Mein Auslandssemester an der University of Gothenburg

Vorab

Schon einige Zeit vor dem Wintersemester 2016/2017, also meinem dritten Studienjahr, habe ich mich für einen Auslandsaufenthalt während meines Studiums interessiert und mich rechtzeitig im Internet und durch Präsentationen informiert. Mir war es besonders wichtig, ein Semester in einem Land zu verbringen, in dem man gut mit Englisch zurechtkommt, und meine persönlichen Interessensgebiete abzudecken. Nachdem ich die zahlreichen Möglichkeiten des Erasmus-Austausches durchgegangen bin, habe ich mich glücklicherweise für die Universität in Göteborg entschieden. Im Folgenden möchte ich euch etwas über die Universität, das Studentenleben vor Ort und die Stadt mit ihrer Umgebung näher bringen.

Die Universität

Die University of Gothenburg ist eine der größten Universitäten des Landes und wie alle Bildungseinrichtungen Skandinaviens auf einem modernen Stand was die Ausstattung betrifft. Es gibt zahlreiche Kurse an verschiedenen naturwissenschaftlichen Instituten, die ihr belegen könnt und die auf Englisch gehalten werden. Das Semester ist in zwei Hälften geteilt, in denen ihr jeweils einen Kurs vollzeitig belegt. Generell ist die Anzahl an Wochenstunden und Vorlesungen deutlich geringer als in Deutschland, was nicht heißt, dass weniger Arbeit anfällt. Vielmehr wird von einem erwartet, dass man die vielen „freien“ Stunden selbstständig oder in eigens organisierten Lerngruppen verbringt, um den Stoff der Vorlesungen zu vertiefen. Nutzt die Chance und sucht nach Kursen, die euch interessieren; auch wenn es sich um Masterkurse handelt und ihr euch noch im Bachelorstudium befindet. Auch bei meinem ersten Kurs handelte es sich um einen Masterkurs. Im Nachhinein war es eine der besten Entscheidungen während meines Auslandssemesters, mich für diesen Kurs zu bewerben.

Das Verhältnis zu den Dozenten ist viel angenehmer als in Deutschland, da es eines auf Augenhöhe ist und man auch direkt per du mit allen Dozenten ist, unabhängig davon, ob es sich um einen Doktoranden oder einen Professor Doktor Doktor handelt. Nachdem meine erste E-Mail (Dear Mr. Professor Doctor…) mit „Hey Jan, … Have a nice weekend!
Cheers Adrian“ beantwortet wurde, ist mir das lockere Verhältnis auch bewusst geworden. Dadurch, dass Studenten und Dozenten auf einer Höhe stehen, fällt die Kommunikation in den generell schon kleineren Kursen deutlich leichter. Außerdem macht es einfach viel mehr Spaß, sich intensiv mit einem Thema zu befassen, und auch Fragen werden während der Vorlesung ausführlich in der Gruppe gemeinsam diskutiert. Insgesamt herrschte ein starkes Gruppengefühl in den Kursen, bei dem sowohl Studenten, als auch Dozenten gemeinsam an einem Ziel arbeiteten, wodurch das Lernen deutlich angenehmer fiel und auch effektiver war, als in Deutschland.

Wohnen in Göteborg

Wie in jeder großen europäischen Stadt herrscht auch in Göteborg ein Wohnungsmangel. Daher ist es sehr wichtig, sich über das Wohnungsprogramm der Uni auf verschiedene Wohnheime zu bewerben, da in jedem Wohnheim Plätze für Erasmus-Studenten reserviert sind. Ich habe im Olofshöjd (Olofs) gewohnt, welches mit insgesamt 1.410 Wohnungen das größte Wohnheim in der Stadt ist. Während meiner Zeit dort habe ich fast alle anderen Wohnheime kennengelernt und kann euch das Olofs als Wahl Nummer-Eins nur empfehlen. Nicht nur der günstige Preis (380 € – günstig für Schweden) für ein eigenes Zimmer inklusive eigenem Badezimmer spricht für das Olofs, sondern auch die super Lage. Innerhalb von 10 Minuten seid ihr mit der Tram in der Innenstadt und habt keine Probleme, auch nachts noch nach Hause zu kommen. Das Teilen der Küche mit drei weiteren Erasmus-Studenten stellte für mich persönlich kein Problem dar, da man sich immer zurückziehen konnte, wenn man gerade seine Ruhe haben wollte. Allerdings muss man auch sagen, dass vor Allem die Küche in vielen Fällen alt und leider auch dreckig von vielen Vormietern hinterlassen wurde. Nimmt man sich aber einen Tag zum Aufräumen und Putzen Zeit, lässt es für ein halbes Jahr vollkommen in Ordnung dort leben. Der größte Pluspunkt des Olofs ist das vielseitige Angebot auf dem Gelänge. Neben kostenloser Sauna, die man mieten kann, gibt es auch ein Fitnessstudio für ca. 30 € pro halben Jahr (!), Grillplätze, ein Beach-Volleyball Feld, eine Sporthalle, ein eigenes Cafe, Tischtennisplatten usw. Auch die Tatsache, dass man quasi in einem eigenen „Erasmus-Block“ wohnt lässt besonders am Wochenende keine Langeweile aufkommen und ich habe mich nie alleine gefühlt. Die Zimmer sind allerdings etwas in die Jahre gekommen, aber für 1-2 Semester zum Wohnen völlig in Ordnung meiner Meinung nach.
Die anderen Wohnheime, in welchen ich öfters zu Besuch war (Kastanjebacken und Medicinaregatan-Container), haben ebenfalls einen positiven Eindruck hinterlassen. Gerade die Container haben eine super Lage, da man in
5 Minuten die naturwissenschaftliche Ecke der Universität erreicht. Auch das Leben in einem Container klingt erst einmal viel schlimmer, als es tatsächlich ist, da diese sehr gut eingerichtet sind (Ikea eben). Neben einem extra Schlafzimmer gibt es dort sogar eine eigene Küche. Ich habe von keinem gehört, dass er mit den Containern in Medicinaregatan unzufrieden gewesen ist. Das Kastanjebacken-Wohnheim ist ebenfalls sehr schön. Man wohnt zwar etwas weiter außerhalb (ca. 25 Minuten bis zur Innenstadt), hat dafür aber pro 11 Leute eine riesige und moderne Küche zur Verfügung. Für mich ist das Teilen des Zimmers mit einer anderen Person zwar nicht in Frage gekommen, aber vielen Leuten hat es gefallen, da sich so auch oft Freundschaften gebildet haben.

Zusammengefasst kann ich euch das Olofshöjd empfehlen, da das
Preis-/Leistungsverhältnis sehr gut ist. Aber auch die anderen Wohnheime machen einen guten Eindruck. Generell sollte man zufrieden sein, überhaupt einen Platz in einem der Wohnheime zu bekommen, da es zu Semesterbeginn noch einige Studenten gab, welche die ersten Wochen in einem Hostel verbringen mussten (wobei auch einige sich nicht über das Programm der Uni für Wohnungen beworben haben). Aber macht euch keine Sorgen: Die Verantwortlichen vor Ort geben alles, damit ihr eine Wohnung findet und die Zeit im Ausland genießen könnt.

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Zwischen Schäreninseln und Innenstadt liegen nur 30 Minuten Fahrzeit.

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Das Leben in Göteborg

… lässt sich wirklich genießen. Die Stadt ist sehr jung und modern und es gibt viele schöne Ecken zu erkunden. Nach einigen Wochenenden habt ihr auch ein paar Bars entdeckt, in denen Getränke, besonders die Alkoholischen, bezahlbar sind. Ausgehen in Schweden ist aufgrund der etwas höheren Lebenshaltungskosten teurer als in Deutschland – besonders das Feiern in Clubs ist erheblich teurer. Die Lebensmittelpreise bei Diskountern wie z.B. Lidl sind dagegen identisch zu denen in Deutschland. Der Großteil der Schweden ist äußerst freundlich und hilfsbereit und nahezu jeder – selbst die ältere Bevölkerung – spricht fließend Englisch. Die Möglichkeiten, in der Stadt etwas zu unternehmen sind, wie es für eine Großstadt mit über 570.000 Einwohnern zu erwarten ist, nahezu unendlich. Von einem Besuch im Stadion bei IFK Göteborg, einen Tag im Freizeitpark Liseberg (mitten im Zentrum mit wirklich guten Achterbahnen) bis hin zu einer Fika in Haga (vermutlich eure neue Lieblingsbeschäftigung) ist alles möglich in dieser Stadt. In 40 Minuten könnt ihr auch mit eurem Stadtticket bis zur Westküste gelangen und mit einer der zahlreiche Fähren (im Stadtticket enthalten) auf die vielen Schären-Inseln vor der Küste Göteborgs gelangen. Bei sonnigem Wetter ist es ein Muss, dass ihr euch während des „Insel-hoppings“ ein Bild von den vielen kleinen und schönen Inseln, welche teilweise von wenigen hundert Menschen bewohnt werden, macht. Aber es gibt noch zahlreiche andere Möglichkeiten, die ihr in Erfahrung bringen könnt.

Fazit

Alle Mitarbeiter der Universität, betrifft es Wohnungsvermittlung, Event-Organisation oder individuelle Anliegen, geben sich außerordentliche Mühe, damit ihr eine unvergessliche Zeit in Schweden habt. Gastfreundschaft wird in Göteborg sehr groß geschrieben! Meiner Meinung nach war das Auslandssemester in Göteborg daher eine der schönsten Zeiten für mich bisher. Aufgrund der persönlichen Weiterentwicklung durch das Auslandssemester generell und der schönen Erfahrung im Ausland zu studieren, kann ich euch nur empfehlen, ein Auslandssemester in euer Studium zu integrieren und die Chance zu nutzen. Auch die Universität in Göteborg und das Leben dort bleiben mir positiv in Erinnerung, sodass ich nicht nur ein Auslandssemester im Allgemeinen, sondern auch eines in Göteborg nur weiterempfehlen kann.

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