöchentlich gab es zwischen diesen einen Wechsel, sodass ich häufig mit 19 weiteren Personen zusammengearbeitet habe. Diese Regelung ist in Shamwari notwendig, da die einzelnen Projekte relativ groß und aufwändig sind, aber so auch Tourismus mit Naturschutz verbunden werden können.

Unsere Unterkunft war wunderbar und, dass jeden Tag ein typisch südafrikanisches Essen für uns zubereitet wurde, war noch viel besser. Auf diese Weise konnte ich mich einzig und allein auf die Arbeit konzentrieren. Täglich von 800 Uhr morgens bis 1700 abends waren wir in der sogenannten „Game Area“ unterwegs. Die „Game Area“ ist der Teil des Parks, wo die  wilden Tiere leben. Vereinzelt mussten wir auch nachts oder früh morgens um 400 Uhr raus. Die Wochenenden hatten wir Zeit, um uns Südafrika etwas näher anzusehen.

Die meiste Arbeit habe ich im Tier- und Naturschutz geleistet aufgrund der alarmierenden Tatsache, dass Nashörner wegen ihres Horns getötet werden und so kurz vorm Aussterben stehen. Zu meinen Aufgaben gehörte deshalb „daily monitoring“. Dabei bin ich mit meinem Koordinator durch den  Park gefahren, um alle Nashörner, Elefanten oder Großkatzen zu suchen und das richtige Jäger-Beute Verhältnis sicher zu stellen. Dabei wandten wir Methoden wie „telemetry tracking“ an. Das gehört unter anderem zur Spurensuche. So können wir die Tiere aufgrund eines Chiphalsbandes leichter und vor allem schneller finden. Auch die Kontrolle der Gewässer, die durch Shamwari führten, stand auf meinem Aufgabenplan. Mit wissenschaftlichen Tests konnte ermittelt werden, wie gesund dieser Fluss ist. Das konnte auch anhand der Artenvielfalt erfolgen. Dabei haben wir vermutlich eine neue, noch unentdeckte, Shrimps-Spezies gefunden. „Alien Plant Control“ war ebenfalls eine wichtige Aufgabe. „Alien Plants“ sind Pflanzen, die nicht ursprünglich aus Südafrika stammen und durch ihr schnelles und unkontrolliertes Wachstum die originale Pflanzenwelt komplett zerstören können. Die wohl spannendste Arbeit für mich, war die Arbeit mit dem Tierarzt vor Ort. Hier durfte ich auch medizinisch Hand anlegen und verschiedene Tiere wie Büffel, Elefanten, Löwen, Nashörner und Rappenantilopen ruhig stellen. Das Horn der Nashörner mit einem Mikrochip auszustatten und den kranken, schwachen Büffel medizinisch zu versorgen, waren nur wenige Gründe, aus denen die wilden Tiere ruhig gestellt werden mussten. Teilweise habe ich auch Hilfe im Krankenhaus leisten müssen, eine kleine Klinik, die sich im Park befindet. Dort sind Tiere untergebracht, die medizinische Hilfe brauchen. Zumeist hat man diese während des „daily monitoring“ gefunden.

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Ruhigstellen einer Antilope zur Untersuchung auf eine mögliche Schwangerschaft.

Während meines Aufenthaltes in Südafrika habe ich unendlich viel gelernt und Wissen erlangt, was mich auch für das spätere Leben weiterbringen wird. Die Betreuung war super und die Leute sehr nett. Viele Freundschaften mit Menschen aus aller Welt konnte ich knüpfen. Der Spaß bei der Arbeit wurde nie vernachlässigt und die Wichtigkeit, uns wertvolles Wissen theoretisch und praktisch beizubringen, stand für die Koordinatoren immer an erster Stelle. Ebenfalls haben sie alle die Fähigkeit dazu, dich für die kleinsten Dinge der Natur begeistern zu können. Die Leidenschaft, die sie für ihre Arbeit haben, war sehr ansteckend und ging nahtlos auf mich über. Alles in allem war es eine unvergessliche Zeit und ich kann es nur weiter empfehlen.

Quasimodo verbindet Versailles und Kopenhagen – ein internationales Forschungsprojekt

Was hat Quasimodo, der buckelige Glöckner von Notre-Dame, mit einem internationalen Forschungsprojekt zu tun? Erst einmal ist Quasimodo der Grund dafür, dass ich die außergewöhnliche Möglichkeit hatte in zwei – nein, sogar drei – unterschiedlichen Forschungseinrichtungen internationale Forschungserfahrung zu sammeln. Er gab mir die Gelegenheit in einem Projekt zwei Themen zu behandeln, die auf den ersten Blick rein gar nichts miteinander zu tun haben. Quasimodo brachte mich in Kontakt mit Studierenden und Forschern aus aller Welt, ermöglichte mir an Konferenzen teilzunehmen und mich erfolgreich auf ein Stipendium zu bewerben.

Während meiner Bachelor-Arbeit machte mich Roda Niebergall, unsere Koordinatorin für Internationalisierung, die mich von der International Münster Summer School kannte, auf ein ERASMUS-Projekt aufmerksam. Schnell entschied ich mich, mich zu bewerben. Wenige Tage nach meiner Bewerbung bekam ich eine Einladung zu einem Skype-Gespräch. Zuerst mit dem Projektleiter in Versailles, dann mit dem Projektleiter in Dänemark. Nun stand endlich fest, dass ich jeweils 3 Monate in Versailles und Kopenhagen, an dem Projekt teilnehme. Bereits über 6 Monate vor Projektstart war die Vorfreude groß. Die Organisation begann. Als es um die Finanzierung ging, ermöglichte Quasimodo mir, mich auf das Jeff-Schell-Stipendium der Bayer Foundation zu bewerben. Mit der unglaublichen Unterstützung von Roda Niebergall, der Projektleiter, Grégory und Sebastian, und Prof. Michael Hippler, schaffte ich erfolgreich den Bewerbungsprozess zu durchlaufen. Bereits die Bewerbung an sich war sehr lehrreich. Ich lernte mein Projekt präzise zu beschreiben, einen anschaulichen Vortrag vorzubereiten und diesen vor einer Jury überzeugend vorzutragen. Der ganze Prozess war mit viel Anstrengung verbunden, die sich definitiv ausgezahlt hat. Nicht nur die Lebensunterhaltskosten waren durch das Stipendium gedeckt, die Projektleiter bekamen auch die Projektkosten erstattet. Dieses zusätzliche Projektgeld gab mir Freiheit in der Gestaltung meines Projekts.

Nur unweit von Quasimodos Wirkstätte, Notre-Dame in Paris, fing ich Anfang dieses Jahres mein Forschungspraktikum in Versailles an. Hier lernte ich Quasimodo das erste Mal „persönlich“ kennen, denn Quasimodo heißt die Pflanzenmutante mit der ich mich für den nächsten sechs Monate beschäftigte. Sie wurde nach Quasimodo benannt, da sie kleinwüchsig ist und durch abstehende Zellen entlang des Keimstängels sehr gebeutelt aussieht. Dieser Phänotyp ist auf einen Defekt in der Synthese eines Zellwandpolymers zurückzuführen. Meine Aufgabe war es nach chemischen Verbindungen zu suchen, die aus dem krüppeligem quasimodo- Phänotypen einen für Esmeralda interessant Mann machten. Witziger weise sind genetische Suppressoren von quasimodo nach Esmeralda, dem Zigeunermädchen, in welches Quasimodo sich verliebte, benannt worden. Zusätzlich zu dem Screen bekam ich durch weitere Experimente schnell Einblicke in die Zellwandbiologie. Das Jeff-Schell fellowship ermöglichte mir für eines dieser Experimente, 3 Tage nach Amiens zu fahren. Dort führte ich in der Gruppe eines Kollaborateurs eine quantitative PCR durch, mit einem speziellen Primer-Set, dass nur dort vorhanden ist. Außerdem konnte ich an Vorträgen von international renommierten Forschern teilnehmen. Während der Zeit begann ich unter Anleitung Grégorys eine fingerprinting Methode für das betreffende Zellwandpolymer zu entwickeln. Momentan wird diese Methode weiterentwickelt, damit sie für die Charakterisierung von weiteren Mutanten verwendet werden kann.

In Versailles wohnte ich auf dem Gelände des Instituts in einem Haus mit Studierenden, Doktorranden und Post-Docs aus den verschiedensten Ländern zusammen. Dazu zählten eine Doktorandin aus dem Iran, Post-Docs aus Indien und Vietnam und Studenten aus Frankreich sowie Tunesien. In der Gemeinschaftsküche trafen wir oft aufeinander. Es war ein sehr schönes Erlebnis

mit Menschen aus den unterschiedlichsten Regionen der Welt zusammen zu leben. So erfuhr ich mehr über ihre Kulturen und bekam auch einige Kostproben ihrer kulinarischen Köstlichkeiten. Insbesondere mit den Studenten saß ich des Öfteren abends mehrere Stunden beisammen. Wie spielten ein tunesisches Kartenspiel, Chkobba, schauten Filme oder unterhielten uns. Ein Wochenende fuhren wir zusammen in die Normandie zum Mont Saint Michel und dem Badeort Etretat. Beides sind Orte von atemberaubender Schönheit. Überzeugt euch selber! Einen Vorgeschmack bekommt ihr von den Bildern.

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Kloster Mont Saint Michel: Zur Flut ist der Klosterberg ringsrum von Wasser umgeben
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Badeort Etretat: Wohl der Badeort der Franzosen, die am Wochenende aus Paris in die Normandie fahren.

Unter der Woche, an jedem Dienstag während der Mittagspause, spielte ich mit einige Leuten aus dem Institut Fußball in der Sporthalle eines Schwesterinstituts, welches 30 Minuten entfernt gelegen war. Ein Post-doc und seine Freunde nahmen mich im Auto mit. Von dem anderen Institut
stießen weitere Studierende und Forscher hinzu. Auf der Rückfahrt des ersten Treffens, brach das Auspuffrohr des Wagens durch. Wir sind dann mit dem Zug zurückgefahren, was nur über eine Stunde länger dauerte.

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Schloss Versailles: Erbaut von König Ludwig XIV. um den Pariser Stadtleben zu entfliehen, wo er als Kind schlechte Erfahrungen gemacht hatte.

Das Institut mit meiner Unterkunft war direkt in dem Park von dem Schloss Versailles gelegen. Dies bedeutete aber nicht, dass das Institut der direkte Nachbar des Schlosses war. Viel mehr war noch der gesamte Schlosspark zu durchqueren. Dies dauert zu Fuß etwa 30 Minuten. Für abendliche Joggingausflüge war der Park perfekt geeignet. Entlang des künstlich angelegten Kanals konnte man vor der Kulisse des beleuchteten Schlosses wunderbar laufen und den prächtigen Anblick genießen. Die Nähe zu dem Schloss habe ich natürlich genutzt, um mir den Schlossgarten und das Schloss selber mehrmals anzugucken. Glücklicherweise war das Schlossmuseum für Europäer unter 26 Jahren kostenlos zugänglich. Genauso in Paris, das in nur 30 Minuten mit dem Zug zu erreichen war. Da waren Besuche im Louvre, Notre-Dame und Arc de Triomphe vorprogrammiert. Den Glockenturm von NotreDame, in dem Quasimodo arbeitete, erklomm ich für einen schönen Ausblick über Paris. Quasimodo selber wurde auf den Treppen vor Notre Dame als vierjähriges Kind zurückgelassen und benannt nach dem Feiertag Quasimodogeniti (1. Sonntag nach Ostern) an dem er gefunden wurde.

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Eiffelturm: Der Blick vom Trocadero über Paris und auf den Eiffelturm.

Insbesondere der Weg vom Louvre durch den prachtvollen Tuileries-Garten über den Place de la Concorde, auf der Champs-Élysée entlang des Grand und Petit Palais hinauf zum Arc de Triomphe war beeindruckend. In dem Tuileries-Garten tummeln sich die Pariser am Wochenende. Sie sitzen um die großen Brunnen, lesen Zeitung oder betreiben die unterschiedlichsten Sportarten. Natürlich war der Besuch des Eiffelturms und der Sacré-Coeur auch ein Muss. Trotz einiger Wochenenden sind immer noch einige Dinge offen geblieben die ich mir gerne in Paris angucken möchte.

Die quasimodo-Mutante ist klein und gebeutelt, wie der Glöckner Notre-Dame, durch die Stöung der Biosynthese eines Zellwandpolymers. Dieser Geno- und Phänotyp hat noch viel mehr drauf als nur für pflanzliche Zellwandforschung verwendet zu werden. Er ist ein ideales Modell um Transkriptionsregulation, genauer das Phänomen von transkriptionellen Interferenzen (TI) in Pflanzen, zu studieren. Wie ist das möglich? Die quasimodo-Mutante wurde durch T-DNA Mutagenese erzeugt. Dabei inseriert die T-DNA an zufälligen Stellen in das pflanzliche Genom. Dies führt zu knock-out Mutanten. Häufig befinden sich die T-DNA Insertionen jedoch auch upstream des Gens. Sie erzeugen dennoch einen knock-out Phänotypen. Einerseits kann durch die upstream Insertionen der Promotor zerstört sein, andererseits ist es möglich, dass die starke Transkription des Resistenzgens nicht terminiert wird und weiter über den downstream gelegenen Promotor verläuft. Dies wird als TI bezeichnet. In Hefen ist dies ein beschriebener Mechanismus für die Regulation von umweltempfindlichen Genen und stellt die Wichtigkeit von nicht-kodierender Transkription dar. Die T-DNA Insertion in der quasimodo-Mutante dient als synthetisches Modell für den in Hefe beschriebenen TI-Mechanismus, welcher in Pflanzen nicht beschrieben ist und für den es keine natürlichen Beispiele gibt. Somit können die in dem chemisch genetischen Screen identifizierten Suppressoren sowohl in dem quasimodo-Gen spezifischen Weg fungieren als auch mit dem TI-Mechanismus interferieren. An letzterem ist mein Betreuer, Sebastian, in Kopenhagen interessiert, der sich mit nicht-kodierender Transkription in Hefen und Pflanzen beschäftigt.

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TI Modell für quasimodo Mutante: Upstream startende Transkription von dem Resistenzgen der T-DNA Insertion interferiert mit der downstream gelegenen Transkriptionsinitiation des qua1-Gens.

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Nach 3 Monaten in Versailles und einem einwöchigen Besuch in der Heimat, kam ich in Kopenhagen an. Zur Willkommens-Feier sind wir zu einer Hip-Hop Party in einen Vorort von Kopenhagen gefahren. Sebastian trug ein T-Shirt bedruckt mit einem Poster, um Master Studierende anzuwerben. An dem Abend hat das nicht so gut funktioniert – vielleicht war es das falsche Klientel. Eine Woche später war das T-Shirt erfolgreicher als wir auf der Spring Party der Universität waren. Die Atmosphäre in der Gruppe ist toll. Die gegenseitige Unterstützung ist groß. Wir haben viel Spaß gemeinsam im Labor und in der Freizeit. Mit Tom, einem Master-Studenten aus den Niederlanden, habe ich eine Fußball Truppe gefunden, die jeden Sonntag spielt. Leider habe ich mich beim ersten Mal verletzt und falle seitdem aus. Dorine, eine Doktorandin, die nur unweit meiner Heimstadt lange Zeit gewohnt hat – wie klein die Welt doch ist, ich hatte nicht erwartet jemanden in Kopenhagen zu treffen der Speckhorn kennt – organisierte ich die marquardtschen Laboratolympics. Um die Gruppe von Sebastian auch in den sozialen Medien zu vertreten, erstellte ich eine Twitter-Account. Momentan steht bei uns der Spaß bei den Tweets im Vordergrund jedoch werden auch freie Positionen im Labor beworben, die sich so sehr schnell über unsere Follower verbreiten lassen. Außerdem bekommt man so auch viele Paper zu Augen, die von den Leuten, denen wir folgen, getweetet werden.

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Uni Spring Party: Sebastian und Xueyuan machen Werbung für ein Master-Projekt. Natürlich fand sich das Foto auch auf twitter wieder.

Arbeiten in Kopenhagen bedeutet aber nicht eine twitter-Account zu starten oder Freizeitaktivitäten zu organisieren. Vielmehr ging es darum das Projekt fortzusetzen. Zuerst stand die Reproduktion der Ergebnisse aus Versailles an. Dies gestaltete sich wesentlich schwieriger als gedacht. Da sich der Prozess hinzog, bestellte ich mit Ryan, einem Post-Doc, weitere Chemikalien, von denen wir eine unterdrückende Eigenschaft erwarteten. Von Mathias, der in den letzten Monaten seiner Master-Arbeit steckt, übernahm ich kleinere Projekte. Zum Ende hin begannen die Experimente zu funktionieren und ich fokussierte mich wieder auf meinen Part mit den Chemikalien. Neben der Laborarbeit besuchte ich zwei Konferenzen. Eine handelte von CRIPSR/Cas9, die andere von Prozessen, die DNAReplikation oder –Transkription beeinträchtigen. Letztere wurde von Sebastian organisiert, weshalb ein Forscher aus Texas zu Besuch kam. Wir bekamen die Möglichkeit mit ihm über unsere Projekte zu diskutieren. Es war beeindruckend, wie schnell er unsere Aufgaben nachvollzog und uns entsprechende Tipps und Anregungen gab. Auf der Konferenz selber gab es im Anschluss an die Vorträge Diskussionsrunden in Kleingruppen. Innerhalb von 10 Minuten hatten wir die Möglichkeit an einem Whiteboard unsere Projekte den anderen Teilnehmern der Konferenz vorzustellen. Es ist mal etwas anderes ohne vorbereitet PowerPoint Folien das eigene Projekt bekannten Forschern vorstellen zu dürfen.

Ähnlich zu Versailles wohnte ich in einem Studentenwohnheim. Diesmal hatte ich jedoch meine eigene Küche. So war der Kontakt zu den anderen Studenten eher eingeschränkt und die ersten Wochen eher einsam. Der Besuch von Freunden oder Ausflüge nach Aarhus, in den Harz oder nach Paris zu einem Treffen mit Grégory und nach Berlin zum Dialogue Day der Bayer Foundation brachten Abwechslung. Seit kurzem bin ich nun nicht mehr alleine in meiner Wohnung. Anscheinend handelt es sich um ein Doppelzimmer. Nach der Arbeit im Labor wartete letzte Woche mein neuer Mitbewohner Sergi auf mich in der Wohnung. Die Sache war, dass ich nicht wusste, dass ich einen Mitbewohner bekommen würde. Dementsprechend war die Überraschung groß als ich ins Zimmer kam. Sergi ist Spanier. Er studiert Biochemie und ist für 3 Monate für ein Praktikum hier. Die ersten Abende haben wir damit verbracht Spiele zu spielen und uns zu unterhalten. Das hat einiges an Leben in meine Bude gebracht. Noch mehr Leben in die Bude kam, als wir für ein Wochenende einen weiteren Mitbewohner bekommen haben. Jonathon kommt aus Australien. Er war über 27 Stunden unterwegs. Durch die Verspätung seines Fliegers konnte er seine Schlüssel nicht abholen.
Seine Mitbewohnerin wusste, wie ich bei Sergi, nichts von seiner Ankunft und hatte noch Besuch bei sich. So kam er bei uns für zwei Nächte unter. Es ist schon witzig wie so einiges zusammen, wie eine zuvor einsame Wohnung Leben eingehaucht bekommt – in diesem Fall passt wohl besser „gepustet“ – und welche Freude wir Jonathon machen konnten durch unsere Gastfreundlichkeit.

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Nyhavn: Das wohl bekannteste Postkarten Motiv aus Kopenhagen. Von hier aus starten die Boote für Hafentouren und der Kaffee ist besonders teuer (5 Euro).

Kopenhagen ist eine wunderschöne Stadt mit unglaublich vielen interessanten Ecken. Auf die interessanten Ecken bin ich gestoßen, weil ich mich einfach treiben ließ. An einigen Stellen findet man Gärten von „Rebellen“. Diese wurden eigenwillig zwischen Wohnhäusern angelegt. Ein Höhepunkt dieser „rebellischen“ Versammlungsorte ist Christiania, die Freistadt in Kopenhagen, die geduldet wird. Christiania ist ein spannender Ort. In großen Teilen wird die Natur nicht zurückgedrängt, weswegen viele Häuser zu gewuchert sind: Sträucher wachsen auf Dächern, die Blumen wachsen wild und an einigen Stellen sieht es aus wie eine Verflechtung von Wald und Stadt. Zusammen mit dem Graffiti und einigen eingeworfenen Fensterscheiben, erscheint der Ort verträumt. Fotos dort zu machen wird nicht gerne gesehen, da Marijuana auf offener Straße verkauft wird. Geraucht wird es überall, es gibt wenige Stellen wo ich nicht den Joint-Geruch roch. Christiania ist der hippste Teil Kopenhagen, aber es gibt jede Menge dieser Stellen über die Stadt verteilt. Unweit von Christiana befindet sich der Street Food Market im Hafen. Hier wurden Container und Campingwagen zu Essensständen umfunktioniert. Neben den hippen und alternativen Stellen Kopenhagen gibt es viele kulturelle Sehenswürdigkeiten, wie die Schlösser Christiansborg, Rosenborg und Amalienborg mit der Frederikskirke.

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Rosenborg Slot: Der ehemalige Sitz des Königs. Direkt daneben der königliche Garten (Kongens Havn).

Ein Besuch im botanischen Garten ist ein Muss! Das Tropenhaus ist beeindruckend. In dem runden Haus kann man in fünf Metern Höhe eine Runde um die Palmen drehen und deren Schönheit von oben betrachten. Es gibt weitläufige Wiesen um die Teiche, welche genutzt werden können, um die Sonne und das gute Wetter zu genießen. Ähnlich verhielt es sich im Kongens Havn, wo sich die Kopenhagener zum Picknicken treffen. Allgemein, wird jede Grünfläche zum Picknicken genutzt. Häufig sind dort für jedermann Grills verfügbar. Ein weiterer
Freizeitort in Kopenhagen ist der Tivoli. Einerseits ein Garten voll mit kulturellen Angeboten zu denen Theater- und Musikshows gehören, andrerseits ein Freizeitpark mit einigen Fahrgeschäften. Abends wird der Tivoli von Tausenden von Lichtern und Lichterketten beleuchtet. Eine sehr schöne Kulisse.

Rückblickend waren die 6 Monate eine außergewöhnliche Erfahrung, über die ich mehr als glücklich bin. Ich habe wunderbare Menschen kennengelernt, Kontakte knüpfen können, meine Englischkenntnisse verbessert und Unmengen an wissenschaftlicher Erfahrung gesammelt. Insbesondere hat mir gefallen, dass mir größten Teils freie Hand gelassen wurde, die Experimente zu planen und durchzuführen. Vor allem möchte ich den Leuten danken, die mich von Beginn an unterstützt haben: Roda Niebergall, Prof. Michael Hippler, Grégory Mouille und Sebastian Marquardt.

Beste Grüße aus Kopenhagen,

Henning

 

 

Während des Bachelors nach Israel – Meine Zeit in Tel Aviv

Katrin hat im 5. Semester des BSc Biowissenschaften statt einen Vertiefungsmodul, ein Betriebspraktikum im Ausland absolviert. Hier berichtet sie mehr über diese spannende Zeit in Israel.

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Bewerbungsschritte

Nachdem ich von der Möglichkeit eines Auslands-Moduls gehört habe, stand für mich schnell fest, dass ich diese Erfahrung gerne machen würde. Um einen Überblick zu bekommen, habe ich mich mit Frau Niebergall ausgetauscht, die mir die PDF-Datei mit allen Kooperationspartnern der Professoren des Fachbereichs gezeigt hat. Hierüber habe ich die Kooperation zwischen Prof. Paul Tudzynski und Prof. Amir Sharon in Tel Aviv gefunden. Nach Rücksprache mit Prof. Tudzynski habe ich mich per E-Mail mit einem Motivationsschreiben und einem tabellarischen Lebenslauf in Israel beworben. Die weitere Kommunikation war sehr unkompliziert.

 

Tel Aviv University

LaborDie Universität in Tel Aviv ist eine Campus-Uni und liegt etwas außerhalb von Tel Aviv. Mit mehr als 30.000 Studenten ist sie die größte Universität Israels. Der Fachbereich Faculty of Life Science beinhaltet über 90 Arbeitsgruppen und Labore und circa 3.000 Studenten. Die Arbeitsgruppen und Institute sind meist international aufgestellt, die Mehrheit der wissenschaftlichen Mitarbeiter sind aber Israelis. Die Arbeitsgruppe von Professor Amir Sharon gehört zum Institut für Molekularbiologie & Ökologie der Pflanzen. Forschungsschwerpunkt ist die Pilz-Pflanzen-Interaktion von Pflanzenschädlingen wie Botrytris cinerea (Grauschimmelfäule). Mein Projekt beinhaltete Forschung über den Zusammenhang von Autophagie und Apoptose bei diesem Pilz. Innerhalb des Projektes habe ich außerdem grundlegende molekular- und mikrobiologische Methoden kennen gelernt. Eine Immatrikulation an der Universität in Tel Aviv war nicht notwendig, da ich weiterhin in Münster eingeschrieben war.

 

Einreiseformalitäten

Solange man nur drei Monate in Israel bleibt, muss vorher kein Visum beantragt werden. Bei der Einreise wird deutschen Staatsbürgern in der Regel ein dreimonatiges Touristenvisum ausgestellt. Da ich dreieinhalb Monate dort war, habe ich circa vier Monate vor Abreise ein Studentenvisum bei der israelischen Botschaft in Berlin beantragt. Neben den Kosten für die benötigten Unterlagen, wie ggf. Reisepass, Passfotos, etc., muss man für ein Studentenvisum 42 Euro plus Porto einplanen.

 

Unterkunft und Lebenshaltungskosten

Ein günstiges Zimmer in Tel Aviv zu finden stellte eine enorme Herausforderung dar. Nachdem ich mich aufgrund der übertriebenen Preise der Studentenwohnheime gegen diese entschieden hatte, habe ich mich mittels Suchmaschinen weiter umgeschaut. Schließlich habe ich über AirBnB ein paar Zimmerangebote gefunden, die schöner und günstiger als die Wohnheimzimmer waren. Pro Monat habe ich trotzdem immer noch 630 Euro Inklusivmiete gezahlt. Mein Eindruck der generellen universitären Unterstützung ist, dass man als ausländischer Student im Vergleich zu israelischer Studenten deutlich mehr, zum Teil sogar das Doppelte, zahlt.

Die Lebenshaltungskosten sind in Israel bzw. besonders in Tel Aviv ebenfalls höher als in Deutschland. Obst und Gemüse der Saison ist meist relativ günstig, Milchprodukte, Fleisch, Brot etc. hingegen kosten deutlich mehr. Da es das Prinzip der Mensa dort leider nicht gibt, muss man auf dem Campus für ein Mittagessen bei einem der vielen kleinen Cafeterien zwischen 7 und 10 Euro kalkulieren.

 

Sprache

Für mein Forschungspraktikum haben meine guten Englischkenntnisse vollkommen ausgereicht. Dadurch, dass die Arbeitsgruppen in der Regel international besetzt sind, wird vorwiegend Englisch gesprochen. Fachliteratur ist sowieso auf Englisch geschrieben. Für einen längeren Aufenthalt würde ich einen der vielen Sprachkurse (Ulpan genannt) empfehlen.

 

Gesundheit

Eine Auslandskrankenversicherung ist nicht nur für das Visum Pflicht, sondern auch sinnvoll. Meiner Recherche nach tun sich die verschiedenen Pakete nicht viel. Worauf man achten kann, ist, dass man eine günstige Kombination mit Auslands-Haftpflicht-Versicherung findet, falls die deutsche Haftpflicht-Versicherung das nicht schon beinhaltet. Besondere Impfungen sind nicht nötig, eine Rücksprache mit dem Hausarzt schadet aber sicher nicht.

 

Verkehr

Öffentliche Verkehrsmittel sind in Israel während der Woche (Samstagabend nach Sonnenuntergang bis Freitagnachmittag) sehr gut ausgebaut, wenngleich der Begriff Fahrplan dort eher unbekannt ist. Größtenteils reist man mit dem Bus, an der Küste gibt es außerdem eine gute Nord-Süd-Zugstrecke. Auch Überlandbusse fahren alle paar Minuten in alle kleineren und größeren Städte. Öffentliche Verkehrsmittel sind meist sehr günstig. Zusätzlich lohnt es sich auf jeden Fall, eine „Rav Kav“ ausstellen zu lassen. Das ist eine personalisierte, elektronische Fahrkarte, bei der es Rabat auf den auf die Karte gebuchten Geldbetrag gibt. Anders sieht es am Wochenende, dem Shabbat, aus: Die allermeisten öffentlichen Verkehrsmittel fahren von Freitagnachmittag bis Samstagabend gar nicht, darunter alle israelischen Busse und Züge. Stattdessen gibt es Sammeltaxis, Sheruts genannt, die auf bestimmten Strecken, sowohl in den Städten als auch über Land fahren. Sie sind etwas teurer als normale Busse.

 

Fazit

Aus meiner Zeit in Israel und Palästina bleibt mir besonders in Erinnerung, wie hilfsbereit und freundlich die meisten Menschen dort sind. Egal wo man ist, was man sucht oder welches Problem man hat, es finden sich eigentlich immer Menschen, die einem bereitwillig weiterhelfen. Wenn man am Englisch als Ausländer erkannt wird, folgt in der Regel auch ein Gespräch über Deutschland, fast jeder kennt zumindest Köln und mindestens eine Person, oft sogar eigene Familienangehörige, die in Deutschland leben. Die meisten Leute packen häufig auch noch ein paar Brocken Deutsch aus und sind wirklich interessiert, was man denn so in Israel treibt und ob man das dieses und jenes schon gesehen hätte. Meist folgen dann auch noch ein paar sehr hilfreiche Reisetipps. Reisen in Israel hat so wirklich Spaß gemacht!Wüste Negev

Wie jedem wohl bekannt ist, ist Israel ein konfliktgeladenes Land. Das macht es aber natürlich auch umso spannender, politische Themen mit Einheimischen zu besprechen und sich einen eigenen Eindruck zu verschaffen. Je länger ich in Israel und Palästina unterwegs war, umso stärker habe ich den Eindruck bekommen, dass eine „neutrale Betrachtung“ der politischen Situation gar nicht möglich ist. Ich hatte das Glück, dass ich beide Perspektiven auf den israelisch-palästinensischen Konflikt direkt aus ersten Hand kennen lernen konnte, da zeitgleich mit mir eine ehemalige Mitbewohnerin aus Münster in Bethlehem und Jerusalem gearbeitet und gelebt hat. So habe ich eine Palästinenserin aus einem der Flüchtlingscamps in Bethlehem kennen gelernt und durch Besuche dort einen Eindruck in ihren Alltag bekommen.Mauer Bethlehem 2

Außerdem ist Israel ein wunderschönes Land mit atemberaubender Natur. Von mediterranen Wäldern und Bergen im Norden über das Mittelmeer, den See Genezareth, das Tote Meer und das Rote Meer bis hin zur Wüste in der gesamten südlichen Hälfte findet man für eigentlich jeden Geschmack etwas. Mir hat es besonders die Steinwüste Negev angetan, die durch Wind und Wasser bizarre und wunderschöne Formen angenommen hat. Aber auch die vielen wirklich alten Ruinen und historisch und religiös wichtigen Orte sind beeindruckend und eine Reise absolut wert. Mit Besuch aus Deutschland habe ich mich zwei Mal auf die Reise von Norden nach Süden gemacht. Dadurch, dass Israel wirklich klein ist (circa so groß wie Hessen), kann man problemlos herumreisen, auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln.Küste Haifa, Akko, RoshHaNiqra

Die Laborarbeit hat mir wirklich Spaß gemacht. Mir wurde sehr schnell und viel alleine zugetraut und das Arbeitsklima ist herzlich und entspannt. Es war immer mindestens eine Person da, die mir helfen konnte, wenn ich nicht weiterwusste oder irgendetwas gesucht habe. Ich habe bisher nicht viele Vergleichsmöglichkeiten, aber mein Eindruck ist, dass das Labor gut ausgestattet ist. Ich kann absolut empfehlen, ein Praktikum in dieser Arbeitsgruppe zu machen. Neben all den persönlichen Erfahrungen, die ich in Israel gesammelt habe und an denen ich gewachsen bin, habe ich auch fachlich viel gelernt. Das wird mir besonders jetzt in der Bachelorarbeits-Vorbereitung besonders bewusst. Selbstständig zu Planen und zu Arbeiten sind Dinge, die sehr wichtig sind und die ich allem voran in meinem Auslandspraktikum gelernt habe.Klagemauer, Felsendom in Jerusalem

 

Im Labor direkt am Meer – Betriebspraktikum Neuseeland

 

BP-NS_001Von Oktober bis Dezember 2016 habe ich ein Betriebspraktikum in Neuseeland im Victoria University Coastal Ecology Laboratory absolviert. Ich wurde von einem Doktoranden betreut und habe durch ihn Vorschläge für Experimente bekommen. Ziel des Praktikums war es, ein eigenständiges Projekt komplett durchzuführen. Das heißt mit Literaturrecherche, eigenen Methoden und kompletter Auswertung. In meinem Fall waren das Experimente mit Kalkröhrenwürmern, die zu der Klasse der Polychaeten gehören. Dabei habe ich einen Größen- und Gametenvergleich zwischen solitär und in Aggregationen lebenden Tieren durchgeführt. Es ist wichtig, Hypothesen aufzustellen und diese am Ende auszuwerten.

BP-NS_002Ich persönlich finde Auslandserfahrungen sehr wertvoll und denke, dass man im Ausland viele Erfahrungen sammelt und eine spannende Zeit hat. Für mich stand jedoch auch fest, dass ich nicht an eine Uni im Ausland wollte, um weitere Vorlesungen zu hören. Ich denke, dass das 5. Semester dazu da ist, weitere Praxiserfahrung zu sammeln und sein Wissen in eigenen fachspezifischen Interessensgebieten zu vertiefen. Mein Tipp: Informiert euch vorher im Modulhandbuch über die verschiedenen Vertiefungsmodule und deren Zeiträume. Die meistens werden jedes Jahr im gleichen Zeitblock angeboten. Entscheidet euch, welches VM für euch interessant ist und bestimmt danach euren Praktikumszeitraum. Bei vielen AGs ist es später für die Bachelorarbeit wichtig, schon ein VM dort absolviert zu haben. Wenn ihr noch nicht wisst, in welche Richtung der Biologie ihr gehen wollt, kann ein Praktikum sehr hilfreich sein, sich einen ausgewählten Bereich genauer anzusehen. Ich bin gerade in der Vorbereitungszeit für die Bachelorarbeit und merke, wie sehr der Ablauf des Praktikums dem jetzigen Ablauf ähnelt. Hier sehe ich einen der größten Vorteile des Betriebspraktikums. Man lernt eigenverantwortliches Arbeiten und hat meiner Meinung nach einen Vorsprung vor Kommilitonen, die ihr Semester an einer Uni im Ausland verbracht haben oder an zwei VM der Uni teilgenommen haben. Klar kam es während der selbstständigen Durchführung zu Problemen und Frustrationen, aber diese gehören zur Forschung mit dazu.

Es ist wichtig, einen guten Ansprechpartner vor Ort zu haben, aber auch zu versuchen, kleine Fragen erst einmal selbst zu beantworten. Zudem finde ich ein Praktikum hilfreich, um einen Einblick in die Arbeitswelt und den Alltag eines Biologen zu erhalten. Ich habe in dieser Zeit sehr viel Praxiserfahrung erlangt, konnte aber auch einiges Wissen aus vorherigen Uni-Praxisteilen anwenden.
Vor allem im Bereich Biologie sind Praktika von hoher Bedeutung und sind hilfreich bei späteren Bewerbungen. Ich merke jetzt schon bei Bewerbungen für den Master, dass eine Weiterorientierung außerhalb der generellen Studienleistungen sehr wichtig ist. Wenn Ihr ein Praktikum durchführt, achtet auf jeden Fall am Ende auf ein gutes Praktikumszeugnis. Dies sollte genau die Arbeiten enthalten, die Ihr durchgeführt habt und beschreiben, wie Ihr von eurem Betreuer wahrgenommen wurdet.
Vor allem Praktika im Ausland können im biologischen Bereich nützlich sein, da die Wissenschaftssprache überwiegend Englisch ist. Während der drei Monate konnte ich meine Englisch-Kenntnisse enorm verbessern und vor allem mein Vokabular erweitern. Als Bewertung für mein Praktikum habe ich einen wissenschaftlichen Report über meine Experimente verfasst. Das dieser in Englisch verfasst werden sollte, sehe ich im Nachhinein als sehr förderlich an. Man lernt alle Begriffe, die mit dem Praktikum zusammenhängen, in Englisch. Eine komplette Ausarbeitung auf Englisch zu schreiben, ist zwar zunächst anspruchsvoll, aber klingt schwieriger, als es dann wirklich ist.

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Mein Arbeitsweg zum Labor in Island Bay, Wellington

Die Frage, die sich die meisten hier vermutlich stellen, ist: Wie kommt man in Neuseeland an einen Praktikumsplatz und wie lässt sich das Ganze finanzieren? Meine Antwort darauf ist leider auf den ersten Blick für viele nicht hilfreich. Ich habe das Glück, Verwandte in Wellington zu haben, bei denen ich für die Zeit unterkommen konnte. Dadurch wurden einige Sachen erleichtert. Trotzdem kann ich euch ein paar hilfreiche Tipps mit auf den Weg geben, wenn Ihr wirklich an einem Auslandpraktikum interessiert seid. Zunächst einmal ist es in Münster so gut wie immer möglich, mit etwas Zeitaufwand für ein paar Monate seine Wohnung zwischen zu vermieten. Dadurch hat man unter Umständen im Ausland etwa dieselben Lebenshaltungskosten wie in Münster. Wenn man die Praktika der Uni in den normalen Zeitblöcken absolviert hat, hat man nach dem vierten Semester das erste Mal wirkliche Semesterferien und kann diese nutzen, um Arbeiten zu gehen und damit Geld für einen Flug und andere Kosten zu verdienen. Vielleicht habt ihr auch Verwandte oder Bekannte im Ausland oder könnt Kontakte über Freunde knüpfen. Ein Ansprechpartner vor Ort kann bei Wohnungs- und Platzsuche hilfreich sein. Aber auch wenn Ihr nicht direkt jemanden kennt, solltet ihr euch davon nicht abschrecken lassen. Wenn Ihr wirklich ein Praktikum im Ausland absolvieren wollt, denke ich, dass es für jeden einen passenden Platz gibt. Ihr könnt auch versuchen, über Kontakte und Kooperationen der Uni mit anderen Instituten an einen Praktikumsplatz zu kommen.

Lasst euch nicht von Absagen abschrecken! Ihr könnt auch erste Anläufe telefonisch machen.
Meistens werden für Biologen im Bachelor keine Praktika ausgeschrieben, von daher müsst ihr Initiative zeigen und mit einer guten Bewerbung überzeugen. Habt Ihr Probleme damit, eine Bewerbung richtig zu formulieren oder wisst nicht mehr ganz, wie das Layout passend aussehen muss? Nutzt die Angebote des Career Service. Es gibt sowohl Bewerbungstrainings als auch einen circa 20-minütigen Bewerbungsmappencheck.

Den zeitlichen Ablauf der gesamten Organisation habe ich in Form einer Tabelle hier für euch abgebildet:

Recherche: Überlegung welche Bereiche für mich interessant sind Februar
Bewerbung Februar
Rückmeldung Mitte März
Überprüfung der Rahmenbedingungen Mitte April
Vertrag unterschrieben und eingereicht Anfang Juni
Betreuenden Hochschullehrer suchen Anfang Juni
Absprache der Prüfungsleistungen Anfang August
Praktikum Oktober – Dezember
Abgabe des Reports Anfang Juni
Rückmeldung des betreuenden Hochschullehrers Ende März

 

Mein Fazit:       
Ich würde das Praktikum definitiv wieder genauso machen wollen und kann es jedem, der mit dem Gedanken spielt, nur empfehlen. Man muss sich bewusst sein, dass damit ein höherer Zeitaufwand verbunden ist, als einfach zwei Vertiefungsmodule zu wählen. Allerdings sind in meinen Augen die Erfahrungen weitaus wertvoller. Es ist nicht nur eine perfekte Vorbereitung auf die Bachelorarbeit, sondern ein Vorteil bei zukünftigen Master- und Jobbewerbungen. Dass man so ein neues Land bereisen, seine Kultur und Einwohner kennenlernen kann, ist natürlich ein weiterer großer Pluspunkt.

 

Wenn noch irgendwelche Fragen übriggeblieben sind, könnt ihr mir selbstverständlich gerne eine E-Mail an vivienechelmeyer(at)web.de schicken.

Masterarbeit im Ausland: Amsterdam

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Hallo, die ein oder anderen kennen mich vielleicht schon vom Brasilien-Blog. Ich bin Steffi und dieses Semester werde ich meine Masterarbeit in den Niederlanden absolvieren, genauer gesagt in Amsterdam. Falls auch ihr an einer Masterarbeit im Ausland Interesse habt, dann hoffe ich, dass ich euch hiermit etwas Starthilfe geben kann.

Für mich war Amsterdam schon lange eine Option – vor 2 Jahren hatte ich nach meinem Bachelor schon einmal ein Praktikum hier im Netherlands Cancer Institut gemacht und das hat mich anscheinend davon überzeugt, zurückkommen zu müssen. Somit begann ich mich damals von Brasilien aus zu bewerben. Das war so circa 7,8 Monate im Voraus. So viel Vorlauf ist allerdings nicht immer nötig, gerade wenn man seine Masterarbeit im universitären Bereich schreiben will, da oftmals die Projekte so früh noch nicht feststehen. Wer aber, so wie ich, in die Industrie möchte, sollte mindestens ein halbes Jahr im Voraus aus dem Knick kommen.

Nächste Hürde: Bewerbung und Vorstellungsgespräch. Wer ins Ausland will, kann sich meist natürlich nicht persönlich vorstellen. Daran sollte es aber nicht scheitern. Wichtig ist eine überzeugende Bewerbung. Geht auch nicht immer unbedingt vom deutschen Standard aus sondern recherchiert lieber mal ein bisschen rum, was so die landesüblichen CV-Formate sind. In Holland ist es beispielsweise eher unüblich seiner Bewerbung ein Foto beizufügen. Ich wurde damals zuerst gefragt, ob ich zu einem Vorstellungsgespräch denn persönlich vorbeikommen könnte. Da ich aber zu der Zeit in Brasilien war, war Skypen eine gute Alternative. Da in internationalen Teams meist Englisch die Amtssprache darstellt und die Holländer das sowieso gut können, war mein Gespräch auf Englisch.

Sobald feststeht, dass ihr eine Zusage habt, geht es darum, das Ganze zu finanzieren. In den meisten Fällen sind die Deadlines für Bewerbungen um ein DAAD-Stipendium dann schon vorbei oder die Programme passen alle nicht so ganz, aber es gibt noch einige andere Wege. Ich habe mich beispielsweise um ein Erasmus+-Stipendium beworben, welches euch bis zu 5 Monate finanziell unter die Arme greifen kann. Ansonsten geht auch Promos oder im Falle einer Masterarbeit im Ausland auch das normale BAföG (mir wurde gesagt, dass Auslands-BAföG da anscheinend nicht geht). Es lohnt sich in jedem Fall, da nochmal ein wenig Recherche zu betreiben.

Was ihr auch nicht vergessen solltet, ist der Antrag auf externe Masterarbeit. Dieser sollte, bevor ihr anfangt, im Prüfungsamt liegen (das Antragsformular findet ihr auf der Homepage des Prüfungsamtes). Das genaue Thema der Masterarbeit braucht ihr hierfür noch nicht. Aber die beiden Gutachter müssen den Antrag unterschreiben, sprich ein Gutachter von der WWU und ein externer. Euer externer Gutachter sollte mindestens einen PhD-Titel haben. Meist will das Prüfungsamt auch einen CV und eine Publikationsliste des externen Betreuers. Falls euer externer Gutachter nun doch nicht ganz den Voraussetzungen entspricht, dann sollte das Ganze hieran auch nicht mehr scheitern. In dem Falle sucht ihr euch einfach einen zweiten Gutachter der WWU.

Wenn ihr das alles rum habt, könnt ihr euch zurücklehnen und euch einfach auf euren Auslandsaufenthalt freuen.

Ach ja, und plant genug Zeit für die Wohnungssuche ein, da sich das Ganze gerade in den schönsten Städten als sehr schwierig und teuer herausstellen kann.

Schöne Grüße aus Amsterdam,

Steffi

Steffi002

Erasmussemester an der Aarhus University in Dänemark

Anne

Vorwort

Ich habe mich für ein Auslandssemester entschieden, weil ich generell gerne Neues kennenlerne und ein Erasmussemester da perfekt reinpasst. Neue Kultur. Neue Menschen. Neue Umgebung. Mehr eigene Verantwortung. Weg von allen Sicherheiten, die man Zuhause genießt. Das alles finde ich sehr spannend. Natürlich habe ich mich noch wegen viel mehr Faktoren für ein Auslandssemester entschieden. Ich finde einfach ein Erasmussemester kann einen persönlich nur weiterbringen und deswegen auch nur gut werden.

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Vorbereitung

Ich habe ein Jahr bevor ich nach Dänemark gefahren bin einen VHS Kurs in Dänisch belegt. Das kostet leider und für mich hat es sich nicht unbedingt gelohnt, aber ich bin auch eine inkonsequente Sprachenlernerin. Generell kann ich es nur empfehlen, weil es dich sozial sehr viel weiterbringen kann, wenn du auch mit den dänischen Studenten viel in Kontakt treten möchtest.

Wenn es sich dann doch nicht einrichten lässt, braucht man natürlich auch nicht verzweifeln, weil in Dänemark gefühlt einfach jeder Englisch sprechen kann. Auf einem Basketballplatz habe ich mal Körbe mit einem 12 jährigen Dänen geworfen und selbst der konnte gutes Englisch. Es war fast verrückt. Man konnte sich für alles online anmelden. Auch der Kurskatalog war online zu finden, ich hatte aber trotzdem einfach nochmal die dann neue Erasmuskoordinatorin Dr. Roda Niebergall gefragt. Wenn ihr Fragen habt, die Ihr selbst nicht lösen könnt, solltet ihr auch immer sofort Kontakt zu euren Erasmuskoordinatoren aufnehmen. Das ist besser, als selbst zu verzweifeln. Das Online-Anmelden lief aber wirklich super easy und die Kursauswahl war auch sehr groß. Ich konnte sogar Kurse außerhalb von Biologie in der Physik belegen und auch Masterkurse. Einfach weil ich da mal reinschnuppern wollte. Wichtig! Ich musste für die Bewerbung einen C-Test in Englisch ablegen! Den kann man an der Uni Münster für ca. 20 € absolvieren. Alle anderen Möglichkeiten wie TOEFL sind unverschämt teuer (in Deutschland 240 US-Dollar) und in diesem Fall nicht besser als der C-Test beim Sprachenzentrum. Für den C-Test in Münster muss man sich vorher anmelden. Deswegen da auch bitte unbedingt genügend Zeit einplanen und am besten nachfragen, wann die nächsten Termine zur Verfügung stehen. Die Unterkunftssuche ist auch ein wichtiges Thema! Dazu mehr im nächsten Abschnitt. Weitere wichtige Punkte, die man auch noch bedenken sollte, die ich jetzt aber nicht nochmal in einzelnen detailliert durchgehe, sind: Kreditkarte, Versicherung und Sport.

 

Unterkunft

Man kann sich über die Online-Anmeldung für eine Unterkunft bewerben. Da ich jedoch gehört hatte, dass man teilweise auch sehr spät erst einen Platz bekommen kann (z.B. erst einen Monat nachdem das Semester schon begonnen hat), wollte ich mich nicht darauf verlassen. Ich meldete mich für einen zu verschmerzenden Betrag bei der Seite Boligportal.dk an. Dort gab es relativ viele Angebote und es lief nach einem ähnlichen Prinzip wie bei WG-gesucht. Ich habe darüber eine wunderschöne kleine Wohnung in der Nähe vom Hafen und in der Nähe der Uni gefunden. Meine Vermieterin war selbst mit dem Erasmusprogramm in Frankreich und deswegen hatte alles perfekt gepasst. Kann sein, dass das ein Glücksfall war. Ich kann es trotzdem nur empfehlen, da zumindest ich jede erdenkliche Möglichkeit ausschöpfen wollte, um eine gute Unterkunft zu finden. Facebook ist dabei natürlich auch eine gute Adresse. Dort gibt es viele Gruppen, in denen Wohnungen angeboten werden. Worüber man sich unbedingt im Klaren sein muss, sind die hohen Mietkosten. Mit Glück kann man über das Studentenwerk wohl auch Zimmer für 300 oder 400 € finden. Das ist aber meiner Meinung nach eher unrealistisch und man muss sich eher mit Preisen um die 500 – 600 € monatlich anfreunden.

Studieren in Aarhus

Das Studium hängt sehr von den gewählten Kursen ab. Also würde ich besonders viel Wert drauflegen, dass auch meine Interessen gut getroffen werden. Ansonsten war das Studium anspruchsvoller als erwartet. Also larifari, wie vielleicht das Klischee von einem Auslandssemester ist, wird es nicht. Was auch gut ist, weil dieses Programm dich auch für den zukünftigen Arbeitsmarkt interessanter und kompetenter machen soll. Bei meinen Kursen wurde der Fokus sehr auf Paper gelegt. Was ich noch nicht gewohnt war, aber grade während der Bachelorarbeit und später während des Masters sehr von Vorteil ist. Ich war sehr zufrieden mit meinen Kursen, auch wenn sie vielleicht einen Ticken zu anspruchsvoll waren und deswegen meine Noten nicht ganz wie gewünscht ausfielen. Aber damit muss man halt leben. Dänisch Kurse wurden auch vom Sprachenzentrum der Uni angeboten. Was auch ganz cool war, ich aber wegen ein paar IT-Problemen nicht wirklich bewerten kann. Auf jeden Fall hat man sich Mühe gegeben, für die „Internationals“ ein schönes Umfeld zu schaffen. Es gab zum Beispiel im Keller die Möglichkeit, mit anderen Spiele zu spielen, sich in Sitzsäcken auszuruhen, an PCs seine Aufgaben zu absolvieren und sich im Sprachcafé mit den Angestellten in Dänisch zu versuchen. Das war dann meistens auch eine entspannte Möglichkeit, die Sprache zu lernen, weil man sich wie mit Freunden über Gott und die Welt unterhalten konnte, aber die auch noch super auf deine Sprachdefizite Rücksicht genommen haben.

Leben in Aarhus

AIMG-20170423-WA0016arhus hat unfassbar viel zu bieten. Die Stadt lebt genau wie Münster auch von ihren Fahrradfahrern und wird nicht ohne Grund the city of smile genannt. Sie hat eine wunderschöne Altstadt mit einem kleinen Fluss/Kanal, der danach in die Ostsee mündet. Am Hafen kann man sich nie satt sehen. Nur bei Nacht ist es da noch schöner. Wobei die Nacht in Aarhus auch noch einiges mehr ermöglicht. Prinzipielles Muss sind die Friday Bars beim Campus. Da findest du nicht nur unverschämt günstige Biere und Cocktails, sondern auch die lustigsten, aufgeschlossensten und vielfältigsten Menschen. Für diese Stimmung würde ich immer wieder gern einfach so nach Aarhus fahren. Was auch richtig cool ist: dort gibt es einfach für jeden Geschmack etwas. Ob gemütlich rumchilln, Spiele spielen und wenn gewünscht auch tanzen in der Chemie Friday Bar, gnadenloses Abfeiern in der Mediziner Friday Bar oder auch ein Mix aus beidem und zusätzlich noch das Baumstammspiel (bei dem man Nägel mit einem Hammer in einen Baumstamm hämmert) in der Bio Friday Bar, es war für jeden etwas dabei!

Es gibt natürlich auch einige Einführungsveranstaltungen für die Internationals, aber leider auch nur für die Internationals. Wenn man Dänen kennenlernen möchte, muss man sich halt etwas einfallen lassen, wie zum Beispiel bei den Friday Bars mitzumachen.

Ich hatte mich schon ein paar Monate bevor ich nach Aarhus gefahren bin bei einem Basketballverein angemeldet, weil mir das persönlich wichtig war. Darüber hatte ich auch eine gute Möglichkeit, viele verschiedene Menschen kennenzulernen. Ansonsten gibt es meines Wissens dort zusätzlich ein gutes Hochschulsportangebot. Ich kann mich noch erinnern, dass man auch Windsurfen oder Angeln konnte. Ich wurde auch mal krank, aber da man am Anfang des Semesters vor Ort alles Restliche wegen der Versicherung klären konnte und auch einen Arzt zugewiesen bekommen hat, war das alles komplett unproblematisch. Und wenn sonst mal Probleme auf mich zugekommen sind, gab es für alles immer einen Ausweg, auch wenn manches erst unmachbar aussah. Bei so einem Auslandssemester lernt man halt, dass man alles irgendwie hinbekommen kann.

IMG-20170423-WA0024Außeruniversitär gibt es in der Stadt auch unendlich viele schöne Sachen zu entdecken. Die Bibliothek am Hafen zum Beispiel ist ohne Witz nicht nur zum Lernen gut, sondern auch um sich einfach so ein bisschen zu entspannen. Es ist wunderschön dort und wenn ich jetzt nur daran denke, würde ich schon gern wieder hingehen, weil die Atmosphäre so beruhigend ist. AROS ist auch ein wichtiges Ausflugsziel. Ich hatte einen Freund, der eine Jahreskarte hatte und der konnte mich einfach umsonst mit reinnehmen. Ansonsten ist es leider etwas teuer. Aber trotzdem ist es das wert. Es war für mich das erste Museum, das mich wirklich mal zum Nachdenken angeregt und beeindruckt hat. Der Deer Park ist auch eine wirklich schöne Sache. Mit ein paar Möhren in der Hand laufen dir die Rehe praktisch hinterher und du kannst sie auch streicheln oder einfach nur so durch den riesigen Park spazieren. Eine meiner Lieblingsbars in der Stadt ist das Shen Mao. Gegen 20 DK bekommt man eine Tischtenniskelle mit der man Tischtennis spielen konnte. Das hatte ich noch nie vorher erlebt und war unfassbar lustig. Verhältnismäßig günstige Biere und Cocktails gab es auch. Und wenn man nicht mehr spielen wollte, konnte man im Tausch für die Kelle ein Bier bekommen. Perfekter Abend! Musik war immer mal anders. Vorwiegend hatte es aber eher einen Underground Techno/RnB Touch. Ist natürlich Geschmackssache aber für mich hätte es kaum besser sein können. Shots gab’s übrigens in Reagenzgläsern. Da lacht doch das Biologenherz.

Zusammenfassung

Es gab bei meinem Auslandssemester Höhen und Tiefen. Aber da man aus schlechten Erfahrungen viel lernt und sie nach kurzer Zeit wieder vergisst, war alles super und ich kann es jedem nur wärmstens empfehlen. Habt viel Spaß und macht was ihr wollt! Die Welt liegt euch zu Füßen.

Bilder und Geschichten aus Indien – mein Auslandssemester

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Daniel Dornbusch

DSCN55612014 bin ich mit vier weiteren deutschen Studierenden nach Indien gereist, um das erste meiner Vertiefungsmodule im Bachelor an der University of Hyderabad (UoH) statt an der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) zu absolvieren. Dort arbeiteten wir alle für ca. drei Monate im Labor der School of Life Sciences und reisten anschließend für fast zwei Monate durch Indien und Nepal. Ich bin sehr froh über die Kooperation zwischen der WWU und der UoH, da ich ohne diese nie daran gedacht hätte, nach Indien zu gehen, mit ihr es um einiges einfacher war, den Aufenthalt im Vorfeld zu planen und man sicher sein kann, dass es vor Ort Menschen gibt, an die man sich wenden kann und die einem bei allem Möglichen helfen können. Somit wurde der Aufenthalt zu einer wunderbaren Zeit, die mich nachhaltig geprägt hat.

Der Campus

Zunächst will ich euch den Campus vorstellen. Dieser ist nach Angaben der Universität von Hyderabad der größte Asiens, aber das behaupten mehrere Unis von sich. So oder so bleibt festzuhalten, er ist sehr groß, sehr grün und sehr, sehr schön!

Wir haben während unseres Praktikums am Lifescience Center gearbeitet. Ein modernes Gebäude mit Laboren, die für indische Verhältnisse sehr gut ausgestattet sind. Trotzdem gibt es ein paar Unterschiede zu deutschen Laboren. So werden dort stets Flipflops getragen. Außerdem dauert es länger, um an Chemikalien und Geräte zu kommen. Dafür legen die Wissenschaftler aber einen erstaunlichen Erfindungsreichtum an den Tag, um dieses Defizit auszugleichen.

Ich habe im Labor von Professor Bramanandam Manavathi gearbeitet und untersucht, ob bestimmte Mutationen am Pre-B-cell leukemia homeobox interacting protein 1 bei der Tumorentwicklung von Brustkrebs eine Rolle spielen.

Studentisches Engagement

Was mir in der Zeit auf dem Campus auffiel, ist, dass die meisten Studierenden politisch interessiert oder engagiert sind. So wurde vor den Campuswahlen viel diskutiert und für mich war es spannend, mit unterschiedlichen Leuten mit verschiedenen Meinungen zu reden. Das Spektrum reicht von linksliberalen Kommunisten bis hin zu rechtskonservativen Hindus. Dieses Interesse für den zukünftigen Weg Indiens ist auch an den zahlreichen Graffitis auf dem Campus abzulesen.

Eine wichtige Figur für einige meiner indischen Freunde ist B. R. Ambedkar, der sich gegen die Diskriminierung der Dalits (den Unberührbaren) und für Frauenrechte eingesetzt hat. Einige meinten sogar, er ist eine Art Karl Marx Indiens, mit dem Unterschied, dass Marx innerhalb eines Klassensystems und Ambedkar innerhalb eines Kastensystems argumentierte. Insbesondere von Freunde, die aus der Kaste der Dalits stammen und für die Diskriminierung immer noch real ist, wird Ambedkar zum Teil wie ein Gott verehrt.

Das Engagement der Studierenden zeigte sich auch durch eine Studenteninitiative, die kleine ansprechende Mülleimer auf dem Campus aufhing, um auf das Müllproblem aufmerksam zu machen und den Campus ein wenig zu verschönern.

Dennoch muss man sagen, dass Welten zwischen Deutschland und Indien liegen, was die Entsorgung von Müll angeht. Recycling ist ein Fremdwort und meistens wird der Müll irgendwo auf dem Campus verbrannt.

Das Leben vor Ort

Auf dem Campus befinden sich auch die Studierendenunterkünfte. Wir hatten damals die Möglichkeit, zu entscheiden, ob wir in das International Hostel oder in eins der „normalen“ Hostels ziehen wollen. Ich habe mich für das „normale“ Hostel entschieden, da ich erleben wollte, wie es ist, als „normaler“ Student dort zu leben und trotz anfänglichem Kulturschocks kann ich es nur jedem empfehlen! Die Zimmer erinnern zwar ein wenig an Gefängniszellen mit vergitterten Fenstern und massiven Türen, die mit einem Riegel und einem Vorhängeschloss von außen verschlossen werden können. Zudem gibt es keine europäischen Toiletten, auf die man sich setzten kann, und aus dem Duschkopf kommt nur kaltes Wasser. Es hat ein wenig gebraucht, um sich darauf einzulassen, aber nach einer Eingewöhnungsphase habe ich mich dort wirklich wohlgefühlt und dieses Zimmer wurde zu einem Zuhause.

Die indische Küche

Nun kommen wir zu meinem Lieblingsthema, dem indischen Essen. Ich liebe es und vermissen es – wie fast alle, die dort studiert und mit denen ich gesprochen habe. Ich muss aber zugeben, dass ich es scharf mag. Aber, ob ihr wollt oder nicht, wenn ihr in Indien leben wollt, werdet ihr scharfes Essen ebenfalls lieben lernen (müssen).

Ein paar meiner indischen Freunde konnten es sich nicht nehmen lassen, mir die Küche, in der für unser Hostel gekocht wurde, zu zeigen. Auch wenn es die ernsten Gesichter auf den Bildern nicht unbedingt vermuten lassen, haben sich die Leute, die dort gekocht haben, sehr gefreut, dass ich vorbeigekommen bin und bestanden darauf, sich alle von mir fotografieren zu lassen.

Feste und Feiertage

In Indien gibt es viele hinduistische Feste und Feiertage. Eins davon ist Diwali, das Lichtfest. Bei diesem Fest ist es typisch, dass Öllampen in Reihen an Fenster oder Eingänge gestellt werden und, dass Feuerwerkskörpern gezündet werden. Zu diesem Fest gehört natürlich auch gutes Essen und ebenso sollte man ein paar Süßigkeiten als Gastgeschenk mitbringt, wenn man zum Diwali eingeladen wird. Zu den Feuerwerkskörpern muss ich aber sagen, dass die mir zu krass waren. Ohrenbetäubend laut und zum Teil mit einer Druckwelle, die einem Angst machen konnte. Dazu kommt noch, dass die Zündschnüre um einiges kürzer sind, als wir es aus Deutschland gewohnt sind. Dennoch ist es im Großen und Ganzen ein wunderschönes Festival, welches sich über fünf Tage erstreckt.

Der indischer Blick auf Deutschland

Ich habe versucht, euch einen Einblick zu geben, wie ich Indien erlebt habe.
Bleibt noch die Frage, wie wird Deutschland in Indien gesehen. In der Zeit auf dem Campus gab es eine kleine Veranstaltung, auf der verschiedene Länder vorgestellt wurden. Darunter auch Deutschland. Leider haben wir keine besseren Bilder von den Plakaten gemacht, aber diese möchte ich euch trotzdem nicht vorenthalten.

Wie auf den Plakaten zu sehen ist, ist Deutschland natürlich für Brot, Bier und Fußball bekannt. Wenn ich mit den Leuten gesprochen habe, kamen jedoch meist zuerst diese drei Stereotype: Hitler, Autobahn und Oktoberfest. Wenn ich indische Studierende aus den Naturwissenschaften auf Deutschland angesprochen habe, kam häufig ihre Bewunderung für den Forschungsstandort Deutschland zutage. Insbesondere die Max-Planck-Institute, sowie die Fraunhofer-Institute genießt großen Respekt unter den Studierenden dort.

Die Reise durch Indien

Nach dem dreimonatigen Praktikum haben wir die Zeit bis Weihnachten genutzt, um für zwei Monate durch Indien und Nepal zu reisen. Aber über diese Reise will ich gar nicht so viel berichten, denn jeder Versuch, diese in diesem Artikel zu beschreiben, würde ihr in keinem Fall gerecht werden. Also nur so viel: Es war eine wunderschöne und intensive Erfahrung!

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Mein Auslandssemester an der University of Gothenburg

Vorab

Schon einige Zeit vor dem Wintersemester 2016/2017, also meinem dritten Studienjahr, habe ich mich für einen Auslandsaufenthalt während meines Studiums interessiert und mich rechtzeitig im Internet und durch Präsentationen informiert. Mir war es besonders wichtig, ein Semester in einem Land zu verbringen, in dem man gut mit Englisch zurechtkommt, und meine persönlichen Interessensgebiete abzudecken. Nachdem ich die zahlreichen Möglichkeiten des Erasmus-Austausches durchgegangen bin, habe ich mich glücklicherweise für die Universität in Göteborg entschieden. Im Folgenden möchte ich euch etwas über die Universität, das Studentenleben vor Ort und die Stadt mit ihrer Umgebung näher bringen.

Die Universität

Die University of Gothenburg ist eine der größten Universitäten des Landes und wie alle Bildungseinrichtungen Skandinaviens auf einem modernen Stand was die Ausstattung betrifft. Es gibt zahlreiche Kurse an verschiedenen naturwissenschaftlichen Instituten, die ihr belegen könnt und die auf Englisch gehalten werden. Das Semester ist in zwei Hälften geteilt, in denen ihr jeweils einen Kurs vollzeitig belegt. Generell ist die Anzahl an Wochenstunden und Vorlesungen deutlich geringer als in Deutschland, was nicht heißt, dass weniger Arbeit anfällt. Vielmehr wird von einem erwartet, dass man die vielen „freien“ Stunden selbstständig oder in eigens organisierten Lerngruppen verbringt, um den Stoff der Vorlesungen zu vertiefen. Nutzt die Chance und sucht nach Kursen, die euch interessieren; auch wenn es sich um Masterkurse handelt und ihr euch noch im Bachelorstudium befindet. Auch bei meinem ersten Kurs handelte es sich um einen Masterkurs. Im Nachhinein war es eine der besten Entscheidungen während meines Auslandssemesters, mich für diesen Kurs zu bewerben.

Das Verhältnis zu den Dozenten ist viel angenehmer als in Deutschland, da es eines auf Augenhöhe ist und man auch direkt per du mit allen Dozenten ist, unabhängig davon, ob es sich um einen Doktoranden oder einen Professor Doktor Doktor handelt. Nachdem meine erste E-Mail (Dear Mr. Professor Doctor…) mit „Hey Jan, … Have a nice weekend!
Cheers Adrian“ beantwortet wurde, ist mir das lockere Verhältnis auch bewusst geworden. Dadurch, dass Studenten und Dozenten auf einer Höhe stehen, fällt die Kommunikation in den generell schon kleineren Kursen deutlich leichter. Außerdem macht es einfach viel mehr Spaß, sich intensiv mit einem Thema zu befassen, und auch Fragen werden während der Vorlesung ausführlich in der Gruppe gemeinsam diskutiert. Insgesamt herrschte ein starkes Gruppengefühl in den Kursen, bei dem sowohl Studenten, als auch Dozenten gemeinsam an einem Ziel arbeiteten, wodurch das Lernen deutlich angenehmer fiel und auch effektiver war, als in Deutschland.

Wohnen in Göteborg

Wie in jeder großen europäischen Stadt herrscht auch in Göteborg ein Wohnungsmangel. Daher ist es sehr wichtig, sich über das Wohnungsprogramm der Uni auf verschiedene Wohnheime zu bewerben, da in jedem Wohnheim Plätze für Erasmus-Studenten reserviert sind. Ich habe im Olofshöjd (Olofs) gewohnt, welches mit insgesamt 1.410 Wohnungen das größte Wohnheim in der Stadt ist. Während meiner Zeit dort habe ich fast alle anderen Wohnheime kennengelernt und kann euch das Olofs als Wahl Nummer-Eins nur empfehlen. Nicht nur der günstige Preis (380 € – günstig für Schweden) für ein eigenes Zimmer inklusive eigenem Badezimmer spricht für das Olofs, sondern auch die super Lage. Innerhalb von 10 Minuten seid ihr mit der Tram in der Innenstadt und habt keine Probleme, auch nachts noch nach Hause zu kommen. Das Teilen der Küche mit drei weiteren Erasmus-Studenten stellte für mich persönlich kein Problem dar, da man sich immer zurückziehen konnte, wenn man gerade seine Ruhe haben wollte. Allerdings muss man auch sagen, dass vor Allem die Küche in vielen Fällen alt und leider auch dreckig von vielen Vormietern hinterlassen wurde. Nimmt man sich aber einen Tag zum Aufräumen und Putzen Zeit, lässt es für ein halbes Jahr vollkommen in Ordnung dort leben. Der größte Pluspunkt des Olofs ist das vielseitige Angebot auf dem Gelänge. Neben kostenloser Sauna, die man mieten kann, gibt es auch ein Fitnessstudio für ca. 30 € pro halben Jahr (!), Grillplätze, ein Beach-Volleyball Feld, eine Sporthalle, ein eigenes Cafe, Tischtennisplatten usw. Auch die Tatsache, dass man quasi in einem eigenen „Erasmus-Block“ wohnt lässt besonders am Wochenende keine Langeweile aufkommen und ich habe mich nie alleine gefühlt. Die Zimmer sind allerdings etwas in die Jahre gekommen, aber für 1-2 Semester zum Wohnen völlig in Ordnung meiner Meinung nach.
Die anderen Wohnheime, in welchen ich öfters zu Besuch war (Kastanjebacken und Medicinaregatan-Container), haben ebenfalls einen positiven Eindruck hinterlassen. Gerade die Container haben eine super Lage, da man in
5 Minuten die naturwissenschaftliche Ecke der Universität erreicht. Auch das Leben in einem Container klingt erst einmal viel schlimmer, als es tatsächlich ist, da diese sehr gut eingerichtet sind (Ikea eben). Neben einem extra Schlafzimmer gibt es dort sogar eine eigene Küche. Ich habe von keinem gehört, dass er mit den Containern in Medicinaregatan unzufrieden gewesen ist. Das Kastanjebacken-Wohnheim ist ebenfalls sehr schön. Man wohnt zwar etwas weiter außerhalb (ca. 25 Minuten bis zur Innenstadt), hat dafür aber pro 11 Leute eine riesige und moderne Küche zur Verfügung. Für mich ist das Teilen des Zimmers mit einer anderen Person zwar nicht in Frage gekommen, aber vielen Leuten hat es gefallen, da sich so auch oft Freundschaften gebildet haben.

Zusammengefasst kann ich euch das Olofshöjd empfehlen, da das
Preis-/Leistungsverhältnis sehr gut ist. Aber auch die anderen Wohnheime machen einen guten Eindruck. Generell sollte man zufrieden sein, überhaupt einen Platz in einem der Wohnheime zu bekommen, da es zu Semesterbeginn noch einige Studenten gab, welche die ersten Wochen in einem Hostel verbringen mussten (wobei auch einige sich nicht über das Programm der Uni für Wohnungen beworben haben). Aber macht euch keine Sorgen: Die Verantwortlichen vor Ort geben alles, damit ihr eine Wohnung findet und die Zeit im Ausland genießen könnt.

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Zwischen Schäreninseln und Innenstadt liegen nur 30 Minuten Fahrzeit.

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Das Leben in Göteborg

… lässt sich wirklich genießen. Die Stadt ist sehr jung und modern und es gibt viele schöne Ecken zu erkunden. Nach einigen Wochenenden habt ihr auch ein paar Bars entdeckt, in denen Getränke, besonders die Alkoholischen, bezahlbar sind. Ausgehen in Schweden ist aufgrund der etwas höheren Lebenshaltungskosten teurer als in Deutschland – besonders das Feiern in Clubs ist erheblich teurer. Die Lebensmittelpreise bei Diskountern wie z.B. Lidl sind dagegen identisch zu denen in Deutschland. Der Großteil der Schweden ist äußerst freundlich und hilfsbereit und nahezu jeder – selbst die ältere Bevölkerung – spricht fließend Englisch. Die Möglichkeiten, in der Stadt etwas zu unternehmen sind, wie es für eine Großstadt mit über 570.000 Einwohnern zu erwarten ist, nahezu unendlich. Von einem Besuch im Stadion bei IFK Göteborg, einen Tag im Freizeitpark Liseberg (mitten im Zentrum mit wirklich guten Achterbahnen) bis hin zu einer Fika in Haga (vermutlich eure neue Lieblingsbeschäftigung) ist alles möglich in dieser Stadt. In 40 Minuten könnt ihr auch mit eurem Stadtticket bis zur Westküste gelangen und mit einer der zahlreiche Fähren (im Stadtticket enthalten) auf die vielen Schären-Inseln vor der Küste Göteborgs gelangen. Bei sonnigem Wetter ist es ein Muss, dass ihr euch während des „Insel-hoppings“ ein Bild von den vielen kleinen und schönen Inseln, welche teilweise von wenigen hundert Menschen bewohnt werden, macht. Aber es gibt noch zahlreiche andere Möglichkeiten, die ihr in Erfahrung bringen könnt.

Fazit

Alle Mitarbeiter der Universität, betrifft es Wohnungsvermittlung, Event-Organisation oder individuelle Anliegen, geben sich außerordentliche Mühe, damit ihr eine unvergessliche Zeit in Schweden habt. Gastfreundschaft wird in Göteborg sehr groß geschrieben! Meiner Meinung nach war das Auslandssemester in Göteborg daher eine der schönsten Zeiten für mich bisher. Aufgrund der persönlichen Weiterentwicklung durch das Auslandssemester generell und der schönen Erfahrung im Ausland zu studieren, kann ich euch nur empfehlen, ein Auslandssemester in euer Studium zu integrieren und die Chance zu nutzen. Auch die Universität in Göteborg und das Leben dort bleiben mir positiv in Erinnerung, sodass ich nicht nur ein Auslandssemester im Allgemeinen, sondern auch eines in Göteborg nur weiterempfehlen kann.

Mein Erasmus-Aufenthalt an der Umeå Universitet in Schweden

bild-1Mein Erasmus-Studium in Umeå, worum es im Folgenden geht, bereue ich auf keinem Fall. Ich rate jedem, der noch studiert, es mal gemacht zu haben, bevor ihr mit dem Studium fertig seid. Ihr werdet Erfahrungen sammeln, die ihr wahrscheinlich in keinem anderen Abschnitt eures Lebens bekommen werdet.

Studieren im internationalen Umfeld

Ich habe mein Erasmus-Semester in Umeå, ein Städtchen im nördlichen Teil Schwedens, gemacht. An der Universität werden viele verschiedene Kurse für Biologiestudierende auf Englisch angeboten, was für mich gut war, da ich kein Schwedisch konnte. Ich habe mir die Kurse „Pharmacology“ und „Tumour Biology“, beide  im Master of Science, ausgesucht. In dem Kurs „Tumour Biology“ waren alle bis auf 2 Studierende aus dem Ausland. Von daher wurde untereinander und natürlich während der Vorlesungen nur auf Englisch gesprochen. Ich fühlte mich gut integriert und die Dozenten und Laborassistenten, die alle sehr gut Englisch sprechen konnten, waren sehr zuvorkommend. Ich fand die Arbeit sehr angenehm und war zu keiner Zeit übermäßig gestresst. Leider kann ich den zweiten Kurs „Pharmacology“ nicht weiterempfehlen. Der Kurs ist bisher noch nicht komplett für internationale Studierende angepasst worden, sodass einige Materialen noch auf Schwedisch waren. Trotzdem konnte ich mit meinen Englischkenntnissen den Kurs mit einer sehr guten Note bestehen. Ich habe auch von anderen Studierenden gehört, dass dieser „Pharmacology“-Kurs nicht der Regel angehört und andere internationale Biologiestudierende die Kurse, die sie besucht haben, sehr gut fanden. Während des Studiums gibt es auch die Möglichkeit, Schwedischkurse zu belegen, was ich aus zeittechnischen Gründen nicht gemacht habe, aber sehr beliebt bei den internationalen Studierenden war.

bild-2Tipps zum Leben in Umeå

Wenn man ins Ausland gehen wird, dann ist eines der wichtigsten Sachen, worum man sich eigentlich frühzeitig kümmern soll, die Unterkunft. Nun, wenn man als internationaler Studierender an der Umeå University studiert, dann braucht man diese Sorge nicht zu haben, weil das International Office Zimmer in Studentenwohnheimen anbietet, welche man für 1 oder 2 Semester erhält. Die Miete beträgt umgerechnet zwischen 250 bis 400 Euro, was ich preislich für Schweden ganz gut finde.

Es stimmt, dass in Schweden einiges teurer ist als in Deutschland. So muss man, wenn man in Restaurants essen will mit mindestens 13 Euro pro Mahlzeit rechnen und auch die Kantinen in der Universität sind mit 6 bis 10 Euro pro vollwertige Mahlzeit nicht unbedingt für das Portemonnaie eines deutschen Studenten geeignet, wenn man täglich dort essen will. Daher sollte man damit rechnen, viel selbst zu kochen. Für schwedische Studierende ist es auch eher üblich, Essen von zu Hause mitzunehmen und es an den zahlreichen Mikrowellen aufzuwärmen. Man kann dann statt einem Abend in einem Restaurant einen Kochabend in den großen Küchen im Studentenwohnheim veranstalten, bei der internationale Studierende mit ihrer heimischen Küche wunderbare Gerichte zum kleinen Preis herbeizaubern können. Ich war von Ende August bis Mitte Januar in Umeå. Das heißt, ibild-3ch durfte Minusgrade von bis zu -15 °C (Ende Dezember/ Anfang Januar waren es mal -22 °C aber da war ich nicht da) und Sonnenstunden von 4 bis 5 Stunden miterleben. Das hört sich dramatischer an, als es ist. Da es in Umeå nicht so windig ist, fühlt es sich nicht so kalt an. Trotzdem sollte man genug warme Sachen einpacken. Für Leute, die empfindlicher gegen Kälte sind, rate ich, eine Skihose und dicke, wasserdichte Stiefeln zu kaufen, da ab November alles verschneit ist. Es werden vor Ort auch spezielle Schuhsohlen verkauft, wodurch ihr auf dem glatten Boden nicht ausrutscht (leider habe ich das zu spät erfahren, sodass ich schon so einige Stunts gemacht habe).

Freizeitaktivitäten mit Leuten aus aller Welt

bild-4Das Beste, was ich aus dem Erasmus-Programm mitgenommen habe, sind die Freunde aus aller Welt, die ich gemacht habe. Um diese kennenzulernen, hat die Universität verschiedene Anlässe organisiert. So gibt es zu Anfang für die internationalen Studierenden eine Orientierungswoche. In dieser wird direkt auf das „Buddy-Program“ hingewiesen. Das Programm, das es auch an der WWU gibt, wird von den heimischen Studierenden organisiert und es werden lustige Veranstaltungen für die internationalen Studierenden organisiert. In Umeå gab es zahlreiche solcher Veranstaltungen wie Brännboll-Wettkämpfe, ein Besuch zur Elch-Farm, Photo-Schnitzeljagd, wandern im benachbarten Wald, Curling, international kochen, draußen am See grillen oder einfach gemütlich ein Geburtstag von jemanden feiern. Wenn man dann die „richtigen“ Leute kennengelernt hat, kann man mit ihnen innerhalb von Umeå z.B. bei einer gemütlichen Fika quatschen (eine Art Kaffee-und-Kuchen-Pause), im Sportcenter bei einer Sportart Wettkämpfern, zusammen zu einer der zahlreichen Studentenpartys gehen oder gemeinsam am benachbarten See die Nordlichter anschauen und grillen. Außerhalb von Umeå kann man in der Natur wandern/campen, nach Kiruna, der nördlichsten Stadt Schwedens, fahren und im berühmten Eishotel übernachten.bild-5

 

Die Koautorin vom UNIBRAL Blog Stefanie Busold – über ihren Studienaufenthalt in São Paulo

Auf dem Blog „UNIBRAL“ erzählen Steffi und Lisanne, zwei Biotechnologie Studentinnen aus Münster, was sie im Rahmen des Austauschprogrammes mit der Universidade de São Paulo in Brasilien erleben.

Stefanie Busold

Mein halbjähriger Studienaufenthalt in Brasilien begann am 25.August 2016 und stellt eine Reihe positiver Erfahrungen für mich dar. Ich wollte meinen Auslandsaufenthalt in Brasilien dazu nutzen, internationale Erfahrungen zu sammeln, ein mir bisher unbekanntes Land kennenzulernen und an medizinisch relevanten Problematiken zu arbeiten. All dies konnte ich während meines halbjährigen UNIBRAL-Aufenthaltes in São Paulo erreichen.

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Ich arbeitete in der Arbeitsgruppe von Prof. Gerhard Wunderlich im Instituto de Ciências Biomédicas (ICB) der Universidade de São Paulo mit dem Erreger der Malaria tropica: Plasmodium falciparum. Die Arbeit mit humanen Parasiten stellte für mich ein neues Arbeitsfeld dar. Mein Thema während der Zeit am ICB war die Untersuchung von Oberflächenproteinen des Malaria-Erregers, genauer gesagt beschäftigte ich mich mit Faktoren, die vermutlich die Expression der Proteinfamilie „Plasmodium falciparum erythrocyte membrane protein 1“ (PfEMP1) beeinflussen. Proteine dieser Familie werden nach der Infektion eines Erythrozyten mit P. falciparum an die Oberfläche der Erythrozyten transportiert. PfEMP1 werden von der Genfamilie der var-genes codiert, deren Expression periodisch durch antigenische Variation wechselt. Dies kann zu chronischen Krankheitsverläufen führen. Die Kontrolle der PfEMP1 Expression und deren switching ist weitgehend unaufgeklärt und mein Projekt sollte untersuchen, ob die plasmodiale DNA- Methylierung dabei eine Rolle spielt. Ich wandte molekular- und zellbiologische als auch biochemische Methoden an, sodass meine Hauptaufgabenfelder Klonierungen, Zellkultur und Expressionsanalyse darstellten. Mir gefiel dieses Thema sehr gut, da es für mich eine sehr nahe medizinische Relevanz aufwies, welche speziell im Bereich der medizinischen Forschung durch komplexe Effektkaskaden leicht abhanden kommen kann.

Doch auch außerhalb der Universität gab es viel zu erkunden, schließlich lebte ich in der größten Stadt der Südhalbkugel. So verbrachten wir einige Wochenenden damit, die Stadt kennenzulernen, was sich als großes Projekt herausstellte. Auch die Regionen rund um São Paulo galt es zu entdecken. Ein Highlight des Aufenthalts stellte auf jeden Fall die Exkursion in den Bundesstaat Acre dar. Diese 20161207_150523Region nahe der peruanischen Grenze stellt eine Hotspot-Region für Malaria-Infektionen dar. Wir konnten während unserer Exkursion eine komplett andere Seite Brasiliens kennenlernen, so ging es für uns aus der Großstadt direkt in den Dschungel, was eine eindrucksreiche Erfahrung war.

Was mir besonders gefiel, war, dass es mehrere UNIBRAL-Teilnehmer gab. So konnte man gemeinsame Aktivitäten unternehmen und sich gemeinsam über die ein oder anderen Eigenarten des Alltags in einem fernen Land aufregen oder amüsieren.

Ich bin überzeugt davon, dass mein halbjähriger Aufenthalt an der USP eine sehr wertvolle Zeit darstellt. Neben der Arbeit im Labor konnte ich ein neues internationales Forschungsteam kennenlernen und Basis-Portugiesisch-Kenntnisse erwerben. Durch den Aufenthalt in Brasilien reiste ich erstmalig nach Südamerika und konnte Land, Mentalität und Leute kennenlernen, was für mich persönlich eine wertvolle Erfahrung darstellt. Alles in Allem konnte ich auf privater als auch fachlicher Ebene von diesem Auslandsaufenthalt profitieren und ich denke, dass dieser Studienaufenthalt sich sehr positiv auf meine zukünftige Karriere auswirken wird.

 

Head of Grants and Partnerships at the MRC London Institute of Medical Sciences, United Kingdom

Almut has worked in science management for the past 10 years, both in the UK and Germany. She completed her PhD in Medical Ethics in 2007 (King’s College London) and is currently Head of Grants and Partnerships at the MRC London Institute of Medical Sciences.

Almut

Warum hast Du Dich entschieden, ins Wissenschaftsmanagement zu wechseln?

IMG_5907.jpgEigentlich war das keine Entscheidung von jetzt auf gleich, sondern eine langsame Annäherung. Nach meiner Promotion habe ich zunächst als ‚research fellow’ in einem Institut in Edinburgh gearbeitet. Das war kurze Zeit nachdem mit „Dolly“ zum ersten Mal ein Lebewesen geklont worden war. Ich war Teil eines kleinen Teams von Juristen, Sozialwissenschaftlern, Philosophen und Naturwissenschaftlern, das sich mit den gesellschaftlichen Auswirkungen der Genomforschung beschäftigte. Unter anderem organisierten wir Veranstaltungen, die den Gedankenaustausch zwischen Wissenschaft, Bürgern, und politischen Entscheidungsträgern fördern sollten. Nach ein paar Jahren in Edinburgh zog ich mit meinem Mann und unserer damals 5-jährigen Tochter nach Berlin zurück. Wissenschaftliche Stellen im Bereich der Medizingeschichte/Theorie waren in Berlin kaum vorhanden; mein Lehrauftrag für Medizinstudenten war unentgeltlich. So bewarb ich mich auf andere Stellen im ‚Wissenschaftsbetrieb’ und fing als wissenschaftliche Referentin in einem Grundlageninstitut an. Mein erster Arbeitstag war die „Lange Nacht der Wissenschaften“, wo mich ein dicker Katalog an Vorträgen, Laborführungen und Veranstaltungen für Kinder erwartete. Zwei Jahre später hätte ich eine Stelle in der Wissenschaftsgeschichte antreten können und habe mich für’s Wissenschaftsmanagement entschieden – und es bis heute nicht bereut.

Was findest Du besonders spannend an diesem Tätigkeitsbereich und wo liegen die Herausforderungen?

Für mich steht Kommunikation an erster Stelle, schriftlich wie mündlich, und beides macht mir gleichermaßen Spaß. Wenn es gut läuft und man die richtige Stelle erwischt hat, finde ich es besonders spannend, dass man einerseits den direkten Austausch mit den Wissenschaftlern aus aller Welt hat, aber gleichzeitig mit den politischen Entscheidungsträgern, wissenschaftlichen Interessensvertretungen und der Öffentlichkeit im Austausch steht und damit die wissenschaftlichen Rahmenbedingungen wirklich mit beeinflussen kann und versteht, wie Entscheidungen getroffen werden. Ich habe viel über den Wissenschaftsbetrieb gelernt. Gleichzeitig ist das Wissenschaftsmanagement ein so vielfältiges und internationales Berufsgebiet, in dem man vieles ausprobieren und sich dann auf Stellen bewerben kann, die den eigenen Stärken besonders entsprechen – in Deutschland oder im Ausland, auch außerhalb Europas.

Die größte Herausforderung ist, dass man zwar viel Verantwortung übernimmt und in der Regel sehr selbständig arbeiten kann, aber am Ende von den Letztentscheidungen anderer abhängig ist. Für Netzwerkanträge arbeite ich mit Wissenschaftlern zusammen, entwickele eine Strategie und berate sie, aber selbstverständlich müssen sie meinen Rat nicht annehmen bzw. müssen ihm nicht folgen. Wenn etwas gut läuft, ist’s der Erfolg der Wissenschaftler, nicht meiner. Als Wissenschaftsmanager stehe ich im Hintergrund. Wie ein Kollege sagte: „Du bist dann am besten, wenn Du am wenigsten gesehen wirst.“

Erfolg ist selten nur der eigene – auch in anderen Berufen – aber im Wissenschaftsmanagement ist es besonders schwierig, den eigenen Anteil an einem erfolgreichen Projekt zu benennen, Kollegen oder dem Chef gegenüber und nach außen zu vermitteln oder ganz einfach zufrieden mit der eigenen Leistung zu sein.

Vielen Studierenden fällt es schwer, zu entscheiden, wo die Reise hingehen soll. Hast Du einen Tipp, wie man seinen beruflichen Weg findet? Was würdest Du Studierenden raten, die ebenfalls überlegen, eine Karriere im Wissenschaftsmanagement anzustreben?

Wenn möglich würde ich schon während dem Studium oder der Promotion in verschiedene Bereiche außerhalb des Labors reinschnuppern. Man kann bei wissenschaftlichen Veranstaltungen mitmachen, und sehen, ob einem die Öffentlichkeitsarbeit liegt, ob man gerne organisiert und kommuniziert. Noch wichtiger ist es aber beinahe, dass wir uns nach dem Studium oder der Promotion einfach ein paar Jahre Zeit geben, verschiedene Bereiche auszuprobieren: die erste Stelle muss nicht gleich die fürs Leben sein! Ein Institutsleiter meinte einmal: „Als Referentin sind Sie in der Ausbildung. Suchen Sie sich nach zwei Jahren unbedingt eine neue Stelle.“ Da ist sicherlich etwas dran. In anderen Berufen gibt es ein zweijähriges Volontariat oder Referendariat, so ähnlich sollten wir unsere ersten Stellen auch sehen. Und wenn man nach zwei Jahren im Wissenschaftsmanagement oder in einem wissenschaftlichen Verlag das Labor zu sehr vermisst, ist es gar nicht unmöglich, wieder in die Wissenschaft zurück zu gehen. Ein Gruppenleiter meinte zu mir, dass man in den zwei Jahren außerhalb des Labors etwas gelernt haben kann, dass der Forschungsgruppe weiterhelfen kann. Umgekehrt kann es auch von Vorteil sein, erst einmal noch ein paar Jahre als Postdoc zu arbeiten, bevor man sich fürs Wissenschaftsmanagement entscheidet. In den ersten Jahren ist die Durchlässigkeit in beide Richtungen sehr viel grösser, als man sich das vielleicht vorstellt.

Gab es besondere Schwierigkeiten oder Hürden in Deinem Berufsweg?

Aus familiären Gründen bin ich mehrfach zwischen Deutschland und Großbritannien umgezogen. Der Wechsel zwischen den Ländern und zwischen den Unisystemen ist mit Schwierigkeiten verbunden, weil sich bei Bewerbungen nicht immer sofort die Bedeutung einer Aufgabe erschließt. Außerdem baut man jedes Mal vor Ort Netzwerke auf, die man eigentlich bei einem Stellenwechsel gut gebrauchen könnte – und am neuen Ort erst einmal noch nicht hat.

Findest Du es schwer, ein gutes Verhältnis zwischen beruflicher und privater Entwicklung zu erreichen? Wie gelingt für Dich eine gute Work-Life-Balance?

Ja, das ist immer wieder eine neue Herausforderung, auch weil es mir nicht so leicht fällt abzuschalten. Flexibilität und Vertrauen stehen für mich an erster Stelle. Flexibilität von beiden Seiten, das heißt zum Beispiel auch einmal etwas abends oder am Wochenende zu erledigen, und das Vertrauen von Arbeitgeberseite, dass ich meine Aufgaben selbständig und zuverlässig zum Termin erledige, auch wenn ich mir einmal einen Nachmittag frei nehmen musste.

Ein Aufschieber zieht in die Welt.

Ein Auslandssemester will rechtzeitig geplant sein, darum kümmere ich mich dann mal irgendwann

Martin

Nachdem ich schon im Bachelor kein Auslandssemester gemacht habe, weil ich die Planung zu lange heraus gezögert habe, dachte ich mir, dass es zumindest im Master an der Zeit dafür sei. Am Anfang des Masters wiederholte sich das ganze Spiel dann aber doch so ähnlich, als mir dieses Mal vier Tage vor Ende der offiziellen Bewerbungsfrist klar wurde, dass ich mich vielleicht einmal informieren sollte, wo es denn überhaupt hingehen könnte. Da aber gleichzeitig die Wahlen für die kommenden Module anstanden, wurde das Abwägen der verschiedenen Möglichkeiten vorerst vertagt, und das ein wenig zu lange…

Obwohl ich eigentlich dachte, dass damit das Thema Auslandssemester vom Tisch wäre, gefiel mir die Idee ganz gut, als ein Kommilitone am Anfang des Jahres vorgeschlagen hat, ich könne nach Posen in die Kristallographie gehen. Nach wiederholtem Nachfragen des besagten Kommilitonen, und einem ziemlich entscheidenden Ted Talk von Tim Urban zum Thema Prokrastination, habe ich mich Anfang Mai dann endlich aufraffen können dem Prof. in Polen eine Mail zu schreiben. Nach einer Woche hatte ich dann schon eine vorläufige Zusage. Es war also Zeit sich einen Mentor zum Absegnen des Moduls zu suchen. Ein solcher war mit Prof. Moerschbacher dann auch schnell gefunden. Und am 31.05 stand dann auch der Zeitraum für meinen Auslandsaufenthalt:

01.08-31.10 – nur noch 2 Monate zum Planen!

Diese Zeit habe ich genutzt um die nötigen Formulare zusammen zu bekommen. Nachdem diese geprüft waren hatte ich meine endgültige Zusage dann auch Mitte Juli bereits. Danach hätte ich theoretisch direkt mit den organisatorischen Dingen beginnen sollen, die man vielleicht erst nach einer definitiven Zusage abklärt… In einen Urlaub zu fahren, der erst vier Tage vor meiner Fahrt nach Polen endet, war rückblickend sicherlich nicht die beste Entscheidung. So bin ich aber zumindest gut erholt in ein paar ziemlich stressige Tage gestartet. Neben Zwischenmietersuche (wer will schon ein Zimmer in den Semesterferien haben) und der Suche nach einer Bleibe in Posen, habe ich es sogar noch geschafft, am Tag meiner Abreise das Formular zur Anrechnung des Moduls abzugeben. Fristen für Förderung wie Promos oder Erasmus hatte ich allerdings – wie sollte es auch anders sein – schon verpasst.

Während jede(r) Andere hier den Schwerpunkt auf die Zeit im Ausland gelegt hat, glaube ich, dass ich mich in dem Bereich eher kurz halten werde. In der Kristallographie in Posen war es wirklich interessant und ich habe echt viel gelernt. Die Stadt und die Leute waren mir natürlich auch mehr als sympathisch, und mein nächster Besuch dort ist auch schon in Planung. Außerdem tat es mir sicherlich mal gut Münster für eine Weile zu verlassen, anstatt meine ganze Studienkarriere nur hier zu verbringen. Den Stress war es definitiv wert, und hätte ich gewusst, dass es so einfach wird, hätte ich bestimmt nicht so lange damit gezögert.

Wichtig ist es mir eher zu zeigen, dass man sich von den empfohlenen Planungszeiträumen nicht abschrecken lassen sollte. Einen Auslandsaufenthalt kann man auch in weniger als drei Monaten auf die Beine stellen, auch wenn dabei natürlich das Risiko besteht, dass man ein wenig in Zeitdruck gerät, oder man ein paar Abstriche machen muss (z.B. bei der Förderung). Außerdem sollte man nicht glauben, dass man sich nur auf das Uni-organisierte Angebot beschränken muss. Gibt es ein Land oder eine Stadt in die ihr gerne wollt? Oder ein Themengebiet an dem ihr gerne mal arbeiten würdet? Auf den Internetseiten von Instituten findet ihr meistens die Mail-Adresse von einem Professor oder einer Professorin mit dem/der ihr euch in Verbindung setzen könnt. Der Rest passiert dann quasi von allein! Auch wenn ihr jetzt noch nichts davon wisst, könntet ihr demnächst schon eine entscheidende Mail verfassen und in drei Monaten das Abenteuer Ausland erleben. Viel Spaß dabei!

P.S. Falls ihr noch zögert, solltet ihr euch den besagten, entscheidenden Ted-Talk anschauen!

Unvergessliche Erfahrungen im Land von Caos, Cachaça e Citometria

Lisanne hat über das DAAD-geförderte Programm UNIBRAL an unserer Partneruniversität der Universidade de Sao Paulo in Brasilien studiert. Hier könnt ihr lesen, was sie in dieser Zeit erlebt hat.

Lisanne

Wissenschaftlich:

Ich habe mein Auslandssemester im Labor von Professorin Silvia Boscardín absolviert. Ihr Labor beschäftigt sich unter anderem damit, Impfungen gegen Malaria und die Viren Zika und Dengue zu entwickeln. Dazu verwenden sie Antikörper, die spezifisch an bestimmte dendritische Ziellinien binden. An die konstante Region ihrer schweren Kette, wird ein von Parasiten abgeleitetes Epitop fusioniert, sodass ein chimärer Antikörper entsteht. Damit werden im weiteren Verlauf Mäuse immunisiert. Die Idee hinter diesem Ansatz ist, dass das Antigen (Epitop) in räumliche Nähe zu den Antigenpräsentierenden Zellen (hier dendritische Zellen) gebracht wird und somit die humorale und zelluläre Immunantwort effektiver induziert werden kann. Da ich möglichst viele Methoden erlernen wollte, bekam ich neben meinem eigenen Proje

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Mein Labor hat mir sogar eine kleine Geburtstagsparty geschmissen

kt, die Chance den Doktoranden und Studenten über die Schulter zu schauen und ihnen zu helfen. So bekam ich einen Einblick in alle Versuche, die derzeit bearbeitet wurden. Neben heterologer Proteinexpression und -Aufreinigung, erlernte ich das Arbeiten mit Zellkulturen und Mausmodellen, sowie immunologische Essays (ELISA, ELISpot, ICS, CFSE). Außerdem, konnte ich erste Erfahrungen mit der Analyse von Immunantworten mit Hilfe der Durchflusszytometrie erlangen. Außerdem war der Ausflug in das Amazonas Gebiet Acre eine einmalige Erfahrung, die mir in Deutschland so niemals geboten werden könnte. Die Betreuung war ebenfalls hervorragend, auch wenn die Kommunikation manchmal etwas beschwerlich war. Die Professorin und der Koordinator vor Ort waren stets persönlich zu erreichen und nahmen sich immer Zeit für meine Fragen.

Privat:

Im Privaten fand ich viele neue Freunde und lernte mir unbekannte Kulturen kennen. Da ich zuvor ein halbes Jahr in Spanien gelebt habe, konnte ich dank meiner Spanischkenntnisse, bedeutend besser mit Peruanern und Kolumbianern in Kontakt kommen, als mit den Brasilianern. Dies bringt mich zu meiner einzigen „schlechten“ Erfahrung, nämlich der Sprachbarriere.

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Kolumbianische Arepa

Ich empfehle also jedem vor seinem Auslandsaufenthalt mindestens einen A1 Kurs der Landessprache zu belegen. Dies erleichtert den Alltag ungemein und bringt mehr Möglichkeiten seinen Auslandsaufenthalt zu genießen (wissenschaftlich, wie privat). Trotz alledem gelang es mir meine Grundkenntnisse im Portugiesischen zu festigen. Ich kann jetzt sogar fließend einen Caipirinha bestellen J. Auch die südamerikanische Küche kam nicht zu kurz. Dank zahlreichen internationalen Kochabenden wurden kolumbianische Arepas und Empanadas, sowie die Kalorienbombe „Salchipapa“ (frittierte Würstchen, Fleisch, Pommes und ein Spiegelei unter einer Haube von Mayo und Ketchup) aus dem schönen Peru kredenzt. Außerdem kann ich sagen, dass nahezu alle Vorurteile, die mir von Freunden und Eltern (und natürlich auch von mir) mit auf den Weg gegeben wurden, nicht bestätigt wurden. Natürlich ist São Paulo eine unübersichtliche Großstadt mit gefährlichen Stadtteilen, aber selbst ich als Blondine konnte hier sehr gut leben.

Reisen:

An den Wochenenden ging es dann häufig auf Tages- oder Wochenendtrips an die nahegelegenen Strände und auf die kleinen Inseln vor der Küste – auch Rio de Janeiro,

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Blick auf das Meer von São Paulo – Stadt soweit das Auge reicht

Curitiba und Florianópolis wurde ein Besuch abgestattet. Dort konnte man Land und Leute noch einmal besser kennen lernen und interessante Unterschiede feststellen. Die Paulistaner (Einwohner von São Paulo) und die Cairiocas (Einwohner von Rio) beispielsweise sprechen so unterschiedliche Dialekte, dass ich in Rio zunächst dreimal nachfragen musste um sie zu verstehen. Es ist ungefähr vergleichbar mit Bayrisch und Sächsisch – keine Chance also. Das ganze Land ist total bunt und verrückt. Es gibt keinen Stereotypen, oder einen typischen Brasilianer. Das ist etwas was ich sehr an Brasilien mag. Doch auch São Paulo hat einiges zu bieten. Dies wird beim Blick vom ersten Wolkenkratzer der Stadt, dem Martinelli-Building, annähernd sichtbar.

Fazit:

Das UNIBRAL Programm ist ein sehr gut organisiertes Austauschprojekt mit einer der renommiertesten Universitäten Südamerikas. Es bietet verschiedenste Möglichkeiten im Bereich der Biomedizin an sehr interessanten und top aktuellen Themen, wie Zika, Malaria und Dengue zu forschen und wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Das Leben in dieser 20 Millionen Stadt ist ebenfalls eine einzigartige Chance, um internationale Freunde zu finden, andere Kulturen kennen zu lernen und das eigene Land auch ein bisschen schätzen zu lernen.

In diesem Sinne, geht es für mich jetzt zurück nach Deutschland (zugegeben nach einer drei monatigen Reise durch den Rest von Südamerika – meine Reiselust war wohl doch noch nicht ganz gestillt)

 

Até mais,

Lisanne

 

„Ich werde Brasilien auf jeden Fall wieder besuchen.“ Kim berichtet über ihre Zeit an der Universidade de São Paulo

Kim

Kurz nachdem ich mein Masterstudium in Münster begonnen hatte, fand ich heraus, dass die WWU eine Kooperation mit der Universidade de São Paulo in Brasilien hat. Da ich vorher noch kein Auslandssemester absolviert hatte und auch noch nie in Südamerika gewesen war, bewarb ich mich sofort für das sogenannte Unibral-Programm. Nach einiger Zeit bekam ich die Zusage. Ich begann sofort, die benötigten Unterlagen zu beantragen, sodass ich so schnell wie möglich starten konnte. Durch die Vorfreude auf São Paulo, eine neue Kultur und neue Menschen sowie die Möglichkeit, Malaria zu erforschen, ging alles sehr einfach.

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Im Mai und trotz all der Wahrungen „wie gefährlich São Paulo“ sein soll ging es dann los. Innerhalb der 5 Monate habe ich Brasilien zum Glück nicht als gefährliches Land kennen gelernt, dennoch kann man natürlich Pech haben. Prof. Carsten Wrenger, der Koordinator des Programms, holte mich vom Flughafen ab und ich bekam direkt viele hilfreiche Tipps und einiges zu São Paulo erzählt. Von einem Kulturschock konnte man nicht sprechen, da ich mir vorher nicht viele Gedanken gemacht hatte und einfach gespannt auf die Großstadt war. Leider konnte ich São Paulo auf dem Hinflug nicht von oben sehen, da ich sehr früh morgens landete. Dennoch merkte ich, dass es eine riesen Stadt ist, da wir bis zum Universitätsgelände unglaublich lange brauchten. Carsten und Gerd, ebenfalls ein deutscher Professor an der Universität in São Paulo, waren sehr hilfsbereit. Dies war beispielsweise wichtig für Arztbesuche, die man ohne Portugiesisch Kenntnisse nicht alleine durchführen konnte.

Auch in meinem neuen „zu Hause“ mit 30 Zimmern und einer Küche (aber jedes Zimmer hatte ein eigenes Bad), fühlte ich mich direkt wohl und lernte viele nette Menschen aus Peru, Kolumbien und Brasilien kennen. Sie haben mir geholfen, mich im Supermarkt zurechtzufinden und haben mir einiges von São Paulo gezeigt. Dies funktionierte anfangs nur, da einige von ihnen Englisch sprechen konnten. Duolingo und meine geringen Spanisch Kenntnisse halfen mir jedoch sehr, um Portugiesisch zu lernen.

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An der Universität bekam ich die Möglichkeit, mir ein Thema/Labor auszusuchen in/an dem ich die nächsten 5 Monate arbeiten durfte. Alle Themen waren sehr spannend. Letztendlich entschied ich mich aber für die Forschung an oxidativem Stress bei Malaria. Dadurch bekam ich Einblicke in die Malaria-Kulturhaltung und hatte die Möglichkeit, mir viele neue Methoden anzueignen wie vor allem die Arbeit mit dem Mikroskop. Insgesamt konnte ich vieles lernen, was für die Masterarbeit sicherlich hilfreich sein wird. Ganz wichtig war für mich das selbstständige Arbeiten und Erarbeiten.

Am Wochenende hatte ich dann Zeit, São Paulo kennen zu lernen und mich vor Ort zurecht zu finden. Brasilianer sind unglaublich offen und helfen so gut es geht, auch wenn man nicht besonders gut Portugiesisch spricht. Ich brauchte 3 Monate bis ich endlich ein wenig verstehen konnte. São Paulo ist durch die zahlreichen Hochhäuser zwar nicht besonders schön, aber wer gerne feiern geht, findet überall Livemusik mit typisch brasilianischen Songs. Ich lernte sogar ein paar Tanzschritte, da die Männer in Brasilien im Gegensatz zu den deutschen Männern meistens sehr gerne tanzen. Außerdem organisieren Brasilianer bei fast allen Anlässen Festivals, sodass es am Wochenende nie langweilig wird. Bei schönem Wetter kann man außerdem im Ibirapuera Park relaxen oder Fahrrad fahren, Graffitis in der Beco do Batman anschauen oder einfach nur die Paulista entlanglaufen und vielen verschiedenen Musikern zu hören. Natürlich sind meistens weite Strecken zurück zu legen, um die Orte zu erreichen. Das Bus und Bahnsystem ist aber sehr gut ausgebaut, auch wenn man manchmal länger als eine Stunde unterwegs ist.

An manchen Wochenenden ergab sich die Möglichkeit, Orte in der Nähe von São Paulo zu besuchen wie z.B. Paranapiacaba, Santos und Guaruja, die nur ca. 1,5 Stunden entfernt liegen. Hat man das ganze Wochenende Zeit, kann man auch Rio de Janeiro, Ubatuba, Maresias oder Ilhabela besuchen, wobei man dafür schon bis zu ca. 6 Stunden Bus fahren muss.

Ich empfehle jedem, einige Zeit im Ausland zu studieren. Man lernt neben einer neuen Kultur und einer oder mehreren neuen Sprachen unglaublich viele interessante Manschen kennen. Durch die Arbeit in anderen Laboren und mit neuen interessanten Themen wie Parasitologie gewinnt man zahlreiche neue Einblick und sammelt Erfahrungen für das weitere Leben. Ich werde Brasilien auf jeden Fall wieder besuchen.

Mit ERASMUS in Turku, Finnland

Theresa Klein-Raufhake

Finnland ist ein junges Land. Vielleicht gerade deshalb sind die Menschen hier urtümlicher, ruhiger, bedachter und leben näher an und mit der Natur. Die Luft ist klar, mehr Freiraum durch die geringe Bevölkerungsdichte, jeder Finne hat ein Summercottage mit Sauna, das Jedermanns Recht, Lagerfeuer, weiche Moospolster, Flechten, Seen und Beeren.

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Wandern in Lappland (September)

Es hat mir so gut in Turku gefallen, dass ich meinen Aufenthalt, der ursprünglich nur von August bis Dezember gegangen wäre, um 2 Monate verlängert habe. Ich habe mich in Land und Leute verliebt, gerne wäre ich sogar noch länger geblieben. Wenn man aber im 5. Semester geht, muss man spätestens zum Projektmodul Anfang März wieder zurück in Münster sein. Sicher ist: ich gehe zurück.

Summerschool

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Ausflug im Rahmen der Summerschool

Ich bin schon am 3. August nach Finnland geflogen, da ich mich für die Summerschool angemeldet hatte. Weil dort ein Finnisch-Kurs mitinbegriffen war, habe ich für August auch schon ERASMUS Gelder beziehen können. Außerdem gab es Kurse in Finnish Culture, Finnish Social Development und Finnish History. Werktags hat man von morgens bis mittags in einer kleinen Klasse mit internationalen Studenten aus aller Welt die verschiedenen Kurse (man kann auch nur selektiv Kurse anwählen) und nachmittags gab es von Mo-Sa ein organisiertes Freizeitprogramm (Kanu fahren, Wandern im Nationalpark, Trips ins Archipelago, International Dinner u.v.m.). Die Teilanhme an der Summerschool kann ich bedingungslos jedem empfehlen. Durch meinen Summerschool-Tutor lernte ich an meinem ersten Tag in Finnland schon alle Leute kennen, die mich durch die nächsten 7 Monate begleiteten und die dort zu meinen engsten Freunden wurden.

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Mit einem Lagerfeuer am See wird traditioneller Weise (Mid)Sommer gefeiert

Ganz ab von der Summerschool solltet ihr so oder so schon im August nach Finnland kommen: Die Tage sind ewig lang, die Sonne geht erst gegen 11 unter, Sommerurlaubstemperaturen (es war hier sogar wärmer als in Deutschland), das Meer vor der Nase, etliche Seen zum reinhüpfen und Hochsaison der Beeren.

 

 

Orientierungswoche

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Am Nordkapp, Norwegen

Das Semester In Turku beginnt im b September, die obligatorischen Orientierungstage sind aber schon in der letzten Augustwoche. Spätestens dann sollte man also anreisen. Es wird einem alles erklärt und man hat die Möglichkeit auf Partys, Veranstaltungen und Events die anderen Austauschstudenten kennenzulernen. Wer die O-Woche hier in Münster genossen hat, dem werden die Orientierungstage in Turku sicher gut gefallen.

 

Studium

Der Link führt zu einer Liste mit allen Kursen, die in Englisch angeboten werden. Die meisten davon sind MSc. Kurse, die kann man aber auch als BSc. Student belegen. Ich selber hatte ausschließlich Kurse des dort recht großen Fachbereichs Ökologie angewählt (Tropical Ecology, Geographical Plant Ecology, Population Estimation and Monitoring Methodology, Conservation Biology).

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In Närpes gibt es die höchste Dichte an Gewächshäusern Finnlands; von deren Licht sind die Nächte dort gemütlich orange eingefärbt.

Da Finnland neben Finnisch auch Schwedisch als 2. anerkannte Amtssprache hat, gibt es in Turku neben der finnischen University of Turku – Turun yliopisto auch die schwedische Åbo Akademi. Beide Unis teilen sich das gleiche Gelände und es ist Studenten erlaubt Kurse beider Unis zu belegen. Die Partnerschaft von Münster ist mit der finnischen Uni, primär ist man also erst einmal dort und um Kurse an der schwedischen Uni anzuwählen, muss man das mit dem International Office in Turku abklären. Ich selber hatte Kurse an beiden Unis. Da müsst ihr einfach mal schauen, was euch von deren Angebot so anspricht.

Die Universitätsdirektorin hat bei der Einführungsveranstaltung während der Orientierungswoche zu uns gesagt „We professors see you students as collegues, you are just a bit younger“. So sieht dann auch die Atmosphäre in den Kursen sehr viel familiärer, persönlicher und ungehemmter aus, als hier in Münster. Auch deshalb, weil die Kurse generell viel kleiner sind:  oft nur 15-20 Leute stark.  Man hat als Student sehr viel mehr Freiheiten, darf Kurse aus allen Fachbereichen anwählen und es gibt auch keinen strikt vorgegebenen Studiumsverlaufplan. Ich hatte nur in einem meiner Kurse eine Abschlussklausur, ansonsten musste ich Essays und Reporte schreiben, Präsentationen und sogar Vorlesungen geben, die dann bewertet wurden.

 Wohnen

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Fluss Aura fließt direkt am Student Village vorbei.

Ich habe im Student Village gewohnt. Dort hatte ich ein 17m2 Apartment mit eigenem kleinen Bad und einer Gemeinschaftsküche, die ich mir mit meinen 11 internationalen Flurnachbarn geteilt habe. Der Vorteil hier ist die Lage: das Student Village liegt direkt neben dem Universitätsgelände und man kann alles schnell fußläufig oder mit dem Rad erreichen. Mit dem Rad ist man in 10 Minuten in der Innenstadt und in 5 Minuten an der Uni.

Ein Zimmer bei Retrodorm ist ein bisschen günstiger, man hat aber keine eigene Dusche und es ist auch ein bisschen weiter weg.

Da es tendenziell mehr Studenten als freie Wohnungen gibt, sollte man sich sowohl bei TYS, als auch bei Retrodorm so schnell wie möglich um ein Zimmer bewerben. Am besten sobald die Anmeldung möglich ist.

Da mein Vertrag mit TYS im Dezember ausgelaufen ist, habe ich für Januar und Februar über die Facebookgruppe Zimmer zur Zwischenmiete finden können. Schaut mal rein, da sind wirklich die meisten Angebote zu finden.

Sprache

Trotzdem ich an 2 Finnisch-Kursen teilgenommen habe, bin ich nicht über die einfachen Basics hinausgekommen. Finnisch zu lernen ist eine Lebensaufgabe und das gelehrte Finnisch hat auch leider kaum etwas mit dem Gesprochenen zu tun. Hauptproblem war wohl auch, dass ich es im Privaten nicht angewandt habe. Obwohl viele meiner Freunde Finnen sind, gehören sie doch alle zu der schwedisch sprechenden Minderheit. Wenn ihr statt Finnisch-Frust ein sicheres Erfolgserlebnis haben wollt, lernt lieber Schwedisch. Das ist so nah am Deutschen, da haben wir es wirklich einfach. Mit gutem Willen und finnischen Freunden ist es aber durchaus möglich: meine amerikanische Freundin Alex wohnte in einer finnischen Familie und sprach nach 7 Monaten schon beeindruckend gut. Im Endeffekt müsst ihr aber weder Finnisch noch Schwedisch können, um in Turku zu überleben. Fast jeder spricht exzellentes Englisch.

 

Freizeit

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Zelten im September, Lappland

Wenn euch nach Natur und Wandern ist, ist Finnland genau das richtige Land. Etliche Nationalparks, Seen, das Meer, Lappland und obwohl das Land ja für seine Flachheit bekannt ist, gibt es gen Norden auch ein paar Berge zu erklimmen.

Wenn ihr darauf Lust habt, könnt ihr an organisierten Trips wie z.B. nach Stockholm, Oslo, Thallin, oder St. Petersburg teilnehmen. Da ist man in riesigen Trupps unterwegs, hat eine Menge Programm und bleibt unter Austauschstudenten, von denen die Mehrheit Deutsche sind. Das vom ESN organisierte Programm (neben Trips auch diverse Partys und andere Veranstaltungen) ist unter ERASMUS Studenten sehr beliebt, man lernt eine Menge Internationaler kennen, allerdings nicht die Finnen selbst.

Ich selber bin mit Freunden privat viel rumgedüst, mit dem Auto nach Lappland und hoch bis zum Nordkapp nach Norwegen und Couchsurfend durch Stockholm.

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Zelten im Dezember, Nationalpark im Osten Finnlands

Aber auch in Turku selbst kann man eine Menge machen. Gegen eine einmalige Hochschulsportgebühr von ca. 45€ darf man an allen angebotenen Kursen über das gesamte Semester hinweg teilnehmen, es gibt eine Kletterhalle direkt neben dem Unigelände und mehrere schöne zentrale Parks, in denen man auch Sport machen kann.

Wie Münster ist auch Turku eine richtige Studentenstadt. Im August und September fanden viele Open Air Veranstaltungen, Festivals und Konzerte statt und auch generell gibt es ein breites Kulturangebot. An Bars und Discotheken ist auch für jeden etwas dabei.

Und natürlich Sauna. Sogar das alte 60er Jahre Student Village Gebäude, in dem ich gewohnt habe, hat eine eigene unterm Dach. Bei mehr Saunen als Haushalten in Finnland kein Wunder. Geht man mit Finnen in die Sauna, kann das gut ein Prozedere von mehreren Stunden werden. Je nach Jahreszeit wird sich dann durch Schwimmen im Meer/ See, Schneeengel machen, oder „Avanto“ (Eisschwimmen) zwischen den Saunagängen abgekühlt.

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Abkürzung über einen eingefrorenen See

Fazit

Worauf wartet ihr?

Malariaforschung in Brasilien – über das UNIBRAL-Programm

Leonie Hilger

Vor der Abreise

Als ich zum ersten Mal von der einzigarten Möglichkeit gehört habe, innerhalb des Masterstudiums im Fachbereich Biologie der WWU Münster in Brasilien studieren zu können, hatte ich zunächst noch viele Fragen und Sorgen. Brasilien bietet durch sein Klima und seine Größe natürlich ganz andere biologische Besonderheiten in Flora und Fauna als Mitteleuropa und somit auch viele Möglichkeiten meine Fachkenntnisse in Labor und Feld zu erweitern. Außerdem hat mich die Herausforderung eine neue Sprache und Kultur kennenzulernen gereizt.
Aber ebenso präsent wie die Begeisterung für das Projekt waren Fragen wie: Passen der Aufenthalt und die Kurse dort in mein Studium? Wie wird die Kommunikation mit meinen Kollegen ohne Portugiesischkenntnisse funktionieren? Und werde ich mich in einer so großen Stadt wie São Paulo zurechtfinden?
Bei all diesen Fragen konnten mir die UNIBRAL-Projektkoordinatorin Prof. Eva Liebau, die Internationalisierungsbeauftragte des Fachbereichs Dr. Roda Niebergall und auch die beiden deutsch-brasilianischen Professoren Carsten Wrenger und Gerd Wunderlich vor Ort helfen. Ebenso haben Gespräche mit ehemaligen Stipendiaten mich auf den Aufenthalt vorbereitet und meine Entscheidung gefestigt.
Nachdem der Entschluss gefasst war, die Reise zu wagen, wartete allerdings noch eine Reihe bürokratischer Aufgaben auf mich. Es gilt eine Auslandskrankenversicherung abzuschließen, gegebenenfalls einen Reisepass zu beantragen, Impfungen zu erhalten und den Flug zu buchen. Um ein Projekt und eine Unterkunft für mich zu finden, mussten auch Prof. Carsten Wrenger und Prof. Gerd Wunderlich frühzeitig wissen, wann ich anreise. Vor allem aber bedurfte die Beantragung des Visums einiges an Zeit und Behördengängen.
Nachdem auch diese Hürde genommen war, bin ich am 27. Oktober 2015 nach Brasilien geflogen.

Die ersten Tage in Brasilien
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Auf dem Weg von der Wohnung zum Supermarkt kommt man an dieser Gasse mit Graffitis vorbei. Diese Form der Straßenkunst ist typisch für São Paulo.

Obwohl ich nachts angekommen bin, hat Gerd mich abgeholt und mir auf dem Weg zu meinem Appartement direkt etwas von São Paulo gezeigt und erzählt. Bei solchen Dingen wie zum Flughafen oder zum Arzt fahren, sind beide Professoren sehr hilfsbereit. Das Appartement lag nicht weit entfernt vom ICB (Instituto de Ciências Biomédicas) und in der Nähe gibt es einen Supermarkt und ein paar Restaurants und Bars.
Am nächsten Morgen hat mich Gerd auch ins Labor begleitet und mir das Forschungsgebiet seiner Arbeitsgruppe vorgestellt. Und dann ging es auch schon direkt los mit kleineren Aufgaben in grundlegenden Methoden der Molekularbiologie. Vor allem anfangs musste ich viel lesen und erfragen, thematisch wie auch methodisch. Gerd selbst war mein Betreuer, aber auch alle anderen im Labor halfen gerne, was den Einstieg sehr erleichtert hat. Vor allem die Deutschen, die dort ihre Doktorarbeit schreiben, haben mir nicht nur im Labor, sondern auch bei alltäglichen Dingen wie einkaufen und Bus fahren mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Die Bushaltestellen werden im Bus nicht angezeigt und nur wenige Brasilianer sprechen englisch, weswegen schon die Busfahrt in die Innenstadt anfangs Schwierigkeiten bereiten kann. Es empfiehlt sich definitiv, sich vor der Anreise Grundkenntnisse in Portugiesisch anzueignen, um sich im Alltag zurechtzufinden. Ich habe nur zwei Monate vor der Anreise einen Onlinekurs begonnen und lerne hier mit einer Brasilianerin, die ihr Deutsch aufbessern möchte, zu sprechen. Ein Kurs, um die Grammatik und ein gewisses Maß an Vokabular zu lernen, wäre jedoch von Vorteil. Im Labor herrscht aber eine bunte Mischung aus Sprachen, da dort neben den Brasilianern auch viele andere Südamerikaner und Deutsche arbeiten. Die meisten sprechen Englisch und sonst kann man sich auch irgendwie verständigen.

Die Arbeit im Labor

Bei Gerd habe ich bereits in den ersten Wochen viele lang etablierte Verfahren erlernt. Er hat dabei Wert daraufgelegt, dass ich nicht gedankenlos pipettiere, sondern bei jedem Schritt weiß, was bei dieser Reaktion passiert und worauf zu achten ist.
Dies ist besonders wichtig, wenn man mit Zellkulturen des Malariaerregers Plasmodium falciparum arbeitet. Nicht nur der Schutz des Arbeitsmaterials, sondern auch der eigene Schutz spielen eine wichtige Rolle.

Meine Arbeiten fanden alle im größeren Kontext der Cytoadhäsion von P. falciparum innerhalb der Blutgefäße statt. Der Parasit befällt Erythrozyten und exponiert Proteine an der Oberfläche seiner Wirtszelle. Diese Proteine können die befallene rote Blutzelle an der Innenseite der Blutgefäße binden. So verhindern sie eine Erkennung der infizierten Zelle in der Milz, dessen Funktion es ist, abnormale Erythrozyten auszusortieren.
Bei den Zellkulturen von P. falciparum handelt es sich um infizierte Erythrozyten, die mit Nährmedium in Flaschen kultiviert werden. Die Parasiten können beispielsweise so modifiziert werden, dass sie ein bestimmtes Oberflächenprotein produzieren oder durch den Versuch, sie auf Endothelzellkulturen binden zu lassen, auf bestimmte Oberflächenproteine getestet werden.

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Bei der Arbeit mit Zellkulturen des Malariaerregers Plasmodium falciparum.

Neben dem Forschungsmodul, das aus der täglichen Laborarbeit besteht, habe ich an dem Kurs „Molecular Biology of Plasmodium falciparum – A Practical Course“ teilgenommen, der einem Fortgeschrittenenmodul entspricht. Dort konnte ich meine praktischen Fähigkeiten ausbauen und besonders durch Erklärungen der Methoden auch in der Theorie ergänzen. Der Kurs ist jedoch vom Niveau her vergleichbar mit Vertiefungsmodulen.

Exkursion in den Dschungel

Zusätzlich zur Laborarbeit bei Gerd habe ich ein Modul in der Arbeitsgruppe von Marcelo Ferreira absolviert. Dabei handelte es sich um eine Exkursion nach Acre, einem brasilianischen Staat im Südwesten des Amazonasbeckens. Dort haben wir den Umgang mit Blutproben von mit Tropenkrankheiten infizierten Personen bzw. Menschen, die in einem endemischen Gebiet leben (also dort, wo die Krankheiten auftreten), kennengelernt. Wir sind nach mehrtägiger Anreise (erst Flugzeug, dann Boot) auf dem Rio Azul zu kleinen Kommunen an sehr abgelegenen Orten gefahren. Dort haben wir in Hängematten in Holzhütten geschlafen und mit den Einheimischen das von ihnen zubereitete Essen gegessen. Neben den fachlichen neuen Erkenntnissen haben wir so auch beeindruckende Impressionen des Lebens im Dschungel erfahren dürfen.

Die erste Gemeinde, in der wir waren, hatte vor kurzem tatsächlich noch zwei Mitglieder an die Chagas-Krankheit verloren. Diese Krankheit ist zwar nur noch wenig verbreitet, stellt jedoch immer noch eine Gefahr dar. Das Ziel der Exkursionen von Marcelo ist also nicht nur die Endemiologie (Verbreitung) der Krankheit zu erfassen, sondern auch den Menschen vor Ort zu erklären, wie sie sich schützen können. Die Chagas-Krankheit wird durch bestimmte Raubwanzen (‚kissing bugs‘) übertragen, die den Erreger Trypanosoma spec. bei ihrem Blutmahl durch ihren Kot auf die Haut des Wirts übertragen. Außerdem ist es möglich, dass man die Raubwanzen samt Trypanosoma zu sich nimmt, wenn man Früchte wie zum Beispiel Açaí verzehrt. Wir haben den Menschen vor Ort Exemplare der Wanzen gezeigt und ihnen die davon ausgehenden Gefahren erläutert.

Neben der wissenschaftlichen Arbeit haben die beiden Tropenmediziner der Exkursion den Kommunenbewohnern auch bei akuten Beschwerden helfen können. Die dort oft unzureichende medizinische Versorgung zeigte sich beispielsweise in Anämien bei Kleinkindern oder kleinen Wunden, die zu chronischen Problemen geführt hatten.

Die Erfahrungen, die wir auf dieser Exkursion sammeln durften, haben unser Gesamtbild von der Erforschung tropischer Krankheiten und Parasiten vervollständigt, uns aber auch persönlich bereichert.

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Besuch bei einer einheimischen Familie, um sie für die Studie zu testen und zu befragen. Mit dem roten Gerät messe ich den Hämoglobinwert, um eine Anämie bei der getesteten Person ausschließen zu können.
Leben in São Paulo

São Paulo ist eine riesige und spannende Stadt. Chaotisch und laut, aber ebenso bunt wie die Graffitis dort, ist auch die Bevölkerung. Es leben Menschen aus den verschiedensten Ländern miteinander und bilden eine faszinierende neue Kultur. Wie bereits erwähnt ist es ratsam, portugiesisch zu lernen, um von Einheimischen etwas über die brasilianische Kultur zu erfahren. Die Reaktion auf Ausländer, die kein Portugiesisch sprechen, kann von Angst davor, englisch sprechen zu müssen, bis offener Hilfsbereitschaft und Kommunikation mit Händen und Füßen variieren. Neben den einheimischen Brasilianern sind aber auch viele spanisch sprechende Südamerikaner und erstaunlicherweise Japaner anzutreffen. Besonders spannend ist es diese Vielfalt beim Essen zu erfahren. Die kolumbianische Küche hat mir am besten gefallen, aber auch Sushi habe ich dort lieben gelernt.

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: Oben links: Blick vom Eingang der Pinacoteca (Kunstsammlung) auf die Straße, Oben rechts: Bemalter und begrünter Mast im Szeneviertel Vila Madalena, Unten: Beco do Batman; Gasse, in der die Graffitikünstler São Paulos ihre Meisterwerke ausstellen.

Wahrscheinlich fragt ihr euch auch, wie sicher es dort auf den Straßen ist. Also ich habe zum Glück nicht die Erfahrung machen müssen, dass Brasilien das gefährlichste Land Südamerikas ist. Natürlich hört man von Freunden und Bekannten auch schon mal Horrorgeschichten darüber, wie sie ausgeraubt wurden oder die Polizei teilweise vorgeht. Um das zu vermeiden bin ich abends nur an der Hauptstraße alleine entlanggegangen, ansonsten war ich immer mit Freunden unterwegs und/oder habe ein Taxi genommen (was zum Glück recht billig ist). Außerdem sollte man nicht unnötig viele Wertsachen mitnehmen. In einem Reiseführer habe ich gelesen, dass man am besten immer etwas Bargeld dabeihat, das man im Notfall abgeben kann, aber das kam bei mir zum Glück nie zum Einsatz. Das einzige Mal, bei dem mir etwas gestohlen wurde, war, als ich Teile meiner Sachen auf dem Dachboden meines Wohnhauses gelagert habe.

Reisen

Nachdem ich mein Projekt in Gerds Labor abgeschlossen hatte, bin ich noch 7 Wochen durch Brasilien gereist. Da dies offiziell natürlich nicht vom DAAD gefördert wird, sollte man schon etwas Geld beiseitegelegt haben, wenn man in so kurzer Zeit viel vom Land sehen möchte. Da Brasilien so groß ist, musste ich oft fliegen, um von einem zum andern Ort zu gelangen.

Besonders gefallen haben mir auf der Reise Praia de Pipa, die Chapada Diamantina und Salvador. Salvador hat mir so gut gefallen, weil die Altstadt aus der Kolonialzeit und die vorwiegend afrobrasilianische Bevölkerung der Stadt einen besonderen Charme verleihen. Sie gilt zwar als eine „einzige große Favela“, wenn man jedoch die richtigen Ecken gezeigt bekommt, kann man dort gut und billig essen und kostenfreie Olodum-Shows auf den Straßen der Altstadt genießen. Olodum ist eine bestimmte Art auf künstlerische und tänzerische Weise zu trommeln, welche in besonderen Schulen dafür gelehrt wird und schon Michael Jackson begeisterte (https://www.youtube.com/watch?v=QNJL6nfu__Q).

Von Salvador aus gelangt man mittels Nachtbusfahrt nach Vale do Capão in der Chapada Diamantina. Salvador genauso wie die Chapada Diamantina liegen in dem Bundesstaat Bahia. Wie der Name des Bundesstaats schon verrät, war dort einst eine große Bucht. Dies spiegelt sich in der einzigartigen Vegetation und vor allem den vor Jahrtausenden vom Wasser geschliffenen Gesteinen wider. Der Name der Chapada (=(Hoch-)Ebene) zeugt außerdem von der Entdeckung großer Edelsteinvorkommen. Diamanten habe ich zwar nicht gefunden, aber den ein oder anderen Bergkristall. Die Trekkingtour, die ich gemacht habe, basierte auf einem 400 Jahre altem Weg der Diamantsucher. Ob diese Geschichte nur ein Märchen unseres Guides war oder nicht, der Weg war abenteuerlich und die Tour nicht im Entferntesten so touristisch, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Wir waren insgesamt drei Tage unterwegs aber schon innerhalb von zwei Stunden, die wir gewandert sind, konnte die Landschaft wechseln von karger Hochebene zu grünen Tälern und die Route von abenteuerlich steinigen Aufstiegen bis hin zu entspanntem Schwimmen an Wasserfällen.

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Abbildungen eines Bruchteils der diversen Landschaft in der Chapada Diamantina (Bahia).

Zum Schluss meiner Reise habe ich noch etwas in dem Strandort Pipa in der Nähe von Natal ausgespannt. Dort gibt es verschiedene Strände, an denen man schwimmen, surfen oder, wenn man Glück hat, Delfine antreffen kann. Der Ort ist zwar schon etwas touristisch, aber viel schöner als die meisten brasilianischen Kleinstädte. Es ist schwer zu beschreiben, wie die üblichen Städte in Brasilien aussehen. Meist sind sie von der Architektur herkarg und simpel, oft liegt Müll in Vorgärten und die Namen der Bars sind auf gesponserten Schildern von brasilianischen Biermarken zu lesen. In Pipa jedoch gibt es viele individuell aussehende Lokale, die bereits von außen mehr Ambiente ausstrahlen. Ein solches Flair ist auch in Arraial d’Ajuda (nahe Porto Seguro) vorzufinden, welches sogar bereits dreimal in Folge den Preis für die charmanteste Straße Brasiliens erhalten hat.

Ärztliche Versorgung

Da das bei mir leider unvermeidbar war, vielleicht auch noch ein paar Tipps zum Thema Arztbesuche. Ich hatte häufig Blasenentzündungen oder ausgeartete Erkältungen, weil man oft verschwitzt in klimatisierten Räumen sitzt. Wenn ihr zu solchen Erkrankungen neigt, packt euch immer ein Tuch oder ähnliches ein.

Falls ein Arztbesuch dann doch unvermeidlich ist und ihr noch gar kein Portugiesisch sprecht, nehmt euch einen portugiesisch sprechenden Professor oder Freund mit. Wenn das beispielsweise auf Reisen auch nicht geht, hat es bei mir immer ausgereicht, die wichtigsten Wörter zur Beschreibung des Problems nachzuschlagen.

Je nachdem in welchem Bundesstaat ihr seid, braucht ihr für manche Medikamente ein bestimmtes Rezept. Also falls ihr es in dem einen Staat gerade nicht mehr schafft das Medikament zu besorgen, achtet darauf, dass ihr es an eurem nächsten Ziel mit dem erhaltenen Rezept bekommt! Meine Versicherung wollte außerdem alle Verschreibungen auf Deutsch haben, was natürlich selten funktioniert. Oft bekommt man sie aber wenigstens auf Englisch.

Fazit

In den 8 Monaten, die ich in Brasilien verbracht habe, habe ich nicht nur mehr Portugiesisch gelernt als ich erwartet hätte, sondern auch eine gewisse Selbstständigkeit bei der Arbeit im Labor erlangt. Dies war für mich eins der wichtigsten Ziele, mit denen ich in dieses Abenteuer gestartet bin.
Neben der beruflichen Entwicklung kann ich aber auch eine persönliche sehen, die durch den Umgang mit Menschen verschiedener Kulturen und die Erlebnisse auf meiner Reise durch Brasilien vorangetrieben wurde.

Bevor es losgeht…

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Ihr solltet euch circa 3 Monate bevor es losgeht mit den nicht so schönen Dingen eines Auslandsaufenthalts beschäftigen. Dazu findet ihr auf der Brasilien Seite der WWU eine top Zusammenfassung aller benötigten Kleinigkeiten (Visum, Impfungen,…). Ebenso ist dort ein Text zum Leben in Brasilien hinterlegt, der die Vorfreude auf das bevorstehende Abenteuer um einiges steigert 🙂 Aber auch wird werden in den kommenden Wochen kleine Beitraege zu den Themen verfassen!

Wenn ihr dann im ganzen Visums- & Impf-Chaos (was übrigens einige Kosten birgt, die man vorher vielleicht nicht so erwartet hätte) an eure Verzweiflungsgrenze stoßt, ist es an der Zeit eine gebührende Abschiedsfeier zu planen, um mit all euren Lieben noch einmal ordentlich zu feiern. Es lohnt sich die Einladungen zeitig zu verschicken, damit auch möglichst alle Zeit haben.

Ebenso solltet ihr darüber nachdenken, was mit eurem Zimmer in der Zeit in der ihr nicht da seid passiert. Wollt ihr…

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Weihnachten im brasilianischen Dschungel

Für all diejenigen (Bio-)Studierenden, denen das europäische Ausland für ein Auslandssemester (oder zwei) zu nah an der Heimat oder zu  wenig exotisch ist, bietet der Fachbereich Biologie eine perfekte Alternative: Gefördert vom Deutschen Akademischen Austauschdienst, bietet das Programm UNIBRAL Biologiestudierenden finanzielle Unterstützung für einen Auslandsaufenthalt in Brasilien. Der brasilianische Partner ist das Institute of Biomedical Sciences der Universidade de São Paulo. Aktuell studieren und leben vier WWU-Studenten in der größten Stadt Brasiliens. Drei von ihnen, Marius Zimmermann, Carlo Fischer und Thomas Müntefering, haben ihre Eindrücke vom Studium, der Kultur und des Lebens in Brasilien aufgeschrieben.

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Weihnachten mal ganz anders: Die münsterschen Studenten Marius, Carlo, Björn und Thomas im brasilianischen Dschungel

Thomas Müntefering

Riesig! Das war mein erster Eindruck beim Landeanflug auf die 20-Millionen-Metropole São Paulo. Was hatte mich und drei weitere Masterstudierende vom Fachbereich Biologie zur größten Universität Lateinamerikas, der Universidade de São Paulo, getrieben? Ein Mix aus Neugier und Lust auf eine exotische Auslandserfahrung im beruflichen wie im privaten Sinn. Dass uns der deutschsprachige Professor, der uns betreut, persönlich vom Flughafen abholte, spiegelt die enge Beziehung zwischen Studierenden und Professoren wider. Gerade bei Hindernissen wie der Sprache oder bei den komplizierten Visums-Angelegenheiten in São Paulo standen uns die am Programm beteiligten Professoren stets persönlich zur Seite. Das Studium ist für uns ähnlich modular in Englisch aufgebaut wie an der WWU. Zusammen mit meinem Betreuer erforsche ich mittels Nanopartikeln hauptsächlich Impfstrategien gegen Malaria und Krebs. Neben dem Studium finden wir auch Zeit zum Reisen. So verbrachten wir Weihnachten am Strand in Ubatuba. Weihnachten nicht zu Hause bei meiner Familie zu sein, war für mich durch meinen Nebenjob als Krankenpflger neben dem Studium nichts Neues. Jedoch fehlte bei eiskaltem Bier und 35 Grad Celsius unter Palmen einiges, um in Weihnachtsstimmung zu kommen. Aber das Beisammensein mit Freunden und Familie, Geschenken, Glühwein bei kalten Temperaturen kann ich ja vielleicht Anfang März nach meiner Rückkehr nach Deutschland nachholen.

 

Carlo Fischer

Auch wenn man nicht von Kulturschock sprechen kann, so unterscheidet sich das alltägliche Leben in São Paulo sehr von dem in Münster. Während in Münster alles gut per Fahrrad zu erreichen ist, sieht das in São Paulo anders aus. Insbesondere außerhalb des Campus sind die Distanzen enorm, und das öffentliche Verkehrsnetz ist chaotisch. Wir vier hatten das Glück, São Paulo im Sommer kennenzulernen. Für Tripps ans Meer war das klasse. Mein persönliches Highlight war unser gemeinsamer Surfurlaub in Ubatuba. Maximaltemperaturen von über 30 Grad Celsius sind normal, aber nicht immer angenehm. Etwas nervig waren die Stromausfälle bei starkem Regen, denn Sommerzeit heißt hier auch Regenzeit. Berühmt sind brasilianische Churrascos (Grillfeste) die mehrere Stunden dauern. Dort lernt man viele Leute kennen und erlebt, warum die Brasilianer als offen und gesellig gelten. Nebenbei gibt es ausgezeichnetes Fleisch vom Grill. Auch in der
Uni wurden wir warmherzig aufgenommen. Ein besonderes Erlebnis war für mich die Teilnahme an einer Feldstudie. Bei der Studie werden Siedler in entlegenen Gebieten im Staat Amazonas besucht und Blutproben genommen. Ziel ist es, Malaria-Fälle zu kartieren. Das war wirklich ein einmaliges Erlebnis. Wir wurden sehr freundlich und ohne Skepsis empfangen. Auch ich als Deutscher, der kaum ein Wort Portugiesisch sprach.

Marius Zimmermann

Waren wir bei der Einreise am Flughafen noch erstaunt, dass niemand Englisch versteht, folgte die noch größere Überraschung bei der Registrierung für das Visum. Die zuständige Bundespolizei hat zwar eigens eine Abteilung für Visumsanträge von Ausländern, Angestellte mit entsprechenden Englischkenntnissensucht man hier jedoch vergebens. Man sollte also jemanden dabei haben, der Portugiesisch spricht. Das ist auch im restlichen Leben hilfreich, da man als Deutscher in Brasilien relativ schnell auffällt und deshalb das Interesse der Straßenverkäufer weckt. Über diese unliebsamen Kleinigkeiten lässt sich gut hinwegblicken, sobald man etwas tiefer in die brasilianische Kultur eintaucht und ein Gefühl für die Lebenseinstellung bekommt. Eines der grundlegenden Elemente brasilianischer Kultur ist die Musik. Fast in jeder Bar gibt es Live-Musik und Menschen allen Alters bevölkern die ,Tanzfläche. Die ausgelassene Stimmung ist ansteckend und überträgt sich auch auf andere Lebensbereiche. Die meisten Brasilianer sind durchgehend freundlich, hilfsbereit und gut gelaunt, sodass trotz sprachlicher Barrieren ein freundliches Zusammensein kein Problem ist. Es ist eine tolle Erfahrung, und es macht mir großen Spaß, in
einer solchen Kultur zu leben.
brasilianische Weihnachten
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Studying abroad at our partner university in Hyderabad (India)

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Lena (in the middle) with the other exchange students

I am a student of biology at the University of Münster and me as well as four other students got the great possibility to go as exchange students to India as part of an external spe-cialisation module. The cooperation is between Prof. Moerschbacher (Department of Plant Biology and Biotech-nology) and Prof. Appa Rao Prodile of the University of Hy-derabad (India). This exchange was totally amazing, not only for the chance to get to see how research can be done in other countries but also to get to see another culture and another mentality. While in Germany everything is totally planned and fixed in advance, indians have this great metal-ity of improvising and be frank with everybody. I think I speak for all the German exchange students by saying that it was one of the most amazing and impressing things that we have done in our lifetime! I would advise each and everyone of you, if you ever get this chance, just take it!”