Weihnachten im brasilianischen Dschungel

Für all diejenigen (Bio-)Studierenden, denen das europäische Ausland für ein Auslandssemester (oder zwei) zu nah an der Heimat oder zu  wenig exotisch ist, bietet der Fachbereich Biologie eine perfekte Alternative: Gefördert vom Deutschen Akademischen Austauschdienst, bietet das Programm UNIBRAL Biologiestudierenden finanzielle Unterstützung für einen Auslandsaufenthalt in Brasilien. Der brasilianische Partner ist das Institute of Biomedical Sciences der Universidade de São Paulo. Aktuell studieren und leben vier WWU-Studenten in der größten Stadt Brasiliens. Drei von ihnen, Marius Zimmermann, Carlo Fischer und Thomas Müntefering, haben ihre Eindrücke vom Studium, der Kultur und des Lebens in Brasilien aufgeschrieben.

dsc01849
Weihnachten mal ganz anders: Die münsterschen Studenten Marius, Carlo, Björn und Thomas im brasilianischen Dschungel

Thomas Müntefering

Riesig! Das war mein erster Eindruck beim Landeanflug auf die 20-Millionen-Metropole São Paulo. Was hatte mich und drei weitere Masterstudierende vom Fachbereich Biologie zur größten Universität Lateinamerikas, der Universidade de São Paulo, getrieben? Ein Mix aus Neugier und Lust auf eine exotische Auslandserfahrung im beruflichen wie im privaten Sinn. Dass uns der deutschsprachige Professor, der uns betreut, persönlich vom Flughafen abholte, spiegelt die enge Beziehung zwischen Studierenden und Professoren wider. Gerade bei Hindernissen wie der Sprache oder bei den komplizierten Visums-Angelegenheiten in São Paulo standen uns die am Programm beteiligten Professoren stets persönlich zur Seite. Das Studium ist für uns ähnlich modular in Englisch aufgebaut wie an der WWU. Zusammen mit meinem Betreuer erforsche ich mittels Nanopartikeln hauptsächlich Impfstrategien gegen Malaria und Krebs. Neben dem Studium finden wir auch Zeit zum Reisen. So verbrachten wir Weihnachten am Strand in Ubatuba. Weihnachten nicht zu Hause bei meiner Familie zu sein, war für mich durch meinen Nebenjob als Krankenpflger neben dem Studium nichts Neues. Jedoch fehlte bei eiskaltem Bier und 35 Grad Celsius unter Palmen einiges, um in Weihnachtsstimmung zu kommen. Aber das Beisammensein mit Freunden und Familie, Geschenken, Glühwein bei kalten Temperaturen kann ich ja vielleicht Anfang März nach meiner Rückkehr nach Deutschland nachholen.

 

Carlo Fischer

Auch wenn man nicht von Kulturschock sprechen kann, so unterscheidet sich das alltägliche Leben in São Paulo sehr von dem in Münster. Während in Münster alles gut per Fahrrad zu erreichen ist, sieht das in São Paulo anders aus. Insbesondere außerhalb des Campus sind die Distanzen enorm, und das öffentliche Verkehrsnetz ist chaotisch. Wir vier hatten das Glück, São Paulo im Sommer kennenzulernen. Für Tripps ans Meer war das klasse. Mein persönliches Highlight war unser gemeinsamer Surfurlaub in Ubatuba. Maximaltemperaturen von über 30 Grad Celsius sind normal, aber nicht immer angenehm. Etwas nervig waren die Stromausfälle bei starkem Regen, denn Sommerzeit heißt hier auch Regenzeit. Berühmt sind brasilianische Churrascos (Grillfeste) die mehrere Stunden dauern. Dort lernt man viele Leute kennen und erlebt, warum die Brasilianer als offen und gesellig gelten. Nebenbei gibt es ausgezeichnetes Fleisch vom Grill. Auch in der
Uni wurden wir warmherzig aufgenommen. Ein besonderes Erlebnis war für mich die Teilnahme an einer Feldstudie. Bei der Studie werden Siedler in entlegenen Gebieten im Staat Amazonas besucht und Blutproben genommen. Ziel ist es, Malaria-Fälle zu kartieren. Das war wirklich ein einmaliges Erlebnis. Wir wurden sehr freundlich und ohne Skepsis empfangen. Auch ich als Deutscher, der kaum ein Wort Portugiesisch sprach.

Marius Zimmermann

Waren wir bei der Einreise am Flughafen noch erstaunt, dass niemand Englisch versteht, folgte die noch größere Überraschung bei der Registrierung für das Visum. Die zuständige Bundespolizei hat zwar eigens eine Abteilung für Visumsanträge von Ausländern, Angestellte mit entsprechenden Englischkenntnissensucht man hier jedoch vergebens. Man sollte also jemanden dabei haben, der Portugiesisch spricht. Das ist auch im restlichen Leben hilfreich, da man als Deutscher in Brasilien relativ schnell auffällt und deshalb das Interesse der Straßenverkäufer weckt. Über diese unliebsamen Kleinigkeiten lässt sich gut hinwegblicken, sobald man etwas tiefer in die brasilianische Kultur eintaucht und ein Gefühl für die Lebenseinstellung bekommt. Eines der grundlegenden Elemente brasilianischer Kultur ist die Musik. Fast in jeder Bar gibt es Live-Musik und Menschen allen Alters bevölkern die ,Tanzfläche. Die ausgelassene Stimmung ist ansteckend und überträgt sich auch auf andere Lebensbereiche. Die meisten Brasilianer sind durchgehend freundlich, hilfsbereit und gut gelaunt, sodass trotz sprachlicher Barrieren ein freundliches Zusammensein kein Problem ist. Es ist eine tolle Erfahrung, und es macht mir großen Spaß, in
einer solchen Kultur zu leben.
brasilianische Weihnachten
 –
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s