Mit ERASMUS in Turku, Finnland

Theresa Klein-Raufhake

Finnland ist ein junges Land. Vielleicht gerade deshalb sind die Menschen hier urtümlicher, ruhiger, bedachter und leben näher an und mit der Natur. Die Luft ist klar, mehr Freiraum durch die geringe Bevölkerungsdichte, jeder Finne hat ein Summercottage mit Sauna, das Jedermanns Recht, Lagerfeuer, weiche Moospolster, Flechten, Seen und Beeren.

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Wandern in Lappland (September)

Es hat mir so gut in Turku gefallen, dass ich meinen Aufenthalt, der ursprünglich nur von August bis Dezember gegangen wäre, um 2 Monate verlängert habe. Ich habe mich in Land und Leute verliebt, gerne wäre ich sogar noch länger geblieben. Wenn man aber im 5. Semester geht, muss man spätestens zum Projektmodul Anfang März wieder zurück in Münster sein. Sicher ist: ich gehe zurück.

Summerschool

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Ausflug im Rahmen der Summerschool

Ich bin schon am 3. August nach Finnland geflogen, da ich mich für die Summerschool angemeldet hatte. Weil dort ein Finnisch-Kurs mitinbegriffen war, habe ich für August auch schon ERASMUS Gelder beziehen können. Außerdem gab es Kurse in Finnish Culture, Finnish Social Development und Finnish History. Werktags hat man von morgens bis mittags in einer kleinen Klasse mit internationalen Studenten aus aller Welt die verschiedenen Kurse (man kann auch nur selektiv Kurse anwählen) und nachmittags gab es von Mo-Sa ein organisiertes Freizeitprogramm (Kanu fahren, Wandern im Nationalpark, Trips ins Archipelago, International Dinner u.v.m.). Die Teilanhme an der Summerschool kann ich bedingungslos jedem empfehlen. Durch meinen Summerschool-Tutor lernte ich an meinem ersten Tag in Finnland schon alle Leute kennen, die mich durch die nächsten 7 Monate begleiteten und die dort zu meinen engsten Freunden wurden.

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Mit einem Lagerfeuer am See wird traditioneller Weise (Mid)Sommer gefeiert

Ganz ab von der Summerschool solltet ihr so oder so schon im August nach Finnland kommen: Die Tage sind ewig lang, die Sonne geht erst gegen 11 unter, Sommerurlaubstemperaturen (es war hier sogar wärmer als in Deutschland), das Meer vor der Nase, etliche Seen zum reinhüpfen und Hochsaison der Beeren.

 

 

Orientierungswoche

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Am Nordkapp, Norwegen

Das Semester In Turku beginnt im b September, die obligatorischen Orientierungstage sind aber schon in der letzten Augustwoche. Spätestens dann sollte man also anreisen. Es wird einem alles erklärt und man hat die Möglichkeit auf Partys, Veranstaltungen und Events die anderen Austauschstudenten kennenzulernen. Wer die O-Woche hier in Münster genossen hat, dem werden die Orientierungstage in Turku sicher gut gefallen.

 

Studium

Der Link führt zu einer Liste mit allen Kursen, die in Englisch angeboten werden. Die meisten davon sind MSc. Kurse, die kann man aber auch als BSc. Student belegen. Ich selber hatte ausschließlich Kurse des dort recht großen Fachbereichs Ökologie angewählt (Tropical Ecology, Geographical Plant Ecology, Population Estimation and Monitoring Methodology, Conservation Biology).

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In Närpes gibt es die höchste Dichte an Gewächshäusern Finnlands; von deren Licht sind die Nächte dort gemütlich orange eingefärbt.

Da Finnland neben Finnisch auch Schwedisch als 2. anerkannte Amtssprache hat, gibt es in Turku neben der finnischen University of Turku – Turun yliopisto auch die schwedische Åbo Akademi. Beide Unis teilen sich das gleiche Gelände und es ist Studenten erlaubt Kurse beider Unis zu belegen. Die Partnerschaft von Münster ist mit der finnischen Uni, primär ist man also erst einmal dort und um Kurse an der schwedischen Uni anzuwählen, muss man das mit dem International Office in Turku abklären. Ich selber hatte Kurse an beiden Unis. Da müsst ihr einfach mal schauen, was euch von deren Angebot so anspricht.

Die Universitätsdirektorin hat bei der Einführungsveranstaltung während der Orientierungswoche zu uns gesagt „We professors see you students as collegues, you are just a bit younger“. So sieht dann auch die Atmosphäre in den Kursen sehr viel familiärer, persönlicher und ungehemmter aus, als hier in Münster. Auch deshalb, weil die Kurse generell viel kleiner sind:  oft nur 15-20 Leute stark.  Man hat als Student sehr viel mehr Freiheiten, darf Kurse aus allen Fachbereichen anwählen und es gibt auch keinen strikt vorgegebenen Studiumsverlaufplan. Ich hatte nur in einem meiner Kurse eine Abschlussklausur, ansonsten musste ich Essays und Reporte schreiben, Präsentationen und sogar Vorlesungen geben, die dann bewertet wurden.

 Wohnen

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Fluss Aura fließt direkt am Student Village vorbei.

Ich habe im Student Village gewohnt. Dort hatte ich ein 17m2 Apartment mit eigenem kleinen Bad und einer Gemeinschaftsküche, die ich mir mit meinen 11 internationalen Flurnachbarn geteilt habe. Der Vorteil hier ist die Lage: das Student Village liegt direkt neben dem Universitätsgelände und man kann alles schnell fußläufig oder mit dem Rad erreichen. Mit dem Rad ist man in 10 Minuten in der Innenstadt und in 5 Minuten an der Uni.

Ein Zimmer bei Retrodorm ist ein bisschen günstiger, man hat aber keine eigene Dusche und es ist auch ein bisschen weiter weg.

Da es tendenziell mehr Studenten als freie Wohnungen gibt, sollte man sich sowohl bei TYS, als auch bei Retrodorm so schnell wie möglich um ein Zimmer bewerben. Am besten sobald die Anmeldung möglich ist.

Da mein Vertrag mit TYS im Dezember ausgelaufen ist, habe ich für Januar und Februar über die Facebookgruppe Zimmer zur Zwischenmiete finden können. Schaut mal rein, da sind wirklich die meisten Angebote zu finden.

Sprache

Trotzdem ich an 2 Finnisch-Kursen teilgenommen habe, bin ich nicht über die einfachen Basics hinausgekommen. Finnisch zu lernen ist eine Lebensaufgabe und das gelehrte Finnisch hat auch leider kaum etwas mit dem Gesprochenen zu tun. Hauptproblem war wohl auch, dass ich es im Privaten nicht angewandt habe. Obwohl viele meiner Freunde Finnen sind, gehören sie doch alle zu der schwedisch sprechenden Minderheit. Wenn ihr statt Finnisch-Frust ein sicheres Erfolgserlebnis haben wollt, lernt lieber Schwedisch. Das ist so nah am Deutschen, da haben wir es wirklich einfach. Mit gutem Willen und finnischen Freunden ist es aber durchaus möglich: meine amerikanische Freundin Alex wohnte in einer finnischen Familie und sprach nach 7 Monaten schon beeindruckend gut. Im Endeffekt müsst ihr aber weder Finnisch noch Schwedisch können, um in Turku zu überleben. Fast jeder spricht exzellentes Englisch.

 

Freizeit

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Zelten im September, Lappland

Wenn euch nach Natur und Wandern ist, ist Finnland genau das richtige Land. Etliche Nationalparks, Seen, das Meer, Lappland und obwohl das Land ja für seine Flachheit bekannt ist, gibt es gen Norden auch ein paar Berge zu erklimmen.

Wenn ihr darauf Lust habt, könnt ihr an organisierten Trips wie z.B. nach Stockholm, Oslo, Thallin, oder St. Petersburg teilnehmen. Da ist man in riesigen Trupps unterwegs, hat eine Menge Programm und bleibt unter Austauschstudenten, von denen die Mehrheit Deutsche sind. Das vom ESN organisierte Programm (neben Trips auch diverse Partys und andere Veranstaltungen) ist unter ERASMUS Studenten sehr beliebt, man lernt eine Menge Internationaler kennen, allerdings nicht die Finnen selbst.

Ich selber bin mit Freunden privat viel rumgedüst, mit dem Auto nach Lappland und hoch bis zum Nordkapp nach Norwegen und Couchsurfend durch Stockholm.

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Zelten im Dezember, Nationalpark im Osten Finnlands

Aber auch in Turku selbst kann man eine Menge machen. Gegen eine einmalige Hochschulsportgebühr von ca. 45€ darf man an allen angebotenen Kursen über das gesamte Semester hinweg teilnehmen, es gibt eine Kletterhalle direkt neben dem Unigelände und mehrere schöne zentrale Parks, in denen man auch Sport machen kann.

Wie Münster ist auch Turku eine richtige Studentenstadt. Im August und September fanden viele Open Air Veranstaltungen, Festivals und Konzerte statt und auch generell gibt es ein breites Kulturangebot. An Bars und Discotheken ist auch für jeden etwas dabei.

Und natürlich Sauna. Sogar das alte 60er Jahre Student Village Gebäude, in dem ich gewohnt habe, hat eine eigene unterm Dach. Bei mehr Saunen als Haushalten in Finnland kein Wunder. Geht man mit Finnen in die Sauna, kann das gut ein Prozedere von mehreren Stunden werden. Je nach Jahreszeit wird sich dann durch Schwimmen im Meer/ See, Schneeengel machen, oder „Avanto“ (Eisschwimmen) zwischen den Saunagängen abgekühlt.

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Abkürzung über einen eingefrorenen See

Fazit

Worauf wartet ihr?

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