Bilder und Geschichten aus Indien – mein Auslandssemester

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Daniel Dornbusch

DSCN55612014 bin ich mit vier weiteren deutschen Studierenden nach Indien gereist, um das erste meiner Vertiefungsmodule im Bachelor an der University of Hyderabad (UoH) statt an der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) zu absolvieren. Dort arbeiteten wir alle für ca. drei Monate im Labor der School of Life Sciences und reisten anschließend für fast zwei Monate durch Indien und Nepal. Ich bin sehr froh über die Kooperation zwischen der WWU und der UoH, da ich ohne diese nie daran gedacht hätte, nach Indien zu gehen, mit ihr es um einiges einfacher war, den Aufenthalt im Vorfeld zu planen und man sicher sein kann, dass es vor Ort Menschen gibt, an die man sich wenden kann und die einem bei allem Möglichen helfen können. Somit wurde der Aufenthalt zu einer wunderbaren Zeit, die mich nachhaltig geprägt hat.

Der Campus

Zunächst will ich euch den Campus vorstellen. Dieser ist nach Angaben der Universität von Hyderabad der größte Asiens, aber das behaupten mehrere Unis von sich. So oder so bleibt festzuhalten, er ist sehr groß, sehr grün und sehr, sehr schön!

Wir haben während unseres Praktikums am Lifescience Center gearbeitet. Ein modernes Gebäude mit Laboren, die für indische Verhältnisse sehr gut ausgestattet sind. Trotzdem gibt es ein paar Unterschiede zu deutschen Laboren. So werden dort stets Flipflops getragen. Außerdem dauert es länger, um an Chemikalien und Geräte zu kommen. Dafür legen die Wissenschaftler aber einen erstaunlichen Erfindungsreichtum an den Tag, um dieses Defizit auszugleichen.

Ich habe im Labor von Professor Bramanandam Manavathi gearbeitet und untersucht, ob bestimmte Mutationen am Pre-B-cell leukemia homeobox interacting protein 1 bei der Tumorentwicklung von Brustkrebs eine Rolle spielen.

Studentisches Engagement

Was mir in der Zeit auf dem Campus auffiel, ist, dass die meisten Studierenden politisch interessiert oder engagiert sind. So wurde vor den Campuswahlen viel diskutiert und für mich war es spannend, mit unterschiedlichen Leuten mit verschiedenen Meinungen zu reden. Das Spektrum reicht von linksliberalen Kommunisten bis hin zu rechtskonservativen Hindus. Dieses Interesse für den zukünftigen Weg Indiens ist auch an den zahlreichen Graffitis auf dem Campus abzulesen.

Eine wichtige Figur für einige meiner indischen Freunde ist B. R. Ambedkar, der sich gegen die Diskriminierung der Dalits (den Unberührbaren) und für Frauenrechte eingesetzt hat. Einige meinten sogar, er ist eine Art Karl Marx Indiens, mit dem Unterschied, dass Marx innerhalb eines Klassensystems und Ambedkar innerhalb eines Kastensystems argumentierte. Insbesondere von Freunde, die aus der Kaste der Dalits stammen und für die Diskriminierung immer noch real ist, wird Ambedkar zum Teil wie ein Gott verehrt.

Das Engagement der Studierenden zeigte sich auch durch eine Studenteninitiative, die kleine ansprechende Mülleimer auf dem Campus aufhing, um auf das Müllproblem aufmerksam zu machen und den Campus ein wenig zu verschönern.

Dennoch muss man sagen, dass Welten zwischen Deutschland und Indien liegen, was die Entsorgung von Müll angeht. Recycling ist ein Fremdwort und meistens wird der Müll irgendwo auf dem Campus verbrannt.

Das Leben vor Ort

Auf dem Campus befinden sich auch die Studierendenunterkünfte. Wir hatten damals die Möglichkeit, zu entscheiden, ob wir in das International Hostel oder in eins der „normalen“ Hostels ziehen wollen. Ich habe mich für das „normale“ Hostel entschieden, da ich erleben wollte, wie es ist, als „normaler“ Student dort zu leben und trotz anfänglichem Kulturschocks kann ich es nur jedem empfehlen! Die Zimmer erinnern zwar ein wenig an Gefängniszellen mit vergitterten Fenstern und massiven Türen, die mit einem Riegel und einem Vorhängeschloss von außen verschlossen werden können. Zudem gibt es keine europäischen Toiletten, auf die man sich setzten kann, und aus dem Duschkopf kommt nur kaltes Wasser. Es hat ein wenig gebraucht, um sich darauf einzulassen, aber nach einer Eingewöhnungsphase habe ich mich dort wirklich wohlgefühlt und dieses Zimmer wurde zu einem Zuhause.

Die indische Küche

Nun kommen wir zu meinem Lieblingsthema, dem indischen Essen. Ich liebe es und vermissen es – wie fast alle, die dort studiert und mit denen ich gesprochen habe. Ich muss aber zugeben, dass ich es scharf mag. Aber, ob ihr wollt oder nicht, wenn ihr in Indien leben wollt, werdet ihr scharfes Essen ebenfalls lieben lernen (müssen).

Ein paar meiner indischen Freunde konnten es sich nicht nehmen lassen, mir die Küche, in der für unser Hostel gekocht wurde, zu zeigen. Auch wenn es die ernsten Gesichter auf den Bildern nicht unbedingt vermuten lassen, haben sich die Leute, die dort gekocht haben, sehr gefreut, dass ich vorbeigekommen bin und bestanden darauf, sich alle von mir fotografieren zu lassen.

Feste und Feiertage

In Indien gibt es viele hinduistische Feste und Feiertage. Eins davon ist Diwali, das Lichtfest. Bei diesem Fest ist es typisch, dass Öllampen in Reihen an Fenster oder Eingänge gestellt werden und, dass Feuerwerkskörpern gezündet werden. Zu diesem Fest gehört natürlich auch gutes Essen und ebenso sollte man ein paar Süßigkeiten als Gastgeschenk mitbringt, wenn man zum Diwali eingeladen wird. Zu den Feuerwerkskörpern muss ich aber sagen, dass die mir zu krass waren. Ohrenbetäubend laut und zum Teil mit einer Druckwelle, die einem Angst machen konnte. Dazu kommt noch, dass die Zündschnüre um einiges kürzer sind, als wir es aus Deutschland gewohnt sind. Dennoch ist es im Großen und Ganzen ein wunderschönes Festival, welches sich über fünf Tage erstreckt.

Der indischer Blick auf Deutschland

Ich habe versucht, euch einen Einblick zu geben, wie ich Indien erlebt habe.
Bleibt noch die Frage, wie wird Deutschland in Indien gesehen. In der Zeit auf dem Campus gab es eine kleine Veranstaltung, auf der verschiedene Länder vorgestellt wurden. Darunter auch Deutschland. Leider haben wir keine besseren Bilder von den Plakaten gemacht, aber diese möchte ich euch trotzdem nicht vorenthalten.

Wie auf den Plakaten zu sehen ist, ist Deutschland natürlich für Brot, Bier und Fußball bekannt. Wenn ich mit den Leuten gesprochen habe, kamen jedoch meist zuerst diese drei Stereotype: Hitler, Autobahn und Oktoberfest. Wenn ich indische Studierende aus den Naturwissenschaften auf Deutschland angesprochen habe, kam häufig ihre Bewunderung für den Forschungsstandort Deutschland zutage. Insbesondere die Max-Planck-Institute, sowie die Fraunhofer-Institute genießt großen Respekt unter den Studierenden dort.

Die Reise durch Indien

Nach dem dreimonatigen Praktikum haben wir die Zeit bis Weihnachten genutzt, um für zwei Monate durch Indien und Nepal zu reisen. Aber über diese Reise will ich gar nicht so viel berichten, denn jeder Versuch, diese in diesem Artikel zu beschreiben, würde ihr in keinem Fall gerecht werden. Also nur so viel: Es war eine wunderschöne und intensive Erfahrung!

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