Im Labor direkt am Meer – Betriebspraktikum Neuseeland

 

BP-NS_001Von Oktober bis Dezember 2016 habe ich ein Betriebspraktikum in Neuseeland im Victoria University Coastal Ecology Laboratory absolviert. Ich wurde von einem Doktoranden betreut und habe durch ihn Vorschläge für Experimente bekommen. Ziel des Praktikums war es, ein eigenständiges Projekt komplett durchzuführen. Das heißt mit Literaturrecherche, eigenen Methoden und kompletter Auswertung. In meinem Fall waren das Experimente mit Kalkröhrenwürmern, die zu der Klasse der Polychaeten gehören. Dabei habe ich einen Größen- und Gametenvergleich zwischen solitär und in Aggregationen lebenden Tieren durchgeführt. Es ist wichtig, Hypothesen aufzustellen und diese am Ende auszuwerten.

BP-NS_002Ich persönlich finde Auslandserfahrungen sehr wertvoll und denke, dass man im Ausland viele Erfahrungen sammelt und eine spannende Zeit hat. Für mich stand jedoch auch fest, dass ich nicht an eine Uni im Ausland wollte, um weitere Vorlesungen zu hören. Ich denke, dass das 5. Semester dazu da ist, weitere Praxiserfahrung zu sammeln und sein Wissen in eigenen fachspezifischen Interessensgebieten zu vertiefen. Mein Tipp: Informiert euch vorher im Modulhandbuch über die verschiedenen Vertiefungsmodule und deren Zeiträume. Die meistens werden jedes Jahr im gleichen Zeitblock angeboten. Entscheidet euch, welches VM für euch interessant ist und bestimmt danach euren Praktikumszeitraum. Bei vielen AGs ist es später für die Bachelorarbeit wichtig, schon ein VM dort absolviert zu haben. Wenn ihr noch nicht wisst, in welche Richtung der Biologie ihr gehen wollt, kann ein Praktikum sehr hilfreich sein, sich einen ausgewählten Bereich genauer anzusehen. Ich bin gerade in der Vorbereitungszeit für die Bachelorarbeit und merke, wie sehr der Ablauf des Praktikums dem jetzigen Ablauf ähnelt. Hier sehe ich einen der größten Vorteile des Betriebspraktikums. Man lernt eigenverantwortliches Arbeiten und hat meiner Meinung nach einen Vorsprung vor Kommilitonen, die ihr Semester an einer Uni im Ausland verbracht haben oder an zwei VM der Uni teilgenommen haben. Klar kam es während der selbstständigen Durchführung zu Problemen und Frustrationen, aber diese gehören zur Forschung mit dazu.

Es ist wichtig, einen guten Ansprechpartner vor Ort zu haben, aber auch zu versuchen, kleine Fragen erst einmal selbst zu beantworten. Zudem finde ich ein Praktikum hilfreich, um einen Einblick in die Arbeitswelt und den Alltag eines Biologen zu erhalten. Ich habe in dieser Zeit sehr viel Praxiserfahrung erlangt, konnte aber auch einiges Wissen aus vorherigen Uni-Praxisteilen anwenden.
Vor allem im Bereich Biologie sind Praktika von hoher Bedeutung und sind hilfreich bei späteren Bewerbungen. Ich merke jetzt schon bei Bewerbungen für den Master, dass eine Weiterorientierung außerhalb der generellen Studienleistungen sehr wichtig ist. Wenn Ihr ein Praktikum durchführt, achtet auf jeden Fall am Ende auf ein gutes Praktikumszeugnis. Dies sollte genau die Arbeiten enthalten, die Ihr durchgeführt habt und beschreiben, wie Ihr von eurem Betreuer wahrgenommen wurdet.
Vor allem Praktika im Ausland können im biologischen Bereich nützlich sein, da die Wissenschaftssprache überwiegend Englisch ist. Während der drei Monate konnte ich meine Englisch-Kenntnisse enorm verbessern und vor allem mein Vokabular erweitern. Als Bewertung für mein Praktikum habe ich einen wissenschaftlichen Report über meine Experimente verfasst. Das dieser in Englisch verfasst werden sollte, sehe ich im Nachhinein als sehr förderlich an. Man lernt alle Begriffe, die mit dem Praktikum zusammenhängen, in Englisch. Eine komplette Ausarbeitung auf Englisch zu schreiben, ist zwar zunächst anspruchsvoll, aber klingt schwieriger, als es dann wirklich ist.

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Mein Arbeitsweg zum Labor in Island Bay, Wellington

Die Frage, die sich die meisten hier vermutlich stellen, ist: Wie kommt man in Neuseeland an einen Praktikumsplatz und wie lässt sich das Ganze finanzieren? Meine Antwort darauf ist leider auf den ersten Blick für viele nicht hilfreich. Ich habe das Glück, Verwandte in Wellington zu haben, bei denen ich für die Zeit unterkommen konnte. Dadurch wurden einige Sachen erleichtert. Trotzdem kann ich euch ein paar hilfreiche Tipps mit auf den Weg geben, wenn Ihr wirklich an einem Auslandpraktikum interessiert seid. Zunächst einmal ist es in Münster so gut wie immer möglich, mit etwas Zeitaufwand für ein paar Monate seine Wohnung zwischen zu vermieten. Dadurch hat man unter Umständen im Ausland etwa dieselben Lebenshaltungskosten wie in Münster. Wenn man die Praktika der Uni in den normalen Zeitblöcken absolviert hat, hat man nach dem vierten Semester das erste Mal wirkliche Semesterferien und kann diese nutzen, um Arbeiten zu gehen und damit Geld für einen Flug und andere Kosten zu verdienen. Vielleicht habt ihr auch Verwandte oder Bekannte im Ausland oder könnt Kontakte über Freunde knüpfen. Ein Ansprechpartner vor Ort kann bei Wohnungs- und Platzsuche hilfreich sein. Aber auch wenn Ihr nicht direkt jemanden kennt, solltet ihr euch davon nicht abschrecken lassen. Wenn Ihr wirklich ein Praktikum im Ausland absolvieren wollt, denke ich, dass es für jeden einen passenden Platz gibt. Ihr könnt auch versuchen, über Kontakte und Kooperationen der Uni mit anderen Instituten an einen Praktikumsplatz zu kommen.

Lasst euch nicht von Absagen abschrecken! Ihr könnt auch erste Anläufe telefonisch machen.
Meistens werden für Biologen im Bachelor keine Praktika ausgeschrieben, von daher müsst ihr Initiative zeigen und mit einer guten Bewerbung überzeugen. Habt Ihr Probleme damit, eine Bewerbung richtig zu formulieren oder wisst nicht mehr ganz, wie das Layout passend aussehen muss? Nutzt die Angebote des Career Service. Es gibt sowohl Bewerbungstrainings als auch einen circa 20-minütigen Bewerbungsmappencheck.

Den zeitlichen Ablauf der gesamten Organisation habe ich in Form einer Tabelle hier für euch abgebildet:

Recherche: Überlegung welche Bereiche für mich interessant sind Februar
Bewerbung Februar
Rückmeldung Mitte März
Überprüfung der Rahmenbedingungen Mitte April
Vertrag unterschrieben und eingereicht Anfang Juni
Betreuenden Hochschullehrer suchen Anfang Juni
Absprache der Prüfungsleistungen Anfang August
Praktikum Oktober – Dezember
Abgabe des Reports Anfang Juni
Rückmeldung des betreuenden Hochschullehrers Ende März

 

Mein Fazit:       
Ich würde das Praktikum definitiv wieder genauso machen wollen und kann es jedem, der mit dem Gedanken spielt, nur empfehlen. Man muss sich bewusst sein, dass damit ein höherer Zeitaufwand verbunden ist, als einfach zwei Vertiefungsmodule zu wählen. Allerdings sind in meinen Augen die Erfahrungen weitaus wertvoller. Es ist nicht nur eine perfekte Vorbereitung auf die Bachelorarbeit, sondern ein Vorteil bei zukünftigen Master- und Jobbewerbungen. Dass man so ein neues Land bereisen, seine Kultur und Einwohner kennenlernen kann, ist natürlich ein weiterer großer Pluspunkt.

 

Wenn noch irgendwelche Fragen übriggeblieben sind, könnt ihr mir selbstverständlich gerne eine E-Mail an vivienechelmeyer(at)web.de schicken.

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