Head of Grants and Partnerships at the MRC London Institute of Medical Sciences, United Kingdom

Almut has worked in science management for the past 10 years, both in the UK and Germany. She completed her PhD in Medical Ethics in 2007 (King’s College London) and is currently Head of Grants and Partnerships at the MRC London Institute of Medical Sciences.

Almut

Warum hast Du Dich entschieden, ins Wissenschaftsmanagement zu wechseln?

IMG_5907.jpgEigentlich war das keine Entscheidung von jetzt auf gleich, sondern eine langsame Annäherung. Nach meiner Promotion habe ich zunächst als ‚research fellow’ in einem Institut in Edinburgh gearbeitet. Das war kurze Zeit nachdem mit „Dolly“ zum ersten Mal ein Lebewesen geklont worden war. Ich war Teil eines kleinen Teams von Juristen, Sozialwissenschaftlern, Philosophen und Naturwissenschaftlern, das sich mit den gesellschaftlichen Auswirkungen der Genomforschung beschäftigte. Unter anderem organisierten wir Veranstaltungen, die den Gedankenaustausch zwischen Wissenschaft, Bürgern, und politischen Entscheidungsträgern fördern sollten. Nach ein paar Jahren in Edinburgh zog ich mit meinem Mann und unserer damals 5-jährigen Tochter nach Berlin zurück. Wissenschaftliche Stellen im Bereich der Medizingeschichte/Theorie waren in Berlin kaum vorhanden; mein Lehrauftrag für Medizinstudenten war unentgeltlich. So bewarb ich mich auf andere Stellen im ‚Wissenschaftsbetrieb’ und fing als wissenschaftliche Referentin in einem Grundlageninstitut an. Mein erster Arbeitstag war die „Lange Nacht der Wissenschaften“, wo mich ein dicker Katalog an Vorträgen, Laborführungen und Veranstaltungen für Kinder erwartete. Zwei Jahre später hätte ich eine Stelle in der Wissenschaftsgeschichte antreten können und habe mich für’s Wissenschaftsmanagement entschieden – und es bis heute nicht bereut.

Was findest Du besonders spannend an diesem Tätigkeitsbereich und wo liegen die Herausforderungen?

Für mich steht Kommunikation an erster Stelle, schriftlich wie mündlich, und beides macht mir gleichermaßen Spaß. Wenn es gut läuft und man die richtige Stelle erwischt hat, finde ich es besonders spannend, dass man einerseits den direkten Austausch mit den Wissenschaftlern aus aller Welt hat, aber gleichzeitig mit den politischen Entscheidungsträgern, wissenschaftlichen Interessensvertretungen und der Öffentlichkeit im Austausch steht und damit die wissenschaftlichen Rahmenbedingungen wirklich mit beeinflussen kann und versteht, wie Entscheidungen getroffen werden. Ich habe viel über den Wissenschaftsbetrieb gelernt. Gleichzeitig ist das Wissenschaftsmanagement ein so vielfältiges und internationales Berufsgebiet, in dem man vieles ausprobieren und sich dann auf Stellen bewerben kann, die den eigenen Stärken besonders entsprechen – in Deutschland oder im Ausland, auch außerhalb Europas.

Die größte Herausforderung ist, dass man zwar viel Verantwortung übernimmt und in der Regel sehr selbständig arbeiten kann, aber am Ende von den Letztentscheidungen anderer abhängig ist. Für Netzwerkanträge arbeite ich mit Wissenschaftlern zusammen, entwickele eine Strategie und berate sie, aber selbstverständlich müssen sie meinen Rat nicht annehmen bzw. müssen ihm nicht folgen. Wenn etwas gut läuft, ist’s der Erfolg der Wissenschaftler, nicht meiner. Als Wissenschaftsmanager stehe ich im Hintergrund. Wie ein Kollege sagte: „Du bist dann am besten, wenn Du am wenigsten gesehen wirst.“

Erfolg ist selten nur der eigene – auch in anderen Berufen – aber im Wissenschaftsmanagement ist es besonders schwierig, den eigenen Anteil an einem erfolgreichen Projekt zu benennen, Kollegen oder dem Chef gegenüber und nach außen zu vermitteln oder ganz einfach zufrieden mit der eigenen Leistung zu sein.

Vielen Studierenden fällt es schwer, zu entscheiden, wo die Reise hingehen soll. Hast Du einen Tipp, wie man seinen beruflichen Weg findet? Was würdest Du Studierenden raten, die ebenfalls überlegen, eine Karriere im Wissenschaftsmanagement anzustreben?

Wenn möglich würde ich schon während dem Studium oder der Promotion in verschiedene Bereiche außerhalb des Labors reinschnuppern. Man kann bei wissenschaftlichen Veranstaltungen mitmachen, und sehen, ob einem die Öffentlichkeitsarbeit liegt, ob man gerne organisiert und kommuniziert. Noch wichtiger ist es aber beinahe, dass wir uns nach dem Studium oder der Promotion einfach ein paar Jahre Zeit geben, verschiedene Bereiche auszuprobieren: die erste Stelle muss nicht gleich die fürs Leben sein! Ein Institutsleiter meinte einmal: „Als Referentin sind Sie in der Ausbildung. Suchen Sie sich nach zwei Jahren unbedingt eine neue Stelle.“ Da ist sicherlich etwas dran. In anderen Berufen gibt es ein zweijähriges Volontariat oder Referendariat, so ähnlich sollten wir unsere ersten Stellen auch sehen. Und wenn man nach zwei Jahren im Wissenschaftsmanagement oder in einem wissenschaftlichen Verlag das Labor zu sehr vermisst, ist es gar nicht unmöglich, wieder in die Wissenschaft zurück zu gehen. Ein Gruppenleiter meinte zu mir, dass man in den zwei Jahren außerhalb des Labors etwas gelernt haben kann, dass der Forschungsgruppe weiterhelfen kann. Umgekehrt kann es auch von Vorteil sein, erst einmal noch ein paar Jahre als Postdoc zu arbeiten, bevor man sich fürs Wissenschaftsmanagement entscheidet. In den ersten Jahren ist die Durchlässigkeit in beide Richtungen sehr viel grösser, als man sich das vielleicht vorstellt.

Gab es besondere Schwierigkeiten oder Hürden in Deinem Berufsweg?

Aus familiären Gründen bin ich mehrfach zwischen Deutschland und Großbritannien umgezogen. Der Wechsel zwischen den Ländern und zwischen den Unisystemen ist mit Schwierigkeiten verbunden, weil sich bei Bewerbungen nicht immer sofort die Bedeutung einer Aufgabe erschließt. Außerdem baut man jedes Mal vor Ort Netzwerke auf, die man eigentlich bei einem Stellenwechsel gut gebrauchen könnte – und am neuen Ort erst einmal noch nicht hat.

Findest Du es schwer, ein gutes Verhältnis zwischen beruflicher und privater Entwicklung zu erreichen? Wie gelingt für Dich eine gute Work-Life-Balance?

Ja, das ist immer wieder eine neue Herausforderung, auch weil es mir nicht so leicht fällt abzuschalten. Flexibilität und Vertrauen stehen für mich an erster Stelle. Flexibilität von beiden Seiten, das heißt zum Beispiel auch einmal etwas abends oder am Wochenende zu erledigen, und das Vertrauen von Arbeitgeberseite, dass ich meine Aufgaben selbständig und zuverlässig zum Termin erledige, auch wenn ich mir einmal einen Nachmittag frei nehmen musste.

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