Unvergessliche Erfahrungen im Land von Caos, Cachaça e Citometria

Lisanne hat über das DAAD-geförderte Programm UNIBRAL an unserer Partneruniversität der Universidade de Sao Paulo in Brasilien studiert. Hier könnt ihr lesen, was sie in dieser Zeit erlebt hat.

Lisanne

Wissenschaftlich:

Ich habe mein Auslandssemester im Labor von Professorin Silvia Boscardín absolviert. Ihr Labor beschäftigt sich unter anderem damit, Impfungen gegen Malaria und die Viren Zika und Dengue zu entwickeln. Dazu verwenden sie Antikörper, die spezifisch an bestimmte dendritische Ziellinien binden. An die konstante Region ihrer schweren Kette, wird ein von Parasiten abgeleitetes Epitop fusioniert, sodass ein chimärer Antikörper entsteht. Damit werden im weiteren Verlauf Mäuse immunisiert. Die Idee hinter diesem Ansatz ist, dass das Antigen (Epitop) in räumliche Nähe zu den Antigenpräsentierenden Zellen (hier dendritische Zellen) gebracht wird und somit die humorale und zelluläre Immunantwort effektiver induziert werden kann. Da ich möglichst viele Methoden erlernen wollte, bekam ich neben meinem eigenen Proje

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Mein Labor hat mir sogar eine kleine Geburtstagsparty geschmissen

kt, die Chance den Doktoranden und Studenten über die Schulter zu schauen und ihnen zu helfen. So bekam ich einen Einblick in alle Versuche, die derzeit bearbeitet wurden. Neben heterologer Proteinexpression und -Aufreinigung, erlernte ich das Arbeiten mit Zellkulturen und Mausmodellen, sowie immunologische Essays (ELISA, ELISpot, ICS, CFSE). Außerdem, konnte ich erste Erfahrungen mit der Analyse von Immunantworten mit Hilfe der Durchflusszytometrie erlangen. Außerdem war der Ausflug in das Amazonas Gebiet Acre eine einmalige Erfahrung, die mir in Deutschland so niemals geboten werden könnte. Die Betreuung war ebenfalls hervorragend, auch wenn die Kommunikation manchmal etwas beschwerlich war. Die Professorin und der Koordinator vor Ort waren stets persönlich zu erreichen und nahmen sich immer Zeit für meine Fragen.

Privat:

Im Privaten fand ich viele neue Freunde und lernte mir unbekannte Kulturen kennen. Da ich zuvor ein halbes Jahr in Spanien gelebt habe, konnte ich dank meiner Spanischkenntnisse, bedeutend besser mit Peruanern und Kolumbianern in Kontakt kommen, als mit den Brasilianern. Dies bringt mich zu meiner einzigen „schlechten“ Erfahrung, nämlich der Sprachbarriere.

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Kolumbianische Arepa

Ich empfehle also jedem vor seinem Auslandsaufenthalt mindestens einen A1 Kurs der Landessprache zu belegen. Dies erleichtert den Alltag ungemein und bringt mehr Möglichkeiten seinen Auslandsaufenthalt zu genießen (wissenschaftlich, wie privat). Trotz alledem gelang es mir meine Grundkenntnisse im Portugiesischen zu festigen. Ich kann jetzt sogar fließend einen Caipirinha bestellen J. Auch die südamerikanische Küche kam nicht zu kurz. Dank zahlreichen internationalen Kochabenden wurden kolumbianische Arepas und Empanadas, sowie die Kalorienbombe „Salchipapa“ (frittierte Würstchen, Fleisch, Pommes und ein Spiegelei unter einer Haube von Mayo und Ketchup) aus dem schönen Peru kredenzt. Außerdem kann ich sagen, dass nahezu alle Vorurteile, die mir von Freunden und Eltern (und natürlich auch von mir) mit auf den Weg gegeben wurden, nicht bestätigt wurden. Natürlich ist São Paulo eine unübersichtliche Großstadt mit gefährlichen Stadtteilen, aber selbst ich als Blondine konnte hier sehr gut leben.

Reisen:

An den Wochenenden ging es dann häufig auf Tages- oder Wochenendtrips an die nahegelegenen Strände und auf die kleinen Inseln vor der Küste – auch Rio de Janeiro,

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Blick auf das Meer von São Paulo – Stadt soweit das Auge reicht

Curitiba und Florianópolis wurde ein Besuch abgestattet. Dort konnte man Land und Leute noch einmal besser kennen lernen und interessante Unterschiede feststellen. Die Paulistaner (Einwohner von São Paulo) und die Cairiocas (Einwohner von Rio) beispielsweise sprechen so unterschiedliche Dialekte, dass ich in Rio zunächst dreimal nachfragen musste um sie zu verstehen. Es ist ungefähr vergleichbar mit Bayrisch und Sächsisch – keine Chance also. Das ganze Land ist total bunt und verrückt. Es gibt keinen Stereotypen, oder einen typischen Brasilianer. Das ist etwas was ich sehr an Brasilien mag. Doch auch São Paulo hat einiges zu bieten. Dies wird beim Blick vom ersten Wolkenkratzer der Stadt, dem Martinelli-Building, annähernd sichtbar.

Fazit:

Das UNIBRAL Programm ist ein sehr gut organisiertes Austauschprojekt mit einer der renommiertesten Universitäten Südamerikas. Es bietet verschiedenste Möglichkeiten im Bereich der Biomedizin an sehr interessanten und top aktuellen Themen, wie Zika, Malaria und Dengue zu forschen und wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Das Leben in dieser 20 Millionen Stadt ist ebenfalls eine einzigartige Chance, um internationale Freunde zu finden, andere Kulturen kennen zu lernen und das eigene Land auch ein bisschen schätzen zu lernen.

In diesem Sinne, geht es für mich jetzt zurück nach Deutschland (zugegeben nach einer drei monatigen Reise durch den Rest von Südamerika – meine Reiselust war wohl doch noch nicht ganz gestillt)

 

Até mais,

Lisanne

 

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